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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Fette 126 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 8 Nun komme ich zu einem neuen und springenden Punkt in den Ausführungen des Herrn Vorredners. Er hat von „Pauschalien" gesprochen, die ich von der Gemeinde beziehe. Ich hätte gehofft, daß dieser vollständig unwahre Vorwurf nach der ersten Forderung des Anstandes nicht erhoben würde. Schon vor Jahren hat das zionistische Aktionskomitee diese Beschuldigung durch eine Interpellation an den Vorstand erhoben, durch eine Interpellation, die Herr Dr. Kahn in Gegenwart des unvergeßlichen Dr. Herzl erhoben, Ich habe mit Dr. Herzl noch viel zu tun gehabt, dieser Anwurf ist aber bis heute nie wieder auftaucht. Die Herren haben nämlich folgende Auskunft bekommen: Als der Prozeß Rohling beendet war, der vielleicht ohne mein Verdienst für die damalige Judenheit epochale Bedeutung hatte, traten viele Herren zusammen, um mir für mein angestrengtes zweijähriges Arbeiten, für die Gefahr, in der ich schwebte, ein Geschenk machen wollten. Da erklärten Vertreter der Kultusgemeinde, man solle von einer Sammlung absehen, die Gemeinde hätte beschloffen, mir als Anerkennung für diese und andere Verdienste fünfzehnhundert Gulden jährlich anzuweisen, wofür ich verpflichtet sei, alle ihre Ankündigungen umsonst zu bringen. Ob ich also mich dessen zu schämen habe, überlasse ich getrost dem öffentlichen Urteil. Am schwersten trifft mich die Beschuldigung der jeweils nach Bedarf geänderten Gesinnung. Ich hätte früher stets Assimilationspolitik getrieben, sei erst jetzt national gefärbt. Was ist die Wahrheit? meine Herren! Ich habe heute über Assimilation gesprochen und auch Zitate gebraucht aus einem bekannten Werke. Aus der Rede nämlich, die Dr. Josef Bloch auf einer Makkabäerfeier gehalten hat, auf der ersten Makkabäerfeier in Wien. (Zwischenruf: Das war vor der Wahl in Kolomea.) Nein! Hier ist das Buch es war nach der Wahl, die Kadimah hätte mir auch wahrscheinlich gar nicht die Ehre erwiesen, mich einzuladen, wenn ich niht damals schon Abgeordneter gewesen wäre. Richtig ist wohl, daß ich mich gegen zionistische Angriffe gewehrt habe. Mein Organ ist der zionistischen wie jeder andern Richtung im Judentum stets offen gestanden. Denn das Blatt ist eine allgemeine Tribüne für jede jüdische Meinung und Diskussion, aus der nur immer das Beste für uns Juden herausgefunden werden soll. (Beifall.) Man hat mir einiges zugeschickt, anderes nicht, das ist das Wesen der vollständigen ungerechten Beschuldigung in diesem Punkte. Die Beantwortung der politischen Gewiffensfragen gebe ich kurz und bündig. Ich bin bereit, mich in allen jüdischen Fragen einem jüdischen parlamentarischen Klub, falls ein solcher bestehen wird, zu fügen. (Beifall.) Was die Frage einer jüdischen Autonomie anbelangt, der Eintragung in jüdische Kataster mit politischer und kultureller Selbstverwaltung der Juden, so kann ich mich nur nach dem Willen der Majorität meiner Wähler richten. Die Führerschaft in dieser Frage übernehme ich nicht. Hier also mein ganzes Bekenntnis, das jetzt dasselbe ist, wie seit Jahrzehnten. Ich weiß aber nach meiner eigenen Erfahrung, die ich früher dargelegt habe, daß die gewollte, starke Annäherung an eine Partei dieselben Folge habe wie die starke Annäherung der Assimilanten an die Christen. Ich kann und werde mich nicht ändern,, bin für Freund und Feind der „Rabbi Bloch", der nichts anderes tun wird, als er bereits getan hat. Als „Rabbi Bloch", unter einem Namen, auf den ich stolz bin und der mein Programm deckt, trete ich vor Sie hin und überlaste jede Entscheidung Ihrem Vertrauen, das ich weiterhin zu verdienen hoffe. (Stürmischer Beifall. Redner wird beglückwünscht.) Rede des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Carl L i f c z i c z: Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn auch durch die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes die Jntereffenvertretung beseitigt erscheint, so macht man denn doch bei Beginn der Wahlkampagne die Wahrnehmung, daß bestimmte Wahlparolen ausgegeben werden, um die sich stets eine Gruppe von Interessenten railliert. Wir