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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-08 · 10 (8.3.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 166 Dr. Llocd's Mocvenscvrm. Nr. 10 hat mit wenigen Ausnahmen alle in europäischen Bibliotheken vorhandenen hebräischen und sehr viele arabischen Handschriften durch Autopsie gekannt. Und wie gekannt! Man blättere, um nur ein Buch herauszugreifen, z. B. in seinem „Handbuch über die Literatur für hebräische Sprachkunde", in den Nachträgen hiezu, ganz besonders aber in den 21 Bänden seiner vom Jahre 1858 bis 1882 herausgegebenen, von ihm fast ganz allein ausgefüllten „Hebr. Bibliographie", die eine Fundgrube für alle möglichen wissenschaftlichen Disziplinen ist, und man wird begreifen, warum Steinschneider in der vordersten Reihe der Bibliographen überhaupt steht. Neben diesen bibliographischen Studien hat aber Steinschneider das eigentliche Ziel der Forschungen, von welchen er ausgegangen, die Literatur- und Kulturgeschichte des Mittelalters niemals aus dem Auge verloren. Im Gegenteil, je tiefer er in die ungeheuer vielen, namentlich handschriftlichen Literaturdenkmäler sich vertieft hat, umsomehr reifte in ihm der Gedanke, nachzuweisen, welch mächtigen Einfluß die arabische und hebräische Literatur des Mittelalters auf die abendländische Kultur geübt hat und wie wenig und wie falsch dies bis dahin gewürdigt worden ist. Namentlich suchte Steinschneider in genialer Weise an der Hand dieser Literaturen nachzuweisen, daß die geistige Entwicklung der einzelnen Kulturvölker nicht unabhängig von einander sich vollzogen hat, sondern durch gegenseitige Entlehnung und Förderung beftuchtet worden ist. Die Spuren dieser Wechselwirkungen mit so grandiosem Erfolgean der Hand dieser Literaturen nachgewiesen zu haben, gehört zu den großartig st en Lei st ungen, die Gelehrtenarbeit überhaupt geschaffen hat. Und wenn wir heute einen so tiefen Einblick in die Geschichte der jüdischen und arabischen Philosophie, in die pseudoaristotelische Literatur, in die Geschichte der Medizin, der Pharmakologie, der Mathematik, der Astrologie, der Astronomie, Sprachkunde, Folklore, Aberglauben bei Indern, Persern, Griechen, Arabern, Römern, Juden und noch verschiedenen anderen Kulturvölkern besitzen, wenn wir heute die Literaturen des vorderen Orientes besser denn je verstehen und würdigen lernten, so ist dies nicht zum geringen Teile den Schriften Steinschneiders zu danken, die ich jetzt in rascher Aufeinanderfolge in möglichster Kürze Ihnen vorführen will. Jbn Shahin und ibn Sinn, ein wertvoller Beitrag zur Literatur der Oneirokritik (ZDMG. B. 17). Ueber die Mondstationen (Naxatra) und das Buch Arcandam (ZDMG. Bd. 18) und zur Geschichte der Uebersetzvngen aus dem Indischen (nicht wie Berliner „Die Schriften des Dr. M. Steinschneider, zu seinem 70. Geburtstage usw.", Berlin 1886, p. 10 schreibt: Jüdischen) ins Arabische und ihres Einflusses auf die arabische Literatur, beides hochwichtige Beiträge zur Sternkunde bei Chinesen, Indern und Arabern, die letztere überdies noch ein überaus wichtiger Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte des europäischen Mittelalters überhaupt. Diese Arbeiten haben eine Menge Arbeiten anderer Autoren angeregt und nenne ich hier unter anderen nur die fleißige Arbeit Otto Loths über al-Linäi (Morg. Forschungen, p. 263 ff.). Der Artikel „Jüdische Typographie und Buchhandel" (gemeinsam mit D. Cassel) ist im XXVIII. und die bekannten Artikel über die verschiedenen Josefs find im XXXI. Bande der Ersch und Gruberischen Encyklopädie erschienen. Von den philosophischen Werken wäre ganz besonders hervorzuheben, das in den Llsrnoires äs 1'Acaäernie irnperals äs Sciences de St. Petersbourg, VIIe serie, tome XIII, Nr. 4 erschienene Werk „Alfarabi" des arabischen Philosophen Leben und Schriften. Mit besonderer Rücksicht auf die Geschichte der griechischen Wissenschaft unter den Arabern, nebst den Anhängen: Joh. Philoponus bei den Arabern; Darstellung der Philosophie Platos; Leben und Testament des Aristoteles von Ptolemaeus. St. Petersburg 1869. Dieses größtenteils nach handschriftlichen Quellen gearbeitete Werk, enthält das an der Hand des ersten Arabers, der die aristotelische