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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Nr. »locv's MocbenscbrM» Seite 109 Prediger und Oberkantor ausgestattet, gebaut, und es wuchs das Budget der einzelnen Neu-Synagogen riesig an; da jedoch, trotz der Belastung der einzelnen Mitglieder durch Vereinsbeiträge, die Einnahmen nicht als hinreichend zur Deckung dieser Budgets sich erwiesen, so wurde selbstredend an die Kassen der Zentrale gepocht und man hat mit Berufung auf die Anzahl der Mitgliedschaft und unter Hinweis auf die zu leistende Kultussteuer Subventionen von der Großgemeinde gefordert. Solche Subventionen werden heute sämtlichen Vereins-Synagogen, in größerem und geringerem Maße geleistet. Aber auch diese Unterstützungen vermögen den hochgeschraubten Ansprüchen nicht zu genügen! Das Jahresbudget der einzelnen Synagogen bewegt sich zwischen 20—40.000 Kronen. Als Folge solcher Verhältnisse mußten die Vereinssynagvgen alle denkbaren Mittel ergreifen, um sich neue Einnahmsquellen zu schassen. So werden Konfirmationen, Trauungen usw. zu Konkurrenzpreisen in den einzelnen Synagogen vollzogen und auf solche Weise immer auf Kosten der Noblesse der Zentralgemeinde gesündigt, und nun bemühen sich die Vereinssynagogen — und es ist zu beklagen, mit Erfolg — auch jene Funktionen, die rechtskräftig und vertragsgemäß seit Jahren den Funktionären der beiden H a u p t t e m p e l gewährleistet sind, an sich zu reißen. Es würde zu weit führen, wollte ich in eine Prüfung eingehen, ob mit diesen neugeschaffenen Institutionen und durch den rapiden Zuwachs der Funktionäre dem eigentlichen Zwecke, nämlich der Festigung der religiösen Gesinnung, gedient sei. Ein Blick in die jährlich zunehmende Liste der Getauften bildet einen hinreichenden Kommentar. So wurden willkürlich den Funktionären des Stadttempels sukzessive der VI., VII., IX., X. und seit drei Jahren auch der VIII. entrissen, ohne daß sie für diesen Ausfall irgendwie entschädigt worden wäre n. Dem Schreiber dieses, der bloß sieben Jahre hier zu wirken die Ehre hat, wurde der ihm zugesicherte XX. Bezirk gleichfalls abgenommen, seitdem in der Brigittenau der bescheiden den K a n t o r t i t e l führende Funktionär durch einen Oberkantor ersetzt worden. Ueberdies droht ihm auch in absehbarer Zeit, daß der- 3. Bezirk, der ebenfalls seinen Oberkantor haben muß (?), ihm gleichfalls verloren geht. So herrscht auf diesem Gebiete eine Verwirrung, der gegenüber die eigentliche zur Hintanhaltnug derselben autoritative Behörde mit verschränkten Armen ohnmächtig dasteht. Nach diesen Aufklärungen dürfte jeder unbefangen Denkende konzedieren, daß zumindest dem Oberkantor und dem Oberrabbiner der Kultusgemeinde das Recht, niehr noch die Pflicht zukommt, dem Rufe zu einer Funktion, i n welchem Bezirke es auch sei, ohne zu klügeln,Folge zu leisten. So gelangen wir zur Angelegenheit der Rothschild- Trauung im Josefstüdter Tempel. Die Partei pachtete von dem Vereinsvorstand für den 6. Februar ab 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags den Tempel des VIII. Bezirkes zur Vornahme einer Trauung mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, den nötigen Funktionsapparat selbst beizustellen, und sie entschied sich für' die Funktionäre der I n u e r n Stadt. Ich frage nun, ist angesichts dieser Tatsache ein Vorwurf gegen einen der bei dieser Trauung amtierenden Funktionäre statthaft? Trifft nicht vielmehr die ganze Wucht aller Folgen dieses Mißgriffes den Tempelvorst and des VIII. Bezirkes, der die heilige Stätte und den ständigen Wirkungskreis seiner eigenen Funktionäre preisgab? Der Vorstand hätte zur eonäitio sino qua non die Funktion seiner eigenen Beamten zur Bedingung machen können, zumal er nach Urteil des erwähnten Artikelschreibers „Funktionäre von Weltruf" besitzt. Bei allen Sympathien für den Josefstädter Kollegen Quartin muß ich es nachdrücklich betonen, daß er in diesem Falle mit seinen Ansprüchen an den Kollegen Singer