Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. S Pr. Llocds MlocvenscbrM. Seite 43 und dieser Gegenstand in den gehörigen Stand versetzt werden soll^ Diese Registratur und respektive das gemeinschaftliche Archiv bleibt unter Aufsicht des Aktuars, der für die stete Ordnung und Evidenzhaltung aller vorhandenen und später einlaufenden Urkunden rc. zu haften hat." Schon aus dem Wortlaute dieses Beschlusses geht hervor, daß der Charakter des Archivs als solches nicht mehr streng festgehalten wurde und, wie konstatiert werden muß, bedauerlicherweise sich später auch immer mehr verflüchtigte. Als Dr. Ludwig August Frankl sein Amt als Aktuar bei der Gemeinde antrat, fand er weder ein ordnungsmäßig geführtes Archiv noch eine auch nur den Primitivsten Anforderungen entsprechende Registratur vor. In bewegten Worten klagt er, daß „ohne Pietät und Verständnis für historisch Interessantes die Akten zerstreut und dem Zufalle preisgegeben worden waren." Seine erste Arbeit war, hierin Ordnung zu schaffen. Unter Beihilfe einer ihm von den Vertretern zur Verfügung gestellten Hilfskraft nahm er in den Jahren 1840 und 1841 zum ersteninale eine Sichtung des vorhandenen Materiales — der Aktenjirtub betrüg bereits zirka 4000 Stück — vor. Er beschränkte sich auf die Ausscheidung belangloser Schriften und brachte den Rest in chronologische Ordnung. Erst im Jahre 1848 konnte er es erwirken, daß eine Wohnung im Gemeindehause geräumt und für die Registratur gewidmet wurde. Diese Arbeit bildete die Grundlage der Gemeinde-Registratur, welche seither immer fälschlich als „Archiv" bezeichnet wurde. Der immer größer werdende Wirkungskreis der Gemeinde — sie hatte im Vorjahre einen Einlauf von mehr als 17.000 Akten zu verzeichnen — sowie das Anschwellen des Registraturbestandes auf mehr als 150.000 Stück befestigte immer mehr die UeberzeNgung, daß die Gemeindeverwaltung mangels der Einheitlichkeit der Bestände vvrkommendenfallcs weder in der Lage sei, sich die Lehren der Vergangenheit zunutze, noch das vorhandene Material der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Diese Zustände waren nicht länger haltbar und erheischten gebieterisch eine rasche Abhilfe. Da ein Archiv wohl prinzipiellen Erfordernissen Genüge leisten, bei der Verschiedenartigkeit der Bedürfnisse, welchen es aug'paßt sein muß, dessen Einrichtung und Führung jedoch naturgemäß nicht schablonenhaft erfolgen kann, wurde für diesen Zweck unter Mitwirkung von Fachmännern eine Instruktion ausgearbeitct, nach deren Durchführung, es kann dies ruhig gesagt werden, das Gemeinde-Archiv inbezug auf die Ausgestaltung, systematische Bearbeitung, leichte Ueberficht, Zugänglichkeit und Benutzbarkeit von keinem bestehenden öffentlichen Archiv übertroffen werden wird. Bekanntlich haben sich d'e Führer unserer Gemeinde zu keiner Zeit auf deren Wirkungskreis — so sehr sich derselbe auch immer mehr erweiterte — beschränkt, sondern von jeher unsere Gemeinde als Vorort und sich selbst als Pioniere der österreichischen Judensache betrachtet. Wo immer das Judentum als solches angegriffen wurde, stets war es unsere Gemeinde, welche die jeweils nötigen Schritte zur Abwehr einleitete. Daher kommt es, daß das hiesige Gemeinde-Archiv nicht nur wichtige, auf die Geschichte unserer Gemeinde bezughabende Dokumente — von denen einzelne bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen — enthält, sondern auch einen größeren Bestand an Urkunden besitzt, welche sich auf die gesamte österreichische Judenschaft oder einzelne auswärtige jüdische Gemeinden beziehen. Diese Akten werden ganz separat behandelt. Wenn es, wie erwartet werden darf, der Initiative unseres Präsidenten gelingt, eine von der Staatsverwaltung anerkannte Repräsentanz der österreichischen Judenschaft ins Leben zu rufen, wird es vielleicht auch möglich sein, nach deutschem Muster an die Errichtung eines österr.