Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 8 Dr. Zswcv's Mocoenscvctn. Nr. 1 den Händen der Mitglieder und kommt nicht zur Verlesung. Kaffaverwalter kais. Rat P o l l a k gibt dazu einige Aufklärungen. Er könne in einigem Gegensatz zum Präsidialberichte die Dinge nicht allzu rosig sehen. Es sei immerhin noch ein kleines Defiztt vorhanden. Allerdings sei zu bemerken, daß die Ausgestaltung des Tempels Kosten gemacht habe, deren Zinsen die für den Verein enorme Höhe von 3000 L erreichen. Da sei es nun Sache der Mitglieder, dem Verein noch etliche Förderer von Gewicht zu gewinnen. Zwar sei im Großen und Ganzen die Finanzlage des Vereins im Gleichgewicht und beruhigend. Die Hypothekenbank, die keine Ursache zu wohlwollenden Gefühlen habe, hätte die Gesamtschulden des Vereins in ein Darlehen von 150.000 K konvertiert, das in Jahresraten rückzahlbar sei. Sonst hätte der Verein noch 10.000 K Schulden an den Frauen- Wohltätigkeitsverein. Das Resum« der Finanzlage ist, daß der Verein die Hälfte seines Besitzes schuldig ist. Doch sei Gefahr vorhanden, daß die Ausgaben wachsen. Man will ja einen erhebenden Kultus, gute Funktionäre. Da müsse man eben an alle Juden appellieren, die genug Gemeinsinn haben, um gute Zwecke ausgiebig zu fördern. Zum Schluffe dankt der Redner in seinem und im Namen des Vorstandes den Kassarevisoren Herren I. Reschofsky und Leop. Stowasser für ihre Mühewaltung. Herr Stowasser spricht seinen Dank aus. Kultusvorsteher Dr. Hermann Löwi dankt für seinen Empfang in dieser hochansehnlichen Versammlung. Er habe die Tüchtigkett des Präsidenten und des Vorstandes schon wiederholt bemerken können. Er für seinen Teil glaube, der Verein solle sein gutes Einvernehmen mit der Kultusgemeinde auftecht erhallen, wo Redner die vorgebrachten Wünsche vertreten werde. Er bitte, seine Glückwünsche für das weitere Gedeihen des Vereines entgegevzunehmen. (Bravol) Nachdem Dr. Engel gedanll hat, wird der Kassabericht und der Bericht der Revisoren einstimmig und ohne Debatte genehmigt. Als Revisoren werden unter Beifall die Herren Leop. Stowasser und I. Reschofsky wiedergewählt, als deren Ersatzmänner die Herren Dr. L ö w y und Barkan. Nach einer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Engel, Großmann, Dr. Löwy und kais. Rat Pollak beteiligen, wird § 14 der Statuten dahin abgeändert, daß bei Austritt oder Abgang eines Vorstandsmitgliedes der Vorstand das Recht haben soll, ein neues Mitglied zu kooptieren mit einer Mandatsdauer bis zur nächsten Generalversammlung. Herr Großmann gibt die Anregung, die Generalversammlung vom Dezember in einen anderen Monat zu verlegen, in welchem die Geschäftsleute nicht so stark in Anspruch genommen find. Der nächste Punll der Tagesordnung find Wahlen in den Vorstand. Zur Ausscheidung gelangen und präsentieren sich für die Wiederwahl die Herren Präsident Dr. Jakob Engel, kais. Rat Pollak, Ernst Schiller und Max Eisenberger. Von letzterem liegt ein vom Präsidenten verlesener Brief vor, in welchem er auf seine bisherige Tättgkeit hinweist und um weiteres Vertrauen bittet. Präsident Dr. Jakob Engel gibt einen Ueberblick über seine bisherige Tätigkeit im Verein, dem er seit 21 Jahren angehört und in welchem er von der Pike auf gedient hat. Zum Präsidenten gewähll, habe er stets die Traditionen seines Vorgängers, des unvergeßlichen Architekten Max Fleischer, zu bewahren gesucht. Er sei dabei von den Herren des Vorstandes, denen er ausdrücklich danke, ausgezeichnet unterstützt worden. Er bitte um die Stimmen derjenigen, die mit seiner Amtsführung einverstanden waren. (Beifall.) Eine sehr launige, dabei gehaltvolle Kandidatenrede hält kais. Rat Pollak. Er hätte ein Vierteljahrhundert im Verein zugebracht und gedenke noch das fünfzigste Jahr in diesem Kreise zu feiern. (Beifall.) Er versehe sein Amt mit Vergnügen und aus Pflichtbewußtsein, damit die Heranwachsende Jugend sehe, daß ein Jude auch dann noch für sein Judentum arbeiten müsse, wenn