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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 138 Dr. Zölocv s Mocvenscbrltt. Ar. 8 Purim. (Skizze aus dem Ghettoleben.) Von Dr. Leo Ehrentheil. Purim, das ftöhliche Fest, war gekommen. Seit vier volle» Wochen arbeitete Ruwke Zuckerbäcker, letzteres war ihr Familienname und Beruf zugleich, — nomen est omen — mit nimmer müdem Fleiße und, in des Wortes voller Bedeutung, im Schweiße ihres, ach schon mit unzähligen Runzeln durchfurchten Augefichtes, an der Fertigstellung der verschiedentlichsten Leckerbissen, von den größten Torten und „Fladen", bis zu den Mnften, fett der Vorahnen Zeiten nrb! st orb! bekannten (Nikolsburger) „Kucheln", „Jmber" und „Makronen" hinab, um für den bevorstehenden „Schlachmones"-Markt wohl gerüstet und reich assortiert dazustehen; und auch Leb Gläser hatte seine „Koscher-Wein"-Vorräte durch einige edlere und edelste Sorten von Flaschenweinen, in weiser Voraussicht der kommenden Ereignisse, bestens komplettiert. Denn die althergebrachte, auf den Worten der M e g i l l a (Buch Esther, Kap. 9, Satz 20) fußende Sitte des „mischloach monaoB isch lereehn* lebt noch frisch und ungeschwächt in der Khille fort, Gaben heischend und spendend: Wein, Backwerk und sonstige Süßigkeiten für Verwandte, Freunde und Bekannte; klingende Münze (bis zur papierenen Valuta verstiegen sich nur sehr wenige), für Raw, Dajan, Lehrer und den bedürftigeren „Meschubod". Und so steht man denn am fröhlichen „Tage der Lose" selbst die Knaben und Mädchen, beide Hände voll, durch die Gassen eile», in der einen den mit der weißen Serviette umhAlten Teller voll süßer Leckerbissen, in der anderen die in bmstem Papier eingewickelte Flasche, angefüllt mit dem edlen, allerdings etwas weniger süße» Naß, „zum Sch lächln ones" tragend und Spenden bringend von Haus zu Haus. — — — Doch wir find mit Vorstehendem den Ereignissen ein Wenig vorauSgeeilt und kehren nunmehr zum Vorabend des Festes zurück. ...... : Die dunklen Schatten des zur Zeit, rm Monate Adar, noch früh hereinbrcchenden Abends haben sich auf die „Gasse" herniedergesenkt. Im halbsestlichen Gewände eilen Männlein und Weiblein. Knaben und Mädchen der „Schul", den Gotteshäusern zu, zur Anhörung der „Meg il la", der uralten, jedoch immer wieder frisch'und wie neu klingenden, entzückenden Erzählung zu lauschen von Mardochaj, „dem. Sohne des Jair, Sohn des Schimi, Sohn des Kisch" und von seiner Pflegetochter Hadasa, der nachmalige» Königin Esther, der eigentlichen Tochter seines Oheims; ihre so bunt wechselnden Schicksale mit gemischten Gefühlen mchnerksam zu verfolgen, bald himmelhoch jauchzend, bald zu Tode betrübt; bei Nennung des Namens des bösen Unterdrückers H a m a n hingegen, die Würde des Ortes vergessend, erbittert auf die Pultdrckel zu schlagen. Kaum ist alsdann aber das alte Pergament bis auf die letzte Seite abgerollt, die Hawdala niedergebrannt und „die Rechte des Purim durch das königliche Wort Esthers bestätiget", so läuft die Jugend eiligen Schrittes aus den Gotteshäusern, denn schon tauchen die ersten Masken im Dunkel der Gaffe auf, anfangs einzeln und schüchtern, später zahlreicher und lärmend. Und welch ein buntes Gemisch! Vorherrschend allerdings, well am billigsten, ein äußerlicher Wechsel der Geschlechter, die Buben als Mädel, die Mädel als Buben; dann Gefichtslarven in großer Zahl — seit 8 Tagen große Nachftage und vollständiger Ausverkauf in ModcheEiSlerS Laden —; hie und da aber auch, wiewohl sporadisch, ein echtes Maskenkostüm, enüiehev gegen geringe Gebühr aus dem „Tandler"-Geschäft Gasche K r o n S, deS Kleiderantiquars der Gaffe. Der Besuch der MaSken gilt in vorderster Reihe den Verwandten, dann den befreundeten Familien, welche zu erraten haben, wer sich hinter der Larve und dem phantastischen Kostüm, insbesondere aber der veränderten Stimme, verbirgt .... Das Endziel aller Maskierten aber bildet das in der Mitte der