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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-08 · 10 (8.3.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Dr JBtocD ö TBUocDenscDrill, Seite 167 der Wissenschaften im Jahre 1904 erschienenen europäischen Übersetzungen aus dem Arabischen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ungefähr 500, die der hebräischen Uebersetzungen mit den etwas über 100 Seiten betragenden Nachträgen nicht weniger als 1200 enggedruckte Lexikonformatseiten. Doch nicht die Quantität, sondern die Qualität dieser Arbeit ist durchwegs klassisch zu nennen. Das Material, das in diesem Buche aufgestapelt ist, und die bewundernswerte Gelehrsamkeit, die hier aus allen möglichen Gebieten ausgeschöpft worden ist. steht nur vereinzelt da in der Geschichte menschlichen Wissens. Von welcher Tendenz aber dieses Buch geschrieben ist, gibt Steinschneider selber am Schlüsse seines Vorwortes an: Ich habe meine Forschungen zunächst für mich selbst angestellt; es hat stets Männer gegeben, welche das Forschen zu den selbstzwecklichen Tätigkeiten zählen, wie andere Menschen andere Genüsse. Ich schreibe auch zunächst für derartige Leser, womit ich diejenigen meine, welche Einzelnes darin aufsuchen werden und die ich auch „Fortlaufende" nennen könnte; auf kontinuierliche Leser ist dieses Buch nicht eingerichtet, auch n'cht auf viele Käufer, wie die kleine Auflage beweist, die ich auf eigene Kosten hergestellt habe. Und wehmütig klingt es dann am Schlüsse, wenn er sagt: der Abschied von diesem Buche, welches die größere Hälfte eines langen Lebens in Anspruch genommen, (Steinschneider sammelte bereits seit 1840) Materialien zu einem solchen Buche ist gewissermaßen ein Abschied vom Leben selbst, und jedes Ende mahnt uns daran, wie winzig der Einzelne der Gesamtheit gegenüber ist; aber gerade dieser Gedanke treibt uns zur Erforschung des Zusammenhanges zwischen dem Einen und dem All, welcher uns lehrt, daß das Unendliche im Endlichen auf-, nicht untergeht. Aber wahrlich für die zähe und selbstlos wirkende Kraft Steinschneiders war auch dieses Buch das Ende seiner Tätigkeit nicht. Denn neben vielen noch jetzt in den verschiedensten Zeitschriften fortlaufenden Artikeln hat er die Wissenschaft mit noch mehreren größeren Werken bescheert, von denen ich nur zwei erwähnen will: die Geschichtsliteratur der Juden, zwei Bände, von welchen der zweite, wie ich einer Notiz Steinschneiders in der letzten Nummer der „Hebräischen Bibliographie", Jahrgang X, Seite 158, entnehme, schon demnächst erscheinen dürfte und die Uidliotbeca arabico-judaica, Frankfurt a. M. 1902, von welch' letzterer ein gewiegter Kenner wie Brockelmann in den „Gött. Gel. Anzeigen" sagt, daß man es als die reifste Frucht eines an geistigen Erfolgen reichen Gelehrtenlebens bezeichnen darf. So habe ich Ihnen einen in Anbetracht des reichen Schaffens Steinschneiders allerdings nur recht dürftigen Ausschnitt geboten, aber auch dieser dürfte gezeigt haben, wie mächtig Steinschneider in die Speichen des wissenschaftlichen Rades eingegriffen hat. Und nimmt man dazu noch die zahllosen Werke anderer Autoren, die teils er selbst, teils aber seine Schriften angeregt haben, dann bekommt man erst recht einen Einblick in die überragende wissenschaftliche Bedeutung Steinschneiders. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, so unglaublich dies auch klingen mag, daß Steinschneider seine Arbeiten in sechs Sprachen, in deutscher, lateinischer, hebräischer, französischer, englischer und italienischer Sprache, dabei alle in einem blendenden Stile, geschrieben hat. Nicht mit Unrecht habe ich darum schon im Jahre 1895 in einem in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Artikel aus Anlaß des bevorstehenden 80. Geburtstages Steinschneiders sagen können, cs ist in den letzten dreißig Jahren kein streng wissenschaftliches Buch in unserer Disziplin erschienen, in welchem der Name Steinschneider nicht zumindest einmal erwähnt wäre. Dasselbe gilt auch, ja noch in gesteigertem Maße vom letzten Jahrzehnte. Dort in diesem meinen in der „Allgemeinen Zeitung rc." erschienenen Artikel habe ich in Anbetracht der Bedeutung Steinschneiders auch den Wunsch ausgesprochen, es möchten die wichtigsten, in den verschiedensten Zeitschriften und Büchern zerstreuten Artikel Steinschneiders in Sammelbändern vereinigt herausgegebcn werden. Mit Freuden darf ich heute mitteilen, daß dieser mein damals geäußerter Wunsch soeben in Erfüllung gegangen ist. Denn der bereits genannte Amerikaner Schiff und mit ihm andere amerikanische Förderer der Wissenschaft haben die Mittel bereitgestellt für den Druck dieser Bände und war der erste Band, wie mir Steinschneider mitgeteilt hat, bereits im Sommer unter der Presse und ist derselbe soeben erschienen. Die Sammlung ist auf acht starke Bände berechnet und soll die bedeutendsten Artikel Steinschneiders. 