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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-25 · 4 (25.1.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 64 Nr. 4 Dr. JBiocb,6 TWlocbenscbc*r Million Einwohner, in deren Händen ein Kapital von 356.000.000 Dollars ruht. Ein anderes Beispiel: Im Jahre 188-' entstand in Dänemark die erste genossenschaftliche Meierei — im Jahre 1004 bestanden bereits 104 mit einer Mitgliederanzahl von 150.000 Personen. Demgemäß wuchs der Verkauf landwirtschaftlicher Produkte in 6 Jahren (1897 bis 1903) von 10,000.000 Kronen auf 160,000.000 Kronen. Auf solche Tatsachen stützt sich nun die zionistische Arbeit, und auch in Palästina kennt man schon den Segen genossenschaftlicher Arbeit und gegenseitiger Hilfe. So hat die Orangengenossenschaft in Petach Tikwah einen eigenen Sensal an der Londoner Börse — die Vorteile des direkten Großverkaufes liegen auf der Hand. Fügt man hinzu, daß Hypothekar- und Kreditgenossenschaften im Entstehen sind, ergibt sich von selbst, daß diese palästinischen Hoffnungen vollauf berechtigt sind, umsomehr als das wunderbare Klima und die billigen Arbeitskräfte von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. An dem Beispiel der Deutschen, Engländer und Franzosen müsse man lernen. Industrielle Unternehmungen sind mit wertvollen Konzessionen verknüpft.IDie Kilometergarantie der türkischen Regierung verpfändete der Beirut-Damaskus-Bahn den Zehent der Vilajete, Damaskus, Arev, Salakia, Tripoli. Da die Verwaltung dieses Pfanves die von europäischer Kontrolle geleitete Dette publice in Stambul übernimmt, ist die größte Sicherheit gewährleistet, und solche Konzessionen sind in der Türkei gang und gäbe. Auf ihnen beruht die gewaltige Prosperität der Anatolischen Bahn ... es wäre ein Glück für die bedauernswerten Judenmassen des Ostens, wenn sich jüdisches Kapital auch für Palästina bereit fände. Das Privatkapital hat den größten Spielraum vor sich. Profeffor Marburg begründete ein neues Syndikat, das Palästina planmäßig erschließen soll, das Pläne und Risikoberechnungen ausarbeiten und Privaten käuflich überlassen wird. Zu allem ist aber eines nötig: Geld. Die jüdische Kolonialbank, deren Sitz aus völkerrechtlichen und juridischen Gründen nach London verlegt wurde, wird nur dann alle Hoffnungen erfüllen, wenn ihre Anteilscheine (1 Pfund ein Stück) die weiteste Verbreitung finden werden. Hotzeuplotz. Unser Kultus Vorsteher Herr Adolf Lichtwitz, der seit mehr als dreißig Jahren Mitglied der hierortigen städtischen Gemeindevertretung ist und von derselben vor mehreren Jahren zum ersten Gemeiuderat und Bürgermeister-Stellvertreter gewählt wurde, hat in diesem seinen Ehrenamte sich die Interessen hiesiger Stadt sehr angelegen sein lassen und dieselben mit großem Eifer gefördert, wodurch er sich bei allen Klaffen der hierstädtischen Bevölkerung viel Sympathie erworben hat. In Fällen, wo für reich begüterte christliche Waisenkinder ein vertrauenswürdiger Vormund benötigt wurde, wählte man ihn dazu. Er ist auch Ausschuß und Ehrenmitglied der hierortigen Genoffenschaft der Landwirte und zugleich Direktor ihres Lagerhauses, Mitglied des Bezirksstraßenausschusses und des Bezirksschulrates, Vorstand des hierortigen Spar- und Vorschußvereines, Ehrenmitglied der freiwilligen Feuerwehr und der Veteranenvereine hiesiger Stadt und umgebender Orte und wirkt in allendiesen Ehrenämtern mit großem Eifer, Sachkenntnis und Verständnis, was auch allgemein anerkannt wird. Die hierstädtische Gemeindevertretung hat darum stimmeneinhellig beschlossen, Herrn