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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-01 · 9 (1.3.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 144 Dr. Llocb's MocbenscbrM- Nr. 9 mit Leib und Seele, mit all seinem reichen Wissen und Können für die Juden eintreten wird, empfehle ich Ihnen seine Kandidatur auf das allerwärmste. (Stürmischer, langanhaltender Applaus. Redner wird vielseits beglückwünscht.) Das Mitglied des zionistischen Distriktskomitees Herr Fabrikant Böhm, gibt der jüdischen Publizistik die Schuld, wenn über das zionistische Programm so wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen sei. Die weiteren Ausführungen des Redners gehen in der nun entstehenden Unruhe verloren. Schließlich bringt der Vorsitzende den Autcag auf Schluß der Debatte zur Abstimmung, was mit großer Majorität angenommen wird. Im Verlaufe des Abends hatte auch Herr Dr. Viktor Rosenfeld im Interesse eines einheitlichen Vorgehens seine Kandidatur unter lebhaften Protestrufen der Versammlung zurückgezogen. Stimme« zur Kandidatur Dr. Blochs. Aus Prag schreibt der Univerfitätsdozent und Rabbiner Herr Dr. D. Herzog: Sehr geehrter Herr Doktor! Vorerst meine herzlichste Gratulation zu Ihren beiden schönen, von jüdischem und männlichem Geiste eingegebenen Reden, die in der letzten Nummer Ihrer Wochenschrift abgedruckt find, tirrn “im bv 3D-n nbsr. Der Chef der Firma M. Steiner, Maschinenfabriks- Niederlage in HoraLdiowitz, schreibt:' Eben den Bericht über die Wählerversammlung lesend, sage ich Ihnen für das herrliche Programm tausend Dank. Dieses Programm haben Sie seit jeher und wo es galt, für Juden einzutreten, immer betätigt. Zionisten und Sozialisten müßten sich schämen, Ihnen ihre Stimmen nicht zu geben, denn auch der Zionist und Sozialist ist doch in erster Reihe Jude (soll es sein). Es würde mich tief schmerzen, wenn die Wiener Glaubensgenossen in Anbetracht Ihrer Verdienste um das Judentum nicht alle Stimmen auf Sie vereinigen würden und so aller Welt ein Zeugnis über die Uneinigkeit im eigenen Lager liefern wollten. Im Geiste wähle ich Herrn Dr. Bloch! Sie stets hochachtender M. Steiner. Englisch oder amerikanisch? Die Hitze des Wahlkampfes ist heute schon groß uud ein Hochsommer der politischen Temperatur ist zu erwarten. Begrüßen wir vom Herzen dieses Feuer der allgemeinen Erregung. Die Bürgerschaft soll immer ihre Rechte mit heißer Eifersucht in Anspruch nehmen. Und die Leidenschaft der Wähler teilt sich den Gewählten mit, gibt ihrer Stimme Kraft, ihrer Ueberzeugung Mut, ihrem Arbeitseifer Schwung. Ein Kind des Feuers ist das Eisen. Das Feuer darf aber nicht zum verheerenden Brande werden, in welchem die Stützen unseres gesellschaftlichen Lebens zugrunde gehen. Solche Stützen sind Ehre, Wahrheit, Moral. Um Gesinnungen läßt sich streiten — um die Fundamente der Menschlichkeit nicht. Ein Wahlkamps ist ein Krieg, jede Kandidatur eine Herausforderung. Aber selbst ein Krieg, das höchste Rasen des Hasses, steht bei gesitteten Völkern unter einem Zwang von Gesetzen, welche die Gemeinheit und Niedertracht, welche die Grausamkeit hintanhalten. Um wieviel mehr ist es notwendig, daß ein Wahlkampf unter allgemeinen Gesetzen stehe, welche jede Art von Scheußlichkeit, jede Persidie, jede Vergiftung der Volksseele hintauhalten sollen! Um in Beispielen zu reden: Wir lasen stets mit Erstaunen, daß im robusten Amerika — nicht in den dichtbevölkerten Distrikten, aber im Westen, wo der Arizona Kicker erscheint und Cowboys mit Goldsuchern zur Wahl gehen — der Kandidat für das Parlament seines Lebens nicht sicher sei, das er mit der Hand am Revolverknauf bewachen müsse, ganz gewiß aber nicht seiner Ehre. Seine Gegner nehmen keinen Anstand, ihm Fähigkeiten abzusprechen, die ihn in der Gesellschaft unmöglich machen, und Fähigkeiten zuzusprechen, die im Falle der Wahrheit ihn nicht ins Parlament bringen müssen, wohl