Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021718--16157-3040961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 7 Seüe 118 Dr. Dlocb's TRUocbeuscbrlft. in einem reinen, poetisch-Mgehauchten Kroatisch überrascht hat Es wird Niemand in Abrede stellen wollen, daß es eine Notwendigkeit ist, daß die jüdische Liturgie dem kroatischen Juden in seiner Landessprache zugänglich gemacht wird. Einen derartigen schüchternen Versuch machte zuerst Dr, Engel, indem er gewisse Gebete, die bei besonders feierlichen und traurigen Anlässen verrichtet werden, bereits vor v Jahren ins Kroatische übersetzt hat. Es folgte daraus die vollständige Uebersetznng des ganzen Gebetbuches ins Kroatische von Herrn Prof. Dr Garro Schwarz, und nun stellt sich Herr Dr. Engel wieder mit der vorliegenden Hagada-Uebersetzung ein, die einige beachtenswerte literarische Anmerkungen aufweist. Was uns bei dieser Hagada-Uebe setzung befremdet und worüber wir unser Erstaunen ausdrücken müssen, ist der Umstand, daß wir eine literarhistorische Einleitung zu der Hagada, was doch von einem modernen Rabbiner zu erwarten wäre, bedauerlicherweise vermissen. Y. Neue Bücher. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälischestraße 46. Redaktion: Doktor Arthur Ruppin, III. Jahrgang, Heft Nr. 2. Februar 1907. Jnbalt: I. Abhandlungen. 1. Dr. Jakob Thon, Berlin: Besteuerungs- und Finanzverhältnisse der jüdischen Gemeinden in Deutschland. 2. Dr. Maurice Fishberg, Ne w-I o r k: Zur Frage der Herkunft des blonden Elements im Judentum. (Schluß.) II. Statistisches Archiv: Die Taubstummen nach dem Religionsbekenntnis im Deutschen Reich, 1902. Austrittsbewequng in Wien in den Jahren 1903 und 1904. Einwanderung von Juden in New-Zjork im Jahre 1906. II l. Mitte i l u n g e n: Versammlung des Verbandes für Statistik der Juden. KriefkaKerr. Rabbiner Dr. Marmorftei» in Jamnitz. Die Redaktion der „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", Rabbiner Dr. M. Grunwald, Wien, XV., Turnergasse 22. F. Ä. in Prag. Ein anderes Manuskript war bereits gesetzt. Graz. Wir danken Ihnen bestens für die Zusendung, welche beweist, daß das „Grazer Tagblatt", das Organ der Demschen Volks- Partei und der sogenannten intelligenren deutschen Antisemiten, ihren Lesern das Ritualmordmärchen als Faktum auftischt mit einer Nebenbemerkung über die angebliche Macht der Alliance. Das Blatt reproduziert eine Nachricht des „Deutschen Volksblatl", wonach die Alllance neuerlich Anstrengungen mache, Hilsner freizubekommen und die Redaktion nennt diese Nachricht glaubwürdig, well das Judentum mir allen Mitteln bestrebt sein werde, einen seiner ganzen Nasse eigenen Makel von sich abzuwälzen, was ihr durch die finanzielle Macht der Alliance wohl gelingen dürfte. Das werden sich namentlich jene Juden merken müssen — wir erinnern an Mährisch-Ostrau — wo die deutsche Volkspartei unter Vorschiebung von Klauseln und Konzesslonen um jüdische Stiuimen wirbt. In den Sudeten Konzessionen im Antisemitismus, in den Alpen Ritualmordgeschichteu, werl man die Jltdeu nicht braucht. Auch hier die patentierten Moralisten! H. H. Das uns zugeschickte Sudelblatt „Der Reichsratswähler" ist uns in anderen Exemplaren bereits Vorgelegen und von uns seinerzeit besprochen worden. Das Blatt ist umso gefährlicher, als es vollkommen unentgeltlich abgegeben wird und in einer Anzahl von nicht weniger als eine Million Exemplaren zur Versendung gelangt. Daß es in Wort und Bild den rohesten und krassesten Antisemitismus mit kolossalen Lügen predigt, ist selbstverständlich, da es von den Wiener Christlich-Sozialen stammt, deren Kampfesweise uuu einmal keine andere ist. Dem Blatte ist wohl der große, unerwartete Erfolg der Christlich-Sozialen bei den letzten mährischen Landtags- Wahlen zuzuschreiben. Es ist noch viel weniger als früher zu erwarten, daß der Staatsanwalt trotz der deutlichen Gesetzesverletzuug gegen die kommende Regierungspartei einschreitet und das Lügenblatt unterdrückt. Dagegen gibt es nur Selbsthilfe der Juden bei den Wahlen. Auf zwei Anfragen. Sprechstunde der Redaktion jeden Vormittag bis 10 Uhr, Montag 7*4 bis 5 Uhr, Mittwoch von 6 bis 7,8 Uhr. Kein Zosef iu Brünn! Mich interessieren Ihre Anschauungen und Gefühle und bitte, mir I., Schottcnring 31, zu schreiben. W. R. Nichten Sie und Ihre Freunde gefälligst eine Petition oder Anfrage betreffs der jüdischen Organisation für die Wahlen selbst an die Kultusgemeinde. Wir haben unsere publizistische Pflicht in dieser Beziehung schon erfüllt, hören aber mit großem Vergnügen, daß Sie mit uns einer Meinung sind. W. Z. Zur berühmten Ehrenwortgeschichte des Schöneriauers Jro