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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-08 · 10 (8.3.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 162 Dr. JBlocb’s MocbenscbrM. Nr. 10 zugunsten einer allgemeinen eine ebenso törichte, wie gefährliche Vogelstraußpolitik bedeutet. Wie sollte das auch anders sein? Das Bestehen einer Judenfrage im Staarsleben eines Botkes ist der Gradmesser für den Kulmrzustand dieses Volkes, indem sie offenbart, daß dasselbe diejenige Kulturstufe des Rechtsstaates noch nicht erreicht hat, auf welcher das Recht zur Macht geworden und die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen unerschütterlich stabilisiert ist; sie beweist, daß die machthabende Majorität die Herrschaft über die ohnmächtige jüdische Minorität zu behaupten und derselben das ihr zukommende Bollbürgertum auch fernerhin vorzuenthalten gewillt ist. Selbstverständlich müssen wir gegen diese Pariastellung Recht und Gerechtigkeit aurufen, von deren Verwirklichung allein wir ihre endgiltige, tatsächliche Beseitigung zu erwarten haben; indessen aus dem bloßen theoretischen Pochen auf Recht und Gerechtigkeit kann uns das Heil nimmermehr erblühen, solange in einem Staate diese Forderungen überhaupt noch nicht zum Durchbruch gelangt sind. Ihre numerische Minderzahl macht es den Juden unmöglich, sich ihr Recht zu erkämpfen, durch Mittel der Gewalt vorzeitig Gerechtigkeit im Lande zu schaffen, völlig abgesehen davon, ob dies durch Mittel der Gewalt überhaupt gelingen kann. Wo es eine Judenfrage gibt, bleibt dem Juden nichts anderes übrig, als nolens Valens eine jüdische, d. h. eine solche Politik zu verfolgen, welche sich für ihn in seiner bürgerlichen Ausnahmestellung am vorteilhaftesten erweist, er muß mit einem Worte einem jüdischen Opportunismus huldigen. Tut er dies nicht, verläßt er den ihm gewaltsam aufgezwungenen Standpunkt und schlägt eine allgemeine, prinzipielle Politik ein, so gleicht er dem Vogel Strauß und richtet dabei nichts aus. Niemand glaubt an seine Auftichtigkeit; er macht sich nur verdächtig und lächerlich; alle seine opferfreudigen Anstrengungen gehen der jüdischen Sache verloren, ja sie bringen derselben nicht selten empfindlichen Schaden." Soweit der Petersburger Berichterstatter des genannten Berliner Blattes. Was er uns da erzählt, ist eigentlich bloß eine Wiederholung dessen, was gegenwärtig bei uns in Oesterreich vor sich geht. Dieselben Jrrtümer, dieselben Sünden und dieselben Fehler. Soll es wirklich wahr sein, daß das jüdische Volk aus den traurigen Erfahrungen seiner Geschichte absolut nichts zu lernen weiß? Die Geschehnisse in Rußland sind ein warnendes Beispiel! Möge jeder einzelne Jude in Oesterreich über die Folgen seines Verhaltens Nachdenken und das Geschick der Gesamtheit sich lebendig vor Augen halten. Stimme«;ttt Kandidatur Kr. Kt ochs. Geehrter Herr Dr. Bloch! In meinem stillen Heim an den Geländen der sanft hingleitcnden Etsch verfolge ich mit lebhaftem Interesse die Wahlbewegung in der Wiener Judenheit und sehe mit Schmerz und Unwillen, daß in der Gemeinde, welche die vom Antisemitismus geschaffene Notlage zu einer einigen und einzigen Gemeinschaft, zu einer ehernen Phalanx zusammenschweißen sollte, divergierende Bestrebungen und unpatriotische Sonderungen bestehen, durch die die Wahl eines jüdischen Abgeordneten leicht, fast sicher gefährdet werden könnte. Sind die Zeiten darnach angetan, Experimente zu machen und neue Männer zu suchen, deren Befähigung zu einem öffentlichen Dienste in exponierter Stellung nicht nachgewiesen ist? — Will man aus grünen Ruten einen Stab und eine Stütze für das Judentum machen und mit Rekruten ins Feld ziehen? Ich sage es unter Ihrer Adresse den jüdischen Wählern in der Metropole: sie würden eine schwere Unterlassungssünde begehen, den Unwillen ihrer Freunde und den