er sozial herangewachse« sei und das Ansehen seiner Person einsetzeu müsse. Für ein Kultusmandat habe er nicht die Zeit, so habe er denn dieses kleinere Amt angenommen und wende allen Pflichteifer daran. Die Tätigkeit des Vereines sei mit dem Worte „administrativ" umschrieben, doch sei sie fruchtbringend und zweckmäßig. Der Kultus finde im Bezirke die schönste Pflege und wirke erhebend. Doch wachsen die Aufgaben von Tag zu Tag und da wolle Redner als einer der Alten recht fest bei der Stange bleiben, wenn er das Vertrauen zu seinem Willen habe. (Beifall.) Herr Schiller sagt, er könne nicht so große Verdienste aufweisen wie seine Vorredner, er wolle nur bescheiden bemerken, daß man seine Tätigkeit im Vereine nun 12 Jahre habe beobachten können und daß er darauf gestützt seine Kandidatur anmelde. (Beifall.) Bei dem nun folgenden Mahlgang erhalten von 34 abgegebenen Stimmen Dr. Engel und kais. Rat Pollak 34, Ernst Schiller 33 und Max Eisenberger 24 Stimmen. Sie sind somit auf drei Jahre gewähll. Unter Eventualia macht Herr Barkan einige Vorschläge für eine Hausordnung im Zuschauerraume. Hierauf schließt Dr. Jakob Engel die Generalversammlung mit Worten des Dankes. Generalversammlung des Brigittenauer Tempelvereines. Dieselbe fand am Donnerstag im Caf6 Körner bei überaus zahlreicher Beteiligung der Mitglieder des Vereines statt. Obmann H. Eltbogen begrüßte die zahlreich Erschienenen und konstatierte mit Bedauern einen relativ schwächeren Tempelbesuch in jüngster Zeit, wofür er auch die Schuld auf die Rabbiner-Vakanz schob, ferner auf die Konkurrenz durch die nahen Vereins-Betlokale „Bne Berith" und „Schomre Haddath", so daß die Sitze in der Filiale des Tempels während der hohen Feiertage nicht an den Mann gebracht wurden. Als neueste Errungenschaft des Vereines wird die Eröffnung der Bibelschule erwähnt, die von 90 Kindern besucht wird, und die an derselben wirkende Lehrkraft zeigt sich als sehr bewährt. An die Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder appellierend, gibt der Obmann die feierliche Versicherung, auch fortan im gleichen Geiste wirken zu wollen. Nach dem Vorsteher sprach Herr Josef Kohn über die verwickelte Rabbinerftage. Dann sprach Dr. S ch r e i b e r von der aktuellen Auflösung des Vereines und Uebergabe des Tempels an den Kultusvorstand, wozu es wohl kaum so rasch kommen dürfte. Es folgten noch mehrere Interpellationen, so von den Herren Plaschkes, Deutsch, Dub bezüglich der Kandidatur des Herrn M. Reiter u. a. m. Bei der darauf vorgenommenen Wahl erschienen die Herren Heinrich Weiner, Jakob Goldner, Jakob Kohn und David Spitz in der Majorität, also für vier Jahre gewählt. Der Obmann Eltbogen dankte für die große Beteiligung und schloß nach Mitternacht die Versammlung. —n. Zur Frage des Armenwesens. Die Frage einer Umgestaltung unseres Armenwesens beschäftigt seit geraumer Zeit weiteste Kreise innerhalb der hiesigen Gemeinde. Es ist nur mit Freuden zu begrüßen, wenn das öffentliche Jntereffe sich allmählich auch diesem recht wunden Punkte im jüdischen Gemeindeleben zuwendet. Wie so leicht auf keinem anderen Gebiete zeigen sich hier in der Tat die schreiendsten Mißstände, von welchen ich in meiner Eigenschaft als Armenvater und freiwilliger Rechercheur des humanitären Vereines „Marpe Lanefesch" gar manches zu erzählen wüßte. Wenn jedoch Herr Kraus in Nr. 50 dieser geschätzten Zeitschrift der Ansicht ist, daß nur besoldete Beamte auf diesem Felde Ersprießliches zu leisten vermögen, so muß ich dem gegenüber erklären, daß Wissen, Geschichte und eigene Erfahrung mich veranlassen, genau den entgegengesetzten Standpunkt zu vertreten. Schon unsere Weisen haben den Grundsatz vertreten. 1NS2V2 p2 ifiian p2 V'NVN nit?,öa „Um auf echt jüdische Weise Wohltätigkeit zu üben, muß man nicht bloß materielle, sondern auch persönliche Opfer bringen." So wurde es im Judentume stets damit gehalten. Man scheute eben die Berührung mit der Armut nicht. Wer hätte es nicht am