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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-08 · 6 (8.2.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«eite 102 Dr. Llocb's Mocbenscbrtn. Nr. 6 steigt. De« Gewinn haben beinahe nur die Juden; die Eingeborenen haben sich in dieser Sache sehr gleichgiltig verhalten. DaS viele nnbewohnte Land, welches durch das Zustandekommen der Untergrundbahn in diesen Gegenden ausgebaut wurde, hat den eingewanderten Russen Millionen getragen. Historisch bekannt ist das vom Zentralpark bis zum Harlemfluß sich erstreckende Stadtviertel; denn hier vollzog sich Washingtons berühmter Rüchug. All dieses Land haben im letzten Jahre die Juden angekaust, unter einander verteilt und großen Gewinn erlangt. Hier werden jetzt eng aneinander Zinshäuser und Tenements errichtet. Diese füllen sich rapid mit einer jüdischen Flut und in kurzer Zeit wird Washingtons Kampfgebiet der Sammelplatz russisch-jüdischer Ausgewanderter sein. Aber nicht nur die Besitzer und Baumeister sind Juden, sondern auch die Arbeiter. Hunderte Tenements werden von russischen Maurern, Tischlern, Schlossern und Malern errichtet. Jü>es Jahr kommen Tausends solcher Arbeiter nach Amerika, viele sind sogar aus jüdischen technischen Schulen hervorgegangen. Um sich davon zu überzeugen, braucht man sich nur eines Morgens in Seward-Park hinzustellen. Da steht eine ganze Gruppe jüdischer Zimmerleute, welche mit ihren Werkzeugen ans Arbeit warten, nur einzelne beherrschen die englische Sprache und sie find verlumpt und ausgehungert. Welcher Beschäftigung die Juden immer angehören, treten sie niemals Arbeitergenossenschaften bei. Alle hegen die Hoffnung, einmal Arbeitgeber und Besitzer zu werden und ihr schnelles Fortkommen bildet den Neid der anderen. Vor fünf Jahren gab es nur wenige jüdische Hausbesitzer, jetzt gehören ganze Stadtteile ihnen. Infolge dessen ist der Jude aus Rußland der wichtigste Faktor in der Entwicklung der Stadt New-Iork. Das kommt daher, daß er nicht nur das Land, sondern auch die Bauten in seiner Hand hat. Es kann kein Zweifel mehr an dem materiellen Aufschwung dieser Eingewanderten bestehen. Doch können sie jemals echte Amerikaner werden? Ihr Enthusiasmus für Amxrikg kennt keine Grenzen; sie eignen sich die Manieren und Lebensweise der Amerikaner erstaunlich rasch an. Sie trachten, nicht von den andern abzustechen, sondern alles verschwinden zu lasten, was sie als Russen kennzeichnet. So ändern sie auch mit Vorliebe ihre Namen: das russische „sky" und „witsch" wird weggelaffen. Aus Lewinsky wird Lewin; Grafinsky Graf; Kudinsky Kudin; Michaelowitz Michaels. Ost wird der ganze Name ins Englische übertragen; so Stepinsky in Stevens; Shidlovsky in Sheldon, Willinsky in Wilson rc. Auch werden aus den deutschen Namen Weiß, Preiß und Reiß z. B. White, Price und Rice. Die Veränderung der Namen ist nur eine äußerliche Anpassung. Nun aber ändern sie ihre Lebensweise, indem sie neue Heimstätten gründen und neue Sitten einsühren. Der jüdische Jargon wird nur noch bei den Zusammenkünften der Alten gebraucht, die Betonung der Worte, die Handbewegungen werden allgemach abgelegt. Die Frauen gehen nicht mehr unbedeckten Hauptes auf die Straße; sie tragen Hüte, weiße Hemdblousen und gelbe Schuhe. Die kleinen Mädchen tragen die modernsten Kleidchen, während die traben die russische Blonse beibehalten haben. Die Wohnungen find größer als die in ihrer Heimat und die Einrichtung und Dekorattonen könnten ebenso einem amerikanischen Spießbürger angehören. Man kann daher getrost behaupten, daß die Juden aus Rußland, deren Geschichte so viele blutgetränkte und tragische Momente aufweisen kann, nicht nur eine Vergangenheit haben, sondern einer großen Zukunft in ihrem neuen Heimatlande entgegengehen. _ Literatur. Im Verlage von Edwin Runqe in Gr -Lichterfelde- Berli» sind von Herrn vr. phil. u. theol. Eduard König, ordentlicher Professor an der Universität in Bonn, nacheinander erschienen: „Altorientalische Weltanschanung und Altes Testament". Preis M. 1. „Alttestamentliche Kritik und Offenbarungsglaube". Preis SO Pf. ..Babyloniens Kultur und die Weltgeschichte«'. Ein Briefwechsel. Preis 70 Pfg. „Der ältere