Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Wr. Llocv s MocbenscbrM. T-ve ss Eine allgemeine jüdische Gesellschaftsreise nach dem heiligen Laude wird im Frühjahre l. I. vom zionistischen Zentralvereine, Wien, IX. Türkenstraße Nr. 9 veranstaltet. Die Reise dauert 32 Tage (vom 15. April bis zum 16. Mai), von welchen zwei Tage in Konstantinopel, ein halber Tag in Smyrna, drei Tage in Syrien u. zw. in Beyruth, Libanon und Damascus, zwölf Tage in Palästina und 5 Tage in Egypten (Port Said, Kairo, Heluan, Alexandrien) zugebracht werden. Die Reiseroute ist: Wien, Budapest, Belgrad, Sofia, Adrianopel, Konstantinopel, Smyrna, Beyrouth, Libanon, Damascus, El Mouzarile, See Genezareth, Tibiriath, Berge Tabor und Karmel, Hoifsa, jüdische Kolonien, Jaffa, Jerusalem, Bethlehem, Jericho, Jordan, Totes Meer, Betanien, Gilgal, Jerusalem, Mizpah, Mvzah, Ramleh, Rischon le Zion, Petach Tikwah, Mikweh Israel, Jaffa, Port Said, Kairo, Heluan, Alexandrien, Brindisi (Venedig) Triest, Wien oder Alexandrien, Piräus (Athen) Konstantinopel, Budapest, Wien. In Konstantinopel, in Syrien, in Palästina und in Egypten werden die interessantesten Sehenswürdigkeiten besucht. Die Teilnahmspreise sind 1200 und 1400 Kronen. In diesen Preisen sind enthalten: .die Reise tour und retour, Logis in erstklassigen Hotels mit Bedienung und Beleuchtung, Aus- und Einschiffungen, Entrees, Wagen oder Esel und Führer für die Ausflüge, sowie alle anderen programmmäßigen Spesen. Prospekte von dieser Reise sind zu verlangen vom Zionistischen Zentralvereine, Wien, IX. Türkenstraße Nr. 9. St. Pölten. In der am 26. Jänner stattpefuvdenen Generalversammlung des jüdischen Literaturvereines wurden die Herren Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g. Dr. B a ch-Wien, Dr. Schächter- St. Pölten einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ferner wurden für das Jahr 1907 in das Präsidium wieder-, brzw. neugewählt: Rabbiner Dr. Schächter, Knltnsvorsteher Siegfried Schwarz, Hermann Kraus, Hans H erzog, Isidor Reiß, Samuel Mandl, Edmund Hahn, Frl. Vally Reiß und Karl A l l i n a. Prag. (Ein jüdischer Enzyklopädist des XVIII. Jahrhunderts.) Am 23. Jänner hielt Herr Professor Dr. Bia ch, Rabbiner in Brüx, im Hotel Bristol im Vereine Afike Jehuda seinen Vortrag „Ein jüdischer Enzyklopädist des XVIII. Jahrhunderts". In der Einleitung entwarf er ein anschauliches Bild über die Aufklärung des XVIII. Jahrhunderts und ging dann näher auf den vielseitigen jüdischen Gelehrten Pinchas Elia ben Meir aus Wilna ein. Es ist das Verdienst Biachs, den interessanten Polyhistor, der selbst in Fachkreisen nur wenig bekannt ist, der Vergessenheit entrissen zu haben. Der Vortragende beleuchtete das Hauptwerk des Pinchas Elias „Seser habris" .Buch des Bundes, Enzyklopädie) vom kulturhistorischen Standpunkte und zeigte, wie der jüdische Enzyklopädist nicht nur allen Wissensgebieten, sondern auch den aktuellsten Ereignissen seiner Zeit sein Augenmerk zuwendete (Entdeckung des neuen Planeten Uranus durch William Herschel im Jahre 1781, „Kritik der reinen Vernunft" von Kant aus dem Jahre 1781). Die Enzyklopädie, die wahrscheinlich im Jahre 1788 zu schreiben begonnen wurde, erschien in Brünn in erster Auflage im Jahre 1797. Die interessanten und klaren Ausführungen über das Thema, das bisher noch nicht zum Gegenstände der Forschung gemacht wurde, fanden allseitige Anerkennung. Klattau. Am 20. Jänner fand die Generalversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa statt, die zahlreich besucht war. Der Obmann, Herr S. I. Krauskopf, begrüßte alle Anwesenden herzlich und entwarf ein Bild von der rührigen Tätigkeit des Vereines. Den verstorbenen Mitgliedern I. I. Brummt und I. Meister widmete er einen warmen Nachruf. Dem Berichte des Kassiers S. Hahn entnehmen wir, daß die Chewra außer den Jmmob'lien ein Vermögen von 18.448 K 68 h besitzt; im verflossenen Jahre verausgabte dieselbe 3299 K 15 h, Die Chewra ist ordentliches Mitglied der Israelitischen Allianz und der Union in Wien, des Waisenhauses in Prag, des Freitischvereines in Prag und Pilsen; sie ist Abonnentin der „Oesterreichischen Wochenschrift". Als Schriftführer fungierte mit unermüdlicher Tätigkeit Herr I. U. Dr. I. Steiner. Dem Vorstande, dem allseitige Anerkennung zuteil ward, wurde das Absolutorium erteilt. Auf Antrag des Herrn Fritz Laschansky trat die Chewra dem Lehrerpensionsfonde in Prag mit einem Jahresbeiträge von 50 K bei. