Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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cäette 130 L»r. Biocos Mlocvens orm. 5ftt. 8 Aus einer jüdischen Gemeinde an der nndische« Grenze. (5 Jahrhundert v. Chr.) Die Aramäer waren ein von den „babylonischen" und kanaanäischen Semiten scharf unterschiedener Völkerstrom, der sich von der Mitte des 2. Jahrtausends vor Chr. an aus Arabien in das kleinasiatische Kulturland zu ergießen begonnen hatte. Im 14. und 13. Jahrhundert hören wir von den Aramäern aus Keilschriften; um 1100 müssen sie bereits Damaskus, den Hauran und die Gebiete östlich vom Jordan vom Tiberiassee bis an den Hermon besetzt haben; und die Bibel wie die babylonisch-assyrischen Urkunden wissen aus der Zeit Salomos und aus der der Auflösung des David-Reiches gar viel von dem mächtigen Aramäerstaat mit der Hauptstadt Damaskus zu erzählen, bis Tiglat-Pileser von Assyrien 732 vor Chr. Damaskus unterwarf und um 710 der syri.'ch-aramäische Staat assyrische Provinz wurde. Auch in die östlichen Gebiete der nordsemitischen Länder, nach Assyrien und Babylonien, vollzog sich eine aramäische Einwanderung, wobei es zu keinen größeren selbständigen Staatenbildungen kam; die Aramäer dieser Gegenden find nach und nach in der babylonischen Kultur ausgegangen (vergl. darüber Sanda „Die Aramäer" in „Der alte Orient"). Aber in einer Beziehung haben die unterworfenen und aufgezehrten Aramäer gesiegt; ,.Aram victa ferum victorem cepit“, kann man frei nach Horaz sagen. Schon seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts läßt sich in Assyrien der Gebrauch der aramäischen Konversationssprache an der Hand von Denkmälern konstatieren, sie herrschte damals in Babylonien, siedringt nach Palästina vor und überwindet das Hebräische, das allerdings von den Gebildeteren noch geschrieben und wohl auch gesprochen wurde. Die Juden der späteren Zeit standen ganz unter dem Einfluß der die ganze damalige semitische Kulturwelt beherrschenden aramäischen Sprache, in deren westlichem oder palästinensischem und östlichem oder babylonischem Dialekt die Literatur der späteren Juden abgefaßt ist: die aramäischen Stücke des Alten Testaments, die Talmudim, Targumim, Midraschim und verschiedene Apokryphen. Auch Christus hat aramäisch gesprochen, wie es die Juden im Exil und nach der Rückkehr aus dem Exil gesprochen haben. Als ich in der „Frankfurter Zeitung" (vom 19. Jänner 1905) von den Murashü-Iadlets sprach, hätte ich die Verbreitung der aramäischen Sprache in Mesopotamien schon betonen können, denn die Keilschrifttafeln, welche die Geschäftsdokumente der großen Firma Murashu in Nippur repräsentieren, trugen aramäische Indossamente. Diese Denkmäler der aramäischen Sprache stammen aus der 2. Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts; es ging aus den in den Urkunden vorkommenden Namen u. a. hervor, daß eine jüdische Bevölkerung damals noch und noch viel länger in Babylonien auch nach der Esra-Periode wohnen blieb und in angenehmen Verkehr mit der eingeborenen und der herrschenden Raste stand. Schon früher hat man nun auch Fragmente aramäischer Papyri in Egypten gefunden, die man immer in die ptolemäische Zeit gesetzt hat, da man nicht glauben wollte, daß sie aus ftüheren Zeiten stammen könnten. Nunmehr hat aber der so unendlich reiche egyptische Boden eine Anzahl aramäischer Papyri hergegeben, die von ungewöhnlicher Bedeutung find: sie versetzen uns in die Zeit der Achämeniden-Herrschaft in Egypten, also fast in die gleiche Periode, aus der auch die Murashü-Iadlets stammen, und in eine jüdische Familie, die in einer jüdischen Gemeinde in Oberegypten an der nubischen Grenze lebte. Diese zehn umfangreichen und fast tadellos erhaltenen Originalurkunden in aramäischer Sprache aus der Zeit der persischen Könige Lerxes, Artaxerxes und Darius sind im Jahre 1904 in Affuan, dem alten Syene, an der Grenze von Oberegypten und Aethiopien wahrscheinlich bei Straßenbauten zusammen in ein Gefäß verpackt gesunden worden. Herr Robert Mond aus London, ein Mitglied der aus Kassel stammenden Familie, die