Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Dr. Vivch's Wochenschrift. «eite 143 scheu von denjenigen abwenden, welche den Haß gegen jene Predigen, deren Religion, wie keine andere, die sittliche und kulturelle Bedeutung der Arbeit würdigt und wie keine andere für die Arbeiter eine ehrenvolle soziale Stellung heischte Möchte doch Ihr bedeutsamer Vortrag große Verbreitung finden." Ein zweites Schreiben lautete: „Sie haben trotz der Jntriguen Ihrer zahlreichen Gegner glänzend gesiegt. Ich beglückwünsche Sie wärmstens und hege die Zuversicht, daß Sie Ihre Begabung. Ihre sittliche und geistige Kraft, mit der Sie Ihren Glaubensbrüdern bereits so nützlich waren, fortan in in den Dienst der gesamten öffentlichen Wohlfahrt stellen." Hochgeehrter Herr Docktor! Schon längst wollte ich Sie aus Anlaß Ihrer glänzenden Polemik beglückwünschen; aber immer traten Hindernisse ein. So benütze ich denn die durch die zugesendete Uebersetzung Ihrer Streitartikel mir dargebotene Gelegenheit, um Ihnen zu sagen, wie sehr ich mich Ihres Erfolges freue. Dr. Fischhof." Endlich beruft sich der Redner zur Empfehlung seiner Kandidatur auf den Ausspruch des bekannten, edlen und humanen. Sektionschefs Eduard Ritter von Gniewosz- O l e x o w. der noch wenige Wochen vor seinem Tode nachstehende Worte niederschrieb: „Ich meine den früheren Abgeordneten Dr. Josef Bloch. Dieser hatte wegen seines Mutes und seiner Unerschrockenheit auf Schritt und Tritt zu leiden und wurde schließlich vollständig lahm gelegt. Seine Ausschließung aus dem Klub und aus dem Parlament war ein Werk der Wiener Antisemitenführer und ich habe nie begreifen können, daß die einflußreichen Juden sich nicht bemüht haben, dem Dr. Bloch ein unabhängiges Mandat irgendwo zu sichern. Bei dem Mißbrauch der parlamentarischen Tribüne für unwürdige Exzesse, wie es leider in Oesterreich Unsitte geworden, war ein Mann von dieser Art und Schlagkraft notwendig." Im Sinne und im Geiste Adolf F i s ch h o f s zu Wicken, so schließt Dr. Bloch seine Ansprache, werde er als seine Aufgabe ansehen, wenn die jüdische Wählerschaft in der Leopoldstadt ihn mit der Ehre ihres Vertrauens auszeichnet. Herr Dr. Ofner, freundlich begrüßt, meint, seine Vergangenheit sei die Kontrolle seiner Zukunft. Er will deshalb auch keine Versprechungen geben, sondern wie bisher für alle Ideale, Fortschritt und Freiheit, eintreten. Unter Beifall und Unruhe, manchmal auch durch ironische „Heil"- Rufe! unterbrochen, entwickelt Dr. Ofner sein demokratisches und sozialpolitisches Programm. Er habe für Juden als Jude im Parlamente gekämpft, aber nicht nur vom jüdischen Gesichtspunkte aus, sondern vom Gesamtinteresse. (Zwischenrufe: Was ist's mit Ihrem Deutschtum?) Dr. Ofner erklärt: Jawohl, ich bin ein Deutschböhme! Wir bleiben gute Juden und gute Deutsche! (Beifall und stürmischer Widerspruch. Große Unruhe.) Mit der Versicherung, wie bisher am Deutschtum zähe festzuhalten und auch weiterhin wie bisher sein Programm zu vertreten, schließt Dr. Ofner unter Beifall und ironischen „Heil"-Rufen seine Rede. Der nächste Redner ist Dr. Schallt. Seine Ausführungen richten sich zum größeren Teile gegen die deutsche Politik Dr. Ofners und sind eine sehr wirksame Kritik der bisherigen jüdischen Politik, die im Liberalismus und in der deutschen Fortschrittspartei ihr Heil sah. Schließlich bringt der Kandidat unter Beifall seiner Parteifreunde und Gesinnungsgenossen das am jüdischen Rationaltag in Krakau festgelegte Programm zur Verlesung. Stürmisch akklamiert ergreift das Wort Hof und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich Elbogen: „Meine sehr verehrten Anwesenden! Erschrecken Sie nicht! Ich kandidiere nicht. (Heiterkeit.) Das überlasse ich meinen Herren Kollegen, die sich mit dem Vertrauen, das sie täglich in ihrer Kanzlei empfangen, nicht