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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 48 Dr. Llocd s Mocbens^jzrlir. Nr. 3 Wie«. Frau Katharina Blau, XI., Hauptstraße 45, wohnhaft, feiert Sonntag den 20. Jänner im Kreise ihrer Familie ihren 104. Geburtstag und ist trotz ihres hohen Alters so ziemlich gesund. Jüdischer Schulverein im X. Bezirk. Am 3. d. M. fand die 7. Generalversammlung obgenannten Vereines statt, die nach Konstatierung der Beschlußfähigkeit vom Vorstand Herrn I. S. Straßberg eröffnet wurde. Der Vorsitzende begrüßte herzlichst den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Schulinspektor Dr. Langfelder, und erstattete den Bericht, aus dem zu entnehmen ist, daß im abgelaufenen Jahre an 360 Kinder unentgeltlich unterrichtet wurden. Besonderer Dank wurde der isr. Kultusgemeinde für die Subvention von 1000 K, dem isr. Humanitätsverein und dem Tempelverein des X. Bezirkes, sowie allen anderen Spendern gezollt. Weiters berichtete der Vorstand, daß die Theatervorstellung, die zu Gunsten des Schulvereins arrangiert wurde, ein Reinerträgnis von über 500 K ergab. Der Verein strebt dem Ziele zu, ein Hans für die Zwecke des Vereins anzukaufen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Lehrkräfte, in erster Reihe der Leiter der Schule, Se. Ehrw. Herr Dr. Mandl, den großen Anforderungen vollkommen gerecht wurden. Was die Leitung des Vereins anbelangt, so verdienen die Herren I. S. Straßberg, Carl Seligmann und Moriz Faltilschek volle Anerkennung. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden die ausgelosten Herren M. Faltilschek, D. Kohn und D. Weis wiedergewählt, an Stelle des ansgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Rosenthal Herr Hermann Frankl berufen. Bei der hierauf vorgenommenen Konstituierung des Vorstandes wurden gewählt die Herren I. S. Straßberg, Obmann; Moriz Faltilschek, Obmann-Stellvertreter; S. Insel, Schriftführer; David Kohn, Schriftführer-Stellvertreter und Carl Seligmann, Kassier. _Wien. Für den Morris Rosenfeld-Abend, der am 27. Jänner im Festsaale des „Oesterr. Ingenieur- und Architektenvereines", I., Eschenbachgasse 9, stattfindet und dessen Reinerträgnis zur Unterstützung des erkrankten Dichters verwendet wird, sind uns vom Herrn Leo Herzberg-Fränkel X 5.— zugekommen. Wie». (Spenden) Für die unglückliche Mutter Leopold Hilsners, Frau Marie H i l s n e r in Groß-Meseritsch, sind uns von Herrn Leop. Kohn in Petschau K 4.—, vom „Israelit" in Mainz (für Herrn Lehrer Ackermann in Wiesloch) Mk. 3.— zugegangen. St. Pölten. (Jüdischer Literaturverei».) Am 13. d. M. sprach Herr Rabbiner Dr. S. Feuchtwaug aus Wien im hellerleuchteten, bis auf das letzte Plätzchen mit einem distinguierten Publikum gefüllten Schießstattsaale unter stürmischem Beifalle über „Rabbi Meir von Rothenburg". Begrüßungsansprachen'^ hielten die Herren Vereinspräsident Rabbiner Dr. Schächter und Kultusvorsteher Siegfried Schwarz. Nach der Rezension des Vortrages durch Herrn Dr. Schächter hielt Herr Dr. Feuchtwang eine zündende Ansprache über das herzliche Verhältnis zwischen Gemeinde und Rabbiner in St. Pölten. Am Schluffe sprach auch der Herr Rabbiner aus Krems, der zum erstenmale in unserem Literaturverein als Gast anwesend war. Mährisch-Werßkirche«. In dem höchst interessanten Artikel „Die Königin von Rumänien über Juden und Judentum", der in Nr. 2 der „Oesterreichischen Wochenschrift" nach den Memoiren der Carmen Sylva aus „Mode von Heute" reproduziert wurde, sagt die geistreiche königliche Frau unter anderm folgendes: „Und das alles verdanken sie (die Juden) einem einzigen Manne, dem größten Herrscher, den die Welt gesehen, dem König der Könige,dem weisesten Arzte, dem größten Psychologen und Physiologen, den es je gegeben: Moses." Diese Worte der Dichterin und Königin, welchen zufolge Moses höher als die Fürsten der Erde zu stellen sei, erinnern uns an eine Stelle im Talmud, die denselben Gedanken ausspricht. Im Traktat Sabbat Folio 30 ist zu lese»: „Lauf der Welt ist es, daß, wenn ein Fürst eine Bestimmung trifft, es noch immer zweifelhaft ist, ob dieselbe eingehalten werde, und wenn ja, ist es sicher nur solange, als der betreffende Fürst am Leben ist» nach feinem Tode jedoch hört sein Wille auf. Anders verhält es sich bei unserm Lehrer Moses. Er hat unzählige Bestimmungen getroffen, zahlreiche Verordnungen erlassen und siehe, alle werden sie bis auf den heutigen Tag befolgt." Möchte man nicht diese Worte im Talmud mit den Worten Carmen Sylvas schließen! „Karl der Große, Harun-al-Raschid und Cäsar müssen sich vor Moses beugen, denn alle ihre Reiche sind nicht mehr, aber Moses' Reich verbreitet sich unablässig und wächst immerfort." Fragt man sich aber, warum gerade diese geistreiche Dichterin und Frau Worte über Moses gebrauchen konnte, die an die Worte des Talmud anklingen, dürste die Antwort in dem Umstande liegen, daß Jakob Bernays ein Freund des Vaterhauses der gegenwärtigen Königin von Rumänien war und vielleicht hat er (Bernays) in einem gelegentlich geführten Gespräch über Moses diesen Gedanken ausgesprochen. Dr. I. Rabbinowicz. Nikolsburg. Bei der am 13. Jänner 1907 in Olmütz stattgefundenen Wahl des Vorstandes der Handelsgenossenschaften Gremien und Vereine mit deutscher Geschäftssprache in Mähren wurde Herr Samuel Krakauer (Nikolsburg) in den Vorstand gewählt. Boskowitz. Sonntag den 20. d. M. feiert Herr Lazar Storch in Boskowitz, welcher sich durch sein langjähriges Wirken als Lehrer an der hiesigen deutschen Schule, wie durch seine Tätigkeit auf humanitärem und gemeinnützigem Gebiete größter Wertschätzung erfreut, in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Preßburg. Oberkantor Abraham S ch w a e z k i n, der vor Monaten nach abgehaltenem, mit großem Beifalle aufgenommenen Probevortrage von der Repräsentanz der orth.-israel. Kultusgemeinde zum Oberkantor an derselben Gemeinde erwählt wurde, erfreut durch seinen meisterhaften Gesang, seine klangvolle Stimme, sowie durch seine tüchtige Leitung des Chores jeden Freitag und Samstag seine Zuhörer in ganz besonderer Weise. Der große Tempel ist speziell am Freitag Abend von Andächtigen überfüllt, die mit Interesse dem Gottesdienste folgen. Während der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit hat Oberkantor Schwaczkin sich in Pozsony einen bedeutenden Ruf erworben, so daß viele Freunde eines guten Gesangsvortrages sich stets im Tempel einfinden, und denselben vollbefriedigt über den Kunstgesang Schwaczkins verlassen. Vom Chore muß ga '8 besonders der Chorknabe und Solosäuger Grünfeld hervorgehoben werden, dessen brillante Leistungen zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. — Oberkantor Schwaczkin hat vor Kurzem einen sehr schmeichelhaften Ruf nach einer bedeutenden