Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 5 Vr. BLortz's Wocheltjchrift. Geile 83 Lehrer S. Kühner. — Mittwoch, 6. Februar: „Ueber Kinderkrank heilen und deren Verhütung " Univ.-Dozent Dr. I. Zappert. —- Donnerstag, 7. Februar: „Ueber Alkohol-Abstinenz" Herr Karl Pentl. Freitag, 8. Februar: Bibelvortrag. Religionslehrer L. Weiß. — Samstag, 9. Februar: Kaininermusik-Abend. Quartett Specht. Samstag, den 26. Jänner d. I. fand ein von Oberkantor Baffer mit Geschick arrangiertes Konzert in der Toynbee-Halle statt, das nicht allein die vorzüglichen Qualitäten des Oberkantor Baffer als Interpreten schwieriger Opern-Partien erkennen ließ, sondern auch den anderen Mitwirkenden: Frl. Grab (Klavier), Frl. Horowitz (Gesang) und dem Baritonisten Herrn Schwarz reichen Beifall brachte. — Am vorhergegangenen Konzert-Abende hatte Herr Oberkanlor Gotthold Fried länd er, der über eine ebenso sympathische Vortragsweise als schöne Stimmittel verfügt, Proben reichen Könnens abgelegt. Jüdische Toynbeehalle, Wien, XV., Herklotzgasse 2L Am 26. v. M. hielt Ober-Revident S t r a ch einen mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Vortrag: „Aus d er Kind erzeit der Eisenbahnen". Der Redner schilderte nach einem historischen Rückblick auf das Verkehrswesen in der eisen bahnlosen Zeit das Werden von Schienen- und Dampfwagen, die Kämpfe und Erfolge der ersten Eisenbahnen und gedachte der verdienstvollen Anteile des Judentums an der Entwicklung und Ausgestaltuna des modernen Berkehrslebens. Ein Konzert unter Leitung des Ingenieurs B a ß folgte und das meisterhaft zum Vortrage gebrachte Klavier-Trio in 6s-äur von Mozart (Klavier: Herr Ing. Fritz Baß, Violine: Herr Leo B e t y, Viola: Herr Rudi W e i ß) erntete wohlverdienten Beifall. Am Samstag den 2. Februar spricht Herr Dr. Samnely über „I u d e n w a n d e ru n g e n". Herr Paul Engländer wird den musikalischen Teil des Abends mit einem Violinkonzert ausfüllen. Für den 9. Februar d. I. ist ein großer musikalisch-deklamatorischer Abend in Aussicht genommen. Beginn der Vorträge: 8 Uhr abends; Entree frei. Anmeldungen zur Mitwirkung an den Vortragsabenden oder zur Teilnahme an den vom Verein eingerichteten unentgeltlichen Lehrkursen sind an Herrn Ober-Revidenten Strach zu richten. Moses Mirsky der 12jährige Wundersanger. Von einer großen erfolgreichen Kunstreise durch-die bedeutenderen Städte Englands, Deutschlands und Hollands kommend, tauchst in Wien ein zwölfjähriges musikalisches Kind auf. Moses Mirsky stellt allerdings eine geradezu einzig dastehende Erscheinung aus dem Gelneie musikalischen Wnnderkindertums vor. Fünf- und sechsjährige Geiger und Pianisten zählen wir heute nach Dutzenden in allen Konzertsälen. Ein so jugendlicher Sänger, der für Erwachsene bestimmte, zum Teile sehr schwierige Kompositionen mit einem guten, korrekten und richtig empfundenen Gefühl vorträgt, dürfte noch nicht dagcwesen sein und könnte getrost als eine vorläufig einzigartige künstlerische Spezies bezeichnet werden. Moses Mirsky ist geborener Russe und zeigte schon frühzeitig jenes musikalische Talent und jene auffallend stimmliche Veranlassung, die seinen Vater veranlaßten, die in dem Kinde schlummernden köstlichen Gaben zu wecken und selbe in den Dienst der Oeffentlichkeit zu stellen. Soweit es sich bis jetzt überblicken und beurteilen läßt, haben die Natur und der körperliche Zustand des Knaben unter diesen verhältnismäßigen Anstrengungen keinerlei Schaden gelitten. Seine Erziehung hat Moses Mirsky bis jetzt in Nußlano und England genossen. Von eigenartiger Wirkung sind im Munde des Knaben die hebräischen Tempelgesänge. Diesen Gesang, wie auch klassische Lieder und Arien mehr weltlichen Charakters bringt der junge Künstler glockenrein und mit vorzüglicher Phrasierung und Atemführung zu Gehör. Die eigentliche Kunst des Singens mit ihren dynamischen Schattierungen, Färbungen, Kreszendos, Dimonendos, Portamentos, Verzierungen und sonstigem musikalischem Beiwerk ist nach allen Regeln trefflich ausgeführt. An äußeren Anerkennungen seiner Kunst fehlt es Moses Mirsky schon heute nicht. So war es ihm unlängst vergönnt, vor der Königin der Niederlande zu singen. Der Musikverein in Amsterdam zeichnete den talentvollen Knaben durch Verleihung seiner großen goldenen Medaille aus und zahlreiche Glückwünsche und Geschenke sind ihm von allen Seiten zugegangen. Möge die Zukunft alle Hoffnungen in reichem Maße erfüllen, welche