aber nach Sing-Sing, ins Zuchthaus. Vor nicht allzulanger Zeit kämpften in England Liberale und Imperialisten, Freihändler und Schutzzöllner erbittert um die Herrschaft. Als Joö Chamberlain in Birmingham eine Rede halten wollte, baute man ihm eine eigene Halle, um für Zehntausende Raum zu schaffen. Fast alle Wahlberechtigten schritten zur Urne, so groß war die Leidenschaft. Man hat von großem Enthusiasmus gehört, aber nicht von den kleinsten Tumulten. Die Rivalen kämpften bis aufs Messer. Aber keiner hat es im mindesten versucht, die persönliche Ehre des Gegners ihm abzuschneiden. Eine Frage nun mit einer selbstverständlichen Antwort für jeden anständigen Menschen: Welche Form des Wahlkampfes ist die erwünschte und richtige, die englische oder amerikanische? In Betracht wollen wir nur die Juden ziehen, wir wollen und haben keinen Hofmeisterpoften bei anderen Völkern, wie manche unserer Politiker leider noch immer zu glauben scheinen. Wir Juden in Oesterreich haben mannigfache Ursache, auf die Formen unseres Wahlkampfes bedacht zu sein. Wir haben zwar schon Wahlen in jüdischen Bezirken gehabt. Aber diese waren sozusagen anonym. Einen mit weithin sichtbarer Flagge und Marke versehenen, eigenen jüdischen Besitzstand haben wir erst durch die Wahlreform bekommen und zugleich manche Kontrollore darüber, wie wir unser Vermögen verwalten. Unser Vermögen! Lacht mich nicht aus, ich würde ja selber lachen, wenn es nicht zum weinen wäre. Unser Vermögen ist in Gefahr, ein Gut am Monde zu werden, weil unsere hochmögenden, hochweisen, hochwohllöblichen offiziellen Korporationen keinen Finger gerührt haben, um einen Streit der Parteien zu verhindern. Darüber ein andermal, ein letztesmal. Jetzt zurück zur Beschreibung der Kontrollore, die unseren Wahlkampf beobachten: Da sind vor allem unsere Gegner, denen wir Respekt einflößen wollen und müssen, die hämisch jeden trüben Vorgang in unserem politischen Innenleben aufgreifen und glossieren. Da sind unsere Freunde in den unbeteiligten Provinzen und im Ausland, die gespannt erwarten, daß wir unseren Besitz mit Würde und Ausland, mit Einigkeit und Kraft antreten. Da ist endlich unser Gewissen, das uns gebietet, zu zeigen, daß wir Juden wirklich ein Edelvolk sind, eine Gemeinde von Brüdern, die beim ärgsten Streit nicht vergessen können, was sie ihrem gemeinsamen Namen schuldig sind. Gründe genug, um einen Wahlkampf zu führen, der ein Musterbild von Ehre und Schönheit ist. Vielleicht auch von Klugheit. Darüber wollen wir später reden, wenn die Gefahr vor der Türe steht, daß die jüdischen Parteien die jüdischen Majoritäten durch 3 dividieren und das Resultat den Antisemiten schenken. Jetzt wollen wir nur mit erbitterter Wucht und Wut dagegen protestieren, daß von den Wogen des Wahlkampfes der Schlamm an die Oberfläche gespült wird, daß die jüdische Ehre durch Einführung antisemitischer Gewohnheiten in unsere Auseinandersetzungen preisgegeben wird. Unter den Männern, welche sich um das Vertrauen der jüdischen Wählerschaft bewerben, befindet sich auch der gewesene Parlamentarier und derzeitige Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Dr. I. S. Bloch. Man mag das reinjüdische Programm, das er stets vertreten hat, anerkennen oder nicht, man mag glauben oder nicht, daß es uns in Oesterreich schon viel schlechter gegangen wäre, wenn sich nicht mutige und kraftvolle Männer gefunden hätten, welche den Vorkämpfern des Antisemitismus fest auf die schmutzigen Finger geschlagen hätten — eines wird Herrn Dr. Bloch selbst von seinen erbittertsten Gegnern eingeräumt: daß er sich nämlich große Verdienste erwarb, indem er die Waffen unserer Feinde schwächte und die Reihen der selbstbewußten Juden stärkte. Dr. Bloch wird bekämpft. Das Unausbleibliche wird mit den selbstverständlichen Formen und Taten eines loyalen Wettbewerbes um das Vertrauen

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