Israel. Gemeinde Ungarns erhalten, doch hat derselbe diesen Ruf bedingungslos refusiert. Drohobycz. Sonntag, den 13. d. M., wurde die in unserer Stadt auf kulturellem Gebiete sehr nutzbringende Institution der Toynbeehalle feierlich eröffnet. Die Jnaugurationsrede hielt Se. Ehrw. Rabb. Dr. Margulies mit seinem Vortrage „Das Judentum und die schönen Künste". Das interessante Thema wurde in der Tat durch den Redner glänzend behandelt und durch die oratorische Begabung verstand Se. Ehrw. die Zuhörer eine Stunde zu fesseln. Redner sucht zuerst in großen Zügen die Zurückgebliebenheit der Juden in der Kunst durch triftige Beweise zu erklären, übergeht sodann zur Gegenwart und widmet den jüdischen Malern und Bildhauern der Jetztzeit seine Aufmerksamkeit. Eine Fülle von Anregungen wurde uns vom Redner gebracht und die Zuhörer zollten demselben großen Beifall. Bodenbach. Am 13. d. M. hielt der Tempelbanverein unter dem Vorsitz seines verdienstvollen Obmannes S. Brauner seine 6. Generalversammlung bet zahlreicher Beteiligung ab. Dem Tätigkeitsberichte ist zu entnehmen, daß der Verein seit seinem Bestände der israelitischen Kultusgemeinde Bodenbach K 11,000.— zu Tempelbauzwecken abgeführt hat. lieber Vorschlag des Ausschusses ernannte die Versammlung einstimmig und unter großem Beifalle unseren für den Verein sehr tätigen ehrwürdigen Herrn Rabbiner Freund zu seinem ersten Ehrenmitgliede. Der Bau unseres Tempels hat bereits begonnen und hoffen wir, falls nicht besondere Hindernisse uns noch zustoßen, denselben Mitte August seinem Zwecke zuzuführen. Der Zuzug der Auswanderer aus Rußland hat jetzt einigermaßen vermutlich wegen der rauhen Jahreszeit nachgelassen, doch mehrt sich die Zahl der Schwindler, die sich als Pogromopfer ausgeben. Frau Regine Neifser, Schriftstellerin aus Breslau, eine geschätzte Mitarbeiterin unseres Blattes, hielt am 3. Jänner d. I. im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines eine Vorlesung über bedeutende Frauengestalten des 18. und 19. Jahrhunderts. Vor einem zahlreichen uud distinguierten Auditorium erschien die bedeutende Frau, um nach einer herzlichen Einleitung, in der sie mit Stolz hinwies, in Wien zum erstenmal vor einem glänzenden Kreise erschienen zu sein, ihren mit vieler Gründlichkeit und mit gewissenhafter Vertiefung gesammelten historischen Stoff in fesselnder Form zum Vortrage zu bringen. Man folgte mit gespannter Aufmerksamkeit dem trefflichen, im Rahmen einer glänzenden Sprache und rhetorischer Gewandtheit sich bewegenden Vortrag, uud die hochbegabte Dame bewies, daß sie vollkommen ihren Stoff beherrscht und mit inniger Begeisterung in knappen Unirissen ein volles Lebensbild von jeder der von ihr gezeichneten Frauengestalten zu entrollen versteht; verständnisinnig folgte das Auditorium den trefflichen Ausführungen und lohnte durch stürmische Beifallskundgebungen die jedenfalls seltene Erscheinung auf der Rednertribüne. („Wiener Hansfrauen-Zeitung".) Die reaktionären russischen Blätter, wie „Nowoje Wremja" und „Rußkvje Snamja", verbreiten an der Spitze des Blattes die lügenhafte Nachricht, daß die Mörder sowohl des Generals Launitz wie Pawlows Juden seien. Die „Rußkoje Snamja" bringt der „Rufs. Korr." zufolge in fettem Druck folgenden Aufruf: „General Pawlow ist von Juden ermordet worden, nachdem in der Reichsduma Kadetten und

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