Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 Dr. JBlocbs Mlocvenscvrln. Nr. 6 öffnete (Mittwoch und Srnstag) gleich den Herrenklubs. Wir haben infolge dessen 56 Klubabende argehalten, mit einer Frequenzziffer von 3143 Personen, einer durchschnittlichen Besuchsziffer von 56 Personen pro Ktnbabend. Am 10. Dezember 1905 konnten wir das Fest unseres zehnjährigen Klubbestandes feiern, das mit einem f e st l i ch e n W e t ts ch w im m- und Sp ringmeeting begann und mit einer Feier, welche die männlichen und weiblichen Sportkollegen vereinte, schloß. F au Antonie Graf wurde bei der >Ojährigen Jubiläumsfeier in Anerkennung ihrer Verdienste um den Schwimmsport zum Ehrenmitgliede der Damen-Sektion ernannt. — Von den schwimmiportlichen Leistungen der Klubsaison 1905/6, welche vollinhaltlich im Berichte angeführt sind, heben wir hervor, daß die Klubmeisterschaft (Mebrkampf), welche bei dem internationalen Wettschwimm-Meeting der Damen-Sektion am 22. April 1906 zur Austragung gelangte, von unserem langjährigen eifrigen Klubmitgliede Frl. Martha Miko l a sch errungen wurde. — Bei diesem von uns veranstalteten internationalen Meeting wurden 71 Nennungen abgegeben. — Wir haben uns bei dem internationalen Wettschwimm- und Spring-Meeting des Damen- Schwlmmklub „Danubia" ani 29. April 1906 an acht Konkurrenzen beteiligt und dabei 5 erste und 3 zweite Preise errungen. — Fraulein Lily Fasse! errang bei dem Wettschwimm-Meeting in Velden am Wörthersee, am 18. August 1906, eiuen schönen Sieg und einen ersten Preis. Wir verzeichnen iu der Klubsaison 1905/6 20 erste Preise, 18 zweite Preise, 2 dritte Preise. - Es wurden während des Sommers *» Donautouren auf der Strecke Klosterneuburg—Kahlenbergerdorf, Kritzeudorf—Kahleubergerdorf und Klosterneuburg—Kommunalbad in glcker Form und guter Zeit geschwommen. Die Klubleitung versuchte in Anbetracht der vielen Mitglieder und der verschiedenen Zweige des Schwimmsportes eine Riegeueinteilung, gleich dem Turnsport einzuführen und ernannte zu Riegenleiterinnen die Fräuleins: Martha Miko lasch für Spanisch- Schwimmen; Clara M i l ch für Brust-Schwimmen; Stella Schachtitz für Rücken-Schwimmen; tzenny Kohn und Mizzi Seligmann f ir Elemnuen-Schwimmen; Lily Oper er für Tauchen; Clara Deutsch für Springen für Anfänger; Grete Hör ix für Kopfweitsprung. Unsere Springwartin Frau Rosa M a r g u l i e s, die Schwimmwartin Frl. Olga Knopf übten ihre Funktionen eifrigst aus, ebenso leitete Herr Bernhard A m st e r, Obmann des Wiener Schwimm- Klub „Austria" das Training unserer Wettschwimmerrnnen mit seinem gewichnten Pflichteifer, Herr Siegfried Hochcrmann das Wasserdalllpiel Während des Sommerurlaubes der Damen-Sektion richtete der Oesterreichische Schwimmsport-Ausschuß die Aufforderung an die Damen-Sektion des Wiener Schwimmklubs „Austria", demselben beizutreten. Die Präsidentin, welche eben im Begriffe war, die Zuziehung der Damen-Schwimmklubs zum Oesterreichischen Schwimmsport-Ausschuß auf Basis der Gleichberechtigung zu verlangen, erledigte die Zuschrift im bejahenden Sinne, die Zustimmung ihres Vorstandes als sicher annehmend, bewarb sich gleichzeitig um die Meisterschaft für Wien über 100 Meter, was ihr auch vom Oesterreichischen Schwimmsvort-Ausichuß zugewiesen wurde, und ernannte zum Delegierten der Damen-Sektion Herrn Max Neuhnt. Der