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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 28 Dr. JBlocö s Mocvenscvrm. Nr. 2 Verwaltung habe ich einiges geleistet. So führte ich z. B. im Jahre 1897 die erste Systemisierung des Kultusgemeinde-Personales durch; ich habe als erster ein systematisches Budget- Schema in der Form, wie es heute noch vorliegt, aufgestellt; auch in meiner Eigenschaft als Obmann der Friedhofkommission habe ich mehrfache organisatorische Verbesserungen eingeführt. In diesem Sinne werde ich auch weiterhin aus Grundlage des Programmes, welches der Herr Präsident dargelegt hat, in Gemeinschaft mit meinen hochverehrten Gönnern- und Freunden Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn zum Wohle unserer Gemeinde zu wirken bestrebt sein. Ich bitte um Ihr Vertrauen! (Lebhafter Beifall.) In das Vertreterkollegium wurden gewählt die Herren: Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Dr. Leopold Kohn, Felix K a tz a u, Wilhelm Kuffner, kais. Rat Bernhard P o l l a k, Oberfinanzrat Benjamin Rappaport und Doktor Maximilian Steiner. In der auf die öffentliche Sitzung folgenden vertraulichen Sitzung wurden folgende Gegenstände behandelt: 1. Stiftungen wurden verliehen: a) Die Jonas Königswartersche Theologen-Stiftung zwei Plätze ä 900 K an die von dem Kuratorium der israelitisch-theologischen Lehranstalt vorgeschlagenen zwei Hörer des theologischen Seminars; b) Die M. L. Biedermannsche Waisenstiftung im Gesammtbetrage von 5620 K au die von dem Kuratorium vorgeschlageuen Bewerber; e) Das Moriz Freiherr von Königwartersche Stipendium für einen Arzt im Spitale der Kultusgemeinde im Betrage von 800 K an den von der Spitalsdirektiou vorgeschlagenen Bewerber. 2. Die ausgeschriebenen Stellen eines Sekundararztes der chirurgischen Abteilung und eines Sekundararztes der gynäkologischen Abteilung des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde werden an die von den betreffenden Primarärzten, bezw. der Spitalsdirektiou vorgeschlagenen. Bewerber verliehen. An Stelle des verstorbenen Dr. Wilhelm Zucker und des in den Vorstand gewählten Dr. Leopold Kohn wurden zu Obmännern des Schiedsgerichtes die Herren Notar Dr. Julius B er mann und Dr. Allee t Kuh ernannt. 3. Die Gewährung von Subventionen an verschiedene Bethaus- und humanitäre Vereine im Sinne des Vertreter- Kollegiums werden nachträglich genehmigt Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. Berichtigung. In der Plenarsitzung des israelitischen Vorstandes vom 23. Dezember v. I. berichtete der I. Vizepräsident, Herr Doktor Gustav Kohn, über die Talmud-Thora. Wir konstatieren nach dem Stenogramm: Nicht Bergrat Max Ritter von G u t m a n n, sondern Herr David Ritter von G u t m a n n hat für das Haus Gebrüder G u t m a n n den Beitrag von 25.000 K geleistet, für sich schon früher aber 40.000 K als Stiftung gespendet. Kais. Rat Herr Jonas Weil urgierte die möglichst baldige Errichtung des Kinderspitals. Wenn auch die hiefür disponiblen Kapitalien von 330.000 K nicht genügen, so müßte die größte Kultusgemeinde Mitteleuropas, falls nur die Sache richtig angegriffen würde, bei dem oft bewährten Wohltätigkeitssinne unserer Glaubensgenossen die nötigen Kapitalien aufbringen. Die Generalversammlung des „Israelitischen Bethaus-Vereines" im IX. Bezirk, Wien. Ueber die Samstag den 5. Jänner 1907 stattgehabte 40. Generalversammlung des „Israelitischen Bethaus-Vereines im IX. Bezirke wird uns folgender Bericht zugesendet: Der Obmann des Vereines Herr G. B e t t e l h e i m eröffnet die Versammlung, konstatiert die Beschlußfähigkeit, begrüßt den Delegierten des Kultusvorstandes Herrn Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt, den Präsidenten des Vereines zur Hebung des Gewerbes in Wien Herrn S. B r o d sowie alle Erschienenen. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolles der letzten Generalversammlung vom 3. März 1906 erstattet der Obmann den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Bei Nennung der Namen der Verstorbenen, der Herren Karl Rieß, kaiserl. Rates Bernhard Steinhof und des in allerletzter Zeit verschiedenen Moritz D o n r e i ch, ehrt die Versammlung das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Die Generalversammlung genehmigt hierauf Gebahrungsausweis und Bilanzkonto und erteilt dem Vorstande einstimmig das Absolutorium. Obmann-Stellvertreter Dr. Moritz S ch n e p p ergreift das Wort und sagt: „Sehr geehrte Herren! Seit einer Reihe von Jahren habe ich die Ehre, dem Vorstande Ihres Vereines anzugchören. Wenn ich heute abermals mich nm ein Mandat bewerbe, so geschieht dies aus Liebe zu unserem heiligen Kultus und aus Anhänglichkeit an den Tempelverein „Bet Hatfilah", dessen Mitglied ich seit 34 Jahren bin. Was nun den Kultus betrifft, messe ich diesen einen ungeheueren Wert bei, weil der Kultus es ist, der die Gläubigen einer Gemeinde zusammenhält, weil er es ist, der sogar die Indolenten und Schwachen im Glauben daran erinnert, daß sie noch dem Glauben der Väter angehören. Ich lege darum großen Wert auf Ausbildung und Verfeinerung des Kultus. Und wessen Sache ist es, den Kultus zu heben und den Gläubigen zugänglich zu machen? Man sollte glauben, die des Knltnsvorstandes der großen jüdischen Gemnnde, und ich glaube es auch, aber, wird man mir entgegnen, der Kultusvorstand mit seinem ewigen Kampfe um das Gleichgewicht seines Budgets hat nicht die materiellen Mittel, nm alles das zu leisten, was der jüdischen Be» völkernng von ganz Wien in Kultusangelegenheiten zu bieten wäre. Nun sehen Sie, meine Herren, in dieser Erkenntnis haben sich ja die Tempelvereine gebildet, damit die Lasten nach Möglichkeit abnehmen. Die Tempelvereine sind somit diejenigen Institutionen, welche die Kultusgemeinde entlasten, sie sind die Quellen, welche das große Reservoir der Kultusgemeinde speisen, indem sie ihr die Gläubigen erhalten, der jüdischen Bevölkerung der Bezirke die Möglichkeit bieten, den Kultus zu pflegen und den religiösen Bedürfnissen leicht zu entsprechen. Es ist fraglich, ob so viele jüdische Kinder im Jahre zur Barmizwah (Konfirmation) kämen, ob der Jugendgottesdienst so zahlreich besucht wäre, wenn die Bezirkstcmpelvereine ihnen das in bequemster und solennster Weise nicht möglich mach.cn würden. Nach dem Gesagten werden Sie mrr wohl zugeben, daß die Tempelvereine keine quautite negligeable sind, wenn man sie leider auch seitens der Zentrale so oft vornehm ablehnt, sie zuweilen als Zudringlinge betrachtet, die stets nörgeln und für sich Rechte beanspruchen, die ihnen gar nicht zukommen. Was verlangt z. B. unser Verein von der Muttergemeinde? Unser Verein ist zweifellos derjenige, welcher der jüdischen Bevölkerung des steuerkräftigsten Bezirkes von Wien die Möglichkeit bietet, in solenner Weise allen ihren Kultusbedürfnissen zu entsprechen. Um diesen Verpflichtungen nachzukommen, muß er entsprechende Funktionäre erhalten, und bei aller Anstrengung unseres Vereines müssen diese Funktionäre, trotzdem sie voll und ganz ihre Pflicht erfüllen, buchstäblich darben, weil die fixen Bezüge zu klein sind und das Nebeneiukommen 'sehr spärlich ist. Im Interesse dieser Funktionäre hat unser Verein jahrelang petitioniert und mit der Muttergemeinde verhandelt, endlich kreißen die Berge und gebaren eine lächerlich kleine Maus. Auf unsere Bitte wurde den Funktionären unseres Vereines gestattet, bei Leichenbegängnissen von im Bezirke verstorbenen Juden die Zeremonie zu vollführen, und wissen Sie den Erfolg dieser Maßnahme? Unsere Funktionäre intervenierten in sage fünf Fällen, und warum? Weil es den Herren in der Seitenstettengasse so gefiel.. Nach Recht und Billigkeit sollte jeder Bezirk im Kultusvorstand einen Vertraueusmaun sitzen haben, der über die Bedürfnisse des Bezirkes Aufschluß geben sollte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung seines Bezirkes vertreten könnte. Werden Sie, meine geehrten Herren, heute mir wieder ein Mandat anvertrauen, so werde ich gewiß auf ein friedliches Einvernehmen zwischen unserem Vereine und der verehrten Kultusgemeinde hinwirken und zu beweisen suchen, daß wir getreue Anhänger unserer Muttergemeiude sind, daß wir keine separatistischen Absichten haben und nicht etwa eine Gemeinde in der Gemeinde bilden wollen, aber mehr Konnivenz und Beachtung verlangen." Es erfolgt sodann die Neuwahl von drei Mitgliedern in den Vorstand und werden die nach Ablauf der dreijährigen Mandatsdauer statutenmäßig ausscheidenden Herren Dr. Moritz S ch n e p p, Ignaz Simon und kaiserlicher Rat Ignaz Wilhelm einstimmig wiedergewählt. In den Ausschuß werden gewählt die Herren Salo Fuchs, Dr. Alfred G l o g a u, Leopold Hendl, Gerson

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