nicht im Rechte sei. Eine st i l l e Assistenz wie die des ehrwürdigen Rabbiners Dr. Bauer und noch eines Kollegen aus der inneren Stadt hätte Oberkantor Singer dem Kollegen Quartiu auch nicht verwehrt. Zum Schluffe sei nur noch bemerkt, daß Oberkantor Singer, der Senior der Wiener Kantoren, in aller Welt als gründlich gebildeter Fachmann gekannt und geschätzt ist, der als Fachschriftsteller auf synagogalliterarischem Gebiete viel Ersprießliches geleistet hat. Aber auch in der Gemeinde hat Oberkantor Singer manche Verdienste. Ich verweise nur auf seine 26jährige selbstlose Tätigkeit als Musik- und Gesangsmeister des Israelitischen Waisenhauses und des Blindeninstitutes. Nach alldem möchte ich aus diesem Anlasse an den verehrlicheu Knltusvorstaud den warmen Appell gerichtet haben, daß er endlich diesen chaotischen unhaltbaren Verhältnissen durch Schaffung eines nicht zu umgehenden Normativs ein Ende mache. Der Kultusvorstand als berufener Faktor möge den Parteien Vorschriften machen, nicht aber sich von den einzelnen Parteien Weisungen erteilen lassen. Der einzige Modus (nach dem Muster der Großgemeinde Budapest) wäre der, sämtliche Synagogen in die eigene Verwaltung zu nehmen und alle Revisions- und Verfügungsrechte sich allein vorzubehalten. Darüber soll bei einem anderen Anlaß eingehend gesprochen werden. Bola G u t t m a n n. Rücktritt des General-Schiffsbau-Ingenieurs Popper. Der Generalschiffsbau-Jngenieur Siegfried Popper hat, wie wir erfahren haben, den Entschluß gefaßt, aus dem aktiven Dienst auszuscheiden. Popper ist ein Schiffskonstrukteur von europäischem Ruse. Er hat es bei seinen Entwürfen in genialer Weise verstanden, schwere Panzerung, mächtige Armierung und große Schiffsgeschwindigkeit mit geringem Schiffsdeplazement zu vereinen, und haben die letzten Schiffsbauten der österreichischungarischen Kriegsmarine, die alle diese Eigenschaften aufweisen, in der ausländischen Fachpresse allgemeines Aufsehen erregt. Der Rücktritt Poppers bedeutet daher für die Kriegsmarine einen großen, schwer ersetzbaren Verlust. Wie verlautet, soll Generalschiffsbau-Jngenieur Popper zu diesem bedauerlichen Entschluß durch den Umstand veranlaßt worden sein, daß bei der jüngst erfolgten Neuadjustierung der Personen der Kriegsmarine die Wünsche des Marine-Jngenieurkorps keine Berücksichtigung gefunden haben. Uebrigens soll Popper auch aus anderen Gründen seit längerer Zeit amtsmüde sein und soll ihm der Aufenthalt in Pola nicht Zusagen. Popper ist im Jahre 1848 geboren, er dient seit 1871 in der Marine und wurde für seine hervorragenden Verdienste wiederholt ausgezeichnet. Die Pläne vieler Schiffe der österreichischungarischen Kriegsmarine stammen von Popper, so jene der Schiffe vom Typ „Monarch", „Habsburg", „Erzherzog Karl", dann jene der Kreuzer „Kaiser Karl VI.", „St. Georg", ferner die der projektierten 14.500 Tonnen-Schlachtschiffe, endlich vieler Torpedobootzerstörer und Hochseeboote und überdies viele andere Entwürfe, die wegen Mangels an Geldmitteln nicht zur Ausführung kommen konnten. Gelegentlich der Beratungen über die neu einzuführende Adjustierung wurde seitens der Marine-Ingenieure und der Marine-Kommissariatsbeamten die Forderung nach Gleichstellung mit den analogen Beamtengruppen beim Heere (Bau- und Artillerie-Ingenieure und Intendanz - aufgestellt und demgemäß die Zuerkennung des Jntendanzdegens mit dem goldenen Portepee verlangt. Statt deffen hat man den Marinebeamten an Stelle des bisherigen Säbels einen Degen mit Perlmuttergriff, analog jenem, den die Hofbeamten tragen, mit einer Quaste, die halb aus Gold und halb aus Silber ist, welch letztere man „Marinebeamtenportepee" getauft hat, gegeben. Durch diese Art der Adjustierung fühlen sich diese Beamten gegen ihre Kameraden beim Heere zurückgesetzt, weil die Marinebeamten während der Einschiffung im Kriegsfall ganz den gleichen Gefahren ausgesetzt find, wie die übrigen Kombattanten.

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