Vorstand der Damen-Sektion pro 1905/a: Frau Antonie Graf, Prändeuin; Frau Leop. Fasse l. I. Vi«e-Präsidentin; Frau Elsa Neuhut-Döry, II. Vize-Präsidentin; Fräulein Rosa Freund. I. Schr.flwartin; Fräulein Frieda Wottitz, II. Schriftwartin; Frau Eleonore D ör y, Kaffenwaitin; Frau Annie Rosauer, l. Rcvisorin; Frau Judith Sinek. II. Revisor»,; Frau Rosa Margulies, I. Springwartin; Fräulein Hilda Steinberger, Schwimmwartnl; Beiräte die Herren: Bernhard Am st er, Obmann dcS Wiener Schwimm-Klub „Austria"; Bernhard K ämp fn er, Kassenwart; Max Neuhnt und Siegfried K a l i s ch (sämtlich Mitglieder des Wiener Schwimm-Klub „Austria"). Zweite allgemeine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina veransialtet vom Zionistischen Zentral-Verein in Wien, IX./1, Türkenstraße Nr. 9. Aus,ag aus dem Programm: Die Reise dauert 32 Tage (o^.n .15. April bis 16; Mai), von welchen 2 Tage in Konstantinopel, 3 Tage in Syrien (Bichruth, Libanon, Damaskus), 12 T ige in Paläst in und 5 Tage in Egypten zugebracht werden. — Ueberdies Aufenthalt '/, Tag in Smyrna und */s Tag in Piräus (Athen). Reiseroute Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Adriauopel, Konstantinopel. Smyrna, Beyruth, Libanon. Damaskus, Houran, Genezerath-See, Tibinath, Galiläa, Berge Tabor und Karmel. Haiffa, Atlit. Tantourah, jüdische Kolonien, Jaffa, Saron, Jerusalem, Bethlehem. Jericho, Jordan, Totes Meer, Mizpoh, Mozah, Ramleh, Rischou le Zion, Petach Tikwah, Jaffa, Port-Said, Kairo, Heluan, Alexandrien, Brindisi, Triest. Wien oder Alexandrien, Piräus (Athen), Ko i't rntinopel, Budkchest, Wien. Reisekosten betragen per Teilnehmer: Mit Egypten li > n ohne Hupten X 1209.—, Diejenigen, welche eine Teilnehmerkarte zu K 1200.— lösen, fahren direkt von Jaffa nach Port-Said, Alexandrien, Triest oder Piräus (Athen), Konstantinopel, machen aber das Programm von Port-Said und Alexandrien mit. Im Teilnehmerpreise sind inbegriffen: a) die Fahrt (Schiff und Eisenbahn) tour und retour II. Klaffe; b) vollständige Verpflegung (Hotel und Verköstigung von der Ankunft in Konstantinopel bis zur.Rückkehr nach Konstantinopel oder Triest); o) Aus- und Ein- -schiffungen); ä) Entrees; e) Wagen, Esel oder Pferde für die Ausflüge; t) fach- und sprachkundige Führer während der ganzen Dauer der Reise; g) die nötigen Trinkgelder. Ausführliche Programme mitallem Wissenswerten stehen auf Wunsch zur Verfügung. Anmeldungen sind an den Unterzeichneten Verein zu richten Es empfiehlt sich eheste Anmeldung, damit die Schiffsplätze rechtzeitig knlegt werden können. Gleichzeitig sind K. 200.— als Anzahlung zu leisten, der Rest muß dem Verein längstens am 1. April znkommen. Zahlungen erfolgen direkt an den Verein (in Oesterreich auch im Wege des Prstsparkassen-Konto Nr. 86,416) oder an die Unionbank, Wien, I., Renngasse 2. Für den Zionistischen Zentral-Verein: Isidor Margulies Adolf Böhm Hof- und Gerichtsadvokat Fabrikant Obmann. Schriftführer. Für die technische Leitung: A. G raje v sky Direktor des Reisebureau „Tabor" Wien, II., Grand Hotel National. Eine Plauderei vom Lande. Der römische Schriftsteller Quintus Curtius Rufus erzählt, daß im Altertum ein gewisser Herostratus den berühmten Tempel der Diana angezündet hat. Als der Verbrecher gefangen und gefoltert wurde, gestand er. den Tempel nur aus dem Grunde den Flammen überliefert