Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. JSlocb’s MocbenscbrLN. Nr. 8 mau 184 sollten, aber, und ich fiyde dies auch vollständig berechtigt, zum großen Teile der Humanität dienen muffen, wesentlich zu erhöhe«. Als unumstößlicher Beweis dient ja der jüngst veröffentlichte Ausweis der Kultpsgemeinde, aus welchem ersichtlich, daß die Erhaltung der Gemeindetempel einen Zuschuß von 60 bis 80 Prozent zu ihrem Ertrage erfordert, während es zur Erhaltung der Bereiustempel nur eines Zuschußes von 15 bis 20 Prozent des Gesamtbudgets der einzelnen Vereinstempel bedarf, ja einzelne Tempel sogar ohne jede Subvention seitens der Ärltusgemeinde durchkommen, wobei die Verwaltungskosten der Gemeindetempel gar nicht in Anschlag gebracht find, da diese Verwaltung im großen ganzen von der Kanzleileitung der Kultusgemeinde besorgt wird, während die administrative Leitung der Vereinstempel von den Vorstandsmitgliedern kostenlos ausgeübt wird. Wenn Herr Oberkantor G u t t m a n n in der jährlich zunehmenden Liste der Getauften einen hinreichenden Kommentar zu seiner Verurteilung der Tempelvereine und seiner Funktionäre zu erblicken glaubt, so muß ich dies entschieden verneine». Gerade das Gegenteil ist der Fall; die Tempelvereine führen Scharen früher indifferenter Juden wieder in die Gotteshäuser und das von ihren Predigern verkündete Wort GotteS findet lebhaften und ersprießlichen Widerhall in den Herren und Gemütern der Andächtigen, insbesondere der Frauen. Einen fichereu Beweis hiefür bieten die fast an jedem Tempelvereine angegliederten Frauen-Wohltätigkeitsvereine für Armenpflege, Waisen-, Wöchnerinnen- und Rekonvaleszenten- Unterstützungen rc. rc., deren es nie vorher in so großer Anzahl gab und die überaus große Zahl ihrer Mitglieder beweist es, daß nicht Einzelne, sondern die große Mehrheit der jüdischen, nicht immer reich begüterten Frauen sich an diesen Liebeswerken nach Kräften beteiligt. Die wirklichen Ursachen der nicht so zahlreichen Abfälle vom Glauben liegen so klar zutage, daß sie einer besonderen Erklärung gar nicht bedürfen. Der Kampf um die Existenz in dieser Zeit des Antisemitismus veranlaßt manchen Schwächling, sich durch den Sprung in den Jordan sein weiteres Fortkommen zu sichern, weil er in seine - geistige« und moralischen Fähigkeiten nicht das nötige Vertrauen scht. sich auch ungetanst vorwärts zu bringen. Derlei Zeichen der Zeit dürfen die Juden weder beunruhigen noch irre machen. Epochen von Maffeutaufen kamen in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt vor, haben aber das Judentum in seiner Entwicklung und Ausbreitung nicht sonderlich gehemmt. So erzählt Dr. Gustav Karpeles in seinem jüngst gehaltenen Vorlage : „Heine und das Judentum", daß zu der Zeit, in welcher Heine in Berlin studierte (1820 —1826) eine förmliche Taufepidemie, ausgehend von dem Salon der schönen Rahel, unter den Jüdinnen Berlins wütete und die getauften Jüdinnen nicht genug große Halskreuze zur Schau tragen konnten, welche in merkwürdigem Kontraste zu ihren großen Rasen standen. Und so glauben und hoffen wir, daß Israel zur Erfüllung seiner göttlichen Mission fortbestehen wird, so lange die Menschheit sich um der Verschiedenheit des Glaubens wegen anfeinden und bekämpfen wird. Erst wenn alle Menschen eines Glaubens des in der Brust jedes Menschen wohnenden einigen einzigen Gottes der Liebe, Güte und Barmhetzigkeit sein werden, wird es keiner „Durch den Donaukanal gezogenen, natürlichen Grenzen", keiner Prachtsynagogen und keiner Oberkantoren bedürfen, um die Menschheit an ihr oberstes Pflichtgebot: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst," mahnen zu müffen. Bis dahin aber schützet und fördert die Tempelvereine! Franz Frankl, Vorstandsmitglied de? Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk*) Schriftführer. * * * *) Anm. Eine dritte Zuschrift von L. W. in gleicher Angelegenheit mußte wegen Raummangels weggelegt werden. Vom Vor stände des Oe st er r.-ungarischen Kantoren-Vereines werden wir um Aufnahme des nachstehenden Communiques ersucht: In der Dienstag, den 19. d. M., 7 Uhr abends, unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten I. Bauer und in Anwesenheit der Vorstandsmitglieder PH. Baßl, S. Dünmann, B. Guttmann, S.Jurberger, I. Löwit, I. Schleifer, I. Schlesinger, M. Schorr und Smotritzky stattgehabten Vorstandsfitzung, welche sich mit der durch diverse Veröffentlichungen in den Wiener jüdischen Blättern sattsam bekannten Angelegenheit der Trauung Wertheim st ein- , Rothschild im Tempel VIII., Neudeggergasse beschäftigte, wurde folgender einstimmiger Beschluß gefaßt: „Unter schärfster Mißbilligung und Zurückweisung der anläßlich der Trauung im Tempel VIII., Neudeggergasse gegen den Präsidenten des Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines, Herrn Oberkantor Josef S i n g e r, in der Wiener jüdischen „National- Zeitung" veröffentlichten, vollkommen ungerechtfertigten und höchst bedauerlichen Angriffe und Anwürfe, sieht sich der Vorstand nach genauester Prüfung der Sachlage zu der Erklärung veranlaßt, daß Herr Oberkantor Josef Singer vollkommen korrekt und einwandfrei vorgegangen ist und auch als Präsident des Kantoren-Vereines nach keiner Richtung hin die gebührende Rücksicht auf die Wahrnehmung der Standesinteressen außer acht gelassen hat. Auf Grund dieser Ueberzeugung fühlt sich der Vorstand des Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines verpflichtet, dem Herrn Oberkantor Josef Singer als Kollegen und Präsidenten des Vereines durch diese öffentliche Kundgebung sein vollstes Vertrauen auszudrücken." Tempelbauverein des VIII. Bez. Neudeggergasse 12. Am 31. Jänner d. I. fand in den Räumen des Tempelgebäudes, VIII., Neudeggergasse 12, die ordentliche Generalversammlung des Josefstädter Tempelbauvereines statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie auch insbesonders die Delegierten der Kultusgemeinde, die Herren kais. Rat Sigm. K a u d e r s und Kommerzialrat Leopold Simon, wurden vom Vereinspräses Herrn Hermann Beck wärmstens begrüßt, worauf der Schriftführer des Vereines Herr Dr. Sigmund Goldberger den Verwaltungsbericht über das Vereinsjahr 1906 erstattete. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden die Wahlen vorgenommen, bei welchen die ausgelosten Herren Ausschußmitglieder Josef Mittler, Hermann Pollak, Leopold Robicsek, Heinrich Rosenbaum, Samuel Sidon, ferner die Ausschuß-Stellvertreter Isidor Mintz, Max Platsch e k, und die Revisoren Salomon Bauer, Julius Beck und Rudolf Hacker mit Akklamation wiedergewählt wurden. Von einem Vorstandsmitgliede interpelliert, versichert der Delegierte der Kultusgemeinde kais. Rat K a u d e r s, daß er die seitens des Tempelbauvereines bei der Kultusgemeinde eingebrachten Gesuche wegen Erhöhung der Subvention und wegen des Rabbiners befürworten werde, welcher Erklärung sich Herr Kommerzialrat Simon anschließt. Der Vorsitzende spricht diesen beiden Herren, sowie allen Erschienenen seinen besten Dank aus und schließt sodann die Versammlung. Schulfragen. Regelung des mosaischen Religionsunterrichtes an öffentlichen Schulen. Am 11. d. fand im großen Sitzungssaale des Lemberger Landesschulrates eine in ihrer Art einzig dastehende Versammlung statt. Die Vertreter der größten Kultusgemeinden aus Galizien berieten im Vereine mit den Vertretern der jüdischen Religionslehrer im Beisein aller.Mitglieder des Landesschulrates unter dem Vorsitze des rühmlich bekannten Präsidenten des galizischen Landesschulrates, Dr. Plazen, über die Regelung