Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26 Dr. Diocv's Mocbenscvrm. Nr. 2 wohl nie geträumt, daß über das Llioque sich die Christenheit unwiederbringlich entzweien und spalten würde; daß über sein heiliges, letztes Mahl, das er seinen armen, verlorenen Schäflein zum Trost in der Erinnerung lassen wollte, unendliche Streitigkeiten entstehen würden, daß in seinen Namen Inquisition und Scheiterhaufen, Martern, wie sie die Hölle nicht erfunden, ausgeübt werden würden! Er wollte Moses Lehre vervollkommnen und ihr eine Milde hinzufügen, die derselben noch mangelte, aber die Menschen waren nicht reif für die Milde und verzerrten sie zu einer scheußlichen Fratze. Carmen Sylva rühmt des weiteren an dem Judentum, daß es „keinen Aberglauben kennt, was vielleicht an seiner Rasse liegt oder an Moses, der so gesund aufbaute und ihm genug Hilfe gab, ohne den Trost des Aberglaubens." Die einzige Gefahr wäre für das Judentum nach der Meinung der Königin „äußere Macht, schon jeder großer Reichtum ist eine Gefahr, aber nun gar Macht könnte es an den Rand des Abgrunds führen. Die anderen Völker haben ihm unbewußt den größten Dienst geleistet, indem sie das Volk Gottes unterdrückt und verfolgt haben. Es ist dadurch fromm geblieben und einfach, und hat in sich zusammengeschlossen dagestanden, um nicht fortgeweht zu werden.".Die Bekenntnisse der Carmen Sylva schließen mit folgenden Worten: „Es steht alles in der Bergpredigt, es steht alles in Moses Gesetzbüchern, aber die Menschen scheinen manchmal wirklich vom Teufel besessen und stürzen sich selbst in den Abgrund. Und Jeremias weint noch immer vergebens. Und Jerusalem steht nicht wieder auf. Möchte man wohl das Jerusalem, wo alljährlich die Grabkapclle zu einer Stätte der Schande und der Schmach gemacht wird? Möchten die Juden das Jerusalem, wie es heute ist? Zion haben die Menschen zerstört und wissen nicht, wie man es wieder aufbaut. Nur ganz einfach, ganz kindlich, so wie die Bibelmenschen, die auch bereit waren, ihren einzigen Sohn einer Idee zu opfern, ohne Widerrede, ohne Zaudern, fromm und bescheiden. Wir lernen die Bibel, wenn wir lallen, und verstehen sie mit grauen Haaren dennoch nicht! Ich möchte Bernays zu Füßen sitzen, wie es Steadge in seiner Zeit tat. als er mit ihm die Evangelien auf Griechisch las, und sie von ihm auslegett hören, in der heutigen Zeit, mit den heutigen Kämpfen und Verkehrtheiten und Errungenschaften. Es wäre der Mühe wert! Er sah tief und weit!" Ikorrespondenzen. Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorftandes vom 6. Jänner 1907 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alsred Stern. Konstituierung des Vorstandes. Der Präsident eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit und widmet dem in Teplitz verstorbenen ehemaligen Vorstandsmitgliede Direktor David Simon einen warmen Nachruf. „War es auch dem Heimgegangenen nur wenige Jahre gegönnt, in unserer Mitte zu wirken, so haben doch seine Tüchtigkeit, seine hohen Kenntnisse, seine weisen Ratschläge in manchen Verwaltungszweigen segensreiche Spuren zurückgelaffen. Vor allem war er ein jüdischer Schulmann in bestem Sinne des Wortes. Er gab die Anregung zur Gründung einer jüdischen Lehrerbildungs-Anstalt, die in den letzten Wochen des abgelaufenen Jahres ins Leben gerufen wurde. Seinen Ausführungen und Reden lauschten wir stets mit gespannter Aufmerksamkeit, weil wir wußten, daß sie einer tiefen inneren Ueberzeugung entströmen. Sie haben sich, meine Herren, zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen erhoben, ich nehme Ihre Zustimmung an, diese Trauerkundgebung dem Protokoll der heutigen Sitzung einzuverleiben und den Hinterbliebenen zur Kenntnis zu übermitteln. (Zustimmung.) Im Einlauf wird verlesen: Bericht des Kultusvorstehers Dr. Markus Spitzer über seine Vertretung des Vorstandes bei dem