Adolf Lichtwitz in Anbetracht seiner um die hiesige Stadt und ihre Bevölkerung erworbenen großen Verdienste zu ihrem Ehrenbürger zu ernennen, was in gegenwärtiger Zeit des in den meisten Ländern und Gesellschaftsschichten vorherrschenden Antisemitismus verzeichuet zu werden verdient. Herr Adolf Lrchtwrtz hat auch als langjähriger Vorsteher unserer Kultusgemeinde und als ihr Delegierter für die Verwaltung des mährischjüdischen Landesmassafondes sich die Interessen unserer Kultusgemeinde angelegen sein laffen und für dieselben mit großem Eifer gewirkt. Seiner vorzüglichen Leitung und Verwaltung unserer Kultusgemeinde ist es zu danken, daß unsere alte und ehrwürdige Gemeinde trotz der in den letzten Dezennien sehr verringerten Mitgliederzahl noch besteht. Generalversammlung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Berlin. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hielt am 5. d. M. in der prächtigen Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde ihre Generalversammlung, zu welcher sich mit zahlreichen hiesigen und auswärtigen Mitgliedern ein stattlicher Kreis von Gästen, Damen und Herren, eingefunden hatte. In diesem überaus regen Besuch offenbare sich, so hob der Vorsitzende, Herr Professor Doktor Philippson, in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß die Bestrebungen des Vereines wachsendes Verständnis finden und in immer weiteren Kreisen die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß die Pflege unserer Wissenschaft zu den vornehmsten Aufgaben der Gegenwart gehöre. Dem Jahresbericht, aus welchem nach seinem Erscheinen nähere Einzelheiten mitgeteilt werden sollen, entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder auf nahezu 900 gestiegen ist und dementsprechend die Finanzlage sich recht günstig gestaltete. Die Gesellschaft hat im abgelaufenen Jahre eine Reihe von Schriften herausgegeben, welche den Mitgliedern teils kostenfrei, teils zu ermäßigtem Preise zugingen. Die weitansschauenden Pläne zu den großangelegten Publikationen, welche von der Gesellschaft in Angriff genommen wurden, rücken ihrer Verwirklichung näher; so z. B. die Germania Judaica, welche nach ihrer Vollendung die Grundlage für alle geschichtlichen Forschungen über die Juden in Deutschland bilden wird. Endlich hat die Gesellschaft die Studien einzelner Gelehrter durch Subventionen in hervorragendem Maße gefördert, u. A. die Arbeiten des Herrn Professor Dr. N. Müller zur Erforschung der altjüdischen Begräbnisstätten in Italien. Nachdem sodann Herr Rabbiner Dr. Feuchtwan g-Wien die Grüße der dortigen Kultusgemeinde überbracht und namens derselben der Genugtuung über das Erscheinen der „Jüdischen Apologetik" ihres Oberrabbiners, Herrn Dr. Güdemann, Ausdruck gegeben hatte, referierte Herr Dozent Dr. B r a n n-Breslau über „die Geschichte der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die mit dem soeben abgeschlossenen Bande ihr erstes Halbjahrhundert beendet. In detaillierten Ausführungen legte Redner dar, daß die von Zacharias Frankel begründete, von Gr ätz fortgesetzte und nach mehrjähriger Unterbrechung von ihm selbst im Verein mit David Kaufmann wieder aufgenommene Zeitschrift in allen äußeren Wandlungen ihrer Bestimmung treu geblieben sei und einen hervorragenden Mittelpunkt geistigen Schaffens gebildet habe. Die stattliche Zahl der Mitarbeiter, welche namentlich aufgeführt wurden, die Vielgestaltigkeit und Gediegenheit ihrer in der „Monatsschrift" niedergelegten Arbeiten, die nach Inhalt und Umfang charakterisiert wurden, bestätigen, daß der Anteil jüdischer Gelehrter