Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. jbiocd ö 'ütilocDenscDnu. Nr. 10 Seite 172 Skandal im Jassyer Nationaltheater Im Jassyer Nationaltheater war unlängst die Vorstellung des Stückes „Manaffe" angesagt, und schon um halb 9 Uhr abends war der Saal des Theaters von einem sehr zahlreichen Publikuni gefüllt. Als die Vorstellung begann, wurden aus verschiedenen Teilen des Saales gellende Pfiffe laut, die von den bei der Vorstellung anwesenden Studenten ausgestoßen wurden, so daß man den Vorhang fallen ließ, bis wieder Ruhe cintrat. Bei jedem Aktschluffe erneuerte sich der Spektakel mit immer größerer Wut, während ein anderer Teil des Publikums gegen die Zischenden protestierte und dem Stücke sowie dem Verfasser desselben enthufiastische Kundgebungen brachte. Am Schluffe des 3. Aktes, als der Verfaffer des Stückes, Herr Ronetti Roman, auf stürmisches Verlangen eines Teiles des Publikums vor der Rampe erschien, um zu danken, nahm der Skandal ungeheure Dimensionen an. Der Skandal dauerte bis zum Schluffe der Vorstellung, worauf sich das Publikum in aller Ruhe entfernte. Mit Graziadio Jsaia Aseoli, der am 21. Jänner in Mailand im Alter von 77 Jahren gestorben ist, verliert die Wiffenschaft der vergleichenden Sprachforschung einen ihrer scharfsinnigsten und vielseitigsten Vertreter, Italien einen seinen berühmtesten, auch im Auslande bekanntesten und anerkanntesten Gelehrten. Geboren am 16. Juli 1829 in Görz, von israelitischen Eltern, war er ursprünglich für den Kaufmannsstand bestimmt, wandte sich aber schon sehr früh dem Studium der Sprachwiffenschaft zu und brachte es auf autodidaktischem Wege durch Energie und Fleiß dahin, daß er bereits im 16. Lebensjahre eine Auffehen erregende Arbeit über die Verwandtschaft des walachischen Dialekts mit dem von Friaul veröffentlichen konnte. Er befestigte seinen wissenschaftlichen Ruf durch das bedeutende Werk „Ltudii orientali e linguistici“ (1854 ff.), eine Sammlung von sprachwiffenschaftlichen Abhandlungen, die manche originelle und beachtenswerte Ansicht aussprechen : u. a. behauptet er das Vorhandensein zahlreicher semitischer Elemente im Etruskischen. Dieses Werk, das die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf den jugendlichen Sprachforscher lenkte, trug ihm 1860 die Berufung auf den Lehrstuhl der Sprachwissenschaft an der Academia scientifico-letteraria in Mailand ein, deren Präsident er später wurde und an der er eine ebenso umfassende als einflußreiche Lehrtätigkeit ausübte. Ascoli hat das Interesse für Sanskrit und Sprachvergleichung, für romanische Philologie und für tiefere wissenschaftliche Erkenntnis des Sprachgeistes in Italien wirksam und nachhaltig gefördert, eine große Anzahl der namhaftesten jüngeren Sprachforscher seines Landes, wie Morosi, Giussani, Dall'Oca, Gubernatis u. a. find aus seiner Schule hervorgegangen. 1888 ehrte die italienische Regierung seine Verdienste durch Ernennung zum Senator des Königreiches. Im Jahre 1902 trat er von seinem akademischen Lehramt zurück. Die Zahl seiner wissenschaftlichen Publikationen ist sehr bedeutend. Die meisten davon haben auch im Auslande, speziell bei den deutschen Fachgenossen, rückhaltlose Anerkennung gefunden und ihm namentlich den Ruf eines der ersten Kenner der romanischen Mundarten und des Lautwandels in den indogermanischen Sprachen verschafft. Ascoli war Mitglied fast aller wichtigeren gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes, so korrespondierendes Mitglied der Berliner Akademie der Wiffenschaften, der Acaddmie des Inscriptions et des Belleslettres u. a. Vor wenigen Jahren wurde er auch zum Ritter der Friedensklaffe des preußischen Ordens Ponr le mörite ernannt. Vermischtes. Krauzablösungsipeuden zugunstenderChewra-Kadischa in Wie« I., Seltenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Schuschny: Direktor H. Schuschny X 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalia Klein: Karl Klein X 25.—, Karl und Sofie Stapler 15.