begnügen. Ich bin gekommen nach langer Zeit, um bei Ihnen zu hören. Ich muß gestehen, mit einigermaßen gemischten Gefühlen habe ich zugehört. Eines verstehe ich nicht, wie eine Gemeinde nicht von Gleichgesinnten, sondern von gleich Unglücklichen, ich begreife nicht, wie eine Gemeinschaft von gleich Leidenden auch nur einen Augenblick überlegen kann, wenn sie vor eine Wahl gestellt wird, wie Sie heute, ich kann nicht verstehen, wie Sie nur einen Augenblick zögern können, mit aller Begeisterung, mit aller Leidenschaft Ihre Stimme dem Manne zu geben, der den Namen Dr. Josef Samuel Bloch trägt. Wie können Sie zweifeln, noch überlegen, Dr. Bloch Ihre Stimme zu geben? Ich habe seine Rede, wie die aller anderen Herren Redner objektiv auf mich einwirken lassen. Ich habe seine Tätigkeit seit einer Reihe von Jahren verfolgt und die Judenfchaft Oesterreichs hat allen Grund, auf Dr. Bloch stolz zu sein. (Stürmische Zustimmung.) Ich habe eine sehr lange Erfahrung und was wenige von sich sagen können, ein sehr gutes Gedächtnis. Ich habe seine Tätigkeit von meinem stillen Posten aus verfolgt. Meine Herren! Der Mann hat alle Qualitäten, die ihn befähigen, ein jüdisches Mandat zu vertreten. (Oho-Rufe.) Meine verehrlichen Herren! Bitte mich erst ruhig anzuhören und dann werden wir sehen, ob Sie noch Oho! schreien. Täuschen wir uns nicht über die Gegenwart und über die notwendigen Fähigkeiten, um in die politische Arena hinabzusteigen. Wir brauchen Kraftpolitiker! Wer mich kennt, weiß, daß ich die Wahrheit sage. Wir leben in einer Zeit, wo das Argument so wohlfeil geworden ist wie die Brombeere am Strauche. Wir haben das Faustrecht in erneuerter Erscheinung. Eine Zeit, in welcher die Autorität aufs Neue angebetet wird, und wer das nicht weiß, ist ein unverbefferlicher Optimist oder ein Narr! Dr. Bloch, der das Ehren-Schild des Judentums in den schwersten Zeiten hochgehalten hat, derselbe Mann, der seit den Anfängen des Antisemitismus, verlassen von den Brüdern, ganz allein im Kampfe stand, der der erdrückenden Uebermacht seiner Gegner schließlich weichen mußte, kommt zu Ihnen, bewirbt sich um Ihr Vertrauen. Und Sie jubeln ihm nicht zu? Wer in Ihrer Mitte fühlt die Kraft in sich, neben ihm zu stehen? Wer von Ihnen kann es nur wagen, sein Schildknappe zu sein? (Beifall und Widerspruch.)Wer hat so viel Mut und Hingebung und Kenntnis bewiesen, wie er es getan? Er hat stets auf den Posten allein standgehalten, wohin ihn sein Herrgott gestellt hat! Sie würden eine Undankbarkeit begehen, wenn Sie ihn nicht akzeptieren! (Lebhafter Beifall, Zwischenrufe.) Ich bin über die Situation soweit orientiert, um zu wissen, von woher die Opposition kommt. Ich kenne die zionistische Bewegung, und gerade mein Herr Vorredner wird mir bestätigen, daß ich mir die redlichste Mühe gab, in die Bewegung ganz einzudringen. Allein, da meine Meinung gewiß auch die Meinung vieler ist, kann ich es ja ruhig sagen: Der Zionismus hat einen Fundamentalfehler. Er erfaßt eine vorübergehende reaktionäre Leitströmung als etwas bleibendes. Wohl hat die österreichische Judenschaft es dem Zionismus zu verdanken, daß sie sich heute stolz und frei Juden nennt, aber wer nach Jerusalem gravitiert, kann kein Oesterreicher sein. Wir wollen nicht Oesterreicher auf Kündigung sein! (Beifall.) Ich habe mit Objektivität die verschiedenen Programmreden angehört. Einer der Redner hat seinem Bedauern darüber Ausdruck verliehen, daß in der Wahlbewegung eine abschließende, alle Geister vereinende Parole nicht ausgegeben wurde. Ich kann Ihnen eine solche Parole geben und Sie brauchen nur sich selbst darüber zu befragen, was uns Juden not tut! Tapfere Männer. Und weil ich der Meinung bin daß Doktor Bloch, abgesehen von seinen sonstigen Verdiensten ein solcher tapferer Mann ist, der unter allen Verhältnissen,