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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 110 Dr. Lwcv s MocvenscbrtN. Nr. 7 Die ganze Angelegenheit soll in den beteiligten Kreisen Jakob Herlinger, Arnold Selka, Dr. Bernhard S i ngroße Erregung hervorgerufen haben. Popper hat sein Gesuch g e r und Ignaz T a u s s i k wieder- und die Herren Doktor um Vorstellung vor die Superarbitrierungskommission bereits Emil K o h n und Rudolf Lichten st ein neu in den Voreingereicht. stand berufen. Der Abgang Poppers wird allgemein bedauert werden, Obmann H o f m a n n teilte zum Schlüsse mit, daß der da er. ganz abgesehen von seinen hervorragenden technischen Abschluß des Kaufvertrages über den zum neuen Tempel er- Fähigkeiten als Mensch, ein bescheidenes und konziliantes Benehmen forderlichen Baugrund voraussichtlich in den nächsten jedermann gegenüber an den Tag legte. Tagen erfolgen dürfte. Die XXXI *1. Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines sür Wieden-Margarethen in Wien fand am 10. Februar d. I. unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder in der Kanzlei des kaiserlichen Rates Lichtblau, V., Wienstraße 12, statt. Obmann Adolf H o f m a n n begrüßte den Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, Vorstand kaiserl. Rat K a u d e r s, und die Abordnungen mehrerer Tempelvereine. Er teilte Mit, daß zur Stunde, in welcher die Generalversammlung abgehalten wird, eines unserer besten und treuesten Mitglieder Herr Fabrikant Jakob Simon zu Grabe getragen werde, welchen der Tod, ferne von der Heimat, in Paris ereilte, von wo er nach Wien überfährt und nun heute beerdigt werde. Die Versammlung vernimmt tiefbewegt diese Mitteilung und beschließt, der Trauer um den Verstorbenen auch im Protokolle Ausdruck zu geben. Der Jahres- und Kassabericht wird verlesen und genehmigt. Obmann H o f m a n n bespricht den gewiß bedauerlichen Konflikt der Kultusgemeinde mit dem Tempelvereine im X. Bezirke; dieser Vorfall darf die Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde nicht zu Ausfällen gegen die Tempelvereine im Allgemeinen veranlaßen, zumal die Ursachen, welche den genannten Tempelverein zu den von ihm eingeleiteten Schritten veranlaßten, anerkannt werden müssen, wenn auch diese Schritte selbst in der Form einer Auflösung des Vereines nicht gebilligt werden können. Insbesondere könne er die Absicht des Kultusvorstandes, größte Sparsamkeit in der Erhaltung der Vereinstempel walten zu lassen, wenigstens bezüglich der Funktionäre nicht gelten lassen. Der Hauptzweck der Tempel: Die Glaubensgenossen, insbesondere die Mütter und die Jugend zum fleißigen Besuche des Gotteshauses zu veranlassen, kann nur durch befähigte, sangeskundige Kantoren, wohlgeschulten Chor und durch redebegabte, geistig hochstehende Prediger erreicht werden; darin zu sparen, wäre eine ganz verfehlte Sache. In allen übrigen Zweigen der Tempclverwaltung wird ohnehin jede nicht unbedingt notwendige Ausgabe vermieden, was am besten daraus ersichtlich ist, daß die Vereinstempel nur 15 bis 20 Perzent Defizite für die Tempelerhaltung ausweisen, während die Gemcindetempel ein solches von 60 bis 80 Perzent ergeben. Knltusvorsteher kais. Rat K a u d e r s mahnt in herzlichen Worten zur Einigkeit und fordert die Mitglieder der Bczirkskommission auf, den Konflikt im X. Bezirk zu beheben. Kais. Rat Lichtblau erklärt sich als Obmann dieser Kommission hiezu gerne bereit, doch seien die Mitglieder dieser Kommission bis heute von der Kultusgemeinde noch nicht ernannt, trotzdem die von der Wählerschaft zu wählenden Mitglieder der Bezirkskommission schon vor drei Monaten gewählt wurden. Redner ersucht den Vertreter der Kultusgemeinde, dahin zu wirken, daß die Liste der ernannten Bezirkskommissions- Mitglieder ehestens bekanntgegeben werde, und mißbilligt es, daß nicht jeder einzelne Bezirk seine Bezirkskommission besitze, welche die Interessen und Bedürfnisse ihres Bezirkes wahrnehmen