—, Rosalia Deutsch K10.—, Dr. Gabriel Klein, Bisenz X 10.—. Zusammen X 60.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Friedrich Stiebt Em. Feuerstein X 20.— , Dr. Leopold und Anna Berg X 50.—, Heinrich Heller, Prag L 20.— , Josef Heller und Frau X 20.—, Oskar und Bukowits und Frau X 20.—. Zusammen X 130.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Eduard Ritter von Portheim: Leopold Löwy X 40. -. Anläßlich des Ablebens des sel. Philipp Stern: Salo Stern X 20.—, Emanuel und Hona Taußig X 20.—, Moritz Stern X 10.—, Gottfried und Mizzi Taußig X 10, Philipp und Auguste Koranyi X 10. , Otto Taußig X 5.—. Zusammen 75. . Anläßlich des Ablebens der sel. Emilie Wender: Wilhelm und Elise Schumann X 15.—, Salomon Simon 40.—, Henriette Rottenberg und Tochter X 25.—, Dr. T. T. und Frau X 20.—, Paul Rottenberg, Braila X 20 —. Zusammen X 120.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Sigmund Zins: Fanny Freund X 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ernst Neurath: Friedrich Berl X 10.—, Richard Löwy X 10.-, Rudolf Weinwurm X 10.—, Antal Neurath X 20.—, Sigmund Planer X 10.—.'Zusammen X 60.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Moriz Brüll: Gottlieb Schnabel X 20.—, Rudolf Glas X 20.—, Gustav Mautner 10.—, Dr. Transchiner X 10.—, Heinrich Wiedmann X 30.—. Zusammen X 90.-. Wien. (Verlobung.) Am 28. Februar verlobte sich Fräulein Hedwig G a h r, Tochter des Herrn Rudolf Gahr, mit Herrn Emil Schön, Korrespondent der Firma H. Schwitzer & Söhne, Wien. Wien. (Trauung.) Am 10. März, nachmittags 3 Uhr, findet im Tempel VH!., Neudeggergasse, die Trauung des Fräuleins Elsa Guttmann mit Herrn Sigmund Einöhrl statt. Die Braut ist die Tochter des Fabrikanten Herrn Leopold Guttmann, ehemaligen 1. Vizepräsidenten und Obmanne des Baukomitees des Tempelbau-Vereines im VIII. Bezirke. Herr Guttmann ist außerdem Obmann des ersten israelitischen Rekonvaleszentenheimes für arme Frauen und Kinder, ferner Ehrenmitglied des Frauen-Wohltätigkeitsvereines im 8. Bezirk, sowie 1. Vizepräsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Die Vorstände der angeführten Korporationen werden bei der Trauung vertreten sein. Hofrat Professor Dr. Emil Zuckerkandl. Hofrat Professor Dr. Emil Zuckerkandl feierte am 5. d. M. sein 25jähriges Professorenkollegium. Am 5. März 1882 wurde er zum Ordinarius in Graz ernannt. Im Jahre 1888, nach dem Tode des Hofrates Langer, wurde er nach . Wien berufen. Hofrat Zuckerkandl vertritt die vergleichend ana- { komische Richtung in der Medizin, insbesondere die Anatomie der Sinnesorgane, der Mund- und der Nasenhöhle wurde durch ihn gefördert. In den letzten Jahren hat Hofrat Zuckerkandl durch Entdeckung eines neuen Organes, des nach ihm benannten Zuckerkandl'schen Organs in der menschlichen und tierischen Nebenniere, ein dunkles Gebiet der Physiologie dem Studium eröffnet. Der Jubilar, der wiederholt als Dekan der medizinischen Fakultät fungiert hat, erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit in den Kreisen der Studenten und Professoren. Georg Jellinek, Prorektor der Heidelberger Universität. Die zahlreichen Freunde Georg Jellineks werden mit Interesse und Genugtuung vernehmen, daß er an der Universität Heidelberg, an welcher er den Lehrstuhl Bluntschlis einnimmt, zum Rektor der Universität erwählt wurde. Die uns > vorliegende Meldung lautet: An Stelle Professor v. Lilienthals, der das Prorektorat aus Gesundheitsrücksichten ablehnen mußte, ist der Professor für Staatsrecht, Völkerrecht und -PHMk Gev heimer Hofrat Georg Jellinek für das nächste Studienjahr zum Prorektor der Universität Heidelberg gewählt worden. Belobte jüdische Lehrkräfte. Der k. k. Bezirksschulrat Wien, dessen Vorsitzender bekanntlich Dr. Karl Lueger ist, hat den jüdischen Lehrkräften Benjamin Planer und Leopold U l l m a n n für ihre eifrige und erfolgreiche erziehliche und unterrichtliche Tätigkeit die belobende Anerkennung ausgesprochen.