an dem Ausbau der Religionsgeschichte und -Philosophie, der Bibelforschung, der jüdischen Geschichte und aller anderen einschlägigen Wissensgebiete den Leistungen nichtjüdischer Forscher durchaus ebenbürtig sei. Sodann sprach in gedankenreicher, formvollendeter, von edler Begeisterung getragener Rede Herr Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r-Berlin über „Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie". Die alttestamentliche Forschung nehme innerhalb der protestantisch-theologischen Wissenschaft eine hervorragende Stelle ein, wie das eine Reihe glänzender Leistungen bezeuge. Indessen, der Blick sei getrübt, das Urteil nicht unbefangen, weil diese Forschung wesentlich vom Standpunkte und im Lichte des Christentums behandelt werde. Die positive Richtung, die dies offen ausspreche, und die kritische begegnen sich darin, daß sie die jüdische Religion nur als eine Vorstufe der christlichen bezeichnen, von der sie überwunden sei. Tatsächlich ruhe die christliche Theologie in ihrer Lehre von Gott im Wesentlichen auf dem Alten Testament, sei der Dekalog der Kern auch ihres Sittengesetzes, bilden die Psalmen das Gebet- und Gesangbuch der Kirche, wie der Synagoge — alles Beweise, daß das Judentum nicht die Vorstufe, sondern die Grundlage und unerläßliche Voraussetzung der christlichen Lehre ist. Die Fruchtlosigkeit der Versuche, unserer Bibel diese Stellung innerhalb des Christentums zu nehmen, sprechen umso beredter für ihren Wert. Die Angriffe der Deisten und Rationalisten des 17. und 18. Jahrhunderts, Hegel's, Schleiermacher's, Reimarus' 2c., welche von dem Alten Testament weit abrücken zu müssen glaubten, haben demselben nichts anznhaben vermocht. Mit Herder, Ewald u. A., welche vorwiegend den sittlichen Gehalt und die ästhetische Schönheit der Bibel hervorhoben, setzte eine gerechtere Würdigung ein. Auch die grundstürzenden kritischen Arbeiten der jüngsten Zeit hätten nur das eine Ergebnis gehabt, daß sie das Urteil Klostermann's bestätigen: „Die Bibel bleibt; die wissenschaftlichen Versuche, die biblische Geschichte darzustellen, kommen und gehen." In ganz hervorragendem Maße habe sich dies auch gelegentlich des „Babel- Bibel-Streites" bewahrheitet, indem die Vertreter der protestantischen Theologie und Exegese fast einmütig gegen Friedrich Delitzsch und für das Alte Testament sich erhoben. Anders gestaltet sich das Urteil „unter dem Schatten des Kreuzes" über die nachbiblische Epoche, insbesondere über die Zeit, da das Christentum entstand. Mangelnde Kenntnis der späteren jüdischen Urkunden, und die Voreingenommenheit für die eigene Religion bewirken, daß das Judentum in den dunkelsten Farben geschildert wurde. „Nacht mutz es sein; wenn der Stern von Nazareth aufgehen soll." Die Unhaltbarkeit und Ungerechtigkeit dieser Beurteilung unserer Glaubensgemeinschaft beleuchtete Redner an der Hand zweier signifikanter Aussprüche Lagarde's und Harnack's, ferner durch den Hinweis auf die Standhaftigkeit, mit der die Juden ihrer Religion treu blieben, während z. B. der ganze Nqrden Afrikas, die Stätte einer mehrhundertjährigen christlichen Kultur, mit dem Eindringen der Mohammedaner dem Islam zufiel, und endlich ganz besonders eindrucksvoll durch einen Vergleich zwischen der unverminderten Lebensfrische der Religionsschriften des Judentums, vor Allem des Talmud, der das Geisteslabsal und der Jungbrunnen für unzählige Geschlechter, unser Hort und unsere Stütze durch die Jahrtausende geblieben sei, mit der im Staube der Bibliotheken den

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