Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Llocb's MocbenscdrlN. Seite 145 der Wählerschaft hingenommen. Aber was nicht hingenommen werden kann und wird, das ist die Art des Kampfes gegen einen Mann, dem Freund und Feind Verdienste zumessen und dem man von dem einen Teil zum Dank dafür mit Angriffen, die hinterrücks kommen, die Ehre rauben will. Jemand, der sich durch solche Sachen nicht getroffen fühlt, kann aus dem Bewußtsein seiner inneren Unschuld heraus großmütig sein, und deswegen soll vorerst diese ernste und scharfe Ermahnung die Antwort auf die bezeichnten Ueberfälle sein. Kürzlich brachte das „Deutsche Volksblatt" einen Artikel gegen die Kandidatur Dr. Josef Blochs mit Ausführungen, die dem Angegriffenen nur zum Vergnügen gereichten. Denn die Feindschaft der Antisemiten hat er sich zu seiner größten Genugtuung redlich verdient. Anknüpfend aber an die eigenen sattsam bekannten Geistesergüsse brachte genanntes Blatt einen Artikel aus der „Zionistischen Rundschau" vom Jahre 1899, welcher lautete: „Dr. Bloch, der sich als Beschützer der armen Talisweber in Kolomea aufspielt, hat es seinerzeit vorgezogen, von dem zu Agitationszwecken bestimmten Betrage von 55.000 fl. zirka 50.000 fl. in der Oesterreichisch-ungarischen Bank zu deponieren, anstatt diese Armen für ihre Dienste bei der maßlosen Agitation zu entschädigen, und aus diesem Grunde konnte er nach Ablauf der Wahlperiode in Kolomea nicht mehr kandidieren, indem er richtig voraussetzte, daß ihm hier sehr unsanft heimgeleuchtet werden wird. Wohl hat er seinen Kompagnon in der Wahlmacherei, einen gewissen Öfterer, mit dem er stets unter einer Decke steckte, vor den Wahlen nach Kolomea entsendet, um das Terrain zu rekognoszieren, aber ernst war ivm die Sache keinesfalls — ebensowenig wie die Kandidatur im Wahlbezirke Brody- Zloczow, die bloß ein Scheinmanöver war. welches Geld, viel Geld eingetragen hat. — Gleich Schönerer in den „U. d. W." wurde die Briefkastenrubrik der „Oesterreichischen Wochenschrift" weidlich ausgenützt. Ohne jede erfolgte Anfrage war eine Antwort zu lesen, die dahin lautete, als ob Dr. Bloch von einer Kandidatur nichts wisse Und ihm diese bloß durch die Notizen in den Tagesblättern bekannt geworden wäre. — In jeder folgenden Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" folgten fingierte Antworten im „Briefkasten" des Inhaltes: „Es widerstrebt mir. gegen einen jüdischen Abgeordneten zu kandidieren." — Dieses verhinderte doch nicht, daß Dr. Bloch einem in Brody wohnenden Bruder der „Bnei-Brithloge, der auch ich anzugehören die Ehre habe, und aus welcher H. Dr. B. austretend gemacht wurde, da die Affäre Kolomea mit einer Mitgliedschaft dieser Loge im Widerspruche steht, privatim schrieb: „Graf Badeni wäre mit der Kandidatur Blochs einverstanden und es mögen die Kultusvorstände von Brody und Zloczow sich nach Lemberg begeben und bei Graf Badeni die Unterstützung der Kandidatur Blochs erbitten." — Hierauf kam ein Abgesandter von Zloczow nach Wien, der mit B. die Sache ins Reine brachte. — Dieses „Ereignis" wurde natürlich in der „Oesterreichischen Wochenschrift" ausposaunt, jedoch wurde verschwiegen, daß Agitatoren aus Wien in Person des Redakteurs Fleischer und des Rabbiners Dr. Templer nach Zloczow und Brody entfendet wurden, welche in den Synagogen Agitationsreden zugunsten Dr. Blochs hielten. ' Inzwischen versendete Dr. Bloch nach allen Weltgegenden seine meisterhaft stilisierten