Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Str. 8 Dr. Lwcv s MlocvenscvrM. Seite 135 des mosaischen Religionsunterrichtes an öffentlichen Schulen aller Kategorien. Der an und für sich schon hochintereffante Verlauf der Beratungen hat eine noch interessantere Vorgeschichte. Gerade in Galizien, welches man im Wesen als den Sitz urjüdischen Lebens kennt, hat sich in allerletzter Zeit eine äußerst unliebsame Polemik über jüdische Religion und Religionsunterricht entwickelt. Eine ganz geringe, aber sehr rührige Gruppe der Ultrafortschrittsjuden, die aber mit dem Judentum sonst nichts gemeinsam haben will, ist mit den alten Reformideen aus der Geigerischen Zeit auf die galizische Plattform getreten und wollte dafür in erster Reihe die Schule erobern. „Alles hebräische Wissen sei Ballast, die Liturgie und die Bibel, die Grundbestandteile des Religionsunterrichtes, mögen wohl bleiben, aber nicht in der Ursprache, sondern in polnischer Übersetzung." Wir haben diese Sachen schon vor sechzig Jahren gehört, zu uns nach Galizien kommt das Licht und die Erleuchtung etwas spät, aber sie kommt doch. Der Sturm, mit dem uns.-re Neologen die Schule angriffen, war so heftig, daß im Interesse der endgiltigen Lösung der Frage der Landesschulrat sich entschloß, die Gemeinden, die einzigen, kompetenten und berufenen Behörden, um ihre Ansicht zu befragen. Professor Dr. Leon Sternbach, der einzige und alleinige Vertreter der Juden im Landesschulrate, sollte über die Regelung referieren. Da nun allseits verlautete, daß Dr. Sternbach einen bedeutenden Teil der Reformideen der Neologen zu den seinigen mache und als Referent während der einberufenen Versammlung gegen den Unterricht der Bibel im Original an den Mittelschulen auftreten werde, so erhob fich ein Sturm der Entrüstung durch ganz Galizien, der sogar einen offenen Brief an Dr. Sternbach zur Folge hatte, in welchem ein gewisser Dr. Rappaport im Namen des gläubigen Judentums Dr. Sternbach vor einer eventuellen Reform warnt. Die konservativen Kreise fanden diesmal Unterstützung in der zionistischen Presse, die mit außerordentlicher Vehemenz gegen Dr. Sternbach auftrat. Die Folge davon war, daß sehr viele Gemeinden und Privatpersonen den Landesschulrat vor Einberufung der Enquete und während derselben mit Protesten gegen eventuelle Einschränkung des „Hebräischen" während des Religionsunterichtes überhäuften. So tat denn auch Dr. Sternbach sehr wohl daran, daß er im letzten Augenblicke seinen ursprünglichen Plan, die Bibel im Original aus dem Religionsunterricht zu weisen, aufgab und sich in seinem Referate für eine weitgehende Berücksichtigung der Bibel und der Liturgie in der Ursprache ausspricht. Alle Delegierten der Kultusgemeinden erklärten sich einmütig für die weitgehendste Berücksichtigung der „heiligen Sprache" während des Religionsunterrichtes. Nach dieser Richtung hin war die Enquete eine würdige und entschiedene Antwort all denen, welche da glaubten, daß der Wille einiger dem Judentum schon längst entfremdeten, sogenannten „Auch-Juden" dem ganzen traditionellen und gesetzestreuen Judentume dank der Zuhilfenahme des allpolnischen „Slovo polskie" aufgedrängt werden kann. Neben dem Plane handelte es sich um die Feststellung der Qualifikation und die Regelung der materiellen Verhältnisse der Religionslehrer. Referent Dr. Sternbach hat seine sehr weitgehenden Pläne, die auf die Gründung eines Rabbinerseminars in Galizien und die Reorganisation der bestehenden Religionslehrer-Bildungsanstalt für Volks- und Bürgerschulen hinzielen, auseinandergesetzt und auch hierin stimmten ihm die anwesenden Delegierten zu. daß die Verhältnisse eine Besserung erheischen, da bis nun keine gesetzlich geregelte Norm bestehe, wer eigentlich qualifizierter und wer nichtqualifizierter Lehrer sei. Außerdem teilte Dr. Sternbach den Delegierten mit, daß es ihm gelungen sei, im Ministerium eine Konzession zu erlangen, nach welcher an manchen Gymnasien die hebräische Sprache