Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Dr. JSlocö s MocvenscvrM. Seite 163 schau" hier in Berlin, die das offizielle Organ der deutschen zionistischen Landsmannschaft ist. Als langjähriger Leiter des Blattes bin ich in der Lage, festzustellen, daß niemals die Behauptungen in der zionistischen „Jüdischen Rundschau" gestanden haben, die ihr hier imputiert werden. Beinahe Spaß sollte es übrigens Ihnen machen, daß die Herren vom „Deutschen Volksblatt", die ja vorgeben, daß sie neben dem Deutschtum in erster Linie das Christentum vertreten, Ihnen stets den Titel beilegen („Rabbi Bloch"), mit dem die Jünger des Stifters der christlichen Religion ihren Meister anreden. Offenbar soll das eine Anerkennung sein. Empfehle mich mit Hochachtung und freundlichem Gruß Dr. Heinrich L o e w e. Nachschrift der Redaktion: Wie man uns mitteilt, soll es in Wien für kurze Zeit einmal ein Wochenblatt gegeben haben, welches sich den Titel „Zionistische Rundschau" beigelegt hat. Gin Kefnch btt Dr Franz Oppenheimer Nun haben wir nach längerer Pause Franz Oppenheimer wieder einmal gehört. Haben wieder einmal von seinen tiefdurchdachten Plänen vernommen, uns seines überlegenen Humors, seiner eleganten, satyrischen Polemik nochmals gefreut. Es wird wenige Redner geben, denen es, gleich ihm, gelingt, ihr Auditorium derart stark zu fesseln, die, so wie er, seine Gedanken und sein Publikum prüfend, ihre Ansichten entwickeln. . . . Doch wenn man den ganzen, gemütlichen Menschen in Franz Oppenheimer kennen lernen will, dann muß man es versuchen, ihm außerhalb des Vortragssaales zu sprechen. Dann aber gibt es eine ernste und wichtige Voraussetzung: man darf kein „Mann der Feder" sein. Da wird Oppenheimer gleich zurückhaltender, erwägender Und er schärfte mir wiederholt ein, mich genau an seine Worte zu halten. Nicht als ob er voraussetzen würde, daß das Gegenteil meine Absicht wäre. Aber er glaubt fest an eine Autosuggestion der Interviewer- Phantasie. Ich aber will das dementieren und wenigstens in diesem Falle Franz Oppenheimer vom Gegenteile überzeugen. Ich knüpfe an seinen Vortrag über „Siedelungsgenossenschaften in Palästina" an und stelle die Frage, ob Palästina mit Rücksicht auf die heutige Landwirtschaft und Industrie des Landes Emigranten als Ziel empfohlen werden könne? Er hält dies nur im Falle der Schaffung von Siedelungsgenossenschaften für ratsam. Auf andere Art und Weise erscheint es ihm undenkbar. Meine Frage die industrielle Entwicklung Palästina betreffend, beantwortet er mir mit dem Hinweis auf die fachmännische Autorität seines Freundes, des Professors Marburg- Berlin. In diesem Punkte scheint Dr. Franz Oppenheimer überhaupt etwas zurückhaltend zu sein. Im Verlaufe unseres Gespräches kommen wir auf die palästinensischen „Poale-Zion" zu sprechen, und ich stelle die Frage: „Da diese Gruppen jetzt eine lebhafte Propaganda für die Auswanderung nach Palästina entfalten, gleichzeitig aber an dem Prinzipe einer momentanen Austragung des Klassenkampfes festhalten, so erscheint die Frage nach der Möglichkeit und Opportunität eines Klassenkampfes in Palästina unter den heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen wohl nicht unberechtigt? Dem stimmt Oppenheimer völlig zu und erklärt: „Bei einer ausbeuterischen Bourgeoisie und klassenbewußten Arbeitern wird es natürlich zu Kämpfen kommen. Da kann das Land kein Hindernis sein. Ich gebe aber zu, daß unter den heutigen Verhältnissen der Klassenkampf eine Schädigung unseres Einheitszieles bedeutet. Ich habe das Mittel, es zu verhindern. Aber natürlich, ich werde es keinem Menschen mitteilen, denn, wenn ich heute sage, ich Hab» die Lösung der sozialen Frage gefunden, so werde ich einfach als Irrsinniger eingesperrt. Und mit Recht. Daher werde ich auch meine diesen Punkt betreffenden Gedanken bei mir behalten" . . . Wir