Logik und Philosophie im Islam zur Geltung gebracht hat. neben erschöpfenden Nachweisen der an die griechische Wissenschaft sich anschließenden Erscheinungen der arabischen Literatur gleichzeitig eine Beleuchtung des Einflusses der orientalischen Literatur auf die occidentalische. Von den die Apokalyptik und die geheimen Wissenschaften behandelnden Werken nenne ich die Arbeiten: Apocalypsen mit polemischer Tendenz, Leipzig 1874/5 und zur pseudoepigraphischen Literatur, Berlin 1862, letztere eine ungemein gelehrte und scharfsinnige Arbeit, mit einer Fülle von Belegen aus hebräischen und arabischen Quellen. Die Kenntnis zur Geschichte der Medizin und Pharmakologie hat Steinschneider neben vielen kleineren Arbeiten, die in verschiedenen Zeitschriften, namentlich in Virchows Archiv für pathologische Anatomie und in Anhängen zu verschiedenen medizinischen Werken und seinen Katalogen erschienen sind, in folgenden größeren Arbeiten wesentlich gefördert; Donnolo. Ein Fragment des ältesten medizinischen Werkes in hebräischer Sprache, Berlin 1867;*) Gifte und ihre Heilung usw. mit der Einleitung: die toxikologischen Schriften der Araber bis Ende des 12. Jahrhunderts, größtenteils nach handschriftlichen Quellen, Berlin 1873; Heilmittelnamen der Araber, Frankfurt a. M. 1900. In dieser letzteren Arbeit werden an der Hand von Jbn Beithars Wörterbuche der „Simplicia", Gafikis „Verzeichnis einfacher Heilmittel" und Meinschneiders eigener Arbeit: Glossar z. d. Synonymen des Antidotarius, Berlin 1892, namentlich unsere Kenntnisse von der „materia medica“ bei den Arabern wesentlich gefördert. Von den mathematischen Schriften erwähne ich neben zahlreichen Abhandlungen, die in der vom Fürsten Boncompagnie herausgegebenen Zeitschrift: Intorno ad alcuni matematici del medio evo etc., im Bulletino di Bibliograph, e di Storia delle scienze matemat. et fisiche, in Narduccis K Buonaroti und in der Zeitschrift für Mathematik und Physik erschienen sind: Abraham Judaeus Savasorda und Jbn Esra; Zum speciiinm astronomicum des Albertus Magnus; Abraham Jbn Esra als Mathematiker; Etudes sur Zarkali, Rom, 1884; die „mittleren" Bücher der Araber und ihre Bearbeiter, Leipzig, 1865. In dieser Schrift weist Steinschneider den Ursprung dieser Bezeichnung, worunter die arabischen Schriftsteller eine Anzahl von mathematischen Schriften verstehen, die zwischen den Elementen des Euklid und dem Almagest des Ptolemaeus zu lesen seien, nach. Die Mathematik bei den Juden, Frankfurt a. M., 1901. Jüdische Mathematiker. Arabische Mathematiker. Alle 3 größere Arbeiten^ Die Literatur- und Kulturgeschichte erfuhr eine außerordentliche Förderung durch Steinschneiders „Polemische und apologetische Literatur in arabischer Sprache zwischen Muslimen, Christen und Juden nebst Anhängen verwandten Inhaltes", Leipzig, 1877. Christliche Hebraisten, Frankfurt a. M., 1901. Die italienische Literatur der Juden vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1901. Schach bei den Juden. Ein Beitrag zur Kultur- und Literaturgeschichte, Berlin, 1873. Außerdem eine Menge kritischer Editionen von Werken namentlich religions-philosophischen und ethischen Inhaltes. Doch alle diese Schriften, so hervorragend und meisterhaft dieselben auch sind, werden, so unglaublich dies auch erscheinen mag, von einem Werke überboten, das überall die höchste Bewunderung für Steinschneider und seine Gelehrsamkeit geweckt hat. Es ist dies die in mehreren Abteilungen erschienene Arbeit mit der Steinschneider eine von der Acadömie des Inscriptions im Jahre 1880 gestellte und im Jahre 1886 preisgekrönte, in französischer Sprachx geschriebene, dann ins Deutsche übersetzte Preisaufgabe über die Lieferung einer vollständigen und systematischen Bibliographie der hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters und der arabischen aus dem Griechischen, gelöst hat. Von diesen Abteilungen enthält die der arabischen Uebersetzungen aus dem Griechischen, samt den in den Berichten der Wiener Akademie *) Donnolo. Pharmakologische Fragmente aus dem 10. Jahrhundert, nebst Beiträgen zur Literatur der Calernitaiier .... nebst Constantinus Africanus und seine arabischen Quellen.

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