Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-08 · 6 (8.2.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021717--16133-3040936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 Dr. JSlocb’s MocbenscbrM. Sette 95 sich die Person Christi jeder dogmatischen Formulierung, und es müsse völlige Freiheit hinsichtlich ihrer Auffassung gewährt sein. Zum Schluß seiner Ausführungen stellt Berner folgende These auf: Die Religion der Zukunft wird sein: ein vom Wunderglauben befreites, durch den Wiedereintritt des Judentums im Gottesglauben gefestigtes und von aller dogmatischen Scholastik wie von allem polytheistischen Beisatz gereinigtes Christentum." Eine alte jüdische Festung in der Krim. Eine eigenartige Felsstadt ist die alte jüdische Festung Schufut-Kale in der Krim. Ein russischer Reisender, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts die von der jüdischen Sekte der Karäer bewohnte Bergfeste besuchte, bemerkte, daß schon der Anblick des Berges den Blick gefangen nahm und die fich auf seiner Höhe erhebenden Gebäude die lebhafteste Verwunderung Hervorrufen müssen. Die Häuser sind — so schreibt er — so nahe an den Abgrund gerückt, daß höchstens eine viertel Elle Raum bleibt und die Bewohner, dicht über dem Abgrund hängend, jeden Augenblick vom Absturz bedroht sind. Schufut- Kale ist eine Luftstadt. Die Wohnungen der Karäer gleichen Adlerhorsten auf hohem, steilem, unzugänglichem Felsen. Die Hauswände stehen lotrecht zum Abgrund, und es gibt nichts Interessanteres, als sie vom Tal aus zu betrachten, von wo sie ganz den Eindruck von Festungswerken machen. Im Jahre 1800 gab es in Schufut-Kale 227 bewohnte Häuser, die in asiatischem Geschmack aus weißem, unbehauenen Stein mit Ziegeln gedeckt und meistens zweistöckig waren. Heute führt der Weg auf schmalen, in den Felsen gehauenen Pfaden im Zickzack ziemlich steil aufwärts. Bisweilen passiert man geräumige sorgfältig ausgehauene Höhlen, die einst als menschliche Wohnstätten dienten. Endlich steht man vor einem massiven, aus großen Quadern zusammengefügten Tor mit schwerer eisenbeschlagener Tür. Ueber diesem Tor hat fich einst der östliche Turm der Festungswerke erhoben. An der Außenseite sieht man jetzt noch ein viereckiges, in Stein gehauenes Wappen, bestehend aus einem Steigbügel, einer großen Gabel und einem Heizen. Ter Steigbügel im Wappen deutet aus die türkische oder tatarische Zeit hin; aber wer will den weiteren Sinn des Wappen deuten? Der Zeitpunkt der Gründung Schufut-Kales ist unbekannt — Ausgrabungen sind in dieser Gegend noch nicht unternommen. Nach jüdisch-karäischen Handschriften wäre die Felsenstadt bereits 500 Jahre vor Beginn der heutigen Zeitrechnung von Juden besiedelt und Sela Juchudim genannt. Grabsteine, die dort gesammelt find, bestehen aus Marmorplatten oder einfach behauenen Steinen. Da finden fich flache, säulenförmige und runde. Die vorherrschende Form der Grabsteine sind längliche Fünfecke mit einer oder zwei Erhöhungen an der Spitze. Tatarische Grabsteine gibt es hier nicht. Die Abdrücke von 300 Grabsteinen werden in der kaiserlichen Bibliothek in Petersburg aufbewahrt. Die mündliche Ueberlieferung und mehrere Schriftsteller bezeichnen als Gründer Schufut-Kales 40 Karäerfamilien, die hier eingewandert fein sollen. Wahrscheinlich haben sich die Juden dereinst vor Verfolgungen ihrer Feinde auf den Berggipfel zurückgezogen und eine Festung angelegt oder aber bereits vorhandene Befestigungen übernommen. Später wird Schufer- Kale im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts erwähnt. Die Stadt hieß damals Kyrk-or, vielleicht vom tatarischen Kyrk — 40. Der arabische Schriftsteller Abulfet erwähnt Schufut-Kale in seiner Erdbeschreibung aus dem Jahre 1321 und gedenkt dabei auch der Ueberlieferung von den ersten 40 Ansiedlern. Es gibt übrigens noch eine ganze Reihe anderer Erklärungen, die das Wort Kyrk-or oder Kyrkar zum Beispiel vom armenischen Kir — Kalk und Kar — Stein ableiten. Türkisch heißt Kyrk — 40 und Er — Mann. Die alten