und vertreten könnte. Ueber Antrag des gesamten Vorstandes wird Obmann Adolf H o f m a n n, welcher mit dem Tage der heutigen Generalversammlung seit vollen 25 Jahren dem Vorstande des Tempelvereines, die letzten sechs Jahre als Obmann angehört, znm Ehren Mitglied e, dem dritten seit dem Bestände des einstimmig ernannt. Bei den hieraus vorgenommenen -J--1, •'n den Vorstand wurden die Herren Ignaz Fischer, Das inneröfterreichische Distriktskomitee des Verbandes Zion hat die Schekelsammlung pro 1907 für die Zeit vom 15. bis 28. Februar festgesetzt und nachstehenden Aufruf erlassen: Gesinnungsgenossen! Die Schekelzahlung als Bekenntnis zum zionistischen Programm wird dieses Jahr gewiß mit erhöhtem Stolz geleistet werden. Denn nicht nur die Zahl der Anhänger, auch das Gewicht und Ansehen der zionistischen Bewegung ist gerade in letzter Zeit mächtig gewachsen. Neuerlich hat es sich gezeigt, daß der Zionismus, indem er unausgesetzt daran arbeitet, dem jüdischen Volk eine bessere Zukunft zu schaffen, zugleich die einzige jüdische Bewegung ist, welche den an das Judentum herantretenden Problemen des Tages gewachsen ist und eine wirklich fruchtbare Gegenwartsarbeit zu leisten vermag, und so wird der zionistischen Bewegung fast unbestritten die Führung in allen das Judentum bewegenden Fragen überlassen. Dies ist niemals so deutlich hervorgetreten, wie anläßlich der für die Zukunft der Juden so wichtigen politischen Umwälzungen, welche sich jetzt in Oesterreich vollziehen. Die zionistische Organisation in Oesterreich beschäftigt sich als solche nicht mit Fragen der inneren Politik, ist keine politische österreichische Partei. Als aber die Wahlreform für die Juden in Oesterreich zu einer Existenzfrage wurde, als es sich zeigte, daß das neue Wahlsystem je nach seiner Gestaltung entweder die Juden gänzlich aus dem Parlamente verdrängen oder aber umgekehrt gerade ein Mittel sein konnte, ihnen dauernd eine wirksame und unabhängige und achtunggebietende parlamentarische Vertretung zu sichern, da waren es die Zionisten und nur diese allein, welche die Situation erfaßten und beherrschten. In hunderten zionistischen Versammlungen, in zionistischen Massenpetitionen und Massentelegrammen kam das Verlangen nach einer entsprechenden jüdischen Minoritätsvertretung stürmisch zum Ausdruck, und als wenigstens die Schaffung einiger überwiegend jüdischer Wahlkreise durchgesetzt worden war, wurde durch die Zionisten eine jüdisch-politische Partei, die „Jüdische Nationalpartei in Oesterreich", geschaffen, ein jüdisch-österreichisches Programm entworfen, die Vorbereitung für die nächste Wahlkampagne getroffen, und aller Voraussicht nach, wie es in Rußland ges hah, werden einige unserer Führer als unerschrockene und einzig berufene Vertreter jüdischer Volksinteressen in das nächste Parlament gelangen. Der Kampf innerhalb des Judentums, das heißt, um eine aufrechte nationalbewußte und sozialfortschrittliche Kultusrepräsentanz ist von uns überall mit Nachdruck und Würde geführt worden; dieser Kampf hat sich insbesondere in Wien zu einer imponierenden Heerschau über die unaufhaltsam wachsende Zahl unserer Anhänger gestaltet und weiten Kreisen des Judentums neues Interesse für jüdische Fragen eingeflößt. Indem der Zionismus sich so den Kämpfen und Sorgen des täglichen Lebens nicht entzieht, weil ihm nichts Jüdisches fremd ist, läßt er die Förderung seiner Hauptaufgabe, der Bildung eines jüdischen Volkszentrums in Palästina keinen Augenblick außeracht, sondern die Arbeit hiefür wird immer ausgedehnter und erfolgreicher: Auch dem Skeptischesten wird nun klar, daß durch eine mit modernen Mitteln und Methoden arbeitende, planmäßige, großzügige, auf dem Volkswillen sich aufbauende und dem Volksempfinden Rechnung tragende Wirtschafts- und Sozialpolitik, wie sie durch die zionistische Organisation jetzt in Palästina betrieben wird, \i\ verhältnismäßig

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