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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 24 Dr Llocb's MocbenscbrLN. Nr. s Warum ein Dichterpreis vergessen wurde. Tausend Gulden sind zu verdienen! Der Landesausschuß hat tausend Gulden überflüssig und kann sie nicht los werden. Was sagst du? Der christlichsoziale Landesausschuß könnte tausend Gulden nicht los werden? Es sind doch schon bei der Mariazeller Bahn überflüffigerweise viele Millionen — Ja, aber nicht an Dichter. Die tausend Gulden sind ein Dichter- Preis sür christlichsoziale Dichter und es finden sich keine. Der Fall liegt folgendermaßen: Der niederösterreichische Landtag beschloß im Oktober 1903 die Errichtung eines Dichterpreises von 2000 Kronen, der alljährlich zur Vergebung gelangen sollte. Lange hörte man nichts mehr von dem zum Beschlüsse erhobenen Anträge. Aber im Mai 1905 schrieb der Landesausschuß den Preis doch endlich aus. Dieses Preisausschreiben lautete, wie folgt: Preisausschreiben. Der niederösterreichische Landtag hat in seiner Sitzung vom 23. Oktober 1903 beschlossen, zur Wiedererweckung einer heimischen, wirklich künstlerisch bedeutenden dramatischen Produktion einen jährlich zu verleihenden Preis von 2000 Kronen zu stiften. Dieser Preis kann nur solchen Schriftstellern deutscher Nationalität, die in Niederösterreich durch längere Zeit ansässig und durch arische Abkunft und gründliche Kenntnis des Landes und Volkes befähigt find, unverfälschte heimische Volkskunst zu schaffen, verliehen werden. — Werke, die rein historische, auf österreichischem und besonders niederösterreichischem Boden spielende Begebenheiten zur Grundlage haben, werden bevorzugt. Ausgeschlossen von der Zuerkennung des Preises sind Operetten, Ausstattungsstücke und Werke lasziver Tendenz. Die zur Preisbewerbung angemeldeten literarischen Werke der oben angeführten Richtung werden in Bezug auf ihren literarischen, ethischen und nationalen Wert der Beurteilung durch ein vom Landesausschuffe zu bestimmendes Preisrichterkollegium unterzogen. Auf Grund des Urteiles des Preisgerichtes erkennt der Landesausschuß nach Prüfung des Zutreffens der sonstigen Vorbedingungen den Preis zu. Bewerber um den Autorenpreis für die Jahre 1905 und 1906 haben die Werke, mit denen sie in die Preisbewerbung eintreten wollen, bis Ende August 1905 an den Landesausschuß des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns einzureichen. Wien, am 8. Mai 1905. Der Landesausschuß des Erzherzogtums Oe st erreich unter der Enns. Seit dem Tage dieses Appells an diedeutsche Schriftstellerwelt sind nun fast wieder zwei Jahre vergangen. Und seit dem Endtermin für die Einsendung von Preisstücken sind auch schon 16 Monate verstrichen. Aber man hat bis heute nicht einmal davon etwas gehört, daß ein Preisrichterkollegium gebildet worden wäre. Sind überhaupt Stücke . eingelaufen? Wer sichtet, wer liest sie? Wann werden all die jetzt schon fälligen Preise verteilt werden? Niemand weiß es! Seit dem Beschlüsse des niederösterreichischen Landtages ist der Grillparzer-Preis einmal, der Raimund-Preis zweimal, der Bauernfeld-Preis viermal (an 15 verschiedene Autoren) vergeben worden. Und auch der Nibelungen-Preis von 5000 Kronen, der erst im Jahre 1905 ausgeschrieben wurde, ist schon vergeben worden. So ist es denn klar, daß der gesuchte arische Dramatiker, der dem Landesausschuß behagt, nicht zu finden ist. Es wird sich auch jeder hüten, sich von einer schreiend bildungsfeindlichen Rückschrittspartei den Lorbeer reichen zu lassen. Es haben zwar schon christliche Dichter genug gearbeitet, wie z. B. Hawel, aber da ein wirklicher Dichter Freiheit und Recht predigen muß, so hat er die „laszive Tendenz" und kann den Preis wieder nicht bekommen. Wie kann denn auch im Schatten der christlichsozialen Finsternis die Kunst gedeihen! Man hat schon ein parmal den Versuch gemacht, schwarze Dichtkunst zu Pflegen, aber man hat im Jubiläumstheater den großen Krach der Banausen muerlebt, die den Wimberger zur Blüte bringen und ein Theater zum Untergang. Alfred Freiherr von Berger über die jüdische Rasse. In einem Feuilleton der „Neuen Freien Presse" vom 5. Jänner 1907: „Börnes Freundin" schreibt Alfred Freiherr von B e r g e r: „Für die überreizbare, hautlose Nervenorganisätion eines schriftstellerischen Temperaments, wie es Börne besaß, dessen Muse die Aufregung war, der, selbst überempfindlich für Schmerzen, schmerzhafte Hiebe austeilte, ist eine Freundin, wie Frau Wohl, das kostbarste Geschenk, das ihm das Schicksal geben kann. Wer von allen Seiten angefeindet ist, gehaßt, beschimpft