Gasse befindliche große einstöckige Haus des „V o rst e h e r s". Im Hause K o r i t s ch o n e r's sind alle die weitläufigen Appartements hell beleuchtet. Die Mitglieder der Familie stehen in festlichem Gewände zum Empfange aller und jedes, vom Größten bis zum Kleinsten, vom Angesehensten bis zum Niedrigsten, bereit. Auf langen geschmückten Tafeln -— und das ist für alle Masken die von früheren Jahren schön bekannte great attraction, — sind Delikatessen aller Art aufgehäuft, von „eingemachten" Früchten bis zu „eingelegten" Häringen, vom kleinen „Küchel" und „Jmber" bis zum süßen „Fladen", aber auch Weine und Liköre stehen zu Jedermanns freier Verfügung in glitzernden Flaschen und Karaffen bereit. Wir brauchen wohl nicht erst zu versichern, daß von dem fteien Gastrechte der ausgedehnteste Gebrauch gemacht, ja oft sogar selbst die alte Regel der Bibel, das bekannte Verbot: „Weel keljecho lo titen!“ hintangesetzt wurde und Manches, was nicht gleich verzehrt werden konnte, ad saccum wanderte. Der Schmaus dauerte deshalb auch nicht gar zu lange. Leerge—geffen war die Stätte und ehe noch der Nachtwächter (lies nicht Wächter) seine Runde antrat, hatte sich auch die Gasse von den Masken und Neugierigen geleert. Alles war gut abgelaufen und auch der jüdische „Polizei" P i s k, das halbblinde „Auge des Gesetzes" der autonomen Judengemeinde, der diesen Abend seinen veritabeln krummen Säbel mit Würde umgeschnallt getragen, schritt bereits gravitätisch seiner Behausung zu, ohne auch nur ein einziges Mal Anlaß zum Einschreiten gefunden zu haben. Hojso auro wesimcho wesoson wikor!! Literatur. Dr. Gustav Kolmer, das Oesterreichische Herrenhaus. XXXIII. und 381 S. 19 X 14 om. Wien und Leipzig, 1907. K. u. k. Hof-Buchdruckerei und Hof-Verlags- Buchhandlung Karl Fromme. Das Buch enthält die Biographien der Mitglieder des Kabinets Beck, sowie 252 Biographien der Herrenhausmitglieder, welche Ende des Jahres 1906 der Pairskammer angehörten, als die Wahlreform beraten und der Xamsrns elausus iür die lebenslänglichen Mitglieder der ersten Kammer beschlossen wurde. In diesen reichen Daten aus dem Lebenslauf der ehemaligen Lenker des Staates, der hervorragendsten Männer des Hochadels, des Episkopats, der Bureaukratie, der Wissenschaft, der Kunst und des Großkapitals spiegelt sich die Politik und das parlamentarische Leben Oesterreichs. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist kein biographisches Werk über den Reichsrat erschienen. Kolmers „Herrenhaus" entspricht daher einem Bedürfnisse aller politischen Kreise und wird ein unentbehrlicher Behelf für alle jene sein, die sich aktiv an dem politischen Leben beteiligen oder auch nur den parlamentarischen Vorgängen mit größerer Aufmerksamkeit folgen. Sebr geehrter Herr Doktor! Ohne auf die Hypothese des Herrn Dr. Wagner in dieser geschätzten Wochenschrift (Nr. 5, S. 76) näher einzugehen, verdient nachdriicklichst bemerkt zu werden, daß es ein gewaltiger Irrtum ist, zu behaupten, daß die Darstellung der Schöpfungsgeschichte des Menscben in Genes. I, 27 und V, 2 im Gegensatz zu II, 21—22 sich befindet. Dieser so häufig verbreitete Irrtum ist durch die Begriffsverwirrung. welche im Worte ybat entstanden, auch in die meisten Uebertragungen gedrungen. Ursprünglich bedeutet dieses Wort nicht — wie allgemein angenommen wird — Rippe, sondern Seite, wie es der unübertroffene R a s ch i, welcher sich in das Schriftwort so tiif versenkte, wie eS unsere alten Weisen stets getan, denen das leiseste Wehen des Gotteswortes verständlich war, auch richtig erfaßte In seinem Kommentar zu II, 21—22 sagt R a s ch i: „Und er (Golt) nahm eine von seiner Seiten".„und er vollendete die S eite zu sein als Frau" Diese Erklärung wird gestützt auf die Auffassung des. Talm. bab. Erubin fol. 18 a, wo es heißt tzüs ftyoyoaat (a'vlL'iv 'ZV) ist der Mensch geschaffen worden. Erst später

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