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: A. Drucker, I. Feigl, S. Hahn, S. I. Krauskopf, L. Schleißner und I. Steiner. — Zum Ehrenmitglieds wurde, seiner Verdienste wegen, Herr Rabbiner Dr. S. B r e t einstimmig ernannt. — Der Abend vereinigte 50 Brüder bei einem gemeinschaftlichen Mahle. Den Reigen der Toaste eröffnete Herr I. U. Dr. Steiner mit einer gediegenen Rede, die dem Wirken unseres erhabenen Monarchen galt und mit Begeisterung ausgenommen wurde. Dann folgte eine Reihe von Toasten auf den Gesamtvorstand der Chewra, auf das ausgezeichnete Wirken des friedliebenden Kultusvorstehers I. U. Dr. I. Fleischer, auf das Ehrenmitglied Dr. S. B r e t, auf den Lehrkörper u. a. Besonderen Eindruck übte der geistreiche Trinkspruch des Herrn Adolf Drucker. Auf Anregung des Herrn I. Feigl wurde eine Sammlung für israelitische Arme veranstaltet, welche 220 K ergab. Das schöne Fest wird allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. A. B. Tabor. Der hohe k. k. Landesschulrat hat den Religionslehrer Adolf Fried als Exhortanten der hiesigen israelitischen Schuljugend bestätigt. Jamnitz. (Wahlergebnis.) Bei der am 6. v. M. vollzogenen Neuwahl der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde- Vertretung wurden gewählt: Zum Vorsteher Herr Samuel K o h n, zum Vorsteher - Stellvertreter Herr Moritz Mayer, zu Beiräten die Herren JUDr. Jakob Gleißner und MUDr. Hermann Wertheimer, zu Ausschußmitgliedern die Herren Emanuel P o l l a k, Leopold P o l l a k (Datschitz, Ludwig Mayer, Emanuel Schwarzbart und Tierarzt Karl Fleischer. Zu Tempelvorstehern wurden die Herren Emanuel P o l l a k und Ludwig Mayer gewählt. Pohrlitz. Der hiesige israelitische Frauenwohltätigkeitsverein veranstaltete am 19. Jänner l. I. im Restaurant Spitz ein Tanzkränzchen. Welch großer Beliebtheit sich dieser Verein, dessen Präsidium die Damen Frau Rosa Bader, Frau Eugenie Ellinger, Frau Amelie Haas, Frau Antonie W o l l n e r und Frau Berta W o l l n e r bilden, in unserer Gemeinde erfreut, beweist der überaus zahlreiche Besuch dieses Tanzkränzchens, wodurch der Vereinskasse ein namhaftes Reinerträgnis zugeführt wurde. Der erfolgreichen Tätigkeit der genannten Vorstandsdamen ist es eben zuzuschreiben, daß der Frauenwohltät'gkeitsverein immer mehr und mehr erstarkt und so seine Zwecke, Unterstützung armer und kranker Frauen, armer Wöchnerinnen, wie auch armer Bräute, in reichlichem Maße erfüllen kann. Ueber das Ta zkränzchen wäre noch zu berichten, daß die Besucher desselben sich in animiertester Stimmung befanden und dem Tanzvergnügen bis zum frühen Morgen huldigten. Neusandez. In Neusandez ist am 23. Jänner der Senior der Kaufmannschaft, langjähriger Stadtrat und Mitglied des israelitischen Kultusvorstandes, Direktor der städtischen Sparkasse Herr Mayer Körbel zu Grabe getragen worden. Die große Beliebtheit und Achtung, deren sich der Verstorbene erfreute, fanden ihren Ausdruck in der großen Beteiligung der Beamtenschaft und Bevölkerung aller Schichten an dem Leichenbegängnisse. Die jüdische arme Bevölkerung verliert in dem Verstorbenen einen werktätigen Helfer, der, selbst krank, keine persönliche Mühe scheute, um den des Rates und der Hilfe Bedürftigen beizustehen. München. Bei den Wahlen in den Verwaltungsausschuß der israelitischen Gemeinde unterlagen die Kandidaten der Konservativen. Es wurden gewählt: Justizrat Ofner, Kommerzienrat Ballin, Rentier A. Landauer, Rentier M. Nußbaum, Kommerzienrat I. Thannhauser und Kaufmann K. Friedmann Feuilleton. Heimkehr. (Nach dem Russischen.) Zwei kleinrusfische Gäule schleppen den altersschwachen Kastenwagen auf dem elenden Landwege hin. Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden hinter den Bäumen des nahen Kieferwaldes; eine fahle graue Färbung liegt über der ganzen Gegend. Mit liebevollen Worten treibt der Bauer seine müden Tiere an; seine „Täubchen" und „Liebchen" keuchen zwischen den harten Erdschollen nur mühsam vorwärts, selbst die Aussicht auf ein Bündel Heu und der Stall treibt sie nicht zu rascherem Laufe an. Im Hinterteil des Wagens auf einem Bund Stroh liegt, halb gegen die eine Seitenwand gelehnt, ein noch junger Mann in einen zerschlissenen Soldatenmantel gehüllt. Bei jedem Ruck, den der Wagen macht, zuckt er stöhnend zusammen. Ein Mischer Soldat ists, der vor vier Jahren in Jugendkrast herauszog gegen Osten, den der Befehl des Zaren rief zum blutigen Ge-