Schnorrbriefe, so an Baronin Hirsch, Herrn Emil Horner und andere mehr, die vom großem Erfolge warm. — Der Tenor dieser Briefe verkündete, als ob Dr. Bloch „von den bedrängten Glaubensgenossen aus seiner stillen Studierstube (in Wirklichkeit ist es die ganze Lol Etage im Palaste 2. Bezirk, Untere Augartenstraße Nr. 1a, und im Sommer eine Villa in Ischl) herausgerissen wird, um das bedrängte Judentum zu verteidigen, und daß er nicht abgeneigt wäre, ein Mandat anzunehmen, zur Erlangung dessen sind aber Summen erforderlich, über welche er nicht verfügt, und im Interesse der guten Sache um Unterstützung bittet u. s. w.".— Die umgehend von auswärts angewiesenen und am Platze teils persönlich, teils durch dritte Personen gesammelten vielen Tausende wunderten sofort in die Oesterreichisch-ungarische Bank zu den bereits aus dem Kolomeaner Wahlfonds und der durch Sammlung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zuhanden des Herrn Heit aufgebrachten „Ehrengaben" stammenden Depots des Dr. Bloch. — Nachdem die entsendeten Agitatoren Fleischer und Dr. Templer nicht unbedeutende Erfolge erzielt haben, wurde von mehreren Seiten die Zusendung der Wahlfonds telegraphisch reklamiert und statt dessen erfolgte stets die stereotype Antwort: „12.000 fl. sind bei der Bank deponiert." — Zuletzt langte ein Telegramm aus Brody an, welches wörtlich lautete: „Kommen Sie sofort nach hier und Sie sind gewählt." — Dieses und ähnlich lautende Telegramme blieben unbeantwortet, da es Bloch bloß um die Emstreichung der Wahlfonds und nicht um die Erlangung des Mandates zu'tun war. Nachdem die Wahl zugunsten Dr. Bhks entschieden war, kehrten die beiden abgesendeten Agitatoren unverrichteter Dinge nach Wien zurück, trotzdem sie eine ganz respektable Stimmenzahl erzielt hatten. Die Kosten des ganzen Manövers dürften sich auf 1200, höchstens 1500 fl. belaufen und die restierenden vielen Tausende schlummern bis heute mit den oberwähnten Kapitalien, zu denen sich noch einige kleinere und größere Treffer gesellten, wohlverwahrt als „Depot des Dr. Bloch" in den eisernen Schränken der Oesterr.-ungar. Bank. Dieser Artikel wurde von Herrn Dr. Bloch mit folgender, in der Nummer vom 25. Februar vollinhaltlich gebrachten Berichtigung beantwortet: Wien, 23. Februar 1907. An den verantwortlichen Schriftleiter des „Deutschen Volksblattes", Herrn Georg Ruhsam, in Wien. In bezug auf den Artikel der periodischen Druckschrift „Deutsches Volksblatt" Nr. 6517 vom 22. Februar: „Rabbi Bloch als Reichsratskandidat" werden Sie im Grunde § 19 P.-G. aufgefordert, nachstehende Berichtigung in der gesetzlichen Form und Frist zum Abdrucke zu bringen: Es ist unwahr, daß ich je einmal Beträge, welche mir zu Wahlzwecken zur Verfügung gestellt worden sind, einer anderweitig Verwendung zugeführt habe. Es ist unwahr, daß von irgend einem Wahlfond restierende viele Tausende für mich „wohlbewahrt" in den Schränken der Oesterreichisch-ungarischen Bank schlummerten oder schlummern; es ist somit unwahr, daß ich einen für Wahlagitationszwecke bestimmten Fonds von 55.000 fl. oder 50.000 fl. bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank deponiert hatte. Es ist unwahr, daß mir jemals von irgendwelcher Seite solche oder auch nur halbwegs ähnliche Beträge zu Wahlzwecken zur Verfügung gestellt worden sind. Wahr ist, daß mein gesamtes Vermögen am Abende eines arbeitsreichen Lebens kaum den Betrag von 10.000 fl. erreichen dürfte. Es ist unwahr, daß ich