Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 4 Dr. Dlocb's MocbenscbriN. Gelte 63 Wecken. Dies möge Aufgabe besonders der Frauen sein, die hier im Bezirke reichen Boden finden und nach ihrer bisherigen Tätigkeit erwarten lassen, daß sie auch in diesem Sinne wirken werden. Nachdem noch Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielmann jun. Interpellationen an den Vorsitzenden in Betreff des Austrittes einiger Mitglieder, der Teilnahme der Revisoren an den Ausschußsitzungen, des Zwanges zum Jugendgottesdienste und der Revision der Kassa bei Uebergabe von einem Kassier an den andern gerichtet und scharf seinen eigenen Standpunkt betont hatte, sprach Herr Isidor Bernfeld dem Obmanne unter allseitiger Zustimmung den Dank und Lob für sein vielseitiges und umsichtiges Wirken aus. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl der bisherigen Funktionäre mit Ausnahme zweier ausgeschiedener, für die Herr emeritierter Advokat Dr. Alfred Beck eintrat. Als Ausschuß- Stellvertreter wurden die Herren Jakob König, R. Löwit und Philipp Weil, als Revisoren die Herren Gustav Löbl, Franz Josef Klein und Advokat Dr. Isidor Spielmann gewählt. Der Ausschuß selbst wählte zum Obmann Herrn Doktor S. Krenberger, zu Stellvertretern die Herren Hermann Kuner und Jean Hertzka; zum Kassier Herrn Samuel Hoffmann, zum Stellvertreter Herrn Isidor Bernfeld; zum Schriftführer Herrn Gustav Jacob, zum Stellvertreter Herrn Dr. Ernst Karman. Beiräte sind die Herren: Dr. Alfred Beck, Isidor Güns, Ferd. Herzog, Jakob Popper, Emanuel Schwarz, Josef Smetana. Generalversammlung des jüdischen Turnvereines in Fünfhaus am 12. Jänner 1907. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolls der letzten Generalversammlung erstattete der Obmann Herr Dr. Krenberger den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Vereinsjabr. Der Obmann hob hervor, daß es dem Turnrat gelungen sek, in H.rrn Csacskes einen äußerst tüchtigen und pflichteifrigen Turnlehrer zu gewinnen. Hierauf gab der Kassier Herr Hönigsberg einen Bericht über die finanzielle Lage des Vereines. Diesem war zu entnehmen, daß der Verein noch immer passiv sei; um dem teilweise abzuhelfen, stellte der Kassier den Antrag, für sämtliche Mitglieder den Monatsbeitrag auf 2 .L festzusetzen. Auf Antrag eines Mitgliedes wurden auch die Beiträge der unterstützenden Mitglieder festgesetzt. Nunmehr ging der Obmann auf den Punkt Statutenänderung über. Diesbezüglich führte Herr Dr. Krenberger aus, daß nach den bisherigen Erfahrungen der Name des Vereines die Agitation erschwert und viele, die dem Verein unter anderen Verhältnissen näher getreten waren, abgestoßen hat. Auch der zweite jüdische Turnertag hätte erklärt, daß in der Turnerschaft das politische Element grundsätzlich ausgeschlossen sei. Der Obmann beantragte daher, den bisherigen Namen in „Jüdischer Turnverein in Fünfhaus" umzuändern. Diesem Anträge gemäß wurde nun von der Generalversammlung die Neuformulierung der mit der Namensänderung zusammenhängenden Paragraphe beschlossen. Nach Erteilung des Absolutoriums wurde zur Neuwahl geschritten und folgende Kandidatenliste für den Turnrat gewählt: Obmann Dr. S. K r e n b e r g e r, I. Stellvertreter Ad. Hecht, II. Stellvertreter Dr. L. Weiß; Kassier S. Hönigsberg, Stellvertreter H. S t ög e r; Schriftführer ing. Alf. Bonhardi, Stellvertreter Felix Popper; Turnwart zur. Csacskes; Fechtwart ing. I. Rohrlich; Materialverwalter ing. Joh. Klein, Stellvertreter I. S ch ü ß l e r. Beiräte: Dr. K r e i s l i n g, Th. I e l l i n e k, S. W o l l n e r, Frl. Helene A b e l e s. Schrrlfrageu. P u r g st a l l. Herr Religionslehrcr Max Rindskopf verdient für sein erstattetes Referat die vollste Anerkennung und schließe ich mich seiner Unterrichtsmethode, zumal ich solche seit einigen Jahren in der Schule anwende, mit Vergnügen an. Ich bin seit 16 Jahren Religionslehrer auf dem Lande und habe ich während dieser Zeit viele Erfahrungen in der Unterrichtsmethode gemacht. Seit 5 Jahren schreibe ich den Kindern (Anfängern) vorerst das hebräische Alphabet in Quadratschrift auf die Schultafel, welches sie nachschreiben müssen, und dann erst lasse ich dieses in der Fiebel lesen und tatsächlich erlernen die Kinder das Hcbräischlesen rascher und gründlicher und habe ich Anfänger, welche schon im ersten Schulqnartale (d. s. 3 Monate, monatlich 8—9 Stunden) sehr gut zusammenlesen. Besonders die einzelnen oft sehr ähnlichen Buchstaben wie z. B. »22° »nn° »dd* *öt2" müssen mit den Kindern sehr oft durchgenommen werden. Nachdem ich überhaupt den Kindern das Hebräischschreiben einübe, wie es auf dem Lande