Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021714--16085-3040885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette So Sr. s Mocdenscvrm. Nr. 3 geworden und meine Kinder Katholiken. Sie können sich denken, was der Pfarrer in der Theresienstadt für Plag gehabt hat mit uns. Auch unsere Namen haben wir geändert. Ich heiße natürlich nicht mehr K o h n, sondern Kuruczy, meine Frau nicht mehr Sali, sondern Piroska, meine Buben nicht mehr Jakob und Isidor, sondern A r p ä b und ZoltLn. Meine Frau hat um jeden Preis haben wollen, ich soll mich auf „Zrinyi" umchristieren lassen, und sie hat Ilona heißen wollen. Das war aber für eine Krone nicht zu befmrnncn. Aber ich bitt' Sie, ich Hab' auch so mein Ziel erreicht, und ich kann Ihnen sagen, ich und meine Familie machen große Fortschritte in der Diese letzten Weihnachten Hab' ich den ersten Christbaum angezündet und zu dem schönen Zweck die kleinen Lichteln vom letzten Chan »käsest verwendet. Mein Zoltün schreit auf der Gasse schon „Hep! hep!" und schlagt jedem jüdischen Schulkind ein Loch im Kopf. Mein Arpüd fängt schon an Schulden zu machen. Ec unterschreibt Wechsel und vorige Woche hat er sogar ein Duell gehabt. Da hat er aber nur einen Wäschewechsel in Anspruch genommen. Kurzum, ich sag' Ihnen, Herr Doktor, ich bin sehr beliebt in der Partei, und wenn Alles sich zu Gutem wendet, bin ich in drei Monaten Abgeordneter und in längstens einem Jahre ein solcher „k'ajms^ar", daß man mich von dem berühmten 48er Herrn Aladär Ballagi gar nicht wird mehr unterscheiden können . ." „Ich gratuliere Ihnen, geehrter Freund, — aber was geht all' das mich an?" . „Ich bitte Sie -um Ihre gütige journalistische Unterstützung auf meiner weiteren politischen Karriere. Lassen Sie sich, um Gotteswillen, nicht davon beirren, daß ich schrei und schimpf und sogar den Antisemiten spiel! Das gehört nur zum Geschäft und ist Alles nicht echt. Ich muß doch schau'n, daß ich weiterkomm' in Ungarn und dazu bedarf ich vor Allem der Unterstützung der Presse ..." „Gut, verehrter Freund/ also jetzt schauen Sie ernstlich, daß Sie weiter kommen! —" („Neues Pestcr Journal/') Literatur. Bo» einem jüdischen Offizier. Nicht vom Major Dreyfus! Obwohl es keine unlohneude Aufgabe wäre, die verschlungenen Fäden dieses klerikalen und antisemitischen Jntriguenstückes einmal gründlich klar zu legen und das Drama, das jahrelang das französische Volk in Aufregung hielt, vom psychologischen und pathologischen Gesichtspunkte aus zu zergliedern. Auch für die Zustände im fraiezösischen Heere und besonders in der festgefugten Kaste des Generalstabes, der einen Staat im Staate bildete, für die Begriffe von Ehre, Wahrheit, Gesetz und Freiheit, die dort maßgebend waren, wird die merkwürdige Erscheinung des Dreyfus - Handels immer eine interessante Fundgrube sein. Es war vielleicht der letzte Ausbruch eines finsteren, mittelalterlichen Geistes inmitten der weit vorgeschritlenen französischen Gesellschaft, eines Geistes, der alle Errungenschaften Frankreichs seit 1870 dauernd gefährdete. Wie es eine hohe Ehre für die französische Nation bildet, daß sidiese Etterbeule des Dreyfus-Skandals aufgestochen hat, so war ihre mannhafte Tat vielleicht die Rettung der Republik. Denn erst seit jener Zeit wagte man es, das überwiegend antircpublikanische Offizierkorps ernsthaft zu säubern und zu überwachen. Wenn zweifellos der Dreyfus- Handel ein letztes Aufbäumen des Antisemitismus war, so darf doch nicht vergessen werden, daß es dort (wie auch in Italien) jüdische Offiziere schon langst in größerer Zahl und in höheren Stellungen gibt. In Deutschland sind wir noch nicht so weit: hier bildet der jüdische Glauben noch immer ein Hindernis für den Offiziersdienst — während man allerdings den Renegaten mit offenen Armen aufnimmt. Heutzutage kann der jüdische Einjährige, und stammte er aus der besten Familie und hätte die höchste Bildung und' täte seinen Waffendienst so tadellos wie irgendein anderer, nicht einmal mehr Reserveoffizier werden. In meiner Jugend gab es jüdische Reserve- und Landwehroffiziere, und man hat mit ihnen keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber es hat in Preußen schon einmal eine Zeit gegeben, wo man Juden auch zu aktiven Offizieren beförderte — allerdings nur in der Zeit der Freiheitskriege, in der geniale Deutsche (Urarier wie der Reichsritter v. Stein und der Bauernsohn Scharnhorst) mit so vielen veralteten Vorurteilen brachen. Ich halte cs sür ganz nützlich, diese Zeit in das Gedächtnis zurückzurusen und freue mich daher über die kleine anspruchslose Erzählung, die vor mir