Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021712--16040-3040838
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

iir. 1 Dr. Dlocb's UClecbcnscDrui. Seite 7 Schriftführer Herr Hermann Liebermann bringt das Protokoll der letzten Generalversammlung zur Verlesung, das ohne Debatte verifiziert wird. Nun erstattet der Präsident Dr. Jakob Engel einen Rechenschaftsbericht, wobei er wiederholt von Beifall unterbrochen wird: Derselbe lautet im Auszug: Sehr geehrte Versammlung! Es ist für mich ein weihevoller Moment, in dem ich, durch das Vertrauen meiner verehrten Kollegen an diese Stelle berufen, vor Sie hintrete, um den Bericht des Vorstandes für das abgelaufene Vereinsjahr zu erstatten. Der Stand unserer Mitglieder, der seit Jahren fast die gleiche Höhe aufweist, hat auch im Jahre 1906 keine wesentliche Veränderung erfahren. Wir schlossen das alte Vereinsjahr mit einem Stande von 265 Mitgliedern ab; von diesen sind 10 ausgetreten, 4 leider verewigt, hingegen 19 neu eingetreten, so daß wir mit dem etwas erhöhten Mitgliederstande von 270 in das neue Vereinsjahr eintreten. Von diesen 270 Mitgliedern zahlten: eines einen Betrag von X 50. — , eines einen Betrag von K 40.—, 4 von K 30.—, 1 von K 25. —, 2 von K 24.—, 52 von K 20.—, 6 von K 16.—, 3 von K 15.— und 200 von K 12.—. Die Geschäfte des Vereines wurden in 7 Plenarsitzungen und einer Anzahl von Sektions- und Komitee-Sitzungen beraten. Wir haben im vorigen Jahre berichtet, daß wir über Anregung des mit dieser Agende betrauten Kollegen Herrn Leo Bauer zur Regelung der Jahrzeit-Stiftungen, respektive der Abhaltung von Jahrzeiten ein Regulativ ausarbeiten; dieses ist nun im Laufe des Jahres fertig gestellt worden und ist nunmehr in Kraft. In unserem Tempel wurden im abgelaufenen Jahre 51 Trauungen abgehalten, ferner 41 Barmizwahs und 14 Namengebungen; in unserer Kanzlei wurden 480 Schriftstücke erledigt. In der herkömmlichen, feierlichen Weise wurden am 13. Mai 28 Mädchen konfirmiert; am 18. August ein Festgottesdienst anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages abgehalten Ohne dem von Ihnen gewiß stets mit hohem Interesse erwarteten Referate des Herrn Kassaverwalters, kaiserlichen Rat Pollak vorgreifen zu wollen, wollen wir in diesem Berichte nur erwähnen, daß die heurige Betsitz-Vermietung das höchste Erträgnis seit Bestand des Tempels, und zwar 14.912 K ergeben hat; es ist erfreulich, daß diese Einnahmspost, welche wohl die positivste in unserem ganzen Budget ist, in erfreulichem stetigem Wachsen begriffen ist, und zweifeln wir nicht, daß wir in künftigen Jahren mit einem Betrage von zirka 15.000 K aus dieser Einnahmspost werden rechnen können. Unser Filial-Bethaus in der Eschenbachgaffe, das im Vorjahre der Gegenstand einer längeren Erörterung seitens mehrerer Herren Mitglieder gewesen, wurde auch im heurigen Jahre, und zwar in der ganz gleichen Weise, wie seit vielen Jahren, eingerichtet und der Gottesdienst dort, wir können es mit Befriedigung und mit Nachdruck sagen, in höchst würdiger Weise und zur Zufriedenheit aller dort anwesenden Andächtigen durchgeführt. Was die von einer sehr schätzenswerten Seite gegebene Anregung betrifft, den armen Glaubensgenossen in erhöhtem Maße den Zutritt zum Gottesdienste zu ermöglichen, so möchten wir nur konstatieren, daß wir der Kultusgemeinde nicht weniger als zirka 60 Sitzplätze zur Verteilung an arme Glaubensgenossen überlassen haben. In der letzten Generalversammlung wurde eine Zuschrift des Kultusvorstandes zur Verlesung gebracht, in welcher die von uns schon wiederholt urgierte Regelung der Funktionsverhältniffe bei den Leichenbegängnissen für die nächste Zeit zugesagt wurde. Wir wollen, wie