Leichenbegängnisse des Oberrabbiners B. S ch r e i b e r in Preßburg; Dankschreiben des Vorstandes an die Familie Hirsch für das gespendete Bild des sel. Vizepräsidenten kasterl. Rat Moriz Hirsch; Dankschreiben der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft für die Glückwünsche des Kultusvorstandes und die Spende von K 400 anläßlich des 25 jährigen Jubiläums derselben; Dankschreiben des Herrn Michael Neurath für die Glückwünsche des Vorstandes aus Anlaß der Feier seiner goldenen Hochzeit; Dankschreiben des Herrn Emauuel Schwarz für das Ehrengeschenk des Vorstandes aus Anlaß der Feier seiner diamantenen Hochzeit; Telegraphische Mitteilung des Lemberger Kultusvorstandes von dem Hinscheiden des kais. Rat Salomon Buber; Mitteilung des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau von der erfolgten Eröffnung des Fleischer-Museums; Mitteilung der Spitalsdirektion von der am 3. Dezember erfolgten Eröffnung des Ambulatoriums für Augenkranke; Einladung des Leib Schwarzbach zur Besichtigung der Nachbildung des Salomonischen Tempels. Spendenliste. Von Frau Marguerite und Herrn Hans Reitzes für eine Bettsüftung im Spitale der Kultusgemeinde . . . X 16.840.— Von Frau Ernestine Thorsch und D.. Alfons Thorsch für d-n Hansbau der Talmud-Thoraschule.„ 3000.— Von Herren I. Eißler und Brüder zu dem Neubau einer Talmud-Thoraschule im IV. Bezirk ....... 2000.— Von Herrn Ignaz Gewitfch anläßlich des 25jährigen Gedenktages sein'r Errettnng beim Rmgtheaterbrande für diverse Wohltätigkeitsvereine.„ 1500.— Von Herren Leopold Hirsch & Sohn für die Allianz.K 500.— „ das Ferienheim.„ 100.— „ den Frauenverein IX.• „ 100.— „ das Taubstummen-Jnstitut . . . „ 100.— „ das Blindeninstitnt.„ 100.— „ iOOO.— Von G- I. durch Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern für den jüdischen Kolonisationsverein.. 600.— Von Herrn L. Brettauer an besonders Bedürftige ...» 500.— Von Herrn k. k. Oberstleutnant Severin Ulrich zur Ehrung des Andenkens des sel. k. k Generalstabsarztes i. R. Herrn Dr. Josef Ulrich zur Verteilung an Arme des lll. Bezirkes.. 300.— Von Frau Johanna Mauthner zum Andenken an den sel. Herrn Julius Mauthner an Arme.„ 200.— Von Frau Flora Biach für die Notar Schiffmann-Stiftung now.„ 200.— Von Herrn Sigmund Löwy für die Talmud-Thora.X 25.— „ den Beth-Hamidrasch.„ 25.— „ das Tempelpersonale.. 75.— „ 125.— Von Herrn Ernst Hamburger anläßlich der Vermählung seiner Tochter für Arme.„ 100.— Von Herrn Karl Figdor für den Spitalsfond.. 100.— Von Frau Rosalie Riesz und Nanette Mauthner anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Mauthner als Kranzablösungsspenden je K 100.— zusammen „ 200.— Von Herrn Albert Landau für das israel. Bikur-Chaulim- Hospital in Jerusalem .„ 100.— Von Herrn Josef Fuchs als Ergebnis der pro 1906 gesammelten Sporteln für das „Ferienheim" ...» 90.90 Von Frau Therese Wiener: Verschiedene Vereine und Verteilung an Arme.„ 80.-^- Von Herrn Rudolf Kohn für die Armenanstalt . „ 50.— Von Herrn Hermann Eltbogen für die Armenanstalt. . „ 50.— Von Herren Ludwig Riesz X 50.—, Julius Riesz X 40.— und Karl Seiler X 20.—, zusammen.„ 110.— anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Julius Mauthner für das Altersversorgungshaus. Von Herrn Arcl itekt Arthur Max Friedmann für die Ausspeisung armer Schulkinder des XX. Bez. . . „ 30.— Von Frau Charlotte Blau für arme Schulkinder . . -.X 10.— „ Waisenverein.„ 10.— „ 20.— Von Herrn Philipp Goldmann für arme Schulkinder des XX. Bez. (Chiffre „P. G-").„ 10.- Von Herrn Ludwig Schuschny für den Verein für arme verkrüppelte israel. Kinder in Wien (anläßlich des Ablebens leines Freundes Max Kalmann) . . ,, 10.— Von Herrn Gustav Holzer für bedürftige jüdische Arme. „ 10.— Von Anonymus Th. K. für Arme.„ 10.— Von Herrn Josef. Prikril für die armen russischen Juden „ 6.— Von Herrn S. Ordner, Paris, für Arme. 5.77