kommt nun als gleichwertig das Ehrenwort des strammen Alldeutschen Franko Stein, der unter diesem Ehrenwort erklärte, einen bestimmten Artikel in einer Ascher Zeitung nicht geschrieben zu haben, worauf ihm ein zweites Ascher Blatt nachwies, daß er den Artikel nicht nur geschrieben, sondern auch noch mit Anmerkungen für den Setzer versehen habe. Ueberraschend war daran nichts. Dem Herrn Franko Stein ist von der „Ar'oeiter-Zeitnng" wiederholt vorgeworfen worden, daß er seine Wahl zu in Reichsratsabgeordneten nicht mit ehrlichen Mitteln durchgesetzt habe. Interessant ist nur, daß gerade die letzte Nummer des Schönererorganes den Freialldentlchen unter K. H Walss Führung wiedeiholten Wortbrnch vorhält. Nun werden die Angriffenen sich wohl ausgiebig revanchieren, und da man feststellen muß, das; beide ausgiebig Recht haben, so ist damit die Moral der Führer im Kampfe gegen die jüdische Unmoral genügend charakterisiert. Notiz. Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der N i e d e r ö st e r r e i ch i s ch e n E s c o m p 1 e - Gesellschaft werden hiemit zu deam Montag, den 4. März d. I., um 5 Uhr abends, int Gebäude der Gesellschaft, Freiung Nr. 8, statlfindenden vierundfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werde». 1. Vortrag des Rechenschafts-Berichtes des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro l.?06. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses über den Rechnungs-Abschluß des Jahres 1906. 3. Beschlußfassniig über die Verwendung des Neinerträgnisses des Jahres 1906. 4. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates. 5. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuß zur Prüfung der Rechnungs-Ablchlüss-. des Jahres 1907. (§ 52 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der- Versammlung in den Aktienbüchern der Gesellschaft eingetragen waren und an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien vom 7. Februar l. I. angefangen bis längstens 18. Februar, 4 Uhr nachmittags, bei der Liquidatur der Niederösterreichischen Escomptc-Gesellschaft zu erlegen. Die Aktien si d arithmetisch geordnet, mittelst einer einfachen Konsignation einzureichen, und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversamuiluttg die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Siimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuübcn, so bat ec Die betreffende, ans den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 7. Februar 1907. Der Verwaltungsrat. Tie Jury der Ceres-Preiskonkurrenz, die bekanntlich mit 15.000 Kronen dotiert ist, wird bereits zusammengesttllt; sie besteht aus folgenden Mitgliedern: Professor Adolf Heß, Direktor der Fachschule des Gremiums der Hoteliere Wiens, F. Kedvessy, Küchenchef des Jockey-Klubs, Jean I. Powondra, Zentralvorstand des Verbandes der Köche Oesterreichs, Franz Stadler, Küchenchef Sr. Durchlaucht des Fürsten Montenuovo, dem Vorstand der Nährmittelweike „Ceres" und dem Leiter des Publizitätsbnreaus der Georg Schichl-A.-G. — Weitere Kooptierungen sind Vorbehalten. Wie wir hören, wird auch ein Damenkomitee zugezogen, daß besonders bei Verteilung der Preise für Volksspeisen Mitwirken soll. Einem vielseitigen Wunsche entsprechend wird der Einsendetermin für die Mehlspeis-Konknrrenz bis 31. März erstreckt, damit auch die vielfach üblichen Osterbäckereicu mitkonknrriercn können. Jüdischer Bürgerverein „Ito“ in Wien XV. im Namen der „Jüdischen Territorlal-Organisation“ (ito) treten die Unterzeichneten Bürger als Leiter des oben genannten Vereines an ihre jüdischen Mitbürger heran, um sie aufzufordern, mit ihnen die itoistische Idee zu fördern und sich mit ihnen lim Israel Zangwill, dem Präsidenten der Organisation, zu scharen. Es ist der Zweck und die Absicht der „Jüdischen Territorial- Organisation“, für jene Juden, die in ihren jetzigen Wohnsitzen nicht bleiben können oder wollen, ein Land mit Selbstverwaltung zu gewinnen. Braucht man erat näher auszufühlen, dass es eine Judennot gibt, die zwingt, die jetzigen Wohnsitze zu verlassen? Die täglichen Zeitungsberichte lehren es deutlich, die eigene Erfahrung zeigt, dass der Hass gegen die Juden und die Verfolgung der Juden nirgends und nie aufgehört haben. In 17 Monaten gab es 639 Pogroms, Angriffe gegen die Juden! Darum erscheint es als eine notwendige Massregel, den Hunderttausenden von Juden, die jährlich auf der Wanderung sind, um das Leben zu erhalten, eine Heimstätte zu schaffen, in der sie ruhig ,an der Kulturentwicklung der Menschheit teilnehmen können. Denjenigen Juden aber, die in ihren alten Wohnstätten Zurückbleiben, wird eine stete Sorge um ihre gefährdeten Volksgenossen