bemerken schon jetzt, wenn auch nebelbait, die Umriffe der künftigen Gestaltung der Volksvertretung. Hier erschallt der Ruf der Agrarier, dort der Industriellen, hier National-Kampfrufe, dort Kampfrufe der klassenbewußten Arbeiter. Es fällt hiebei keiner dieser Gruppen ein, die Vertretung ihrer Interessen anderen anzuvcrtrauen, als den ihren. Sie wollen die Wahrung derselben in eigener Hand behalten. Ein Agrarier wird nie einem Industriellen die Vertretung der agrarischen Interessen anvcrtrauen, es wird kein Ruthene einem Polen und kein Pole einem Ruthenen seine Interessenvertretung übertragen. ' Nun gibt es eine bestimmte Klasse von Staatsangehörigen, welche Unbill zu erleiden haben: nur auf Grund und zufolge ihrer Zugehörigkeit zu dieser bestimmten Klasse. Es sind dies — um mit dem sozialdemokratischen Vorredner zu sprechen — „zufällig" Juden. Ich habe wiederholt an dieser Stelle das Martyrium geschildert, welches dieselben nur deshalb weil sie Juden sind, zu erdulden haben. Und nun kommt zu Ihnen eine Gruppe von Juden dieses Bezirkes und verlangt, daß in diesem Wahlkreise, wo die Juden anscheinend in der Majorität sind, ein Mann aufgesiellt werde, welcher offen und ehrlich erklärt, als Vertreter der Juden zu kandidieren (Stürmischer Beifall) und als solcher gewählt zu werden wünscht, und da sagt der Herr Vorredner, er sei nur zufällig Jude, dieser „jüdische" Kandidat müsse zu Gunsten eines anderen Kandidaten, welcher erklärt, er sei ein Deutscher, zurücktreten. (Pfui-Rufe.) Keinem anderen Volksstamme in Oesterreich wagt man es, eine solche Zumutung zu stellen, er möge sein Interesse durch Angehörige anderer Volksstämme vertreten lassen. Nur dem Juden mutet man eine solche Charakterlosigkeit zu. Herr Dr. Ofner ist gewiß ein angesehener und charaktervoller Mann, er ist ein Berufskollege, dem ich die größte Hochachtung entgegenbringe, er ist rein und makellos, allein er bekennt mit einer Offenheit, die ihn auszeichnet, daß er sich als Deutscherfühlt, er trage das rot-goldene Band, und nun sage ich: Für deutsche Interessen, für deutsche Ehre, für Deutschland tritt ein Millionenvolk ein, die ganze deutsche Welt, für -en Juden abertritt, niemand ein. Ich brauche daher für Juden in einem Bezirke mit jüdischer Majorität nur einen Juden und darum kann ich Dr. Ofner nicht wählen. (Lebhafte Zustimmung.) Auch der sozialdemokratische Kandidat, welcher der Vertreter des klassenbewußten, internationalen Proletariats in diesem Bezirke sein soll, kann in diesem Wahlkreise, so sehr er sich auch der Sympathien erfreuen mag, von uns nicht gewählt werden. Für das Proletariat treten die Arbeiterbataillone ein, für dasselbe tritt die große internationale Sozialdemokratie ein, für den Juden niemand. In der Zeit der Progrome, in der Zeit von Polna, in der Zeit des Antisemitismus und Asemitismus darf der Jude schon so unbescheiden sein, in einem Wahlkreise, wo jüdische Majorität ist, einen jüdischen Vertreter ins Parlament zu entsenden, welcher gegen seine Schar von Feinden die Stimme erhebt. (Zustimmung.) Die Vertretung der Juden anderen Parteien, namentlich den freisinnigen zu überlassen, heißt sich selbst und die andern Parteien schädigen. Alle Parteien, die Judenschutz betrieben haben, sind daran zugrunde gegangen. Abgeordnete, die aus gesetzlichen Motiven für Judenschutz eingetreten sind, mußten aus dem öffentlichen Leben verschwinden und haben das Vertrauen der Bevölkerung nicht gefunden. Ein Jude jedoch, welcher sich offen als Vertreter seines Volkes im Parlamente bekannt, hat stets Ansehen gefunden. Ich erinnere mich an eine Episode im Parlamente. Es erhebt sich der Abgeordnete Strauchcr und und hält eine begeisterte Rede für seine Volksgenossen. Da ruft ihm Abgeordneter Bielohlawek zu: „Vor Ihnen haben wir Achtung, weil Sie ein treuer Sohn Ihres Volkes sind." Meine Herren, Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Der Abgeordnete Bielohlawek hat unwillkürlich das Richtige gefunden. (Heiterkeit). Darum lieber offen und ehrlich mit einem jüdischen Vertreter hervortretcn, mit demselben siegen oder fallen, als sich Hintex andern Parteien verstecken, (Lebhafte Zustimmung.)

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