Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kr. 7 Dr. Llocv s MocbenscdrM. Seite 117 Da taucht ein Schatten über dem Wasser auf: er bewegt sich leise, schwimmt ans Ufer zu und erreicht es. „Pst, pst . . . nur leise, leise . . ." Auf der Wiese bewegt sich etwas. . . Vorsichtige, gedämpfte Schritte treten das betaute Gras nieder. „Wo seid ihr? Sind alle beisammen?" „Kommt!" „Nur leise." Und wieder regt es sich aus der Wiese. „Lisa, hast du den Kleinen?" Ein stilles Flüstern.. . . „Boruchl, wo bist du?" „Beim Vater." Sie gehen. „Faßt euch an denHänden",kommandiert irgend jemand leise. „La — eise!" „Still doch, still — hört ihr nicht?" Ein Geräusch läßt sich im Gebüsch Fernehmen. „Dort ist jemand... es scheint, sie setzen uns nach ..." „Ja doch. . . horcht nur!" „Es kommt jemand!" „Sie verfolgen uns!" „Sti — ill doch! La — eise! Ganz la — eise!" „Legt euch langsam ans die Erde! „Versteckt die Köpfe im Grase!" „Haltet den Atem an!" Stille ringsum. „Der Mond ist hinter den Wolken — sie werden uns nicht sehen." „Das ist gut..." „Ganz dick ist die Wolke — nicht sobald kommt er hervor ..." „Dem Herrn sei's gedankt!" Man hört das unterdrückte Weinen eines Kindes. „Stopft ihm den Mund zu ... es darf nicht schreien." „ Was fangen wir an, um Gvtteswillen? Das Weinen verstummt. Man hört das Stampfen von Pferdehuf-n. „Wir sind verloren." „Nur keine Furcht." „Bleibt liegen! Nur rührt euch nicht!" „Betet im Stillen! „O He-err der We—e -lt!" Stille ringsum. „Mamchen, wo bist du?" „Hier! hier!" „So schweigt doch!" „Mamchen, ich Hab' Angst . . ." „Sei still ..." „Mamchen, deck mich mit dem Tuch zu . . ." „Wollt ihr wohl still sein, ihr dort . . ." „Mamchen . . ." „Werst ihn ins Wasser!" Das Echo der Pferdehufe kommt immer näher, „Pß-ß-st!" Die Pferde machen halt. Stille ringsum. Sie horchen. Die Reiter entfernen sich. Und wieder ist's ringsum still. „Gesegnet sei der Herr!" Schweigen. „Ach, wie gut ist doch unser Gott!" „Erhebt euch ganz leise. . ." „Faßt euch an den Händen!" „Vorwärts!" Man hört menschliche Schritte. „Hier ist das Boot, legt eure Sachen hinein ..." Das Wasser klatscht leise gegen das Ufer. „Wo ist das Kleine?" „Hier, hier." „Macht, daß ihr ins Boot kommt!" „Zum letztenmal seh' ich dich, o Land, zum letztenmal setz' ich meinen Fuß auf Dich. . ." „Hör' auf — laß deine Klagelieder für später!" „Vater und Mutter laß ich hier im Grabe zurück und trag' meine Gebeine wer weiß, wohin ..." „Rede nicht . . . mach' rasch! 's ist keine Zeit zu verlieren! . ." „Alles fertig." „Mach die Kette los . . . Stoß ab ..." „Nur vorsichtig! Leise!" Das Boot bewegt sich vorwärts, die Ruder klatschen gegen das Wasser. Der Mond aber tritt langsam hinter den Wolken hervor und laßt mit ruhigem Lächeln seinen blassen Lichtstreif auf die Wogen fallen, die auf ihrem Rücken die handvvll Menschen in ferne Lande davontragen . . . (Deutsch von A. Sch.s Literatur. Eine jüdische Antiquität. Ueber eine solche schreibt uns Herr M. Meßerer aus Nürnberg und ist bereit, Interessenten alle gewünschten Auskünfte zu erteilen. „Es ist in meinem Hause, Oberer Judenhof 10, Wunderburgstraße 1105, woselbst vor vielen hundert Jahren die Synagoge gewesen, ein historisch-jüdisches Altertum, welches für Sie gewiß großes Interesse haben dürste. Es ist dies ein kronenförmiger Aufsatz eines Gesetzesschranken der ehemaligen alten Nürnberger Synagoge, dieser sogenannte Judenstein, welcher sich in meinem Hause seit dem 13. Jahrhundert befindet. Dieser kronenförmige Aussatz, wie Dr. Stern schreibt, über einem Schrank, in dem die Gesetzesrollen verwahrt wurden, trägt die vergoldete hebräische Inschrift mm “irö „Kether thorah" (Die Krone des Gesetzes), welcher bei der Ausschaffung der Juden aus Nürnberg anno 1490 als Einziges der alten damals 1349 verbrannten Synagoge gerettet wurde und wovon die Chronik sagt: „Dieser Stein ist nach den Inden blieben, als sie wurden von Nürnberg Vertrieben von Haus, Haus und Gassen fürwahr im Tausendvierhundertneunundneunzigsten Jahr." Die Echtheit dieses kronenförmigen Aufsatzes kann nachgewiefen werden und finden Sie auch einen Beschrieb über die Juden in Nürnberg in dem alten Buch von Andreas Würfels historischen Nachrichten von der Judengemeinde, welche ehehin in der Reichsstadt Nürnberg anno 1499 ausgefchaffet worden, ans Seite 55 genannten Buches. Ein Herr Dr. Moritz Stern, früher in Kiel, jetzt wohl in Charlottenburg hat mit großem Interesse diesen kronenförmigen Aufsatz von einem Gesetzesfchranken als Titelblatt seiner Publikation der jüdischen Geschichte von mir sich erbeten und in Lichtdruck Herstellen lassen. Dieser getürmte vergoldete kronensörmige Aufsatz von einem Gesetzesschranken mit der Aufschrift mm mo Kether thorah (Die Krone des Gesetzes) besteht aus einem mit Krabben und Kreuzblumen versehenen spätgotischen Kielbogen in einer rechteckigen Ueberdachung. Das Ganze in Sandstein stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts der alten Synagoge, welche da gestanden hat, wo jetzt die Liebfrauenkirche steht und welcher bei dem damaligen Brande der Synagoge als einzig übrig gebliebenes gerettet wurde und in das Haus Wunderburgstraße 1105 verbracht wurde, welches die spätere Synagoge war und ist aus dieser schweren Zeit außer dem nichts mehr vorhanden, in keinem Museum oder sonstwo. Außerdem wird als sicher angenommen, daß sich zwischen diesen starken Mauern hinter diesem Gesetzesschranken die alten Gesetzesrollen befinden. Prica o izlasku Izraeia iz Egipta u proim dvijenTnocima pesacha preveo i razjasnio Dr. M. Engel, kotarski rabiu u Krizevcima. 1906. Die jüdisch-kroatische Literatur steckt noch stark in den Kinderschuhen. Daß man aber von einer solchen bereits sprechen kann und daß von einer solchen die Rede ist, dieses Verdienst gebührt Dr. Jakobi, Prof. Dr. Garro Schwarz, Alexander Licht, Jochanan Tbau und nicht in letzter Reihe Dr. M. Engel, Bezirksrabbiner in Krizavec, der uns zum bevorstehenden Passahfeste mit vorliegender schöner Hagada-Ausgabe