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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-08 · 10 (8.3.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Dlocv's Mocbenscbrttt. Seite 165 Gallische Kch«t-Gnq«Hte der „Israelitischen Allianz". Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" hat in Erwägung, daß sich die wirtschaftliche Lage unserer Glaubensgenossen in Galizien nicht zum wenigsten durch die Hebung des Kulturniveaus der breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung gedeihlicher gestalten könnte, sich seit längerer Zeit mit der Frage der Förderung des jüdischen Schulwesens in diesem Lande' unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse der konservativen jüdischen Kreise befaßt. Auf Grund verschiedener Berichte und Anregungen hat der Vorstand in der Plenarsitzung vom 30. Jänner d. I. im Prinzipe beschlossen, solche Schulen, die in vollem Maße das Vertrauen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung genießen, zugleich aber den modernen Anforderungen entsprechen, nach Möglichkeit zu unterstützen, und den Vereinssekretär Dr. A. Kaminka ermächtigt, sich mit konservativen Rabbinern und Vertretern der in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden in Galizien in Verbindung zu setzen, um in einer gemeinsamen Besprechung die Linie festzustellen. auf welcher sich die intendierte Aktion unter voller Zustimmung und ersprießlicher Mitwirkung der konservativen Bevölkerung bewegen könnte. Am 12. Februar fand zu diesem Zwecke eine Enquete in Lemberg im Saale des dortigen Kultusrates statt. Es fanden sich aus religiös-konservativen Kreisen die Herren Rabbiner Brande aus Lemberg, Oberrabbiner Abraham Schnur aus Tarnow, Rabbiner Natan Lewin aus Rzeszow, Rabbiner Aron Lewin aus Sambor, M. Schmelkes aus Krakau, ferner die Rabbiner Dr. Caro und Dr. Guttmann aus Lemberg, Dr. Margulies aus Drohobycz und zahlreiche Vertreter galizischer Gemeinden ein. Die Versammlung wurde durch Herrn Emil von Mises als Obmann-Stellvertreter der Filiale der „Israelitischen Allianz" in Lemberg eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Lazar Bloch, Kultusvorsteher und Obmann der Allianz-Filiale in Brodh, zum Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Margulies aus Drohobycz ernannt. Herr Rabbiner Dr. Kaminka legte in einem eingehenden Expose die Bestrebungen der „Israelitischen Allianz" dar und hob besonders hervor, daß es dem Verein gänzlich fern liege, in die religiöse Sphäre einzugreifen, und es sich hauptsächlich darum handle, in denjenigen weiten Kreisen Galiziens, wo außerordentliche Not und Armut herrschen, unter Gewährung aller für die Religiosität erforderlichen Garantien die moderne Schulbildung als wichtiges Mittel 'für den Kampf ums Dasein zu propagieren. Es sei auch nicht die Absicht der „Allianz", selbständig Schulen zu begründen, sondern die an vielen Orten, auch in orthodoxen Kreisen, sich zeigenden Bestrebungen, profanes Wissen zu erwerben, den hebräischen Unterricht zu modernisieren und in ein System zu bringen, durch praktische Fächer zu ergänzen, Handwerk und Gewerbe zu fördern usw. ihrerseits zu ermutigen und nach Tunlichkeit zu unterstützen. Der Vertreter der Kultusgemeinde Krakau Herr Doktor Fischlowitz richtete an die Konferenz eine schriftliche Eingabe, in welcher über die Gegenstände der Beratung (planmäßige Gestaltung des hebräischen Unterrichtes, Angliederung eines profanen Unterrichtes, wo es an einem solchen fehlt, Schaffung einer Organisation, um nur approbierte, pädagogisch vorgebildete, hebräische Lehrer und hygienisch zulässige Räumlichkeiten für die Cheders zuzulaffen) ausführlich gesprochen wird. Im Eingänge der Zuschrift heißt es: „Daß das hebräische Unterrichtswesen in den konservativen jüdischen Kreisen Galiziens, wie es gegenwärtig gestaltet ist, nach einer durchgreifenden Reform ruft, daß der Unterricht des Hebräischen und der damit in Verbindung stehenden Fächer, wie es einem großen Teile unserer Jugend gegenwärtig geboten wird, allen rationellen Anforderungen geradezu Hohn spricht, daß das „Cheder" physisch und geistig verderblich