als unobligater Gegenstand eingeführt werden soll. Zum Schluffe sei erwähnt, daß der Präsident des Landesschulrates in einer äußerst fein durchdachten und sehr warm gehaltenen Ansprache die Enquete eröffnete, und auf Antrag des Lemberger Kultusgemeinde-Präsidenten wird diese Ansprache in Druck gelegt und im ganzen Laude verteilt werden. Es ist zu erwarten, daß die Enquete alle den Religionsunterricht betreffenden Fragen ein für allemal regeln wird, wenn all die Anregungen, welche die Delegierten gaben, verwertet und die Ideen des Dr. Sternbach in Taten umgewandelt werden. Lemberg, 15. Februar 1907. Dr. Bernhard Hausner. Judenrein. Im April vorigen Jahres wurde bekanntlich die Brünner Landwirtschaftliche Spar- und Vorschuß-Kafsa, registrierte Genoffenschaft mit unbeschränkter Haftung bei einem Spareinlagenstand von vier Millionen Kronen und einem unbedeckten Defizit von drei Millionen insolvent. Dank dem energischen Eingreifen wackerer Männer wurde das die Existenz hunderter Familien gefährdende Unglück gemildert. In dem Sanierungskomitee waren es insbesondere unsere Glaubensgenoffen, die Herren Dr. M. Stein und kais. Rat L. Black, welche Dank ihrer Sach- und Fachkenntnis die Aktion in solche Bahnen lenkten, daß unter Mithilfe der anderen nicht unverdienten Mitglieder des Komitees und unter kräftiger finanzieller Förderung seitens der Stadt und des Bezirkes eine glückliche Beendigung mit Sicherheit zu erwarten ist. In das Liquidationskomitee wurde Herr kais. Rat Black fast einstimmig gewählt, auch von bekannten Antisemiten, und auch in dieser Eigenschaft entwickelt derselbe ein allgemein anerkanntes Wirken. Die Leiter der verkrachten Kaffa standen anfangs dieses Monats vor dem Schwurgerichte und erhielten für ihr betrügerisches herostratisches Wirken sechs und vier Jahre schwerken KerkerS mit Fasten. Schon die Anklageschrift war intereffant, indem die Staatsanwaltschaft konstatierte, daß die vielseitig angeregte Wahl des kais. Rates Black immer damit Hintertrieben wurde, daß man die Kassa „judenrein" erhalten müffe, während der wahre Grund der war, daß man die Tüchtigkeit des jüdischen Kaufmannes fürchtete, der den ganzen Schwindel erkennen und aufdecken könnte. Als Zeuge vernommen, wies Herr kais. Rat Black aus den Protokollen der Generalversammlungen nach, daß er schon vor 25 Jahren gegen die hohen Dividenden Stellung nahm, während er in den ferneren Jahren die verschiedensten, dem Institute zum Vorteil gereichenden Anträge stellte, welche immer abgelehnt wurden, weil solche von ihm kamen. Auf die Frage des Verteidigers des einen Angeklagten wieso es komme, daß Uhl, der ein Führer der Fortschrittlichen und nach der Aussage des Zeugen nicht judenfeindlich war, seine Wahl unter der Ausrede, die Kaffa müffe judenrein sein, in den Verwaltungsrat verhinderte, antwortete der Zeuge: „Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Fortschrittlichsten der Fortschrittlichen, einem konservativen Zuge folgend, den Juden Zurücksetzungen zu Teil werden laffen, die man schweren Hebens empfindet, an die man fich aber, da man es nicht zu ändern vermag, resigniert gewöhnt." Es ist nicht unintereffant, daß sämtliche sogenannten fortschrittlichen Zeitungen diese Aussage nicht bringen, während die antisemitische „Brünner Volkszeitung" sie wörtlich abdruckte. Die Kaffa war bis zu ihrem Zusammenbruche judenrein und es ist gut so, sonst würden die Juden für Alles verantwortlich gemacht worden sein. Jetzt helfen die Juden und insbesondere Herr kais. Rat Black die Kaffa rein zu machen. Möge es ihnen gelingen im Interesse aller Beteiligten und nicht zuletzt als Liäused dasedem. Hermiscbtes. Wien. Herr Med. Dr. Nathan Weinstein, XX., Wallensteinstraße, feiert am 20. d. M. im engsten Familienkreise sein 25jähriges Doktorjubiläum. Der Jubilar ist im XX. Bezirke seit 20 Jahren ansässig und hat fich jederzeit durch seinen Wohltätigkeitsfinn gegen die arme Bevölkerung des XX. Bezirkes rühmlichst hervorgetan.