Prophetismus bis auf die Heldengestalten von Elia und Elisa. Preis 50 Pfg. „Die Babel - Bibel - Frage und die wissenschaftliche Methode". Zugleich Kritik von Delitzsch' III. Babel-Bibel-Schrift. Preis 70 Pfg. „Glaubwürdigkeitsspuren des Alten Testamente'". Preis 75 Pfg. „Die Gottesfrage und der Ursprung des Alten Testamentes". Preis 80 Pfg. „Neueste Prinzipien der alttestamentlichen Kritik". Preis M. 2. _ Hebräische Grabinschriften. In der Sitzung der philosophisch-historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften in Wien vom 5. Dezember überreichte der Sekretär eine mit der Bitte um Aufnahme in die Sitzungsberichte der Klasse eingesandte Arbeit von Herrn Dr. Bernhard Wachstem in Wien, welche betitelt ist: „Wiener hebräische Epitaphien". Hiezu bemerkt der Verfasser: Seit Jahren mit der Kopierung, beziehungsweise Entzifferung der auf dem alten jüdischen Friedhof in Wien, dem sogenannten Roßauer Judenfriedhof, befindlichen Inschriften beschäftigt, bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß eine gründliche Bearbeitung dieser Denkmäler einiges Interesse für die Sitten- und Kulturgeschichte der Juden und nicht zuletzt auch für die Wiener Lokalgeschichte und darüber hinaus beanspruchen darf. Die vorliegende Sammlung hebräischer Epitaphien, eine kleine Auswahl aus der Anzahl sämtlicher von mir kopierten Inschriften (zirka 1000), hat nun den Zweck, auf dieses Material die Aufmerksamkeit zu lenken, und will gleichzeitig als Probe für die Art der Behandlung angesehen werden. Einige von ihnen sind bis nun überhaupt unbekannt geblieben, andere sind wohl schon, aber in unzureichender Weise, publiziert worden. Zum Zwecke der Jdentffizierung der Personen und Kommentierung der Texte wurden die zeitgenössischen Quellen und die einschlägige neuere Literatur reichlich herangezogen. HrirfkaAr«. Leo Stern, Wien. Der 5. Nissan 5590 war am Montag den 29. März 1830. H. H. Samstag den 16. März Haftora Sabb. Hachodesch. T. Fr. Die Antisemiten haben in Deutschland bis jetzt insgesamt 14 Mandate inne gehabt. Fünf Leute von ihnen sind im ersten Wahlgang wiedergewählt worden, im übrigen ist die Partei unter solchen Aussichten an den Stichwahlen beteiligt, daß man auf ihre alte Stärke für die Zukunft schließen kann. Das dürfte hauptsächlich durch die Unterstützung des Bundes der Landwirte ermöglicht werden. Die ehemaligen „Führer" Stöcker, Zimmermann, Liebermann von Sonnenberg sind wiedergewählt. Ahlwardt hat in Neustettin zirka 1900 Stimmen von 12.300 erhalten, der Dreschgraf Pückler 200 in Berlin. Immerhin eine Leistung für diesen berühmten Vertreter germanisch-antisemitischer Intelligenz. Rußland. Ob die Auflösung des Ansiedlungsrayons erfolgen wird, ob nicht, wird in den offiziellen Nachrichten der russischen Regierung täglich anders angegeben. Bedeutsam für die Wahrscheinlichkeit ist ein kürzlich in der „Rossija" erschienener Artikel des bekannten konservativen Publizisten Serimatnikoff, der mit Stolypin eng befreundet ist. Serimatnikoff sagt, daß die Zusammenpferchung der Juden in dem Rayon ein Fehler gewesen sei, da dieser sich zu einem Brandherde für die revolutionäre Energie des jüdischen Proletariats habe gestalten müffen. Denn Leute, die genötigt seien, von einem Häring und zwei Kartoffeln in der Woche zu leben, könnten nichts von bürgerlichen Pflichten verstehen. Die Loyalität hört auf, wo der Hunger anfängt. — Die Absicht der russischen Regierung bei einer eventuellen Auflösung des Ansiedlungsrayons ist also eine Schwächung der jüdischen Widerstandskraft durch Zerstreuung der Juden. Sogar in der russischen Humanität liegt also eine Niedertracht. Wien II. Wir sind ebenfalls der Ansicht, daß reiche Juden in ihren Testamenten jüdische Zwecke bedenken sollten. Von allen Stiftungen interkonfessionellen Charakters werden Juden ja doch ausgeschlossen. sie sind angewiesen auf das Wenige, das reiche Volksgenossen ihnen direkt zuweisen. Dieser Umstand vermehrt die Pflicht des besitzenden Juden gegen seine armen Brüder, deren Betättgung wir im Testamente der gewiß sehr edlen Frau Franziska v.Wertheimstein vermissen, die ohne Widerspruch ihrer Umgebung der Herr-

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