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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-01 · 5 (1.2.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 80 Dr. Llocd's Mocbenscvrtrr. Nr. 5 Ueber den Antrag der Bezirkskommission II und XX, die Triennaleinschätzung nicht wie bisher nach dem Geschäftsorte, sondern nach dem Wohnorte der einzelnen Steuerträger vorzunehmen, wird beschlossen, daß es bei dem bisherigen Modus zu verbleiben habe. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. Mit Bezug auf den von Herrn Al. K o k i s ch in der vorigen Nummer unseres Blattes gemachten Vorschlag, die Fürsorge für die für eigene Kosten reisenden und nur des moralischen Beistandes und der Auskünfte bedürftigen Emigranten am Nordbahnhof zu organisieren, wird uns vom Sekretariat der „Israelitischen Allianz" mitgeteilt, daß eine derartige Fürsorge, die nur durch eine freiwillige Beteiligung humanitär gesinnter Herren und Damen durchgeführt werden könnte, von der „Allianz" ins Auge gefaßt wurde. Es würde freudig begrüßt werden, wenn sich Männer und Frauen finden würden, die bereit wären, nach einem Turnus bei Ankunft der Züge die selbständig reisenden, aber unerfahrenen Auswanderer, darunter auch Familien mit kleinen Kindern und jungen Mädchen, zu empfangen und ihnen in vertrauenswürdiger Weise Ratschläge bezüglich des vorübergehenden Aufenthaltes in Wien und der Weiterreise zu erteilen. Das Bureau der „Allianz" würde alle nötigen Informationen zur Verfügung stellen. Bezahlte Agenten zu diesem Zwecke bei den Bahnhöfen zu bestellen, konnte der Vorstand der „Allianz" nach wiederholter reiflicher Erwägung nicht als zweckentsprechend erachten. Die Einschreibungen bei der Pester Chewra- Kadischa. Unter großer Feierlichkeit begann bei der Pester Chewra- Kadischa die alle drei Jahre einmal erfolgende Aufnahme neuer Mitglieder. Aus diesem Anlasse war der Prunksaal des genannten Wohltätigkeitsvereines festlich dekoriert. Auf dem für das Präsidium errichteten Podium nahmen Platz: der Präsident der Chewra-Kadischa Jakob BoschLn, der Präsident der israelitischen Gemeinde Hofrat Dr. Philipp Weinmann, Generalsekretär Dr. Franz Mezey, die Gemeinde- und Vereinsvorsteher Moriz Lindenbaum, Konsul Birnbaum, Julius Adler, Berthvld Herzmann, Josef Hatvany-Deutsch, Sigmund L. Breitner, Lazar Samuel, Dr. Wilhelm Grauer, Arnold Kohn, Abraham Nagler; die Gemeinderepräsentanten: Samuel Eisler, Moriz Rosenberg. Außerdem waren erschienen der Abgeordnete Paul Sändor, Josef Wolfner, Josef Brody, Bela Wahl, Dr. Armin Linksz и. v. A.; die Referenten des Aufnahmskomitees: Koloman Dosa, Bernhard Elek, Heinrich Fanto, Armin Fröhlich, Max Fröhlich, Jonas Händler, Samuel Horner, Jakob Kaufmann, Berthold Klein, Leopold Klein, Armin Sternberg, Ludwig Strauß, Alexander Tsuk und Moriz Widder. Als erste wurden ausgenommen, und zwar als Ehrenmitglieder die vor zwei Jahren gewählten neuen Rabbiner Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Hevefi, an welche der Vereinspräsident Boschän herzliche Begrüßungsreden richtete. Die neuen Seelsorger der Pester israelitischen Gemeinde dankten in ausführlicher Rede für die ihnen zu teil gewordene Auszeichnung. Beide Reden wurden höchst beifällig ausgenommen. Es wurde noch ausgenommen der Kantor des Tempels in der Rombachgasse Israel Tkäcs. Er dankte bloß mit zwei Worten: „köszönöm szdpen!“ (Danke schön!) Gemeindevorsteher Wilhelm Grauer begann die Aufnahme der zahlenden Mitglieder und bot für die Aufnahme seines kleinen sechseinhalbjährigen Söhnleins Max 200 Kronen als Aufnahmsgebühr an, was mit Begeisterung angenommen wurde. Dr. Grauer dankte bestens und sagte, er habe sein Söhnchen deshalb so jung aufnehmen lassen, weil er die Gegenwart in Verbindung bringen wollte mit der Vergangenheit und daß sein Sohn je mehr Gelegenheit habe, an den herrlichen Werken dieser edlen Vereinigung teilzunehmen. Noch eine Aufnahme ad honores hat stattgefunden. Der к. u. k. Oberst Michael Hersch erschien en pleine parade mit der Feldbinde und