Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-25 · 4 (25.1.1907) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021715--16098-3040899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 62 Dr. JBlocb s Mocvenscörirr. Nr. 4 Generalversammlung wird der von ihm in der nächsten Sitzung zu erstattende Bericht ausführlich behandeln. Das Vertreter-Kollegium wird sohin ersucht, nach Beratung dieserMngelegenheit dem Plenum Anträge zu stellen. Subventionen werden bewilligt: Dem Tempelverein „Emunas Awes", dem Frauen-Wohltättgkeitsverein im XI. Bezirk, dem Asylverein für Obdachlose, dem Vereine zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um Y22 Uhr nachmittags geschlossen. Wie wir vernehmen, wird beabsichtigt, die Angelegenheit des Tempelvereines für den X. Bezirk in öffentlicher Plenarfitzung'.des Kultusvorstandes zu beraten. Ein beachtenswerter Vorschlag. Immer wieder beschäftigt sich die öffentliche Meinung mit dem Elend der ruffisch-jüdischen Auswanderer, deren Los mildtätige und mitfühlende Glaubensgenossen zu lindern suchen. Noch harrt die große Frage der Emigration ihrer Lösung. Aber indefsen ergießt sich unaufhörlich der Strom der Emigranten auch hieher nach Wien, um in den meisten Fällen von hier nach dem Hafen, von wo aus sie sich nach Amerika einschiffen, zu reisen. Es ist geradezu unerhört, welche Mißhelligkeiten diese Armen hier oft zu erleiden haben. Alle Vorkommnisse dieser Art hier auftuzählen, ist wohl nicht nötig. Sie sind leider nur zu bekannt und wohl viele von uns haben es schon mitangesehen, welchen Drangsalierungen diese Armen ausgesetzt find. Wer von uns hat sie nicht, besonders in der Nähe des Nordbahnhofes, gesehen, nicht wissend, wohin sie sich hinwenden sollen, ratlos stehen sehen, wo fie dann meistens den gewissen Fremdenbeherbergern in die Hände fallen, die sie dann gehörig ausbeuten. Wenn fie sich an den Polizeimann oder an einen Passanten wenden, ist es oft nur vergebens — er versteht fie nicht und läßt sie stehen. Und doch wollen sie ja in den weitaus meisten Fällen bloß Auskünfte diverser Art, billige Unterkunft rc. bis zur Weiterreise, verlangen ja kein Almosen. Diesen Aermsten der Armen könnte aber diesbezüglich geholfen werden-, ohne daß man dabei an die Taschen der Wohltäter appellieren müßte. Es mögen sich nur eine Anzahl von Männern und Frauen finden, die über ein paar freie Stunden verfügen — wenn sich eine größere Anzahl findet, käme es ja auf jeden nur einmal im Monat — und bei dem in der Früh und am Abend ankommenden Zuge, mit welchem die Auswanderer in der Regel kommen, sich der Leute amwhmen. Die Behörde und die Direktion der Nordbahn werden ohneweiters die Erlaubnis hierzu erteilen. Die jeweilig intervenierenden Personen können ja mit einer Legitimation, eventuell durch eine Armbinde mit hebräischer Aufschrift versehen sein. Die Sache ist durchaus nicht schwer durchzuführen und wird sicherlich gute Früchte tragen. Eine derartige Institution besteht schon derzeit in Berlin und bewährt sich dieselbe sehr gut. Al. Kokisch. Dritte ordentliche Generalversammlung des „Tewpelvereines des. HU. Bezirkes der Stadt Wien". Sie fand am 16. Jänner d. I. um 6 Uhr Abends statt und war durch die Anwesenheit des Herrn Kultusvorstandes kaiserl. Rat Leopold Sachs und Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunw ald ausgezeichnet. Den Rechenschaftsbericht erstattete der Obmann Herr Dr. Salomon Krenberger, nach Begrüßung der Gäste, unter denen auch der Vorstand des Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsvereines, mit Frau Präsidentin Eugenie H o fff m a n n an der Spitze, war. Der Verein hat jetzt siebzig Mitglieder gegenüber 46 im Vorjahre und erwartet durch eine beretts eingeleitete Agitation noch Zuzug. Im Vergleiche zu anderen schon lange bestehenden Vereinen ist dies angesichts der jüdischen Bevölkerungszahl des Bezirkes ein bedeutendes Wachstum. Im abgelaufenen Jahre war ein Mitglied gestorben, ein Mitglied hatte das Domizil gewechselt, drei waren ausgetreten. