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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Vr. Blvch's Wochenschrift. Seite 135 Interessen ein schädliches wohl , nicht gewesen sein. (Beifall.) Was hätten wohl die Tschechen getan, wenn einer ihrer Volksgenossen durch die deutschen aus dem Parlament hinausgedrängt worden wäre und umgekehrt. (Rauschender Beifall und Händeklatschen.) Die Wahlbezirke hätten sich gedrängt und mit einander gewetteifert, diesem Manne das Mandat anzubieten, ja — ohne Rücksicht auf seine Befähigung, ohne Rücksicht auf seine politische Parteistellung. Denn es handelt sich um ein Gebot der nationalen Ehre. Sind meine jüdischen Brüder darin weniger empfindlich als Deutsche oder Tschechen? Meine Herren! Wenn Sie mich mit Ihrem Vertrauen auszeichnen, werde ich gewiß bemüht sein, meine Pflicht getreu zu erfüllen. Sie aber werden am Tage des Sieges mit dem Bibelworte ausrufen dürfen: «Heute erst habe ich die Schmach Egyptens von dem Gewände meines Volkes abgewaschen." (Rauschender Beifall und Händeklatschen.) . Herr Julius Ehrlich gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß Dr. Bloch mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten sich wieder am politischen Leben beteilige. Er würde ihm schon wegen seiner Verdienste den besten Erfolg wünschen. Doch sei zu erwägen, ob Dr. Bloch von seiner Kandidatur in der Leopoldstadt nicht doch zurücktreten sollte, da bei den vielen Kandidaten eine Stimmenzersplitterung und der Verlust des Wahlkreises an einen Antisemiten zu fürchten sei. Dr. Bloch bemerkt hierzu, es werde nicht an seiner Person scheitern, wenn eine Einigung in der Kandidatenfrage herbeigeführt werden soll. Nathan Groß: Ich habe die Ehre, im Namen der zionistischen Organisation zu erklären, daß wir Herrn Dr. Isidor Schalit in diesem Wahlkreis kandidieren. Wir müssen uns gegen Herrn Dr. Bloch aus prinzipiellen und aus wahltechnischen Gründen aussprechen. Herr Dr. Bloch hat den vorjährigen Kampf der Zionisten für die nationale Autonomie in einem Blatte totgeschwiegen, während er die Proteste gegen letztere veröffentlicht hat. Herr Dr. Bloch kann aber auch eine Stimmenzersplitterung herbeiführen; denn selbst wenn er mit Unterstützung der Zionisten in die Stichwahl kommt, so wird, da die Sozialdemokraten dann leere Stimmzettel abgeben werden, schließlich nur der Christlich-Soziale gewählt werden. Herr P l a s ch k e s gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß Dr. Bloch, dessen hohe Fähigkeiten er durchaus nicht in Abrede stellen will, heute als so entschiedener Gegner der Assimilation aufgetreten sei, während er doch deren Herd, die Kultusgemeinde, immer verteidige. Diesbezüglich wäre eine Aufklärung dringend am Platze. Als der nächste Redner, Herr Lemberger, ein Sozialdemokrat, seine Rede mit den Worten beginnt „Da ick Wähler des Bezirkes und zufällig auch Jude bin" entsteht ein großer Lärm, der sich nach längerer Dauer erst auf die Intervention der Herren Biach und Dr. Lifcicz legt. Als Herr Lemberger wieder zu Worte kommt, befürwortet er eine Kandidatur des Dr. Ofner. (Gelächter und stürmische Zwischenrufe.) Nun bringt Herr Dr. Leopold Brady folgende Resolution zur Verlesung: „In der ernsten nnd sicheren Voraussicht, daß in dem neuen Abgeordnetenhause des allgemeinen, gleichen nnd direkten Wahlrechtes mehr als je vorher für die österreichische Judenheit die Notwendigkeit sich Herausstellen wird, wenigstens einen einzigen Abgeordneten im Parlamente zu besitzen, welcher mit den Fachkenntnissen und dem historischen Wissen auch ein hinreichendes Talent nnd den energischen Willen verbindet, Angriffe auf das Judentum, auf unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf rmseren Slawen nnd unsere Ehre überzeugend znrückzuweisen, hat eine am 18. Februar im großen Saale des Hotel Guth, II., Stephaniestraße 14, tagende Versammlung jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im II. Wiener Bezirke, obgleich sie sonst verschiedenen politischen Parteilagern angehören, in dem Entschlüsse sich geeinigt, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Josef S. Bloch, Schriftsteller in Wien, welcher seinerzeit als der Einzige unter allen den Mnt hatte, dm Kampf mit Rohling anfznnehmen und hiedurch