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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-01 · 5 (1.2.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 iDc. JBIocD’ö THUocDendibiiU. ®etu 87 mein. Ist es ein Geistlicher, dann muß es jedenfalls ein aus der Kutte gesprungener sein. Man höre nur, tute er die einzelnen Teile seiner Gedichte überschreibt: „Schüttelfröste", „Qualen der Liebe und des Lebens", „Fieberträume". Ich denke, das besagt genng. Doch wir wollen von den „I u d e n l i e d e r n" sprechen, die ein eigenes Kapitel dieser Sammlung von Dichtungen bilden. Zuvor aber möchte ich ein Aphorisma anführen, das sich in den „Ketzergedanken" findet und in der Tat eine Wahrheit zum Ausdrucke bringt, die Heine schon verschiedenartig behandelte. Der Satz, dem wir wohl kaum unsere Zustimmung versagen werden, lautet: „Den Griechen war das Gute: Schön; den Juden das Schöne: Gut." Hellenismus und Judaismus sind hier nicht übel gekennzeichnet. Ob sich hinter diesem „weltliche Lieder" sinnenden Geistlichen nicht vielleicht irgend einer unseres Stammes birgt? Doch weg mit solchen „Ketzergedauken". Das V. Kapitel dieser Gedichte bringt die „I u d e n l i e d e r". Das Motto zu diesen ist auch den Gedichten Lenaus entnommen und lautet: „Du, toter Geier, stehst noch immer wild und edel. Und neben dich gestellt Hab' ich den bleichen Schädel." '-) Da ist vor allem „H i o b", der unseren Dichter begeistert. Erstellt ihn als eine Art Prometheus hin. der sich mit titanenhafter Kraft gegen seinen Gott empört: „Regst du mir Brand an, Zürnende Gottheit, Innen verzehrenden Seelenbrand? Soll ich verzweifelnd untergeh'n? Soll ich vergehen als nichtiger Staub? Wehe mir! und die wilden Kämpfe Toben umsonst sie mir im Busen? Unser Dichter hat nicht ohne Nutzen seinen Goethe studiert, aber auch seinen Heine. Das zeigt das zweite Gedicht „S a n l", welches eine sehr verwandtschaftliche Aehnlichkeit mit dem vielzitierten „Belsazar" aufweist. „Der König Saul in seinem Palast — Sein eigener Leib ist ihm verhaßt." Es folgen zwei Gegenstücke, „Z e r st ö r u n g Jerusalems" und „Triumph zu g" (natürlich der des Tltus). Zwei herrliche Dichtungen, auf die wir besonders unsere Rezitatoren aufmerksam »lachen. Nur müssen diese die nötige Kraft des Organs besitzen, um sie wirkungsvoll vorzntragen. -Namentlich das letztere Gedicht klingt gar gewaltig an den berühmten Psalm >37 an: „Nom, auch du bist einst verendet, Heil, wer deine Frauen schändet! Heil der Sturmnacht, die dir wettert. Heil, wer deine Brut zerschmettert!" An diesen „Triumphzug" seines Gönners Titus schließt sich der „Josephus" an, der im Palaste der Cäsaren die Geschichte seines unglücklichen Volkes geschrieben. Ein Gedicht ist's, voll sinnlicher Glut und wahrhaft poetischer Indignation. Diese hat ja nach dem alten Spruche so oft dem Verse zu Gevatter gestanden. „Josephus" girrt mit dem süßen Täubchen „Sappho". „Selig ruht Josephus. „Sappho" Lispelt trunken er im Schlafe. Auf den Straßen aber gellt es: Ew'ger Fluch dem Edomiten!" Hat dies wirklich ein „Geistlicher" geschrieben? Wurde das folgende Gedicht „Ghettokind" von einem solchen verfaßt? Und dann ,.S h y l o k s L i e d"? Jenes Shylok, den unser Dichter sagen läßt: „Ihr schmeichelt und bettelt: Laßt, Juden, Euch taufen, Und zündet dann liebend Die Scheiterhaufen! Nie war die Liebe Der Welten Krönung, Gerechtigkeit nur Bringt die Versöhnung. Das klingt fast wie ein moderner ^I7ues3aueh Raubet“! Aber auch das Gedicht „Schaddai Zebaoth“ scheint auf einen anderen Verfasser, als einen „Geistlichen" hinzudeuten, und mag er noch so weltlich, allzuweltlich, geworden sein. „Dir kriechen die Menschen Und schmeicheln dir Wie winselnde Hunde, Lehaääai Zebaoth! *) „Auf meinen ausgebälgten Geier" (Um 1838). vergl. Lenau's sämtl. Werke, Reklam, I. S. 147. Sie winseln und wedeln: Gib uns den Brocken Unsterblichkeit Schaddai Zebaoth! Und schlägst du. sie, So kläffen sie feige Und schmeicheln von Neuem: Sehaddai Zebaoth! Ebenso finden sich in dem „Schüttelfröste" überschriebenen Kapitel jüdische Klänge: „Der Nasir", „Weisheit Salomos"; in den Fieberträumen: „Din ah" und „Am non und Thamar". Das sind ja jene zwei Erzählungen der Bibel, dre mit anderen ähnlichen schon von unseren Alten aus der Bibellektüre ausgeschlossen wurden. Man stelle sich vor, mit