Koräer nannten ihre Glaubensgenossen in Bachtschissarai „Bürger von Kyrkor". Als Korkerai, Kirkiel wird der Ort mehrfach von polnischen Schriftstellern des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts erwähnt, und die Herrscher über die Krim werden von ihnen einfach als „Chane von Kirkiel" bezeichnet. Noch in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war Schufut-Kale bewohnt; dann verzogen die Bewohner allmählich in andere Städte der Krim, nach Sewastopol, Bachtschiffarai, Eupatoria, und gegenwärtig zählt Schufut-Kale einen einzigen Bewohner. Im Jahre 1895, gelegentlich des hundertjährigen Gedenktages an die Verleihung der Gleichberechtigung der Karäer durch die Kaiserin Katharina II., wurde von Karäern ein gefälliges Unterkunftshaus im orientalischen Stil für Ehrengäste auf dem Berggipfel errichtet. Die Rückwand dieses Hauses grenzt an das Josaphattal mit dem Karäer-Friedhofe. Von der breiten Teraffe genießt man, wie ein neuzeitlicher Reisender berichtet, eine herrliche Fernsicht. Korrespondenzen. Hochzeit im Hause Rothschild-Wertheimstein. Ueber die Trauungsfeierlichkeit des Brautpaares Rothschild-Wertheimstein wird uns geschrieben: Die Trauung des Honorable Charles R o t h s ch i l d mit Fräulein Rozsika von Wertheim st ein fand am 6. Februar im Tempel in der Neudeggergasse statt. Es wurde für die Feierlichkeit dieser Tempel gewählt, weil der Bau desselben zum größten Teil der Initiative und den Beiträgen der Familie Straßer-Wertheimftein zu danken ist. Auch der Trauhimmel, unter welchem das Brautpaar den Segen des Priesters erhielt, war eine Spende der sel. Frau Straßer. Das reizende Gotteshaus bot in seinem herrlichen Blumenschmuck und Lichterglanz einen besonders freundlichen Anblick. Die Damen erschienen in eleganter Soireetoilette, die Herren, nach englischer Sitte, im Salonrock. Die Braut, eine prachtvolle Gestalt mit einem außerordentlichen Charme in ihren Zügen, sah in einer weißen Atlasrobe, die mit herrlichen Spitzen geschmückt war, wunderschön aus. Der Bräutigam, eine vornehme Erscheinung, legte den Talles um die Schultern, als er den Tempel betrat. Unter feierlichem Orgelklang und Harfe setzte sich der Hochzeitszug in Bewegung, und nachdem die nächsten Angehörigen, die Familien Rothschild, Wert heim st ein, Straßer, und die Trauzeugen Graf T e l e k i, Ludwig von C z a t a r y, Mme. Caro und Graf Jenö Pongracz Platz genommen hatten, begann die Trauungszeremonie. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, assistiert vom Rabbiner des Josesstädter Tempels Dr. Bauer, hielt eine formvollendete, warmherzige Ansprache an das Brautpaar, in welcher er besonders den Vater des Bräutigams, Lord Rothschild, als einen Wohltäter und Schützer der Juden, als einen unermüdlichen, opferwilligen Anwalt unserer unglücklichen Glaubensbrüder pries. Ebenso erwähnte er den Stammvater des Hauses Wertheimstein als einen glänzenden Stern an dem Himmel der jüdischen und österreichischen Geschichte und sprach die Hoffnung aus, daß das Brautpaar, das fich in Liebe gefunden, dem Beispiele ihrer edlen Eltern folgend, auch die ererbten Tugenden uusüben werde. Nach Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n hielt Dr. Kecskemethy, Oberrabbiner aus Großwardein, eine Ansprache, in welcher er das Ergreifende des Abschiedes der Braut von ihrer Heimat schilderte. Oberkantor Singer sang mit gewohnter Meisterschaft die vorgeschriebenen Gebete. Nachdem der Choral von den vereinigten Tempelchören der Stadt und Leopoldstadt, unter der trefflichen Leitung des Chordirektors Profeffor Josef S u l z e r, in exakter und ausgezeichneter Weise zum Bortrag gebracht worden, war die schöne, wahrhaft erhebende Feier zu Ende. K. W. Tätigkeitsbericht der Damen-Sektion des Wiener Schwimm-Klrrb „Austria". Der Klub steht im Zeichen des „Blühen. Wachsen und Gedeihen". Das neue Klubjahr 1905/6 wurde damit inauguriert, daß der Vorstand das finanzielle Opfer brachte und zwei Klubabende er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.