kommen wieder zur Emigrationsfrage zurück. Oppenheimer anerkennt unumwunden, daß die Regelung der Emigration eine wichtige, momentan die wichtigste Aufgabe ist. „Wohin?" — — Da will er keine allgemeine Antwort geben, denn da gibt es ja den einfachen Grundsatz: dorthin, wo die Möglichkeit eines anständigen Erwerbes besteht. Er kann weder für noch gegen Texas als Emigrationsdepartement sein, denn er kennt es zu wenig. Entspricht es aber ökonomischen und klimatischen Anforderungen, so wird wohl niemand dagegen sein. Von der Regelung der Emigration ist's nicht, mehr weit zur Jto. Bei diesem Thema wird Oppenheimer sehr lebhaft: „Ich bin der festen Ansicht, daß, solange kein anderes Territorium vorhanden war, Z a n g w i l l seine Idee nicht hätte propagieren dürfen, denn das bewirkte eine Spaltung der zionistischenOrganisation!" Ich wende den Beschluß des letzten Kongresses, die gegnerische Haltung zionistischer Organisationen ein, die die Jto zwangen, separate Politik zu führen. Oppenheimer schließt die Diskussion über diesen Punkt mit den entschiedenen Worten: „Wenn das geeignete Territorium hier sein wird, dann werde ich Territorialist sein!" „Nun, dann wird's ja nicht mehr lange dauern, bis wir Sie bei uns sehen", erwidere ich . . . Was die innerpolitische Tätigkeit der Zionisten betrifft, so äußert sich Oppenheimer energisch und entschieden. Er ist ein Gegner der innerpolitischen Tätigkeit. Allerdings hat er vorerst Deutschland im Auge. Mit einer nicht leicht wiederzugebenden, oder auszusprechenden Strafe will er diejenigen belegt wissen, die sich mit der Ansicht tragen, in Deutschland jüdische Politik zu machen. Rußland kennt er zu wenig, um sich bestimmt zu äußern, ebenso O e st e r r e i ch. Hier habe er nur den Eindruck empfangen, daß der Wahlkampf die Gemüter ungemein erhitze. Meine Frage, ob die innerpolitische Tätigkeit der Gesamtorganisation nicht schade, will Oppenheimer nicht voll beantworten, hält es aber nicht für ausgeschlossen. Er legt jedoch besonderen Wert darauf, daß ich seine die Jnnerpolitik betreffenden Aeußerungen getreu wiedergebe, '-denn wie er mir sagt, ist Dr. S ch a l i t sein Freund, und Mißverständnisse wären ihm unlieb. . . . Nun, ich kann mir diesbezüglich keinen Vorwurf machen. Oppenheimer sagt mir, als ich mich empfehle und er sich liebenswürdig verabschiedet: „Gott sei dank, die Operation ist ja fast schmerzlos verlaufen!" Das freut mich einerseits, wahrend es vom journalistischen Standpunkte aus bedauerlich ist. . . Max Schacherl. Die israelitische KeLigionslehrer-Gnqnete in Kenrbrrg. Bericht eines Teilnehmers. Montag den 11. d. M. ist in Lemberg in aller Stille eines der wichtigsten Ereignisse der neueren Kulturgeschichte der galizischen Juden vor sich gegangen. Die höchste Schulbehörde des größten österreichischen Kronlandes bat mit ihrem Präsidenten an der Spitze n.it einer großen Anzahl von Delegierten der bedeutendsten galizischen Gemeinden und der jüdischgalizischen Lehrerschaft über den mosaischen Religionsunterricht an den galizischen Schulen beraten und über denselben richtige Beschlüsse gefaßt. Schon im Jahre 1894 hatte der Lemberger Oberrabbiner Dr. I. Caro eine Religionslehrer-Enquete nach Lemberg einberufen, welcher auch Schreiber dieser Zeilen zugezogen wurde. Der damals ausgearbeitete Plan litt aber an dem Mangel einer deutlichen Instruktion. So geschah es denn, daß die inzwischen erstarkte zionistische Partei, welche unter anderem die Renaissance der hebräischen Sprache auf ihr Banner schrieb, durch die ihr ergebenen Religionslehrer hebräische Grammatik in den Religionsunterricht einführte, welche die veredelnden Disziplinen dieses Unterrichtes: Ethik und Liturgie, fast ganz zurückdrängte. Infolge vieler Beschwerden fortgeschrittener Eltern, welche in der gesamten Presse ihren Widerhall fanden, fand sich der