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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-02-01 · 5 (1.2.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 76 Dr. Wiocb's MlocbenscbrLN. Nr. 5 schon als Knabe Talmudstudien. An den Universitäten Prag, Wien und Berlin studierte der Jüngling Geschichte, Philosophie und vor allem alte und neue Sprachen. In Wien wurden ihm, weil er Jude war, in seinem Studiengange mannigsache Schwierigkeiten bereitet. Schließlich wurde der junge Gelehrte nach Prag berufen, um dort als Lehrer einer jüdischen höheren Töchterschule zu wirken. Im Jahre 1845 ging Steinschneider nach Berlin als Lehrer an die Veitel-Heine-Ephraim'sche Lehranstalt. Bis zum Jahre 1890, 21 Jahre lang, war er dann Direktor der Töchterschule der Berliner jüdischen Gemeinde und zugleich Hilfsarbeiter an der königlichen Bibliothek. Nach Aufgabe seiner pädagogischen Tätigkeit widmete er sich ganz seinen wissenschaftlichen Forschungen. Am bekanntesten sind seine Kataloge hebräischer Handschriften von allen größeren Bibliotheken, bahnbrechend wirkte seine „Jüdische Literatur", die ins Englische übersetzt ward, und die von der Pariser Akademie der Wissenschaften preisgekrönte Schrift über die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters. Auch die arabische Literatur verdankt Steinschneiders unermüdlichen Forschungen mancherlei wertvolle und bleibende Aufschlüsse. Professor Dr. Steinschneider beschäftigte sich noch bis vor wenigen Wochen in seltener Frische des Körpers und Geistes mit seiner Wissenschaft. Eine ausführliche Würdigung des Gelehrten wird noch an anderer Stelle unseres Blattes erfolgen. * * * Professor Steinschneider erkrankte vor etwa vier Wochen an Influenza und wurde bettlägerig. Sein Hausarzt war tagtäglich um ihn. Das Befinden des Patienten besserte sich auch bald wieder und war in den letzten Tagen so zufriedenstellend, daß Professor Steinschneider schon zeitweilig das Bett verlassen durfte. Am letzten Nachmittag saß er noch an seinem Schreibtisch und arbeitete. Gegen Abend trat eine plötzliche Verschlimmerung ein. Man zog daher neben dem Hausarzt noch einen zweiten Arzt heran. Hilfe konnten indes beide nicht mehr bringen. Der Greis starb unter ihren Händen an den Folgen der Influenza, zu der noch die Altersschwäche kam. Er hinterläßt drei Söhne und eine Tochter. Seine Frau ist vor fünf Jahren bereits verstorben. Hofrat Dr. David Heinrich Müller schreibt in der „Neuen Freien Presse": Die Uebersetzungstätigkeit der Juden, die schon in uralter Zeit beginnt und sie zu Trägern und Vermittlern der Kultur und Wissenschaft gemacht hat, findet in Moritz Steinschneider einen objektiven und gründlichen Geschichtsschreiber. Die Wanderung der Juden durch die ganze Welt, zuerst aus Babylon nach Palästina und Egypten, dann wieder nach Babylon, Alexandrien und Rom und von da aus über die ganze Erde, machte sie zu prädestinierten Uebersetzern. Sie haben aus allen Kultursprachen übersetzt, sie haben alle Wissenschaften verbreitet, und hebräische Handschriften füllen alle großen Bibliotheken. Keiner seiner großen Vorgänger hat so viele Handschriften studiert und beschrieben als Steinschneider. Keiner folgte der Geschichte der Wissenschaften im Mittelalter in gleich umfassender und gründlicher Weise. Steinschneider war eine durch und durch kritisch veranlagte Natur und hätte als Kritiker Vortreffliches leisten können, aber das Arbeitsziel, das er sich in frühen Jahren gesetzt, hat er nie aus den Augen verloren. Durch alle seine Werke, Muster von Gelehrsamkeit und Sammelfleiß, leuchten oft scharfe, kritische Blitze, die stets in epigrammatische Wendungen gekleidet sind. Er, der so viel sammeln, buchen, gruppieren und vergleichen mußte, hatte für größere Kritiken wenig Zeit. Er hat das lange Leben gut ausgenützt und jede freie Stunde, die ihm die Arbeit für sein Lebenswerk gelassen, den großen Aufgaben gewidmet, die er sich selbst gestellt. Vielleicht charakterisieren ihn seine letzten Worte im Vorworte zu dem Werke „Die hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetscher" (Berlin, 1893) am besten: „Zum Schluß ein Wortüberdie Tendenz dieses Buches. Ich habe meine Forschungen zunächst für mich selbst angestellt; es hat stets Männer gegeben, welche das Forschen zu den selbstzwecklichen