Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Dr. Llocb s tRflocbenscbrm. Sette 81 um die Verhältnisse der dortigen jüdischen Bevölkerung, der Falaschas, zu studieren und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, derselben die Sympathien und die Hilfe der ausländischen Glaubensgenossen zuzuführen, wurde Herrn Dr. Nathan ein Dispositionsfond zur Verfügung gestellt, der dazu dienen soll, eine Unterstützung zu gewähren, um die nötige Verbindung dieser afrikanischen, völlig isolierten Glaubensgenossen mit dem Judentum der zivilisierten Welt wiederherzustellen. Herr Professor Philippson, der auf besondere Einladung der Sitzung des geschöftsführenden Ausschusses des Hilfsvereines der Deutschen Juden beizuwohnen die Güte hatte, hielt einen außerordentlich fesselnden lehrreichen Vortrag über die Lage der Juden im Orient, speziell in der asiatischen Türkei. Er wies auf die Notwendigkeit hin, die Besserung der vielfach traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung daselbst durch Ausgestaltung des Bildungswesens — Eröffnung von Fachschulen für Handwerker und technische Berufe wie höherer Bildungsinstitute — allmälig anzubahnen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der entsprechende Bestrebungen verfolgt und in gewissem Umfange in Palästina bereits realisiert, sprach Herrn Professor Philippson seinen lebhaftesten Dank für die wertvollen Informationen und Anregungen aus; und es wurde beschlossen, in der von Herrn Professor Philippson bezeichneten Richtung tätig zu sein. Zur Unterstützung der Jeschiwot in Rußland, die unter der Ungunst der Verhältnisse ganz außerordentlich zu leiden haben, wurden 10.000 Mark bewilligt. Für die durch eine Feuersbrunst heimgesuchte Gemeinde der russischen Stadt Krzepitz — über 150 Familien wurden durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen — sind 800 Mark gewährt worden. In der Sitzung wurden alsdann noch die Subventionen für die Schule in Reschith Daath in Bukarest und die Haushaltungsschule „Lumina" in Galatz, der der Hilfsverein die Angliederung einer fünften Klasse ermöglicht hat, erneuert. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraölite Universelle wird uns geschrieben: Der Vorsitzende der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle hat soeben die Einladung zu der regelmäßigen Jahres - Sitzung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft auf Dienstag den 19. Februar ergehen lassen. Dem Wunsche der Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft entsprechend, findet diese Tagung in Frankfurt a. M. statt Auf der Tagesordnung stehen: Rechenschafts- und Arbeitsbericht des Präsidiums für das Jahr 1906 und Arbeitsplan für 1907, Bericht der Mitglieder über ihre Bezirke, der weitere Ausbau der Organisation der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, Beschlußfassung über die an die Zentrale nach Paris zu richtenden Anträge und die Stellung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft zu anderen jüdischen Organisationen im Jnlande. Außerdem hat das Präsidium der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft beschlossen, den ersten Alliance-Tag in Berlin stattfinden zu lassen, im Anschluß an die Generalversammlung des Lokalkomitees Berlin, die bis zum 1. Juli einzuberufen ist. Nähere Mitteilungen über diesen Alliance-Tag, zu dem alle Vertreter der deutschen Bezirks- und Lokal-Komitees einberufen werden und alle Mitglieder der Alliance Zutritt haben, werden rechtzeitig erfolgen. Wir lesen in dem „Bukarest er Tagblatt" vom 23. d. M.: „Barbareien am Tage der Wasserweihe. Von einem Freunde unseres Blattes, einem hochachtbaren deutschen Manne, geht uns nachfolgende Zuschrift zu: Am Tage der Wasserweihe ging ich zufällig den Dimbovitzcquai entlang, als ich mich plötzlich von mehreren Individuen erfaßt sah, welche mir zuriefen: „Du bist auch ein Jude, ins