üblich ist und wobei die Buchstaben denen int Gebetbuche sehr ähnlich nachgeahmt werden, ist das gründliche Lesen im Urtexte zu erlernen sehr leicht. S. Fried, Religionslehrer. Löbliche Redaktion! Mit Bezugnahme auf den in Ihrer geschätzten Zeitschrift erstatteten Bericht über die am 13. Jänner d. I. abgehaltene Konferenz der israelitischen Religionslehrer für Volks¬ und Bürgerschulen in Wien, worin auch das Referat des Herrn Rindskops, betreffend die Förderung des hebräischen Leseunterrichtes durch Erlernung der Quadratschrift seitens der Kinder, rühmend erwähnt wird, erlaube ich mir zu bemerken, daß ich als erfahrener Lehrer dieser vorgeschlagenen Methode nicht zustimmen kann. Abgesehen davon, daß Kindern der I. Klasse die Quadratschrift große Schwierigkeiten verursacht und sie statt Buchstaben reine Karrikaturen aufs Papier malen würden, ist es auch vom pädagogischen Standpunkte aus nicht zulässig, Kindern in diesem Alter nebst der Kursivschrift noch eine zweite beizubringen. Dagegen habe ich in meiner langjährigen Praxis gute Erfolge dadurch erzielt, daß ich die vorzunehnienden Lautzeichen vorerst an die Tafel schrieb und die Kinder auf die Aehnlichkeiten und Unterschiede der Buchstaben aufmerksam machte. Auch wären hebräische Lesetabellen sehr zu empfehlen. Ein alter Praktikus. Ein jüdischer Friedhof fiir Lussinpiccolo. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Bloch, Wien. Ich war durch einige Wochen Kurgast in Luffinpiccolo — einem Kurorte in Istrien, der vermöge seiner südlichen Lage von Lungenkranken und Rekonvaleszenten aufgefucht wird. Während dieser Zeit starb ein Kurgast jüdischer Konfession, der in Ermanglung eines israelitischen Friedhofes in der Totenkammer des katholischen aufgebahrt wurde. Wir verständigten telegraphisch die in Wien domizilierenden Angehörigen des Verblichenen und wurde dieser nach Ankunft derselben auf dem katholischen Friedhofe beigesetzt. Wir bemühten uns, wenigstens die Beerdigung nach jüdischem Ritus durchzuführen, mußten uns jedoch den Spott und Hohn der dortigen Ortsinfafsen hiebei gefallen lassen. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, daß dort bereits mehrere jüdische Leichen beerdigt seien. Wir Kurgäste jüdischer Religion fühlten uns so verletzt, daß wir beschloffen, die Errichtung eines jüdischen Friedhofes zu ermöglichen. Der Bezirkshauptmann und der Bürgermeister bewilligten das und das Triester Rabbinat — als nächste Kultusgemeinde übernahm das Protektorat. Das erforderliche Kapital wäre Kr. 3000 — 3500 und erlaube ich mir im Namen vieler an Euer Wohlgeboren das Ersuchen zu richten, durch Aufruf in Ihrem werten Blatte eine Sammlung einzuleiten und so dieses gottgefällige Werk zu vollenden. Spenden übernimmt Dr. Brettholz, Oberrabbiner in Triest. Ich zeichne Hochachtungsvoll Hermann Spitzer, Wien, II/4, Produktenbörse. Indem die „Oesterreichische Wochenschrift" vorstehende gewiß beherzigenswerte Zuschrift der Oeffentlichkeit vorlegt, erklärt die Redaktion sich bereit, Spenden für diesen Zweck entgegen zu nehmen und auszuweisen. Jüdischer Bolksverein in Prag. Samstag den 12. Jänner hielt über Einladung des jüdischen Volksvereines Herr Fabrikant Böhm aus Wien einen Vortrag über seine Studienreise in Palästina und deklarierte sich als Anhänger derjenigen Bestrebungen, die durch industrielle und landwirtschaftliche Unternehmungen das Land allmählich dem jüdischen Volke wiedergewinnen wollen. Er wendete sich energisch gegen die territorialistischen Bestrebungen des englischen Politikers und Dichters Zangwill, der das jüdische Problem durch autonome Siedelungen in anderen Erdteilen als Palästina lösen zu könne» vermeint. Der Vortragende erörterte die Chancen der auf Palästina gerichteten jüdischen Hoffnungen in sachgemäßer Weise. Das Rückgrat eines jeden Volkes bildet die Landwirtschaft. Darum ist es notwendig, daß dort, wo ein Bauernstand erst gegründet werden soll, die erkannten Schäden der alten Produktionsformen möglichst umgangen und andererseits alle Errungenschaften moderner Wissenschaft zu Rate gezogen werden. Man muß dort lernen, wo die Bodenkultur die höchste Entwicklung gefunden hat: in Frankreich und Belgien. Die Hilfsmittel der Technik potenzieren und ersparen zugleich Arbeitskraft. Die Chemie zieht ungeahnte Schätze aus dem sterilsten Boden. Es bedarf menschlichen Fleißes und menschlicher Intelligenz, an denen es den Juden wahrlich nicht fehlt. Hiezu kommt noch die moderne Form des genossenschaftlichen Betriebes. Aus einer Salzwüste schufen die Mormonen in Utah in fünf Jahrzehnten ein Paradies. Die ehemalige Salzwüste ernährt jetzt eine halbe