einen gewiffen Öfterer jemals nach Kolomea entsendet habe, um dort das Terrain zu rekognoszieren. Es ist unwahr, daß ich mit einem gewiffen Öfterer „stets" oder je einmal „unter einer Decke gesteckt" habe und er mein „Kompagnon" in der Wahlmacherei" war. Es ist unwahr, daß in dem „Briefkasten" oder an irgend einer anderen Stelle der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine Antwort zu lesen war: „Es widerstrebt mir, gegen einen jüdischen Abgeordneten zu kandidieren." Es ist unwahr, daß ich einem in Brody wohnenden Bruder der „Bnei Brithloge schrieb: Graf Badeni wäre mit der Kandidatur Blochs einverstanden und es mögen die Kultusvorstände von Brody und Zloczow sich nach Lemberg begeben und bei Graf Badeni die Unterstützung der Kandidatur Blochs erbitten." Es ist unwahr, daß jemals ein Abgesandter von Zloczow zu mir nach Wien kam, der mit mir die Sache ins Reine brachte. Ich habe niemals einen Abgesandten von Zloczow bei mir gesehen. Es ist unwahr, daß ich aus der „Bnei- Brithloge" „austretend gemacht wurde", es ist unwahr, daß in der Wählerversammlung vom 18. d. M. sich kein einziger Redner für meine Kandidatur ausgesprochen hat. „Wahr ist vielmehr, daß der bekannte Elektrotechniker Dr. Heinrich Schreiber, der Hofu. Gerichtsadvokat Dr. Karl L'fczis, der zionistische Parteimann Herr I. Goldschmied und andere in zum Teile sehr ausführlichen, mit begeistertem Beifalle von der Versammlung aufgenommenen Reden meine Kandidatur eindringlich empfohlen haben und eine diesbezügliche Resolution von Herrn Dr. Leopold Brady beantragt wurde. Es ist unwahr, daß kaum der fünfte Teil für diese Kandidatur gestimmt hat. Wahr ist vielmehr, daß von den anwesenden Wählern des ersten Wahlkreises der Leopoldstadt die weit überwiegende Mehrheit der Resolution zugeftimmt hat, was auch der Leiter der Versammlung Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef Winternitz als Vorsitzender enunzierte. Hochachtungsvoll Dr. Josef S. Bloch. Da nun nicht anzunehmen ist, daß man in der Redaktion im Antisemitenhof Jahrgänge jüdischer Blätter auf Lager hält, so gewinnt die Annahme Wahrscheinlichkeit, daß von jüdischer, im Wahlkampf gegnerischer Seite das Material zu dem Artikel geliefert wurde. Es hat seinerzeit an Berichtigungen und Feststellungen nicht gefehlt. Klagen hat es nach dem Grundsatz keine gegeben, daß Juden untereinander das Gericht so wenig als möglich anrufen sollen. Sie werden kommen müssen, wenn weiter geschieht, was schon geschehen ist: daß nämlich Gegner der Kandidatur des Dr. Bloch sich der Waffen des „Deutschen Volksblattes" bedienen. Vor der heimtückischen Verleumdung kann man sich nicht radikal genug schützen, denn vor ihrem Gift ist man vogelfrei, ist der ehrlichste Mann morgen ein Betrüger. Dr. Bloch hat oft genug in öffentlicher Versammlung jedermann zu einem offenen Angriff aufgefordert, der persönliche ehrenrührige Dinge vorzubringen in der Lage ist. Er ist bereit, vor jedes Ehrengericht zu gehen, wenn jemand das Risiko einer Klage scheut, oder aber in den Gerichtssaal. Wer trotz dieser nun wiederholten Erklärung mit feiger Verleumdung im Hintergrund arbeitet, macht niemanden ehrlos als sich selbst. Glaubt man denn wirklich, daß auch nur ein Schatten von Wahrheit an diesen dummen Lügen ist? Die Antisemiten, denen Dr. Bloch stets ein Dorn im Auge war und durch deren Kampfhahn, den Prinzen Liechtenstein, er sein Mandat verlor, hätten sich bei ihren Mitteln und Verbindungen ge-