wird, unterliegt keinem Zweifel. Und doch kann und darf es nicht geleugnet werden, daß der weitaus größte Teil unseres konservativen Judentumes hierzulande einer Reform auf diesem Gebiete noch immer mißtrauisch und feindlich begegnet. Bei Lösung dieser heiklen Frage muß daher mit besonderer Vorsicht und Geduld vorgegangen werden, aber gehandelt sollte werden, denn aussichtslos wäre nach meiner Ansicht diese Aktion nicht und der hehre Zweck, um den es sich handelt, soll zu Versuchen anspornen." Herr Dr. Munk, Lemberg, befürwortete eingehend die geplante Aktion. Herr M. Schmelkes, Krakau, beantragte, daß die Konferenz sich besonders mit der Verbesserung der Mädchenerziehnng befasse. Herr Oberrabbiner Schnur erklärte namens der anwesenden orthodoxen Rabbiner, daß sie für die von der „Allianz" ergriffene Initiative sehr dankbar wären und bereit find, an der Lösung der sehr schwierigen Probleme mitzuwirken. Sie leien aber in dieser Versammlung in zu geringer Anzahl, um bezüglich der einzelnen vorgelegten Fragen Beschlüsse fassen zu können. Herr Professor Dr. Herzel, Brody, beantragt, daß ein Fragebogen an jene Gemeinden in Galizien gesandt werde, in welchen keine geregelten Schulen bestehen, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Umfange ein profaner Unterricht dort eingesührt werden könnte: die Herren Rabbiner Dr. Margulies, Drohobycz, und Dr. Bau, Tarnow, erklärten, daß die Anregung der „Allianz" in ihren Gemeinden besonders fruchtbaren Boden finde, da dort Schulorganisationen, wie sie von der „Allianz" vorgeschlagen wurden, bereits in Bildung begriffen sind. Das Werk würde ganz sicher gelingen, wenn es mit Geduld und Energie angefaßt wird. Es wurde nun folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die versammelten Gemeinderabbiner und die Vertreter der israelitischen Gemeinden nehmen dankend das Bestreben der „Israelitischen Allianz" entgegen, die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung durch Hebung des Schulwesens unter Berücksichtigung konservativer Ansichten in der Weise zu bessern, daß die dahin zielenden Bestrebungen zur Selbsthilfe durch Unterstützung gefördert werden, und erklären es für wünschenswert, im Einverständniffe mit noch anderen maßgebenden orthodoxen Rabbinern bei einer neuerlichen Enquete Mittel und Wege zu suchen, um die humanen und dem Judentume nützlichen Bestrebungen der „Allianz" zu verwirklichen. Die „Israelitische Allianz" wird höflichst ersucht, die Aktion fortzusetzen und eine neuerliche informative Versammlung einzuberufen." Herr Dr. Kaminka dankt der Versammlung namens des Vorstandes der „Israelitischen Allianz" und erklärt, daß. wenn seitens der Herren Rabbiner und Vertreter der Gemeinden Galiziens konkrete Anträge gestellt werden sollten, auf welche Weise die der „Allianz" wohl bekannten Schwierigkeiten überwunden werden könnten, die Vorschläge jederzeit wohlwollendste Beachtung und so weit als möglich Unterstützung finden würden. Von den nicht persönlich erschienenen orthodoxen Rabbinern haben ihr warmes Interesse für den Gegenstand schriftlich Herr Rabbiner Gedalje Schmelkes aus Przemysl und I. Weber, Magid in Stanislau, ausgedrückt; ferner hat sich der in Galizien allgemein verehrte chaffidische Rabbi Uri Zolles in Sambor Herrn Dr. Kaminka gegenüber persönlich mit der Aktion der „Allianz" einverstanden erklärt. Professor Dr. Moritz Steinschneider. Nachruf, gehalten am 19. Februar 1907 im Vereine „Deutsche Gesellschaft für Altertumskunde" an der Universität in Prag. Von Dozent Dr. D. Herzog in Prag. Was aber das ganz besonders Beachtenswerte hierbei, ist, daß Steinschneider diese abermals Tausende Handschriften alle gründlich durchstudiert und selbst gleichartige, sorgfältig durchkollationiert hat. Und nicht allein diejenigen, die er beschrieben, sondern auch noch viele andere! Denn es gab in den letzten Jahrzehnten nur äußerst wenige Handschriften, die, wenn sie Bibliotheken und auch Privaten zum Kaufe angeboten wurden, nicht erst Steinschneider zur Begutachtung vorgelegt worden wären. Man kann also ruhig sagen: Steinschneider

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