durch ihre vorzüglichen Kunstsammlungen und ihr Mäcenatentum wohlverdienten Ruhm besitzt, hörte davon, während er gerade in Theben mit. Ausgrabungen beschäftigt war; er eilte nach Affuan, und es gelang ihm, ö1/* der Papyri zu erstehen, 3 Va kaufte Lady W. Cecil, den letzten die Oxforder Bodleiana. Die neun erstgenannten Papyri wurden von den Käufern dem Museum von Kairo überlassen. Herr Mond trug auch die Kosten der Publikation, die in 79 Seiten Text und 27 Tafeln vorliegt, (Aramaeie Papyri discovergd at Assuan“. London, A. Moring 1906.) Prof. Sayce hat die Einleitung des hervorragenden Werkes geschrieben. Cowley hat die Entzifferung der aramäischen, schwer leserlichen Kursivschrift durchgeführt und einen ausführlichen philologischen und exegetischen Kommentar dazu gegeben. Ueber die egyptologischen Dinge hat sich Prof. Spiegelberg in dem Bande geäußert, und der Franzose Seymour de Ricci hat eine Bibliographie der sonst bekannten aramäischen Sprachdenkmäler aus Egypten dazugegeben. Statt der gefundenen zehn Papyri finden wir jedoch deren elf publiziert, indem eine schon vor Jahren von Cowley herausgegebene dazugehörige Urkunde mit ausgenommen wurde, über welche schon eine reiche Literatur existiert. Auch die neuen überraschenden und sehr bedeutsamen Funde und ihre glänzende Publikation haben schon eine wichtige Besprechungs- und Ergänzungsliteratur hervorgerufen von der mir Clermont-Ganneau (Revue critique d’histoire et de litterature Nr. 44, 1906), Th. Nöldecke (Zeitschrift für Assyriologie und verwandte Gebiete, Februar 1907), E. Schürer (Theologische Literatur-Zeitung Nr. 1 und 3, 1907), Ulrich Wilcken (Archiv für Papyrusforschung, 17. Jänner 1907), S. A. Cook (Quarterly Statement des Palestine Exploration-Fund 1907. I). Mark Lidzbarski (Deutsche Literaturzeitung 1906 Nr. 51 und 52) vorliegen. Cowley und Nöldecke haben in ausgezeichneter Weise gezeigt, wie wichtig diese Texte für die semitische Sprachforschung und die aramäische Paläographie sind; eine notwendige Ergänzung dazu gibt Lidzbarskis Abhandlung über aramäische Texte auf Stein, Ton und Papyrus in seiner Ephemeris für semitische Epigraphik (1906, 2), bei der allerdings nur der Cowleysche und noch nicht die neugefundenen Papyri benutzt wurden. Die Semitistik wird noch lange sich mit diesem Neufund zu beschäftigen haben; für weitere Kreise tritt aber das sprachliche Interesse vor dem historischen, kulturhistorischen und religionsgeschichtlichen weit zurück, was aus der kurzen Inhaltsangabe der Dokumente ohneweiters hervorgeht. 1. Qonyah, Sohn des Zadoq, Aramäer aus Syene, erhält von seinem Nachbar Mahseyah, Sohn des Aedonyah, Aramäer aus Syene, aus dem Quartier (richtiger Feldzeichen) Quarizat, die Autorisation, eine Ziegelmauer neben seine Haustüre zu bauen. (Jahr 15 des Lerxes —470 vor Chr.) 2. Dargman, Sohn des Harsin vom Tempel des Feuers (?) zu Elephantine, gibt seine Ansprüche auf das von Mahseyah, Sohn des Iedonyah, Jude (Aahondi) aus Elephantine beanspruchte Grundstück auf, nachdem dieser mit Frau und Sohn vor dem von Demidata präsidierten Tribunal einen Eid bei dem Gotte Aahu (Jehovah) von Elephantine geschworen hatte. (Jahr 21 des Xerxes — Jahr 1 des Artaxerxes — 465 v. Chr.) 3. Mahseyah, Sohn des Iedonyah, Jude aus Elephantine, bestätigt seinem Schwiegersohn Iezanyah, Sohn des Uryah, die Schenkung eines Stück Landes als Mitgift für seine Tochter Mibtahyah. (Jahr 6 des Artaxerxes — 459 v. Chr.). 4. Bezieht sich auf das gleiche Landgeschenk und den Verzicht von Dargman darauf (Nr. 2). 5. Mahseyah gibt seiner Tochter auch ein Haus, das er einst von Mechullam, Sohn des Zakkur, gekauft hatte, unter Uebergabe des damaligen Kaufaktes. Diese Schenkung gilt als Entgelt für verschiedene Auslagen der Tochter als Mahseyah in der Zitadelle fern war. Dieses Haus grenzt an das Heiligtum (agora) des Gottes Dahn (Jehovah). (Aus dem Jahre 19 des Artaxerxes — 446 v. Chr.). 6. Ein Egypter, Architekt der Zitadelle von Syene, verhandelt mit Mibtayah, Tochter des Mahseyah, des Sohnes des Nedonyah, über verschiedene Dinge. Mibtayah erhält den Eid