Spott ihrer Feinde Hervorrufen, wenn sie sich zersplittern oder auch wenn sie eine noch ungestählte und unbewährte Kraft in den bevorstehenden Kampf entsenden, in dem es wuchtige Hiebe geben wird! Ich halte Sie in dieser schweren Zeit für den richtigen Mann, und Niemand kann mich bei meiner absolut unabhängigen Stellung verdächtigen, daß ich Ihnen schmeichle. Sie rangen bereits in offener Arena mit unseren Feinden und standen in der Bresche, als man gegen das Judentum Sturm lief. Ihr Name ist ein Programm und ein Wappen — S i e werden gewiß auch fernerhin Wache stehen und unser Volk alarmieren, wenn Gefahr nahet, hoffentlich nie die Flinte ins Korn werfen, wenn das Jndianergeheul der Christlich-Sozialen ertönt. Wäre ich in Wien wahlberechtigt, ich würde unbedingt für Sie stimmen. Mit bestem Gruße Leo Herzberg-Fränkel. Sehr geehrter Herr Doktor! Obwohl ich mit der zionistischen Bewegung sehr sympathisiere, würde ich — vor die Urne gestellt — absolut Ihnen die Stimme geben, da Sie jederzeit mannhaft für das Judentum eingetreten sind und Ihre Verdienste um dasselbe von jedem Israeliten ohne Unterschied der politischen Parteifärbung anerkannt werden müssen. Klattau, im März 1907. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Alexander Baum. Herr Rabbiner Winter schreibt: Die Erkenntnis des Ernstes der Gefahr ist der erste Schritt zu ihrer Beseitigung. Jeden, der an das Gefahrvolle des antisemitischen Hetztreibeus, besonders im Parlament, und die schreiende Notwendigkeit seiner energischen Abwehr gemahnt wird, muß es mit unvergleichlicher Genugtuung erfüllen, daß diese Erkenntnis in immer weiteren Kreisen Beherzigung findet und die jüdischen Wähler der Residenz im Vollbewußtsein der ernsten Pflicht für die bevorstehenden Reichsratswahlen den bewährtesten Vorkämpfer des Judentums Herrn Dr. I. S. Bloch kandidieren. In antisemitischen und reaktionären Blättern lesen wir sehr oft von jüdischer Solidarität. Gerät ein Jude ins Unglück, so erhebt sich die ganze Nation, um dem leidenden Stammesgenossen zu helfen. Diese Solidarität, behaupten die Antisemiten, macht auch die eigentliche Stärke des Judentums aus. Wenn es sich auch nicht leugnen läßt, daß in früheren Zeiten das Gefühl der Zusammengehörigkeit unserer Glaubensgenossen geradezu einzig dastand, so muß man trotz alledem zugeben, daß diese hohe und schöne Tugend, deren Besitz für ein unterdrücktes Volk geradezu eine Lebensfrage ist, immer mehr in Abnahme begriffen ist und daß man unbedingt große Anstrengungen machen muß, um diese schöne rein jüdische Eigenschaft neu zu beleben. Wenn irgendwo, dann ist hier das „D'-UTn bs ns dim “l1?" — Buch Esther IV, 16 — am Platze. Das Interesse des jüdischen Volkes verlangt es unbedingt, daß eine Einigung zustande kommt. Je heftiger wir bedroht sind, desto einhelliger müssen wir auf die Schanzen treten. Heute, wo draußen der Feind lauert, muß der häusliche Zwist, der Bruderhader schweigen und Schulter an Schulter müssen wir den Stürmen, die uns Alle umtosen, einmütig entgegentreten. Wahrlich, es hieße an dem Ehrgefühl, an der Selbstachtung, an der Einsicht der Wiener Judenheit verzweifeln, würde sie diese schreiendste Forderung überhören und nicht einmütig für die Kandidatur des Herrn Dr. Bloch eintreten. „Jüdische Rundschau", Organ der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich erlaube mir, Sie im Hinblicke auf den Ausschnitt aus dem „Deutschen Volksblatt" (Wien) aufmerksam zu machen, daß darin mit großer Treffsicherheit auf die „Zionistische Rundschau" als das Gewährsblatt für die lügenhaften Angaben des „Deutschen Volksblattes" bezug genommen wird. Nun gibt es ein Blatt unter den Namen „Zionistische Rundschau" überhaupt nicht. Die einzige zionistische Zeitschrift, die „Rundschau" heißt, ist unsere „Jüdische Rund-

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