Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 146 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 9 miß die Beweise verschafft, mit denen sie ihren gehaßten Feind für immer erledigt hätten. Was der antisemitischen Gemeinheit nicht möglich war, wird auch keiner Verleumdung gelingen. Wer dieser sich feig und heimtückisch bedient, ist für jeden anständigen Menschen erledigt. Denn das erste Kriterium für einen Ehrenmann ist die Hochachtung vor der Ehre des Nächsten. Dies als kurze Sittenpredigt, die genug ist für Leute von Erziehung. Dem Mute sind nach obigen Erklärungen keine Schranken gesetzt, wohl aber der böswilligen Verdächtigung. Professor Dr. Moritz Steinschneider. Nachruf, gehalten am 19. Februar 1907 im Vereine „Deutsche Gesellschaft für Altertumskunde" an der Universität in Prag.*) Von Dozent Dr. D. Herzog in Prag. Die Wiffenschast hat einen schweren, herben Verlust mit dem Tode des am 23. Jänner d. I. in Berlin verstorbenen Moritz Steinschneider, in welchem ich meinen hochverehrten Meister und Lehrer verloren, erlitten! Ich sage die Wissenschaft! Denn das, was Steinschneider aus den verschiedensten Gebieten wiffenschaftlicher Disziplinen geschaffen hat, ragt weit über das Maß eines begrenzten Faches hinaus und sichert ihm darum auch auf verschiedenen Gebieten menschlichen Wissens ehrenvolle, dauernde Anerkennung. Philosophie und Sprachkunde, Geschichte und Literatur, Mathematik und Astronomie, Kabbala.und Astrologie, Folklore und Sittengeschichte, Medizin und Pharmakologie, ganz besonders aber die hebräische Bibliographie waren die Vorwürfe seiner wissenschaftlichen Betätigung, in welcher er ausnahmslos Hervorragendes geleistet hat. Insbesondere aber, wie erwähnt, auf dem Gebiete der hebräischen Bibliographie, nicht minder auf dem Gebiete der jüdischen und arabischen Literaturgeschichte hat er Dauerndes, vielleicht kaum mehr zu Ueberbietendes geschaffen. Angesichts einer solchen, fast unglaublich scheinenden Fülle von Leistungen ist es darum nicht leicht, zumal im engen Rahmen, ein auch nur annähernd erschöpfendes Bild seines Schaffens zu bieten. Nimmt doch, um nur ein rein äußerliches Bild seiner mächtigen Schaffenskraft zu bieten, in der im Jahre 1896 zum achtzigjährigen Geburtstage von Schülern und Freunden überreichten Jubelschrift, die von George A. Kohut in New-Aork die bloße Titel verzeichnende, aber noch durchaus nicht erschöpfende Liste der Werke und Abhandlungen Steinschneiders (Bibliographie of the writings of Prof. Dr. M. St.) nicht weniger als fast 26 enggedruckte Lexikonformatseiten ein und seinem hat Steinschneider bis zu seinem Tode wie ein Mann in der besten Schaffenskraft eine Menge hervorragender und glänzend geschriebener Werke und Abhandlungen veröffentlicht, die allseits die größtmöglichste Anerkennung gefunden haben und die allein schon genügt hätten, ihn zu den Besten seines Faches zu zählen. Ich kann darum heute nur die Giebel seiner Leistungen aufweisen, um Ihnen so einen kleinen Ausschnitt seines Schaffens zu bieten. Ausgegangen ist Steinschneider, wenn wir von mehreren Artikeln musikalischen, belletristischen und humoristischen Jnhalles und zahlreichen Buchbesprechungen absehen, von der jüdischen und arabischen Literaturgeschichte, zu welcher er gar bald zahlreiche wertvolle Beiträge in Zeitschriften, teils in Anhängen zu verschiedenen Büchern veröffentlicht hat. Schon diese Arbeiten zeigen den späteren Meister, und es war darum kein Wunder, daß der Altmeister der arabischen Philologie, Heinrich Leberecht Fleischer, in seinem genialen Scharfblicke schon frühzeitig, im Jahre 1844 (Repertoriuöi, 1844, p. 500), wie nicht minder der geniale Leopold Zunz Steinschneider zu wiffenschaftlicher Tätigkeit aufmunterten. Und in der Tat verdiente Steinschneider diese Aufmunterung und Anerkennung. Denn sowohl seine in der zweiten Auflage von *j Erschienen als Anhang zu Brechers, Steinschneiders Onkel, K lsariausgabe. Pierers Lexikon die arabische Literatur behandelnden Artikel, sowie seine in der von I. Fürst periodisch herausgegebenen Druckschrift „Literaturblatt zum Orient", wie nicht minder sein Beitrag zu Franz Delitzsch' im Jahre 1841 erschienene Edition „Ez Hajim“, Ahron b. Elias aus Nikomedien des Karäers System der Religionsphilosophie zeigen bereits eine hervorragende klassische Schulung und selbständige Auffassung. Und ich glaube, nicht besser den damaligen Steinschneider charakterisieren zu können,- als indem ich den auf Steinschneider bezüglichen Teil aus der Vorrede Delitzschs zu dem obgenannten Buche hiehersetze: Ich erfülle eine mir angenehme Pflicht, sagt D., indem ich dem cand. phil. M. Steinschneider für die bei der langwierigen und schweren' Arbeit der Herausgabe des „Ez Hajim“ geleistete Unterstützung öffentlich danke. Steinschneider hat nicht allein während seines Aufenthaltes in Leipzig, wo wir gemeinschaftlich die Vorlesungen des Professors Fleischer über den Koran nach Beidhäwi besuchten, die zwei ersten Korrekturen des hebräischen Textes des „Ez Hajim“ gelesen und eine nochmalige Kollation der Leipziger Handschrift mit dem gegebenen Abdruck gemeinsam mit mir vorgenommen, sondern auch zur Ausstattung des Werkes mir später einige das Verständnis wesentlich fördernde Hilfsarbeiten zugesandt, welche im Jnhaltsregister des gesamten Werkes unter seinem Namen verzeichnet sind. Der Realindex ist teilweise ein Excerpt aus seinen dem „Ez Hajim“ entnommenen Materialien zu einem hebräisch philosophischen Wörterbuch. Die kritischen Bemerkungen und die Zusätze dazu sind unsere gemeinschaftliche Arbeit und die zu einem Ganzen verschmolzenen Ergebnisse eines beiderseitigen, selbständigen, aber in den Resultaten sich begegnenden Studiums. Den Namen Steinschneiders „St." habe ich nur da genannt, wo seine Ansicht entweder eine vor anderen anerkennungswert originelle oder eine lediglich individuelle war. . . . Ein auf meinem Wunsch von Steinschneider ausgearbeiteter Schlüssel mußte nach Auffindung der Risäle Afendopolos zurückgestellt werden, und mit edler Selbstverleugnung hat der Verfasser jener mühevollen, nach einem eigentümlichen Plane ausgeführten Ausarbeitung auf ihre Aufnahme verzichtet. Auch seine in den Prolegomenen von mir versprochenen Parallelen aus Saadja und Kusri sind bis auf wenige einem anderen Orte Vorbehalten worden. So weit Delitzsch. Aber wir sehen schon aus diesen wenigen Bemerkungen, welcher Anerkennung damals der erst 25jährige Steinschneider sich zu erfreuen hatte, andererseits aber auch, wie Steinschneider schon damals in richtiger Erkenntnis der großen Wichtigkeit eines hebräisch-philosophischen Wörterbuches die ungkmein schwierigen Vorarbeiten zu einem solchen beginnt, die später dann in ein großartiges Denkmal seines Fleißes (Hebräische Uebersetzungen) ausmünden sollten. Neben diesen literarhistorischen Arbeiten waren es dann hauptsächlich bibliographische und philologische Studien, denen er sich mit hingebungsvollem Eifer gewidmet und für welch' letztere das hier in Prag im Jahre 1845 erschienene Büchlein: „Die fremdsprachlichen Elemente im Neuhebräischen und ihre Benützung für die Linguistik" ein beredtes Zeugnis ablegt. Steinschneider hat in diesem ursprünglich in der ersten am 4. Oktober 1844 zu Dresden tagenden Versammlung deutscher Orientalisten gehaltenen Vortrage darauf hingewiesen, welch' eine Fülle persischen, arabischen, griechischen, römischen, romanischen, germanischen und slavischen Wort- und Sprachgutes sich in das Neuhebräische eingeschlichen hat, wie umgekehrt hinwiederum auch diese Sprachen nicht frei von Hebraismen sind und wie durch die zähe Konservierung vieler Wörter im Neuhebräischen gar manches wichtige Material zur Aufhellung mittelalterlichen Sprachgutes enthalten ist. Aber alle diese Arbeiten waren bloß ein Prodromus zu der im Jahre 1850 im 27. Bande der 2. Sektion der von Ersch und Gruber herausgegebenen Encyklopädie usw. erschienenen Abhandlung „Jüdische Literatur", welche eine namentlich vom encyklopädischcn Gesichtspunkte aus zu betrachtende Gesamtentwicklung dieses Wissengebietes enthält. Das Unterfangen einer solchen Arbeit, zumal Steinschneider damals die Schätze dex