zu haben, um sich einen Namen zu verschaffen. Wie viele Dutzendmenschen eifern unserem Herostratus nach! Sie zünden wohl keine Tempel an, entfachen aber die Flammen des Hasses und Bruderzwistes, nur um sich einen Namen zu machen und hinaufzukommen. Das billigste und probateste Mittel, das sicher zum Ziele führt, ist heutzutage der Antisemitismus. Da lebt zum Beispiel in Prag ein Advokat, Herr Dr. Baxa. Es ist dies ein kleiner Mann und ein riesiger Antisemit. Die einen behaupten, daß er mit einem gesunden Magen behaftet sei, da er täglich ein Dutzend Juden verspeise; die andern sind der Ansicht, daß er magenkrank sei, da er keinen Juden vertrüge. Sei dem, wie .es wolle! Dr. Baxa übernahm seinerzeit die Verteidigung der angeblich von Hilsner ermordeten Hruza. Er stellte sich auf den Ritualmordstandpunkt und — siegte; wenigstens muß er als scheinbarer Sieger bezeichnetwerden, bis der unselige Prozeß revidiert wird. Wann wird dies geschehen? Wann wird sich uuser hoher, höherer und höchster Gerichtshof zur Tat aufraffen? Wann wird der Retter kommen diesem Lande? Nach obigem Triumphe gründete Herr Baxa eine radikalantisemitische Partei und haranguierte alljährlich vor Weihnachten die Prager Bevölkerung männlichen und weiblichen Geschlechtes durch „Kaufet — nicht — bei - Juden — Versammlungen". Nun kam er noch höher; er ward Reichsrats- und Landtagsabgeordneter; ob er noch weiterkommen. Hofrat werden wird, vermag ich nicht anzugeben; bei seinem Boulangismus ist alles möglich. Herr Baxa ist auch Chefredakteur und Herausgeber eines Wochenblattes, das in Prag unter dem Titel »Radikälm Listy« erscheint und alles Jüdische, wie alle Juden begeifert; aber unlängst ist ihm ein großes Malheur passiert. In Nr. 2 vom Jänner dieses Jahres berichtet er voller Freude, daß der Verein tschechischer Reisender das zwanzigjährige Jnbiläumsfest gefeiert hat, und stellt die Gründung dieses Vereines als eine eminent patriotische Tat hin. Als den eigentlichen, verdienstvollen Urheber bezeichnet er den Großkaufmann Jakob Lederer und als den hervorragendsten Förderer den Fabrikanten Gottlieb Bondy in Prag. Er zitiert sogar wörtlich die „Gründungsrede" des Erstgenannten. Weiß Herr Baxa nicht, daß beide Herren noch immer echte Juden sind oder hält er sie für Konvertiten? Um Antwort bittet Alexander. Zehn Jahre Kultusvorsteher in Essek. Herr Dr. Hugo Spitzer steht nunmehr bereits volle zehn Jahre an der Spitze der Essek-Oberstädter israelitischen Kultusgemeinde. Was er in diesem Zeiträume im Schoße der genannten Gemeinde geleistet hat und mit welchem Feuereifer und seltener Hingebung er sein Amt versah, das ist dortselbst allgemein bekannt, umsomehr, da man weiß, daß Herr Dr. Spitzer stets gewohnt ist, seinen einmal übernommenen Pflichten voll und ganz zu entsprechen. Es ist daher ein wohltuendes Gefühl, wahrzunehmen, daß auch inmitten unserer rastlos hastenden Zeit dem wahren Verdienste die wohlverdiente Würdigung und Anerkennung nicht vorenthalten bleibt. Aus Anlaß des zehnjährigen Jubiläums des Herrn Dr. Spitzer in seiner Eigenschaft als Vorsteher der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinde ließen es sich d>e Vorstandsmitglieder nicht entgehen, den in öffentlichen Angelegenheiten rastlos tätigen Mann im Rahmen eine? kleinen, intimen, aber trotzdem erhebenden Feier zu ehren,