Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021714--16079-3040879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 44 Dr. Llocb's Mocdenscbrm. Nr. 3 Euerer kaiserlichen und königlichen Hoheit als Hort des Rechtes und der Gerechtigkeit vertrauensvoll emporblicken. In tiefster Ehrerbietung: - Der Israelitische Tempelverein für Wieden und Margarethen, Wien. Der Obmann-Stellvertreter: Der Obmann: Kais. Rat Adolf Lichtblau. Adolf Hofmann. Der Schriftführer: Franz Frankl. Wien, 11. Jänner 1907. Baden. Aus Anlaß des 80. Geburtstages Sr. kaiserl. Hoheit Herrn Erzherzog Rainer richtete der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Baden an Höchstdenselben folgenden Glückwunsch: Die tief ergebenste israelitische Kultusgemeinde Baden erlaubt sich Eurer kaiserl. Hoheit zum 80. Geburtstage ehrerbietigst die untertänigsten Glückwünsche darzubringen. Wir stehen zum Allmächtigen, daß Eure kaiserliche Hoheit, stets als Vorbild fürstlicher Tugenden und Beschützer der Kunst und Wissenschaften, tief verehrt von allen Völkern und Konfessionen, sich noch viele Jahre dieses Tages in ungetrübter Frische und Gesundheit erfteuen mögen. Der Kultusvorstand. Hieraus langte vom Obersthofmeisteramte die telegraphische Antwort huldvollst herab: Se. kaiserl. und königl. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer danken wärmstens für freundliche Gratulation anläßlich Höchstseines Geburtstages. Der Obersthofmeister: Rosenberg. Eine gleiche Mitteilung erhielt auch Se. Ehrwürden unser Herr Rabbiner vom Obersthofmeisteramt auf seine Glückwunschdepesche. _ David Simon. Den dahingeschiedenen Pädagogen Simon nach vollem Verdienst zu würdigen, muß ich seinen hiezu berufenen, engeren Fachgenoffen überlassen. Ich beabsichtige, mit diesen Zeilen kein detailliertes Lebensbild von dem würdigen Manne zu entwerfen, ich will versuchen, einen kleinen Ausschnitt der Natur zu bieten, eine Skizze, von meiner Empfindung diktiert. Simon gehörte zu jenen wenigen Pädagogen, die nicht nur andere gebildet, sondern auch an sich selbst rastlos gearbeitet und gemeistert haben bis an ihr Lebensende. Simon war nicht nur der Lehrer so vieler tausender Schüler, sondern auch sein eigener Lehrer. Dieser große Meister, der unablässig, andere verbessernd, an sich arbeitete, war die Nachsicht selbst gegen seine Schüler und Mitmenschen, rücksichtslos aber gegen sich. Seine Sittenreinheit, seine strenge Objektivität in allen Dingen, sein Scharfblick, sein großes pädagogisches Wissen, seine unendliche Menschenliebe, sein Trieb, immer Gutes zu tun, machten ihn zu einem idealen Lehrer. Seit ich das Glück hatte, Simon kennen zu lernen und oft in seiner Nähe zu weilen, war es mein sehnsüchtigster Wunsch, ihm möglichst nahe zu kommen. Um ein Bild zu gebrauchen, fällt mir kein passenderer Vergleich ein als der des Psalmisten, welcher den Gerechten mit dem immergrünen Baum an der Wafferquelle, dessen Blätter nicht welken, vergleicht. Herzensgute, innige Liebe zu seinen Schülern, Gründlichkeit, hohe ernste Auffassung seines Berufes und seiner Pflichten waren die wesentlichsten Grundzüge seines Charakters. Nur seine große Liebe zur Jugend, seine Begeisterung für das Judentum waren die Ursachen — ich besitze ein ewiges Gedächtnis diesbezüglich — daß Simon trotz seiner anstrengenden Tätigkeit eine Wahl in den Kultusvorstand annahm und wahrlich einen Besseren hätte diese Körperschaft nicht finden können. Der große Pädagoge, von welchem ein bedeutender Fachmann behauptete, er hätte seinen Beruf verfehlt, indem er Schüler und nicht Lehrer bildete — war da auf dem rechten Platze. Die Schaffung einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt war sein Werk. Leider war es ihm nicht vergönnt, diese Frucht seiner Arbeit zu sehen. Die heilige Idee des Judentums in den jungen Seelen zu festigen und wahre Juden heranzuziehen — ich zitiere seine eigenen Worte — war das Leitmotiv seines Wirkens im Kultusvorstand und im Vereine Talmud-Thora-Schule. Dieser Anstalt, deren Reorganisator Simon genannt werden muß, wandte er seit vielen Jahren sein Hauptaugenmerk zu. In den Vorstandssitzungen lauschten wir seinen klaren, sachlichen Auseinandersetzungen und der Lehrkörper war glücklich, .wenn Simon in den Lehrerkonferenzen erschien, wo er oft belehrende Vorträge hielt und in seiner bescheidenen Weise den Lehrern zeigte, wie er es bei seinen Schülern (in den von ihm geleiteten, rühmlich bekannten Institute) mache. Und wenn er in die Schule zur Inspektion kam, fesselte er die Kleinen mit seiner schlichten, väterlichen Art. Was die Talmud-Thora-Schule und der Kultusvorstand an Simon verloren haben, kann in den wenigen Zeilen dieses Nachrufes nicht zum Ausdrucke gebracht werden. Wenn, uns etwas in unserem Schmerze zu trösten imstande ist, so ist es der Gedanke, daß das selbstlose, aufopfernde Wirken eines so guten, edlen und geistig hochstehenden Mannes, daß seine Lehre und sein Beispiel die vollkommenste Unsterblichkeit durch sich selbst verbürgen. Die guten Taten der Edlen zeugen fortwährend Gutes. David Kohn. Religiouslehrer-Konferenz der israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen in Wien. Am 13. Jänner d. I. fand unter dem Vorsitze des Herrn Religionsschulinspektors Dr. Leopold Langfelder die erste Konferenz im Schuljahre 1906/7 statt. Bei Eröffnung derselben widmete der Vorsitzende dem kürzlich verstorbenen Schulmanne Direktor David Simon einen ehrenden Nachruf. Er gedachte der großen Verdienste, die sich Direktor Simon um die Ausgestaltung des Religionsunterrichtes in Wien erworben, rühmte dessen lauteren Charakter, seine gründliche Kenntnis der pädagogischen Literatur im allgemeinen und seine Vertrautheit mit allen jenen Erscheinungen, die die Geschichte der Juden speziell behandelten. Hierauf erstattete Herr Lehrer Max Rindskopf ein äußerst interessantes Referat über das Thema: „Kann das Mitschreiben der Kinder bei Erlernung des hebräischen Alphabets den Leseunterricht fördern r" Der Referent entledigte sich seiner Aufgabe in glänzender Weise. Er zeigte an praktischen Beispielen, wie durch Zuhilfenahme des Vor- und Nachschreibens die Schüler zur klaren Erfassung der yebräischen Schriftzeichen gelangen und wie durch Hervorheben der Unterschiede bei den einzelnen oft sehr ähnlichen Buchstaben die Lesesicherheit gefördert werden könne. An der äußerst lebhaften Debatte nahmen die Konferenzmitglieder regen Anteil. Die Debatte selbst gab dem Herrn Inspektor k. k. Professor Moritz Kanitz reichlich Gelegenheit, auf die beim Unterrichte zu verwertenden Hilfsmittel und methodischen Vorteile -hinzuweisen und zu zeigen, wie man auch bei einem geringen Zeitausmaß Ersprießliches auf dem Gebiete des hebräischen Lesens leisten könne. Die Ausführungen des Referenten fanden ungeteilten Beifall und konnte der Vorsitzende die einstimmige Annahme der vorgeschlagenen Leitsätze konstatieren. Unter Dankesworten an den Referenten schloß der Vorsitzende die Konferenz. (A—r.) Die kroatischslavonische Landesrabbiner- Konferenz in Agram. Am 8. und 9. Jänner d. I. tagte in Agram unter Vorsitz des greisen Landesrabbiners Dr. Hosea Jakobi die erste kroatisch-slavonische Landesrabbiner-Konferenz, der vor einigen Monaten eine vertrauliche Beratung der slavonischen Rabbiner in Essegg unter Vorsitz des Oberrabbiners Herrn Dr. Simon Ungar vorausgegangen war.