welcher erotischen Schärfe unser weltlicher Geistlicher hier sein Milieu behandelt!?Alles in allem, es ist ein Dichter, der zu uns spricht, und so verzeihen wir ihm manches. Und doch fühlen wir uns wieder davon abgestoßen, daß eine sehr bemerkenswerte dichterische Begabung gerade die Nachtseiten unserer jüdischen Geschichte mit einer gewissen Absichtlichkeit behandelt. Die ewigen Stoffe, welche schon manchen großen Dichter begeisterten — man denke nur, um zwei gan; entgegengesetzte Poeten zu nennen, an Lord Byron („Hebräische Melodien") und an den modernen Freiherrn von Münchhausen („Rahab", „Saul und David" u. a.) — dienen dem einzigen Zwecke, daß sich in ihrem Sturmgebrause eines Dichters Bitterkeit und Enttäuschung, seine Müdigkeit und Weltverachtung austoben kann. In einer solchen Gedichtsammlung darf natürlich auch ein „K a i n" nicht fehlen. Aber das ist nicht der Bereuende, „Unstäte und Flüchtige", das ist der Starke, der Uebermenschliche, der die Moral Umwertende, fast härteich gesagt, aus Nietzsches Schule Hervorgegangene, der „das Zeichen, das Marterzeichen mit Stolz trägt", der in sich die Kraft fühlt, „zu trotzen dem Himmel", wie es Hiob tut und Prometheus. „Kein Friede", heißt eines der Lieder unseres „Geistlichen". „Kein Friede", sagt auch unser Jesaias. Und wir gestehen es gerne, „Friede" werden diese Gedichte in die nach Ruhe sich sehnende» Seelen nicht bringen. Und ist dies nicht die Hauptaufgabe alles Dichtens? — Wenn dieser Dichter in den „Ketzergedanken" sagt: „Erlösen können wir die Welt nicht. Aber wir können wenigstens am Kreuze verbluten ... Und die Welt bewahrt unsere Lieder, Den Abdruck stummer Schmerzen, Als heilige Reliquie", glauben wir ihm dies gerne. Unsere Schmerzen hat er in seinen „Judenliedern" zum „Abdrucke" gebracht, aber diese Schmerzen versüßt die Liebe nicht. Wir verstehen ihn wohl den „Verzweiflungsflug des Uebermenschen"; aber zu den „Euphorions der Philosophie" wollen wir nicht gezählt werden. „Jammers genug" erlebten wir, aber wir stürzten nicht, gleich jenem Ikarus, zerschmettert nieder. Darum lesen wir diese „Judenlieder" und was an ähnlichen literarischen Hervorbringungen unsere Zeit zeitigen mag, allerdings mit einem gewissen bitteren Gefühle und doch wieder mit dem Bewußtsein, daß sich auch ans uns Juden der Satz in den „Ketzergedanken" des Verfassers, wenn auch mit einer kleinen Veränderung, anwenden läßt: ..Wer Gott am Meisten besitzt, hat auch am Meisten für ihn zu kämpfen." Das ist das alte Judenlied und -Leid. Dr. M. Grünfeld. KrirfkaZrrr. K. S. in S. Zur Publikation ungeeignet. Bn. Das „Deutsche Volksblatt" hat wieder einmal nickt genug gesperrte Lettern, uns zu verkünden, daß die Baronin Schönberger eine gebürtige Jüdin namens Wallerstein war. Die Vergamleute zogen alle Register ihres armseligen Geistes auf, um dem schaudernden christlichsozialen Sumper die sittliche Verkommenheit der Baronin ja nur recht anschaulich zu Gemüte zu führen. Ja diese sittenlosen Jüdinnen! Mit echt orientalischer Vordringlichkeit müssen sie den arischen Frauen und Jungfrauen alles nachmachen, müffen sich auch in einen solchen Ruf bringen wie die von Zuckerwolf verführte Tochter seines Gastfrenndes, wie die Frau, die der Abgeordnete Berger seinem guten Kameraden entführte wie die christlichsoziale Lehrerin Büchler, die einen hübschen Jungen auf eine längere Reise mitnahm. Es ist ganz unglaublich, wie unmoralisch diese Jüdin war, wenn auch lange nicht so wie die Damen, welche beim Wimberger draußen christlichsoziale Erziehung genossen. Nur eine winzige Kleinigkeit über ihren Lebenswandel haben die Antisemitenblätter nachzufragen vergessen. Daß es nämlich durchwegs Arier waren, welche die Korruption der Baronin für ihre Zwecke ausnützten, und unter diesen besonders die mehr oder minder radikalen Antisemiten. KP. I. Hat ihm doch nichts genützt, dem nach vierzehntägigen Krankenlager politisch jäh verschiedenen ungarischen Justizminister, daß er den Blitz noch rasch auf die Juden abzulenken versuchte und durch seine Preßorgane und Herolde verkünden ließ, daß seine Verfolgung von den jüdtschen Demokraten ausginge. Die Ungarn fino eben noch nicht empfänglich für die christlich-soziale Verteidigungs- Methode. Ja, wenn Polonyi etwa in Wien Vorstand einer christlich

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