den Judm der gesamten Welt einen moralisch unschätzbaren Dienst erwies, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren. Die Versammlung gibt der Zuversicht Ausdruck, daß alle diejenigm Wühler dieses Wahlkreises, welche bei ihren politischen Entschließungm auch die elemmtaren Interessen des jüdischen Volkes in Erwägung ziehen, sich einmütig um die Fahne dieser Kandidatur scharen werden." Bei der Abstimmung suchen einige zionistische Studenten, die weder in diesem Bezirke wohnen, noch überhaupt irgend wo in Oesterreich das Wahlrecht besitzen, die Versammlung zu stören. Der Vorsitzende weist sie zur Ruhe und nach Vornahme einer Gegenprobe enunziert der Vorsitzende die Annahme der Resolution. Dr. Zweig will leidenschaftslos und sachlich sprechen. Die Zionisten hätten es nicht nötig, ihre Gegner niederzuschreien, die sie ja mit Argumenten bekämpfen könnten. Man solle nun erfahren, wie die Zionisten über die Sachlage denken. Er sei gegen die vorgeschlagene Kandidatur. Es genüge nicht, sich bloß als Juden auszugeben, man müsse ein scharf umrissenes Programm beistellen. Zweitens habe er gegen die Person Dr. Blochs Verschiedenes einzuwenden. Das Verdienst eines Streiters gegen das Ritualmordmärchen und Gleichartiges dürfe nicht überschätzt werden. Die Gegner ließen sich durch eine Polemik weiter nicht aufhalten, auf die Juden allerdings hätte die Streitbarkeit eine gute moralische Rückwirkung gehabt. Das sei aber kein Verdienst für die Zukunft. Die ganze Verfassung Oesterreichs werde geändert werden auf nationaler Basis. Auch für die Juden müsse eine nationale Basis gefunden werden, die Autonomie. Werde Dr. Bloch für diese eintreten? Bei dieser Frage sei er gestrandet. Mit Herzl sei eine neue Phase in der jüdischen Geschichte eingetreten. Als Dr. Bloch an Herzls Partei keinen Anschluß fand, habe er sich auf die Seite der Kultusgemeinde geschlagen, von der er Pauschalien dafür erhält. (Dr. Bloch ruft: Verleumdung, elende Verleumdung!) Wenn das nicht richtig sei, sei ja eine Auftlärung leicht möglich. Als Dr. Bloch fühlte, daß der Zionismus durch die Wahlreform zur Macht kommen könnte, habe er sich mit einem zionistischen Leitartikler alliiert und nationale Politik getrieben. Trotzdem sei sein Blatt bei den Kultuswahlen den Zionisten verschlossen gewesen und auch später noch habe er gegen das allgemeine Wahlrecht in der Kultusgemeinde polemisiert. Redner legt schließlich dem Kandidaten folgende Fragen vor: „Wird Doktor Bloch im Parlament einem jüdischen Klub beitreten und sich dessen Majorität fügen? Ist er bereit für die nationale Autonomie einzutreten in nationaler und kultureller Beziehung dergestalt, daß die Juden, die sich freiwillig in jüdische Kataster eintragen, eigene politische Vertreter bekommen und Schul- und Kultusangelegenheiten selbständig erledigen können?" Dr. Bloch: „Ich möchte Herrn Dr. Zweig unmittelbar erwidern und werde trotz seiner Schärfe nichts anderes als Tatsachen ohne persönliche Bemerkungen Vorbringen, da ich mit der Partei des Vorredners und mit jeder anderen mich nur auf das Loyalste auseinandersetzen will. Zuerst will ich gerade das Vorbringen, was mir zu schaden geeignet ist. Ich werde niemals für das allgemeine Wahlrecht in der Kultusgemeinde eintreten aus Gründen, die auch Herr Dr. Zweig befolgen würde, wenn er ein Mandat der Gemeinde und damit das Verantwortlichkeitsgefühl hätte. Denn dieses Wahlrecht würde nicht der Partei des Interpellanten die Majorität verschaffen sondern den Sozialisten, es würden Leute in den Vorstand einziehen, denen bei aller persönlichen Anständigkeit diese Körperschaft nicht anvertraut werden kann, da ihnen Religion Privatsache ist. Diese Leute würden kein Verantwortlichkeitsgefühl vor der jüdischen Oeffentlichkeit haben, sondern nur vor ihrer Partei, nach deren Grundsätzen sie sagen würden, daß es nur nötig sei, die Wohlfahrtsinstitute zu fördern, nicht aber Gottesdienst und jüdischen Unterricht und spezielle jüdische Interessen. Das wäre zu bedenken und auch der Umstand, daß für die Kultusstube nicht gelten kann, was für den Staat gilt, in welchem jeder Bürger direkte und indirekte Abgaben zahlt, was in der jüdischen Gemeinde durchaus nicht der Fall ist.

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