- jüdischen Zentral-Archivs zu schreiten, dessen Grundstock diese Urkunden dann bilden werden. Bei dieser Gelegenheit möge es mir auch gestattet sein, an unsere Glaubensgenoffen, insbesonders an die Nachkommen jener Familien, deren Mitglieder tätigen Anteil an der Verwaltung unserer Gemeinde nahmen, die Bitte zu richten, etwa in ihrem Besitze befindliche, auf die Geschichte unserer Gemeinde oder des Judentums überhaupt bezughabende Urkunden dem Archiv der Gemeinde einverleiben oder wenigstens zur Ermöglichung einer Abschrift leihweise überlaffen zu wollen. Die Erzherzog Rainer-Feier im Vereinstempel des Tempelvereines für Wieden-Margsrethen, welche Freitag den 11. d. M., 5 Uhr abends, stattfand, gestaltete sich zu einer überaus glänzenden, patriotischen Kundgebung unserer Glaubensgenossen für den ob seiner liberalen, strengrechtlichen Gesinnung allverehrten Jubilar Erzherzog Rainer. Das in allen Räumen von in Festkleidung erschienenen Andächtigen besetzte Gotteshaus, darunter die Präsidenten der Kultusgemeinde die Herren Dr. Alfred Stern und Doktor Gustav Kohn, kaiserl. Rat Dr. Lieben, kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe Herr B r o d, die Vorstandsdamen des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, die Frauen Amelie T r e b i t s ch, Karoline Hofmann, Paula Schlesinger, Emma Bamberger rc. rc., prangte in reichem Festschmucke. Dem vom Oberkantor Tauber vorgetragenen Mah-Towu folgte ein von einer Abordnung deS Stadttempelchores gesungenes Weihelied. Diesem folgt« die vom Vereinsrabbiner Dr. H. Reich gehaltene Festpredigt, welche auf die Zuhörer tiefen Eindruck machte. Von der Kanzel herab brachte Dr. Reich folgendes Telegramm des Jubilars zur Kenntnis: Israelitischer Tempelverein Wien V. : „Seine kaiserliche Hoheit sind verhindert, zu erscheinen, danken herzlichst für Ihre patriotisch loyale Kundgebung und danken bestens für Ihr Gebet." Rosenberg, FML., w. p. Vor der offenen Bundeslade sprach Dr. Reich hierauf das Gebet für den Landesvater und den Jubilar, welches mit der von dem Tempelchore in erhebender Weise gesungenen Volkshymne geschlossen wurde. Ihr Fernbleiben hatten brieflich entschuldigt: Bürgermeister Dr. Karl Lueger, Freiherr v. Rothschild, Bezirksvorsteher Franz Rienößl. Um das Zustandekommen der Feier, zu welcher der Tempelverein des IV. und V. Bezirkes, dem Wohnsitze des Herrn Erzherzogs Rainer, sich verpflichtet fühlte, haben sich die Obmänner des Vereines, die Herren Adolf Hofmann und kais. Rat Adolf Lichtblau, besonders verdient gemacht. Nachstehende vom Schriftführer des Vereines Franz Frankl verfaßte Jubiläumsadresse wurde dem Herrn Erzherzog am Tage der Tempelseier durch Herrn kaiserl. Rat Lichtblau überreicht. Euere kaiserliche und königliche Hoheit! Bewegten Herzens feiert heute die Bevölkerung Wiens das 80. Geburtsfest Euerer kaiserlichen und königlichen Hoheit. Dankerfüllt gegen den Schöpfer, der in Euerer kaiserlichen und königlichen Hoheit die Verkörperung strenger Pflichterfüllung, unbeugsamen Rechtgesühles, dabei ein leuchtendes Beispiel an Herzensgüte und Mildtätigkeit «stehen ließ. Beseelt von den gleichen GJühlen der Liebe und Dankbarkeit schließen sich dieser hehren Feier die Bekenner des mosaischen Gottesglaubens, als deren Dolmetsch die ehrfurchtsvoll gefertigte fromme Vereinigung des IV. und V. Wiener Bezirkes berufen erscheint, mit ganzem Herzen an, indem sie sich am heutigen Abende, am Eingänge des Sabbath-Ruhetages zum Gebete versammeln, um vom Herrn der Heerscharen zu erflehen, daß er Euere kaiserliche und königliche Hoheit in ungebeugter Kraft, verschont von Krankheit und Leid erhalte bis an die äußerste Grenze irdischen Daseins, zmn Wohle das Vaterlandes und seiner patriotischen Bewohner und zum Heile Mer, welche, ohne Unterschied des Standes und Glaubens, zu