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist 7 Kronen, der in einigen Fällen überschritten wurde. Zum weiteren Gedeihen des Vereines sind eine größere Synagoge, die Ausgestaltung des Ritus und der Ausbau der bereits bestehenden Einrichtungen nötig. Der Gottesdienst wurde außer an allen religiösen und nationalen Festtagen am Freitag abends und Samstag vormittags abgehalten und war gut besucht. Namentlich an den hohen Feiertagen war der Besuch so groß, daß die vorhandenen Sitzplätze in der Synagoge XIII/2, Penzingerstraße 132, nicht genügten. Im Berichtsjahre waren vier Barmizwas und drei Namengebungen. Die Geschäfte des Vereines wurden in allmonatlichen Sitzungen des Ausschusses beraten. Für den aus drei Herren bestehenden Bethausvorstand (Hermann Kuner, Ferdinand Herzog, Jakob Popper) wurde eine eigene Geschäftsordnung ausgearbeitet, die dem löblichen Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zur Kenntnis gebracht wurde. Ueber 300 Schriftstücke wurden erledigt. Neu angeschafft wurden vom Ausschüsse ein Haskarabuch, eine Thorarolle; Geschenke an Geld und Tempelgeräten gingen ein in erster Linie von dem ungemein rüstig arbeitenden Hietzinger Frauen- Wohltätigkeitsvereine, vom Herrn kais. Rat Leopold Sachs, von den Herren Bernfeld, Berliner, Kuner, Lemberger und den Frauen Fiedler und König. Eine besondere Freude bereitet der Jugendgottesdienst, den seit 1. September für die Mittelschüler Herr Rabbiner und Professor H. L. Reich, für die Volks¬ und Bürgerschüler Herr Dr. Arnold Frankfurter versieht. Die Aufsicht führten bei der ersten Schülerkategorie die Herren Ferdinand Herzog und Jakob Popper, bei der zweiten die Damen Regine Kuner und Frau Direktor Wolf. Die Schulleitungen des XIII. Bezirkes unterstützen warm die Institution und der Jugendgottesdienst ist stets sehr gut besucht. Im Winter fand er für die Mittelschüler je einmal im Monate, um Y* 1 Uhr mittags, für die Volks- und Bürgerschüler um 3 Uhr nachmittags, statt. Vom Februar an wird er für jede Schülerkategorie abwechselnd jede Woche zu den angeführten Zeiten stattfinden. Das Verhältnis des Vereines zu dem löblichen Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde war stets ein vorzügliches und für die Förderung der Vereinszwecke spricht der Ausschuß des Tempelvereines des XIII. Bezirkes seinen Dank aus. Insbesondere dankte er auch dem Herrn Sekretär Julius Braun, der als Bewohner des XIII. Bezirkes deren^Bedürfnisse kennt. Die Funktionäre des Vereines haben jederA ihren Pflichten obgelegen. Insbesondere gilt dies für Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, der an fünf Tagen predigte, und für alles, was im Bezirke vorging, regstes Interesse und werktätige Teilnahme bekundete. Es wurde ihm unter allgemeiner Zustimmung der Dank ausgesprochen. Auch die Tätigkeit der Exhortanten und des Kantors Gotthold Friedländer wurde lobend erwähnt. Mit dem Danke an die Kollegen des Ausschusses für ihre große Mitarbeit schloß der Vorsitzende seinen Bericht, der mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Nachdem hierauf der Kassenbericht durch die Herren Gustav. Jacob und Franz Josef Klein erstattet worden war, wurde den abtretenden Kassieren, den Herren Josef S m e t a n a und Dr. Ernst -Karman, wie dem neuen Kassier Herrn Samuel H o f f m a n n das Absolutorium erteilt. Herr Kultusvorstand kaiserl.' Rat Leopold Sachs begrüßte nun in seinem Namen und in dem des gesamten Vorstandes den Tempelverein,' dankte für dessen rege Tätigkeit, die auch ein weiteres Gedeihen verbürge, und forderte unter warmer Betonung seines jüdischen Empfindens auf, auch selbst opferwillig zu sein und die Arbeit des Kultusvorstandes zu unterstützen. Die warmen Worte des ausgezeichneten Mannes fanden freudigen Wiederhall. Sodann richtete Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d an die Versammlung Worte der Anerkennung und hob hervor, daß die Belehrung des einzelnen und ein Herabsteigen zu jedem Volksgenossen das wirksamste Mittel sei, um wieder jüdisches Fühlen und Gesinnung zu er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.