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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«ttte 132 Dr. 3510cd& «ölocDcnscDntu Nr. 8 Wir konnten nur andeuten, welche Fülle von interessanten Dingen und welche Anregungen dieser Neu-Fund darbietet. Vieles ist noch bestritten, nicht weniges noch gänzlich ungeklärt; aber jetzt schon kann man sagen, daß hier einer der bedemsamsten jemals in Egypten gemachten Funde der wissenschaftlichen und der wissensbegierigen Welt geschenkt worden ist. AJ. Korrespondenzen. Erklärung der jüdisch-nationalen Verbindungen Wiens. Anläßlich des Stiftungsfestes einer deutsch-liberalen Studentenverbindung haben an der Wiener Universität Demonstrationen stattgefunden, welche nebst anderen damit im Zusammenhang stehenden Vorfällen die Unterzeichneten Verbindungen zur Feststellung chrer prinzipiellen Haltung gegenüber den deutschliberalen Verbindungen veranlassen: Die paar deutsch-liberalen Korporationen bestehen zu fast 95 Perzent aus Mitgliedern, die entweder ungetaufte Juden sind oder den dort herrschenden und forcierten Traditionen mutwilligster Taufen gefolgt sind. Es ist selbstverständlich nicht Sache der Unterzeichneten Korporationen, irgendwem ein politisches oder nationales Bekenntnis vorzuschreiben und es könnte ihnen von diesem Gesichtspunkte aus gleichgiltig sein, ob diese Herren alljährlich, wie bisher, einige indifferente jüdische Akademiker anlocken, um sie systematisch dem Judentum zu entfremden und ihnen ein erlogenes Deutschtum suggerieren. Nicht gleichgiltig aber ist es uns, wenn diese sogenannten „deutsch-freisinnigen" Studenten den jüdischen Namen, welchen zu Ansehen zu bringen die Unterzeichneten mit allen Kräften und nicht ganz ohne Erfolg bemüht waren, dadurch entehren, daß fie den deutschen Ariern ihre Anhängerschaft und unwillkommene Gefolgschaft trotz allen moralischen Fußtritten (Ehrlosigkeitserklärung gegen Juden und Judenstämmlinge, prinzipielle Ausschließung von allen Aktionen und Kundgebungen der deutsch-arischen Studentenschaft, u. dgl.) immerfort aufdrängen. Bezeichnend für diese würdelose Stellung sind zahlreiche Erklärungen von Deutschnationalen über die ethische Minderwertigkeit und politische Charakterlosigkeit des deutschjüdischen Standpunktes gegenüber dem jüdisch-nationalen. Gleichgiltig ist es ferner nicht, wenn deutsch-liberale Korporationen den Mut der Lächerlichkeit aufbringen und jüdisch-nationalen Verbindungen Satisfaktion mit der famosen Begründung verweigern, daß „sie ihre deutschen Klingen mit ihnen nicht kreuzen, weil sie deutsche Art und Sitte an der alma mater verunglimpfen". Jeder Unbeteiligte wird zugeben müssen, daß der Kampf, der unsererseits Juden gegenüber am liebsten vermieden wird, unter solchen Umständen notwendig, nützlich und unausbleiblich ist. Wir haben den Kampf um das Ansehen und die Ehre der jüdischen Studentenschaft, um die Ehre unseres Volkes gegen numerisch weit überlegene Gegner unter den schwierigsten Verhältniffen nicht gescheut und werden gewiß auch einen Weg gegen Juden, welche als solche eine würdevolle und selbstbewußte Haltung Schritt für Schritt vermiffen lassen, zu finden wissen. Wir werden ihn zähe, rücksichtslos bis zur letzten Konsequenz verfolgen. Dies diene zur Aufilärung der jüdischen Oeffentlichkeit und speziell der jüdischen Jugend, die durch tendenziöse Berichte und leere Aeußerlichkeiten irregeführt werden könnte. Die jüdisch-akademischen Verbindungen: „Ivria“, „Kadimali“, Maccabäa“, „Unitas“. Die Stellung der Tempelvereine im Organismus der jüdischen Gemeindeverwaltung Wiens. Eingeseudet. Sehr geehrter Herr Redakteur! Während die Stadt Wien, ganz besonders aber die Wiener Judenschaft sich mit Genugtuung der Auszeichnung, aber auch des ökonomischen Nutzens freut, welcher ihr dadurch erwuchs, daß Lord Rothschild gerade hier seine Trauung mit der Tochter des ungarischen Kavaliers