dankte für die Auszeichnung, die ihm zuteil geworden. Dies sei der schönste Moment seines Lebens. Während seiner 38jährigen Dienstzeit habe er nie aufgehört, Jude zu sein. Er habe die Thora über alles hochgehalten und geehrt und gelobe: so lange auch nur ein Tropfen Blut in seinen Adern rollen werde, werde er nicht aufhören, Jude zu sein! Großer Beifall und Händeklatschen lohnten die erhebenden Worte des hohen Offiziers. Die Einschreibungen zeigen eine außerordentliche Beteiligung seitens der hauptstädtischen Judenschaft und mußte der Termin derselben, welcher bis zum 16. Jänner festgesetzt war, bis zum 21. verlängert werden. Dieselben wiesen manches interessante Moment auf. So war es gewiß von höchstem Interesse, als Generalmajor a. D. v. Schweitzer, mit all seinen Orden angetan, die er dem feierlichen Momente zu Ehren angelegt hatte, erschien, um sich in den Bruderbund aufnehmen zu lassen. Einer der hervorragendsten und tapfersten Krieger, der schon häufig die Gunst und Auszeichnung des obersten Kriegsherrn erfahren, hielt es für einen der schönsten Augenblicke seines an solchen gewiß reichen Lebens, als Mitglied der Chewra- Kadischa ausgenommen zu werden. Er habe es sich in allen Gefahren und, so sagte er, in allen Verhältnissen seines Lebens stets vor Augen gehalten, daß er ein Jude sei, und deshalb sei er auch in den Ruhestand getreten, weil er als Jude es nicht mehr weiter bringen konnte. So trat er denn in den Ruhestand, ehe er seinen Glauben opferte. „Bezalel" Verein zur Förderung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern. Am 17. Jänner fand in Berlin unter Vorsitz von Prof. Marburg eine Ausschußsitzuug des Vereines „B e z a l e l" statt, in der der Maler Gottlieb, der einige Monate in der „Bezalel"- Schule in Jerusalem tätig war, über die Fortschritte der Schüler Bericht erstattete. Die Ausschußmitglieder nahmen mit großem Interesse und mit Genugtuung die Mitteilungen vom außerordentlich erfreulichen Eifer, Fleiß und Ernst derSchüler zurKenntnis, die auch die arbeitsfreie Zeit einer belehrenden gemeinschaftlichen Lektüre widmen und von ihrer Aufgabe, die palästinische Judenheit ökonomisch und moralisch zu heben, ganz erfüllt sind. Fünf junge Leute, die in den letzten Monaten aus Rußland nach Jerusalem ausgewandert sind, haben in sehr kurzer Zeit in der „Bezalel-Schule" die Steinhaue>.ei erlernt, so daß sie jetzt einen auskömmlichen Erwerb haben. Da unter den Jerusalemer Juden gar keine Steinhauer bis jetzt vorhanden sind, trotzdem fie viel Beschäftigung finden könnten, wurde der Vorschlag von Prof. Schatz, in der „Bezalel-Schule" eine Abteilung für Steinhauer-Arbeiten einzurichten, wofür besonders Prof. Philippson warm eintrat, einstimmig angenommen. Den Plan des Herrn Gottlieb, das lithographische Gewerbe in Jerusalem einzuführen, beschloß man noch einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. Herr Gottlieb, der in diesem Gewerbe viel Erfahrung hat und es für sehr empfehlenswert für den „Bezalel" hält, erklärte sich bereit, eventuell auch einen Teil der Kosten (für die Anschaffung der Maschinen, Steine und dergleichen zusammen zirka 10.000 Mk.) beizusteuern und bestimmte hiefür zunächst die Einnahmen aus dem Verkauf seiner gegenwärtig in Berlin bei Schulte (Unter den Linden) ausgestellten Bilder. Zugleich wurde die Einleitung einer Propaganda zur Gewinnung von Mitgliedern für den „Bezalel" (Jahresbeitrag von Kronen 5.— an) beschlossen. Zahlungen nimmt das Bankhaus Meyer Cohn, Unter den Linden 11, entgegen. Nähere Auskünfte erteilt der Vorstand des „Bezalel", Berlin W. 15, Uhlandstraße 175, der auf Wunsch auch den Bericht des Komitees kostenlos zukommen läßt. Berlin. Am Sonntag den 20. Jänner fand eine Sitzung des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt, in der eine Reihe von Fragen die gegenwärtig weite jüdische Kreise interessieren, zur Verhandlung kam. Auf Grund eines Antrages von Herrn Faitlovitsch-Paris, der nach Abessynien gereist war,

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