Und verflucht, wie der Autor der Briefe aus Paris es war und mancher grimme Polemiker vor und nach ihm, der braucht ein Frauenherz, in dessen heißer Empfindung seine bloßliegenden, zuckenden Nerven aufhören, wehe zu tun, in dessen Glauben sein im Sturm zerflatterndes Selbstgefühl sich wieder sammeln und kräftigen kann. Wie oft pflegt man Rittern vom Geist auf allen Schaffensgebieten höhnisch vorzuwerfen, daß das Gefühl, das sie mit einer Frau verknüpft, nicht Liebe sei, sondern nur die Sucht, sich in der bedingungslosen Bewunderung und Anbetung, deren nur ein liebendes Weib fähig ist, satt zu sonnen. Man spricht dann von der bis zur Lächerlichkeit maßlosen Eitelkeit sonst bedeutender Geister. Die Tatsache sei nicht geleugnet. Aber ahnen die Leute, die darüber spotten, was diese sogenannte Eitelkeit in Wirklichkeit ist? Etwas wie der verzweifelnde Trieb des wunden Wildes in die dampfenden Strudel einer heißen Quelle, eine Flucht vor der lieblosen Kritik der Welt und vor der noch grausameren und unheimlicheren Selbstkritik in eine Seele, die an einen glaubt, die einen bewundert, die einen liebt, mag auch alle Welt schreien: Du bist ein Tor, ein talentloser Pfuscher, ein elender Wicht. So mancher große Dichter oder Künstler, den die Nachwelt preist, wäre vielleicht früh zu Grunde gegangen, wenn er nicht irgendwo ein weibliches Herz besessen hätte, das für ihn schon bei Lebzeiten seine Nachwelt war. Von dieser Art, dünkt mich, war das Verhältnis der Frau Jeanette Wohl zu Börne. Daß sie fähig war, ihm das zu sein, was sie ihm war, das verdankt sie vielleicht zum Teil auch der Rasse, welcher sie entstammte. Die Anbetung des Geistes als des höchsten, göttlichen Dinges in der Welt liegt den Inden von altersher im Blut, und jüdischen Frauen ist es natürlicher als anderen, sich in den Mann von seinem Geist aus zu verlieben. Wer geistigen Zielen lebt, wird stets die Erfahrung machen, daß es vor allen jüdische Frauen sind, die sich bemühen, ihm nahezukommen, ihm etwas zu sein, ihn zu trösten, zu ermutigen und, wenn es not tut, ihm zu helfen. Ferdinand v. Saar, der es wissen konnte, hat mir das mehr als einmal bekräftigt. Jüdische Frauen haben für den Geist, wo er sich zeigt/ immer etwas wie ein mütterliches Gefühl. Eitelkeit! sagt man, Wunsch, sich an fremder Berühmtheit sonnend, auch etwas Ruhm mitzugenießen! Wenn doch die Menschen es sich abgewöhntess, gute und edle menschliche Eigenschaften dadurch entwerten zu wollen, daß sie behaupten, sie entsprängen der Eitelkeit! Durch nichts kommt auffälliger zu Tag, was ein Mensch im tiefsten Wesen ist. als durch das, worauf er eitel ist. Wer die höchste Befriedigung seiner Eitelkeit darin findet, als ein Förderer des Geistes zu erscheinen, der verrät dadurch, daß er den Geist höher schätzt, als alles andere in der Welt. Jeder schöne Trieb, dem Eitelkeit beigemengt ist, erleidet gewiß durch diesen Zusatz eine Wertverminderung, aber nur wie Gold durch das Silber, mit dem es, um gebrauchsfähig zu sein, legiert sein muß. ... Auch in den Briefen der Frau Wohl gibt sich an mancher Stelle kund, wie viel sie sich im Stillen darauf zugute tat, die Geistes¬ und Seelenfreundin des berühmten Börne zu sein. Aber Börne wäre ohne sie auch kaum der geworden, der er war. Die Briefe aus Paris, welche für die spätere Entwicklung des modernen deutschen Journalismus vorbildlich waren, hätte er ohne die Anregung Jeanettens kaum geschrieben, und jedenfalls hätte er sie nicht so geschrieben. Man höre nur, wie sie ihm vorschreibt, wie er's machen soll: „Ueberhaupt schreiben Sie nur alles, was Ihnen jeden Tag aufstößt in Sitten, Eigentümlichkeiten, ans den Straßen, auf dem Markt, im Hause und in den Salons. Je mannigfaltiger und naiver, desto interessanter, schöner, lebendiger und belehrender. . . . Ernst und Scherz, Großes und Kleines in bunter Reihe! . . ." Der Chef eines modernen Weltblattes könnte seinem Pariser Korrespondenten keine andere Instruktion geben. Die Königin von Rumänien über Juden und Judentum. In der von Paul Lindenberg redigierten literarischen Beilage der Zeitschrift „Mode von Heute" (Jännerheft) setzt Carmen Sylva (die Königin von Rumänien) ihre Memoiren fort. Sie kommt diesmal auf ihr innerstes persönliches Verhältnis zu Religionsfragen, insbesondere zum Judentum und den Juden zu sprechen. Der Ausgangspunkt ihrer Mitteilungen ist die Erinnerung an den hochgeschätzten Freund ihres Vaterhauses (des Fürstlich Wiedschen Hauses) Jacob Bernays, den großen Sprachforscher, der Jude war und der „als Jude damals

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