feierte, ist zwischen den sich in ihrer Ehre gekränkt fühlenden Kultusbeamten des Josefstädter Tempelvereines einerseits und einzelnen vermeintlich in ihren materiellen Rechten bedrohten Funktionären der Gemeinde anderseits ein recht unerquicklicher Federkrieg entbrannt. Nur mit Widerwillen menge ich mich in den Streit. Viel lieber hätte ich es den diesen Beamten Vorgesetzten überlassen, ihn zu unterdrücken, sowie die Angriffe, die sich bis zur Beschuldigung des Vertragsbruches verstiegen, abzuwehren, wenn nicht auf beiden Seiten der Tempelverein, dem Schreiber dieses vorzustehen die Ehre hat, auf der einen Seite offen, auf der anderen verblümt apostrophiert worden wäre. Gestatten Sie daher, sehr geehrter Herr Redakteur, daß auch ich den Standpunkt der Tempelvereine gegenüber der Darstellung Ihres Korrespondenten von voriger Woche zu vertreten versuche, schon damit das große Publikum in der Lage sei, sich über die den Hintergrund der Zeitungsfehde bildende Frage, die seit einer Reihe von Jahren nach Lösung ruft, ein sachliches Urteil zu bilden. Auch ich muß, um Klarheit zu schaffen, den Lesern Ihres geschätzten Blattes die jüngste Geschichte unserer Gemeinde, soweit dies zum Verständnisse der Streitfrage notwendig ist, ins Gedächtnis rufen. Als vor 26 Jahren Oberkantor Singer das Erbe nicht des „Altmeisters", sondern des ewig jungen, gottbegnadeten Zionssängers Sulzer antrat, zählte Wien 72.500 Israeliten, die zumeist in der Stadt und Leopoldstadt wohnten. In den anderen damals noch recht abgeschiedenen Vorstädten lebten nur wenige, den ärmeren Schichten angehörige Gemeindegenossen. Nur auf dem sogenannten Brillantengrunde gab es schon damals einige angesehene jüdische Häuser wie Trebitsch, Eisenberger, Pollack rc. Der Tempelverein für den -VI. und VII. Bezirk ging, als sein Drängen und Bitten nach einem Gemeindetempel in der Gemeindestube tauben Ohren begegnete, als Erster an die Errichtung eines eigenen Gotteshauses, die in den anderen Bezirken zerstreuten Gemeindemitglieder mußten sich damit begnügen, ihre Andacht in gemieteten, nach jeder Richtung mangelhaft ausgestatteten Betstuben zu verrichten. In diesen bescheidenen Räumen Trauungen abzuhalten, gebrach es an. allen Erfordernissen, an Platz, wie an geeigneten Funktionären. Da kurz vorher die israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes eröffnet wurde und die damals zwischen Jude und Christ herrschende Eintracht erwarten ließ, daß sich Andersgläubige häufig an den Leichenbegängnissen von Angehörigen unserer Konfession beteiligen werden, glaubte der Kultusvorstand zur Wahrung des Decorums die Funktionen bei Beerdigungen auf ihre eigenen Rabbiner und Kantoren beschränken zu sollen. Sehr bald jedoch änderte sich das Bild. Die öden, die Stadt von den Vorstädten trennenden weiten Flächen wurden mit bequemen und luxuriösen Häusern ausgebaut, die Vorstädte selbst entwickelten sich in ungeahnter Weise, die jüdische Bevölkerung Wiens verdoppelte sich, ja sie zählte schon im Jahre 1900 146.926 Seelen. Selbstverständlich wuchs damit auch das Bedürfnis und der Wunsch nach größeren Gotteshäusern. Da die Gemeinde trotz unzähliger Petitionen und trotz den klaren Bestimmungen des Gesetzes nichts vorkehrte, um den'Kultusbedürfnissen genüge zu leisten, blieb den Vorstädten nichts anderes übrig, als der sorgenschwere Weg der Selbsthilfe. Die Vereine wuchsen mit der Zahl der Gemeindemitglieder, bauten mit geringer Unterstützung aus Gemeindemitteln monumentale Gotteshäuser und statteten dieselben mit solche« Funktionären aus, wie sie sie als den Bewohnern des I. und H. Bezirkes ebenbürtige Steuerzahler eigentlich von der Gemeinde zu verlangen das unversiegbare Recht hätten. Wie gerindie von der Gemeinde gewährten Bauzuschüsse waren, beweist die eine Tatsache, daß in der Zeit, in der sieben neue Vereinssynagoge«

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