Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021713--16063-3040862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2 Dr. Llocbs MocbenscbrM. Sette 39 Koralek, Wilhelm Pappenhei m, Dr. Adolf Steine r.« der Kultusgemeinde fast gar keine Unterstützung erhalte, nichts Josef Steiner und Isidor T r e b i t s ch. Minderes verlange, als daß seine Funktionäre gleichfalls zur Funktion Hierauf ergreift der Vertreter der Kultusgemeinde Herr^'bei Leichenbegängnissen herangezogen werden. Ohne diese Sporteln Baurat Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t das Wort und'jVl würde sich der Verein nach und nach außer Stande sehen, seine Funkführt aus: Er freue sich, das Mandat erhalten zu haben, denM tionäre standesgemäß zu erhalten. Es wäre nur recht und billig, daß Kultusvorstand bei dieser Generalversammlung vertreten zUift die Hinterbliebenen auf das Recht, sich die Funktionäre bei der dürfen. Wenn auch der Verein die Ziele, die er sich gesteckt,^Beerdigung wählen zu dürfen, aufmerksam gemacht werden, nicht so weit erreicht habe, wie gewünscht, so lasse sich doch 1t Redner bittet den Vertreter des Kultusvorstandes, in dieser immer ein Fortschritt konstatieren. Redner beklagt die intensives Richtung wirken zu wollen. Apathie, die sich überall dem Kultus gegenüber bemerkbar^ Staatsbahn-Jnspektor Schimmerling dankt im mache. Umso mehr Dank sei die Gemeinde dem Vereine V Namen der Vereinsmitglieder dem Vorstande und dem Ausschuldig, der sich um die Hebung des Kultus so große Verfür dessen ersprießliche Wirksamkeit und drückt ihnen dienste erworben hat. Redner bedauert, daß die Mittel der allen, insbesondere aber dem Obmanne Herrn G. Bettel- Gemeinde keine ausreichenden seien. Er gebe zu, daß die h e i m das Vertrauen der Mitglieder aus. (Lebhafter Beifall.) Subvention, die der Tempelverein erhalte, keine große sei. Der Obmann schließt hierauf die Versammlung. Die Gemeinde tue jedoch, was in ihrer Macht stehe. Es werde den Tempelvereinen gegenüber von Seiten der Kultusgemeinde das größte Entgegenkommen beobachtet. Redner sagt dann, es müsse sich in die dem Jahresbericht vorangesetzten Worte bezüglich der Zuziehung der Bethaus-Funktionäre zur Funktion bei Leichenbegängnissen ein Irrtum eingeschlichen haben. Eine derartige fixe Zusicherung sei von Seiten des Kultusvorstandes nicht gemacht worden. Redner erklärt, den Ausführungen des Herrn Dr. Schnepp entgegnend, daß die Wahlen m den Kultusvorstand ganz unabhängig vom Vorstände geschehen und daß der Vorstand in amtlicher Weise sich in die Wahlen nicht einmenge. Redner sagt weiters, daß in naher Zukunft das Verhältnis der Tempelvereine zur Muttergemeinde systematisch umgestaltet werden dürfte und daß damit den Wünschen der Tempelvereine in weitestgehender Weise Rechnung getragen werden würde. Auf die Ausführungen des Vertreters der Kultusgemeinde Herrn Baurates Theodor R. v. G o l d s ch m i d t erwidert der Obmanu des Vereines Herr G. Bettel heim: Die Aeußerung des Herrn Vertreters der Kultusgemeinde, daß sich in die dem Jahresberichte vorangestellte Ansprache an die Generalversammlung ein Irrtum eingeschlichen haben müsse, zwinge ihn zu einer Entgegnung. Es sei dem Vereine von Seite des Kultusvorstandes ausdrücklich und zwar' schriftlich die Zusicherung gegeben worden, daß bei Ableben von Mitgliedern des Tempelvereines oder deren Angehörigen in der Regel die Funktionäre des IX. Bezirkes zur Verwendung kommen sollten, in allen anderen Fällen aber dann, wenn die Hinterbliebenen es wünschen sollten. Diese Zusage besteht und es kann daher von einem Jrrtume nicht gesprochen werden. Wie eine Krankheit nicht durch Bekämpfung einzelner Symptome geheilt werden könne, so nütze es auch nichts, einzelne Beschwerden gegen die Gemeindevorstehung zu erörtern. Man müsse dem Nebel auf den Grund gehen. Schon vor nahezu L000 Jahren hat unser Lehrer Hil lel den Grundsatz aufgestellt: „Kol Isroel jesch lohem cheskas Kaschrus", in religiösen Drügen ist jeder Jnde vertrauenswürdig. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde aber begegnet den Gemeindeangehörigen, insbesondere den Tempelvereinen, trotzdem diese naturgemäß keinerlei egoistische Zwecke, sondern nur das Wohl der Gemeinde anstreben, mit großem Mißtrauen. Dies gehe schon aus den Statuten hervor, weil z. B. nicht nach Kultusbezirken: gewählt wird, sondern die ganze Gemeinde einen einzigen Wahlkreis' bildet, weiters das Wahlrecht von der dreijährigen Seßhaftigkeit abhängig gemacht sei, während dieselben Herren, die dieses Erfordernis aufgestellt haben, das Verlangen der jetzt in Niederösterreich herrschenden Partei nach einjähriger Seßhaftigkeit auf das Heftigste bekämpfen. Auch die Zusammensetzung der Bezirkskommissionen z. B. beweise dieses Mißtrauen gegen die Gesamtheit der Steuerträger. Sonst könnte man nicht den vermöge ihrer kunstvollen Zusammensetzung ohnehin zu einem willenlosen Werkzeuge der Kultusgemeinde gemachten Bezirkskommissionen erst recht jeden befriedigenden Wirkungskreis vorenthalten. Diesem unfaßbaren Mißtrauen, nicht aber den Verträgen mit den Gemeindefunktionären ist es auch zuzuschreiben, wenn die Funktionäre der Tempelvereine von der Mitwirkung bei Leichenbegängnissen möglichst ferngehalten werden. Man will ihnen eben bei jeder Gelegenheit vor Augen führen, daß sie nur Bedienstete von Tempelvereinen, aber nicht der Kultusgemeinde sind. Und doch wären die Herzen der Tempelvereine, wie auch die der Gemeindemitglieder durch ein vertrauensvolles Entgegenkommen, eine freundliche Tat leicht zu gewinnen. Redner hofft, es werde bald die Zeit kommen, wo sich die Herzen der Kinder und der Väter wieder finden werden. Weheschiw lew Owaus al bonim welew bonim al awaussom. Hierauf ergreift Ausschußmitglied Josef Steiner das Wort und hebt hervor^ daß der Verein, der allein für die Kultusbedürfnisse der Juden im IX. Bezirke sorge und von Wien. Am 29. v. M. fand die 39. ordentliche Generalversammlung des Israelitischen Humanitäts-Vereines für die westlichen Bezirke Wiens „Xachlat Jeschurun“ im Freitischlokale, Restaurant Goldner, VI., Kollergerngasse 1, statt. Der Präsident, Herr Dr. Karl Löwy, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, ferner die Vertreter des „Frauen-Wohltätigkeits-Vereines", die Frauen Frieda Strauß, Fanny Fröhlich, Rosa Hummel, Josefine Engel, Rosa Taglicht, den Rabbiner Dr. I. Taglicht, Herrn Dr. Jakob Engel, den Präsidenten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau und Obmann der Bezirkskommission, das Ehrenmitglied Dr. Bloch und spricht sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der Kultusvorstand nicht direkt durch eines seiner Mitglieder vertreten sei. Der Kultusvorstand scheine sich für die Entwicklung und die Vorgänge in den Bezirksvereinen gar nicht zu interessieren, obwohl diese doch einen sehr beträchtlichen Teil der Armenpflege besorgen. Nachdem das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung verifiziert worden war, erstattete der Präsident den Jahresbericht, der mit lebhafter Zustimmung ausgenommen wurde. Herr Dr. Engel begrüßte die Versammlung namens der Kultusgemeinde und des Tempelvereines und erbittet sich vom Präsidenten eine Aufklärung über die Ziele der ncugegründeten Frauensektion. Herr Dr. Löwy erklärt, daß die von Herrn Dr. Engel befürchtete Rivalität gegen den Frauenverein ausgeschlossen sei und mit der Bildung der Frauensektion nur die äußerst notwendige Vermehrung des Mitgliederstandes des Humanitäts-Vereines bezweckt sei. Die Notwendigkeit dieser Vermehrung geht auch aus dem Kassaberichte hervor, den der Kafsaverwalter Herr Hermann König vortrug. Der Antrag der Revisoren auf Erteilung des Absolutoriums wird einstimmig angenommen und ebenso wird auf Antrag des Herrn Dr. Kahn dem Vorstande für seine verdienstvolle Tätigkeit der herzlichste Dank ausgesprochen. Bei den zum Schlüsse der Versammlung vorgenommenen Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Josef Barkan, Salomon Lemberger, Tr. Karl Löwy und Samuel Weiß, sowie die Revisoren Hermann Liebermann und Ernst Schüller wiedergewählt. — Im Anschlussan die Generalversammlung fand ein gemeinsames Abendessen statt, das einen sehr animierten Verlauf nahm. Eine politische Organisations-Versammlung in Galizien. Auf Initiative der jüdischen Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Galiziens fand kürzlich im Lemberger Rathaussaale eine Versammlung statt, an der mehrere hundert hervorragende Juden aus ganz Galizien teilnahmen. Ueber den Verlauf dieser Versammlung liegt folgender Bericht vor: Landtagsabgeordneter Dr. L ö w e n st e i n, welcher die Versammlung namens der jüdischen Landtagsabgeordneten begrüßte, verwies in seiner Ansprache darauf, daß sich die jüdische Bevölkerung Galiziens angesichts der bevorstehenden Einführung des allgemeinen Wahlrechtes an einem bedeutungsvollen Wendepunkte ihrer Entwicklung befinde und daß es.'jetzt für'bie Juden an der Zeit wäre, sich zu organisieren, sich den übermächtigen Wogen der sozialen Strömung entgegenzustellen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.