1400 an der Zahl, beinhalten. Die Ausgabe dieser Bände wird umso wertvoller sein, als dieselbe unter der Aufsicht meines Freundes, des sehr zuverlässigen H. Malther, Professors in Cincinnati, der ein fleißiger Schüler Steinschneiders war, steht. Ueberblicken wir nun diese große Fülle überragender Leistungen, die wohl ergänzt und berichtigt, niemals aber urngestoßen werden können, dann muß man sich unwillkürlich fragen, wie war es möglich, daß ein Mann, der, wenn er auch ein bis zum letzten Augenblicke wissenschaftlich voll ausgenütztes hohes Alter erreicht hat. eine solche Riesenarbeit zu bewältigen imstande war, zumal Steinschneider, der vom Jahre 1869 bis 1890 Leiter einer von der Berliner jüdischen Gemeinde erhaltenen Töchterschule und als Hilfsarbeiter an der königlichen Bibliothek auch anderen als wissenschaftlichen Verpflichtungen obliegen mußte! Die Gründe dafür lagen, wie ich bereits in meinem am 30. März v. I. im „Prager Tagblatt" zum neunzigjährigen Geburtstage Steinschneiders erschienenen Essay sagte: in einem überaus glücklichen Zusammentreffen hervorragender Eignungen: klassische Schulung, geniale Sprachenfähigkeit, bewundernswertes Gedächtnis, scharfer, kritischer Geist, ein nie erlahmender Fleiß und, was Wilhelm Scherer von Schiller sagt, gilt gewissermaßen auch von ihm: die Freundschaft hervorragender Männer, die unverbrüchliche Liebe einer edlen Frau von einfach»'m Herzen und, was noch mehr wert ist, als Glück in der Freundschaft und Ehe, die unverlierbare Hoheit der Seele. Wie lang er harrte, wie schwer er kämpfte, wie tief er sich beugte, bis ein Strahl des Glückes seine Stirne streifte; es blieb etwas unberührt in seinem Innern, das Flügel hatte und ihn sicher emportrug. Das erweist auch ein kwzer Blick auf sein von äußeren Mißerfolgen reiches Leben. Allerdings sind wir da auf die dürftigsten Daten angewiesen, und obschon ich durch volle sieben Jahre, davon die letzten drei fast täglich, das Glück hatte, in seinem Hause verkehren zu können und manchen Augenblick zur Ermittlung seines äußeren Lebensganges zu erspähen suchte, konnte ich doch nur recht wenig darüber erfahren. Offenbar war es neben der oft in materieller Not getränkten Vergangenheit auch seine große Bescheidenheit, die seine Persönlichke't ganz hinter seine wissenschaftliche Tätigkeit zurücktreten lassen wollte. Und so schreibt er denn auch im September des vorigen Jahres (abgedruckt in Nr. 4 der „H. B.") eine Antwort an Redakteure und Andere, welche seine Photographie und biographische Mitteilungen verlangen: Elftere besitze ich nicht, zum letzteren fehlt mir Zeit und Bedürfnis. Und so will ich denn das, was ich weiß, Ihnen hier in Kürze mitteilen. Steinschneider wurde am 30. März 1816 in Proßnitz als der Sohn eines armen, aber recht gelehrten Kultusbeamten geboren. In der Familie Steinschneiders war väterlicher-, als mütterli erseits große Gelehrsamkeit seit langem heimisch. Nach Absolvierung des Mittelschulpensums kam Steinschneider nach Prag, wo er als Hörer unserer Alma mater klassische Philologie, Geschichte, Aesthetik und Mufikwiffenschaften studiert hat. Von da ging er nach Wien, von dort im Jahre 1839 nach Leipzig, wo er ein Schüler Fleischers wurde. Von da ging er im Jahre 1842 wieder nach Prag, um ungefähr drei Jahre die Leitung einer hier bestehenden Töchterschule zu führen. Nachdem er sich inzwischen verheiratet hatte, ging er im Jahre 1845 nach Berlin, wo er in Leopold Zunz einen treuen Freund, dem er sich innig anschloß, gesunden hat. Im Jahre 1850, in welchem er von der Universität Leipzig den Titel eines Or. phil. honoris causa erhalten, überfiedelte er behufs Katalogisierung der Bodleianischen Schätze nach Oxford, kam im Jahre 1858 nach Berlin zurück, begründete da die

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