liegt. Major Burg. Lebensbild eines jüdischen Offiziers. Für Jung und Alt. bearbeitet von Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe. Berlin 1870. Verlag von Louis Lamm. Burg stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Trotzdem der Vater früh starb, gelang es dem begabten Knaben, die Laufbahn eines Architekten zu ergreifen. Im Jahre 1813 wurde er von der gleichen Begeisterung ergriffen w'e alle Preußen und trat als Freiwilliger ein — allerdings mußte er die Garde wieder verlassen, als man seinen Glauben erfuhr, aber in der Artillerie fand er ein Unterkommen. Er wurde daun, wenn auch wiederum seines Glaubens weg«, mit einigen Hinderniffen Offizier und blieb dauernd bis zu seinem Tode im Heere, ohne je seine Zugehörigkeit zum Judentum zu verleugnen. Schon früh trat er als Lehrer zur vereinigten Arlillerie- und Ingenieurschule und blieb dort dauernd, von häufiger Anerkennung seiner Vorgesetzten getragen. Ganze Generationen von Artillerieoffizieren verdanken ihm einen, Teil ihrer Ausbildung. Bei der Beförderung zum Hauptmann haperte es einige Zeit. König Friedrich Wilhelm Hl. legte ihm den Uebertritt zum Christentum wiederholt sehr nahe. Prinz August von Preußen, der sich ihm oft als gnädiger Gönner erwies: mußte ihm schreiben: . „Seine Majestät der König haben allerhöchst sich nicht bewogen gefunden, in der Sache (Burgs Beförderung) eine besondere Entscheidnng zu erteilen, und zwar in der Voraussetzung, daß Sie durch Ihre Bildung, Stellung und religiöse Ueberzengung wohl bereits diejenige Annäherung zum Christentum in sich fühlen, welche Sie dazu bewegen würde, durch förmlichen Uebertritt zur christlichen Religion zugleich jeden Anstoß zu Ihrer ferneren Beförderung aus dem Wege zu räumen." Burg dlieb dieser Lockung gegenüber als charaktervoller Mann seiner Ueberzeugung treu. Und in jener Zeit faßte man das nicht als einen illoyalen Widerstand gegen eine allerhöchste Meinungsäußerung auf, sondern beförderte ihn schließlich — mit <.3 Jahren, für damalige Verhältnisse nicht alt — zum Hauptmann. Unter König Friedrich Wilhelm IV. erreichte er noch den Charakter als Major. Ueber die mancherlei kleinen Demütigungen, denen er immerhin gelegentlich ausgesetzt blieb, tröstete ihn die oft betätigte Achtung seiner christlichen Kameraden. Als er den Roten Adlerorden erhielt, sagte der damalige Kommandeur der Gardeartilleriebrigade, Oberst v. Ehrhardt, in se'vem Trinkspruch unter anderem: „Der jüngere Teil von Ihnen, und das werden wohl die meisten sein, sind seine Schüler; wir älteren sind seine Freunde. Wir alle wissen, wieviel er durch seinen unermüdlichen Fleiß zum Gedeihen unserer Waffe beigetragen hat. . . ." Burg starb im Jahre 1853, im Alter von 64 Jahren, im Dienst. Uebrigens war er nicht der einzige jüdische Offizier aus. den Befreiungskriegen. Nach ihm wurde noch ein Fahnenjunker Blumenthal dazu befördert, nachdem Prinz August von Preußen folgendermaßen entschieden hatte: „Die Religion des Blumenthal ist kein Hindernis zu seiner Beförderung, ebensowenig wie es bei dem Leutnant Burg der Fall ist. Der ist auch ein Jude und hat sich so bewährt, daß er keinem seiner christlichen Kameraden nachsteht." Das war vor neunzig Jahren. Oberst Gädke. Eine jüdische Musikhalle in London. Im Ostende Londons wurde am 1. Jänner die erste ausschließlich jüdische Musikhalle eröffnet. Es finden allabendlich zwei Vorstellungen statt. Sämtliche Aufführungen erfolgen in „jüdisch". Die Halle hatden Namen „Princeß Music Hall" angenommen, sie liegt in der Nähe der Commercial Road. Die Eintrittspreise sind billig, für einen Logensitz wird nur ein Shilling bezahlt. Die Mehrzahl der Sitze kostet 3 Pence. Abgesehen von der Sprache unterscheiden sich die Aufführungen in keiner Weise von denjenigen anderer Musikhallen. Wien. Victor Hahns neue Tragödie „Moses" wurde von Direktor Siegmund Lautenburg, dem der Autor das Stück persönlich vorgelesen, für das Wiener Raimund-Theater erworben, wo es in der nächsten Saison in Szene gehen wird. Neue Bücher. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Win z. Verlag Ost und West. Berlin W. 8. Organ der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle. VII. Jahrgang. Heft l. ' Jänner 1907. Inhalt: M. A. Klausner: Das Jahr 1906. Ein Rückblick. Th. Z.: Zabludowski. M. Ä. K.: Gebet. G. Kutn a: Em. Hannaux (mit 4 Illustrationen). Bar Ami: Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt. Der R e b b e. Noten. (Jüdische Volksmelodie.) Herm. Struck: Einige Worte über den Bezalel. (Mit 24 Illustrationen.) ■•--rftiitssa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.