Tätigkeiten zählen, wie andere Menschen andere Genüsse. ... Ich schreibe über Juden, aber nicht für sie, nicht pro domo. Judenfeinde belehrt man nicht am wenigsten durch Geschichte. . . . Unrecht wird auch durch unparteiische Geschichte nicht verhütet. Und wer schreibt sie? . . . Der Abschied von diesem Buche, welches die größere Hälfte eines langen Lebens in Anspruch genommen, ist gewissermaßen ein Abschied vom Leben selbst, und jedes Ende mahnt uns daran, wie winzig der Einzelne der Gesamtheit gegenüber ist: aber gerade dieser Gedanke treibt uns zur Erforschung des Zusammenhanges zwischen dem Einen und dem All, welcher uns lehrt, daß das Endliche im Unendlichen auch nicht untergeht." Aus Berlin wird uns geschrieben: Der verstorbene berühmte Sprachforscher Professor Dr. Moriz Steinschneider hat bestimmt, daß seine Leiche verbrannt werden soll. Die Einäscherung fand in Hamburg, die Beisetzung der Aschenreste am 30. Jänner nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhof in Weißensee statt. Eine Hypothese. Von Dr. Albert Wagner. Der hypothetische Ausspruch Aben Esras, daß das " nittn^ö 22 v schon zu Zeiten Abrahams vorhanden gewesen ist, läßt eine weitere Unterscheidung im Zitieren zu. Bei dem Zitate in Moses IV 21. wird nicht das sonst übliche Siros oder H2TD 8'2 232 gebraucht, sondern 228' 2V82. Dieses kann wohl ein Zufall sein, es ist aber auch möglich, daß dieser Ausdruck mit Vorbedacht gewählt wurde, und Letzteres hat die größere Wahrscheinlichkeit für sich. So wird Genesis 10. Kap., Vers 9: " 222 Tat ni23 22232 228' |2 by und Genesis 22, Vers 14 : 2L'8 282' " 2.22 DV2 228' gebraucht, ähnlich wie das °?2'2 228' 2T'82 1322,22 in I. S. 24, 14, um anzudeuten, daß diese Sprichwörter und sprichwörtlich gebrauchten Zitate dem Volksmunde geläufig und wegen ihres Alters nicht in Rollen geschrieben, sondern mündlich überliefert und wenn ausgezeichnet, in Stein gemeißelt oder in Tontafeln eingegraben waren. Diesen althergebrachten, im Volksbewußtsein aufgespeicherten Geistesprodukten wurde stets die ihnen gebührende Verehrung gezollt und sie wurden stets mit Pietät behandelt. Die Thora gibt uns ein glänzendes Zeugnis von Pietät für althergebrachte Traditionen und von den Vätern überkommene Denkart, indem sie ihre Schöpfungsgeschichte bei der Erzählung von der Erschaffung des ersten Menschenpaares unterbricht, um festzuhalten, was dem Volke Tradition war, und um die alte, poetisch schöne, von einer wunderbaren Phantasie getragene Erzählung kommenden Geschlechtern aufzubewahren und in der Schrift zu verewigen. Hier wird im Gegensatz zu Kap. I, Vers 27 und Kap. V, Vers 2, der Genesis der Mensch nicht wie die Tiere napai 221 geschaffen, sondern der Mensch, 228, wird aus dem der Erde entnommenen Staube gebildet. Für dieses höchste Gebilde der Schöpfung wird ein Garten in Eden gepflanzt. Zn seiner Bequemlichkeit wird diesem Einzelnexemplar im Schlafe eine Rippe entnommen und das Weib gebildet. Der von ihrem Manne später erhaltene Stamm 212 erinnert an die Schlange 822, die in das Schicksal dieses höchsten Geschöpfes und dessen künftige Geschlechter eingreift. Eine sprechende Schlange, der Geist Gottes, der sich im Garten ergeht, das naiv versuchte Versteckensspiel des ersten Menschenpaares, dem der Schöpfer Kleider anfertigt, die erlittene Exilierung als Teil der zuerkannten Strafe für Ungehorsam, die Eherubim mit dem flammenden Doppelschwert, der Brudermord Kains aus kleinlichen Motiven, das tragische Schicksal Lemachs, der es in poetischer Form seinen Frauen, Ada und Zila, erzählt. Die Sage weiß diesen dichterischen Worten eine Erklärung zu geben. Rach dieser war Lemach blind und wurde von seinem Sohne Tubal-'Kain geführt. Dieser sah Kain und hielt ihn für ein Tier und veranlaßte den blinden Vater, den Pfeil abznschießen. Als der Knabe seinen Irrtum erkannte, teilte er das Geschehene seinem Vater mit, der verzweifelt die Hände zusammenschlug und dabei das Haupt des Kindes vernichtend traf. Ada und Zila, welche die göttliche Strafe fürchteten, zogen sich von dem unglücklichen Manne zurück. Um sie zur Wiederaufnahme der Gemeinschaft zu bewegen, sagte er: ’°?1p 2°?3Ü 222 '2228 23182 “22 '1T3 '22-32 '2322 V'8 '2 '22332°? — 21?'! s'j? Dp' D'2J?D© «2 .2J1D1P1 DTDltf — “D°?1

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