Wasser mit dir." Ich sagte ihnen, daß ich ein Deutscher sei, aber es nützte mir nichts, sie zerrten mich zum Fluß hinunter und stießen mich unter wildem Geschrei und Gejohle der Menschenmenge in das eiskalte Wafier. Es war aber nicht genug damit. Als ich es versuchte, aus dem Wasser zu steigen, wurde ich immer zurückgestoßen, und so war ich gezwungen, an's andere User zu waten. Niemand fand sich, der sich meiner angenommen hätte, im Gegenteil wurde der Pöbel durch Zurufe wie: „Ins Wasser mit dem Juden! Tauft ihn!" noch ermutigt. Mein Hut und meine Geldbörse wurden mir gestohlen, ja sogar meine Galoschen zogen sie mir von den Füßen und warfen sie ins Wafier. Als sich endlich ein Polizist einfand und ich mich bei demselben über diese Barbarei beschwerte, erwiderte mir der „Sicherheits"Wachmann lächelnd, daß es hier so Sitte sei, die Juden am Tage der Wasserweihe ins Wasser zu werfen, und ich sollte froh sein, daß mich die Mitocans nicht von der Brücke heruntergeworfen hätten. So mußte ich zufrieden sein, daß ich mit dem Leben davongekommen bin, und mußte schleunigst in eine Birja steigen, um nicht lebensgefährlich krank zu werden. So geschehen in „Klein-Paris" im Jahre des Heils 1907! Wie ich von anderen Personen gehört habe, war ich nicht der einzige, der in dieser Weise, „getauft" worden ist." Der amerikanische Kontrakt Arbeiter Paragraph. Das amerikanische Einwanderungsgesetz schließt bekanntlich mit der größten Strenge die Einwanderung von Kontraktarbeitern aus. Es ereignete sich nun vor einiger Zeit, daß der an großem Arbeitermangel leidende Staat South-Carolina durch einen besonderen Einwanderungskommissär eine größere Anzahl von Arbeitern in Belgien auf Staatskosten anwerben ließ und diese auch in jenem Staate mit großer Begeisterung ausgenommen worden find. Diese Maßregel war aber buchstäblich gegen das amerikanische Einwanderungsgesetz. Nun hat der neue Handelsstaatssekretär, Oskar Straus, entschieden, daß diese Vorschrift des amerikanischen Einwanderungsgesetzes nicht auf Bundesstaaten anwendbar ist, die im Jntereffe ihrer Landwirtschaft und Industrie berechtigt seien, für ihre Rechnung Einwanderer in Europa;u werben. In Anbetracht des ungeheuren Mangels an Farmern und Fabriksarbeitern in den Südstaaten werden die Regierungen der einzelnen Südstaaten, vor allem Maryland und Georgia, wie auch Texas, Gesetzentwürfe, analog dem bestehenden Gesetz von South-Carolina, den Staatsparlamenten zur Genehmigung vorlegen. Durch die zweifellos bevorstehende Annahme dieses Gesetzes von den Parlamenten der einzelnen Südstaaten erscheint der Kontrakt-Arbeiter-Paragraph tatsächlich illusorisch. Brasilien. Rio de Janeiro. Am 13. Jänner ist das neue Brasilianische Ausweisungsgesetz in Kraft getreten. Laut den Bestimmungen dieses Gesetzes kann jetzt allen Ausländern mit einem schlechten Vorleben die Landung in Brasilien verweigert werden. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunstenderChewra-Kadischa in Wien I, L eitenstetteng afie 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der fei. Bertha Klein: Bon Georg Weiß K 20.—. Anläßlich des Ablebens des fei. Sigmund Stern: Von Marie Stern K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Aron Strauß: Von Stieglitz und Ungar 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Arthur Pserhofer: Von Eugen Brüll K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Goldner: Von Spitzer und Frau K 20.—, Sandor Wertheimer, Tobitschau 20.—, N. M. Ungar und Frau, Budapest K40.—. Zusam. K 80.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Michlup: Von Jacques Wallis K 5.—, Jenny Zweig 10.—, Friedrich Lemberger 5.—, S. Steiner 10.—, Olga Friedmann K 20.—, Charlotte Weisel K 200.—. Zusammen K 250.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Klara Krass a: Von Irene Zucker K 20.—, H. Eisner 20.—, Dr. Karl Pollak K 20.—. Zusam. K 60.—.