die Freunde und Verehrer des jungen Wundersängers schon jetzt in diesen setzen. Rosenfeld-Abend. Sonntag den 27. d. M. veranstaltete der Verein „Theodor Herzl" im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines eine Rosenfeld-Feier. Der Abend wurde durch einen Vortrag des Herrn Dr. N. Birnbaum (Mathias Acher) eingeleitet. Nach langer Zeit erschien Dr. Birnbaum, von dem wir in der letzten Zeit nur politische Reden zu hören bekamen, wieder am Vortragstisch. Der Vortragende setzte zuerst in der Einleitung auseinander, daß er über R o s e n f e l d nicht als Selbstzweck sprechen wolle, sondern den Vortrag nur als Mittel benützen möchte, um zu dem Milieu des Dichters durchzudringen. Er setze nämlich voraus, daß dieses im Sinne Rosenfelds sei und daß die Anwesenden im Grunde von dem bewußten oder unbewußten Wunsche hergeführt wurden, etwas näheres über das Acht- Millionenvolk der Ostjuden zu erfahren. Er gab hierauf eine kurze Biographie des Dichters, machte aufmerksam, daß schon durch diese biographischen Daten der lebensvolle Kulturhintergrund des jüdisch sprechenden Judentums deutlich werde, und ging dann auf die Besprechung Rosenfelds als Dichter über. Er fand für die sozialistischen und nationalistischen (zionistischen) Tendenzanwandlungen Rosenfeld's eine deutliche Erklärung in dem furchtbaren Ansturm ökonomischer und jüdischer Not, den Rosenfeld zu ertragen hatte. Zumeist aber hat der Dichter die Tendenz unterdrückt und der nationale und soziale Gehalt wachse unmittelbar aus seiner Dichterseele hervor. Der Redner benützte diese Gelegenheit, um sich gegen diejenigen zu erklären, welche jeden Pathos für unlyrisch erklären, und stellte das „jüdische Pathos" als eine ungeheure „Reserve" von Gefühlsvorräten dem Pathos der Routine, der Rede und der Romantik gegenüber. Nachdem noch die schlicht lyrischen, intimen Dichtungen Rosenfeld's gewürdigt und die Ballade und satyrischen Gedichte erwähnt worden waren, kehrte der Vortragende zum Ausgangspunkt, dem ostjüdischen Kulturkreis, zurück und befaßte sich namentlich mit dem Problem der fälschlich „Jargon" genannten jüdischen Sprache. Er schloß mit einem Appell an das Publikum, sich in dieser Frage nicht weiter von alten Vorurteilen leiten zu lassen. Lebhafter Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Erwähnt sei noch, daß der Vortragende mehrere Proben Rosenfeld'scher Lyrik in der Ursprache vorlas. An Stelle des infolge einer unvorhergesehenen Repertoiränderung im Burgtheater verhinderten Hofburg-Schauspielers Gregori, trug Vortragsmeister Kirsch mehrere Gedichte Rosenfelds in deutscher Uebersetzung vor und erntete reichlichen Beifall. Konzertsänger Don Fnchs sang mehrere vertonte Rosenfeld'sche Lieder. Der Abend hatte einen glänzenden Verlauf. Unter den Anwesenden bemerkte man unter anderen Rabbiner Dr. Max Grnnwald, Schriftsteller Heinrich Aork Steiner, Gemeinderat Dr. Oskar Hein 2c. Schließlich sei für alle Freunde der jüdischen Kunst und Pvefie bemerkt, daß das Prachtwerk „Lieder des Ghetto" von Morris Rosenfeld; Autor. Uebertragung aus dem Jüdischen von Berthold Feiwel mit Zeichnungen von C Nt. Lilien in zweiter Auflage im Verlage Hermann Seemann Nachfolger, Berlin N. W. 87 — (Preis Mk. 8.—) erschienen ist. Für den Rosenfeld-Abend sind uns unter E. S. in Rican X 5.— und A. S. in Rican X 5.—, anonym X 10.— zugekommen. Wien. („SS etetn Frauenhor t".) Am Sonntag, den 27. Jänner fand die von zahlreichen Gönnern und Freunden besuchte VII. Generalversammlung des Frauenwohltätigkeitsvereines „F r a u e n h 0 r t" statt. In dem erschienenen Kreise bemerkte man nebst den Abgesandten aller übrigen Frauenwohltätigkeits- und vieler anderer Vereine die Herren Reichsratsabgeordneten W r a b e tz, Gemeinderäte A l l m e d e r und Dr. Dorn, Baumeister Donat Z i f f e r e r, Herrn Baurat S t i a ß n y in Vertretung der Kultusgemeinde und viele Andere. Die verdienstvolle Präsidentin des Vereines Frau Rosa Z i f f e r e r erstattete den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, laut welchem X 31.000 an Bedürftige verausgabt wurden, welche übergroße Belastung des Vereines ein erhebliches Defizit zur Folge hatte, indem trotz eifrigster Bemühung des gesamten Vorstandes diese große Summe nicht vollständig aufgebracht werden konnte. Ein Anonymus, von der Schilderung des stets wachsenden Elends unter der armen Mischen Bevölkerung ergriffen, spendete spontan X 100 zur Vermin-