wir dies bereits getan haben, auch in unserem Jahresberichte dem Vorstande der Kultusgemeinde für dieses Entgegenkommen unseren Dank zum Ausdruck bringen. Durch das Entgegenkommen der verehrlichen Kultusgemeinde ist es uns auch im abgelaufenen Jahre möglich geworden, einen der letzten Wünsche unseres verewigten Führers, Max Fleischer, der ihm außerordentlich am Herzen gelegen, zu verwirklichen, nämlich der Errichtung eines Fleischer-Museums in unserem Hause, Hirschengasse 22. Es ist dies eine reichhaltige Sammlung von Aquarellen und sonstigen Darstellungen seiner seit Dezennien geschaffenen Meisterwerke der Baukunst, sowie Erinnerungsgaben persönlicher Natur, Ehrungen und Anerkennungsadressen, die ihm im Laufe seines dem Wohle der Menschheit und dem öffentlichen Interesse gewidmeten Lebens zugekommen sind und die in ihrer Gesamtheit ein anschauliches Bild seines arbeitsreichen Lebens bitten. Verehrte Versammlung! Vor wenigen Wochen haben die heurigen Wahlen in den Kultusvorstand stattgefunden und diente auch dieses Lokal als Wahlort für die 9. Sektion. Diese Wahlen gingen speziell in unserem Bezirke unter einer außerordentlich lebhaften, noch nie dagewesenen Beteiligung der Bewohner unserer Bezirke vor sich, und wir begrüßen dies als ein Zeichen des wiedererwachten Interesses für die jüdische Sache. Es ist selbstverständlich, daß wir in unserer Anhänglichkeit und in unserem Vertrauen zum Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde, der tatsächlich eine Auslese unserer besten Männer ist, in Treue verharren und nach wie vor unsere Kraft einsetzen wollen für die Größe und das Ansehen unserer großen Gemeinde, der wir ja als ein integrierender Bestandteil angehören, und bitten wir den hier anwesenden Vertreter des Kultusvorstandes, von diesen Gefühlen in der nächsten Plenarsitzung dem Vorstande Kenntnis zu geben. Sie aber, meine verehrten Mitglieder, bitten wir, unserem Vereine auch weiterhin -Ihr wohlwollendes, freundliches Interesse zu erhalten. (Beifall.) Zum Rechenschaftsbericht ergreift Herr Dr. Karl L ö w y das Wort. Er zollt zuerst dem Vereins-Vorstände alles Lob, der mit Umsicht die Verwaltung führe und treu in den Spuren des verewigten Altmeisters Max Fleischer wandte. Redner habe jedoch einige Beschwerden an die Adresse der Kultusgemeinde, die er an die anwesenden Kuttusvorsteher richte. In der Kultusstube solle man doch endlich merken, daß in den Bezirken eine tiefe Mißstimmung herrsche. Heuer habe man schon wieder keine Kandidaten aus den Tempelvereinen gewählt und habe auf die wirklichen Bezirksinteressen keinerlei Rücksicht genommen. Demgegenüber müsse alles aufgewendet werden, um eine Dezentralisation und bezirksweise Vertretung zu erlangen. Ein weiterer Grund zur Beschwerde sei die Zurücksetzung der Vereinsfunktionäre bei Begräbnissen. Redner erwarte, daß ein diesbezügliches Schreiben vom Vorstande an die Kultusgemeinde gerichtet werde und die anwesenden Kultusvorsteher die Sache in der Seitenstettengasse zur Sprache bringen. Kultusvorsteher Herr Samuel Steiner dankt für den warmen Empfang und sagt, er habe sich um den Fall bereits gekümmert, der ihn auch als langjähriger Obmann der Chewra- Kadischa interessiert hätte. Auf seine Erkundigungen hätte er die offizielle Antwort erhalten, daß Familienmitglieder andere Funktionäre gewünscht hätten. Das dürfe aber nicht zur Zurücksetzung der Bezirksfunktionäre führen und Redner werde sich für diesbezügliche klare Vorschriften einsetzen. Vorsitzender Dr. Jakob Engel mucht Mitteilung von den diesbezüglichen intervenierenden Schritten des Vereinsvorstandes. Es gäbe noch Unklarheiten in den Vorschriften und diese müßten in einer bestimmten Form abgefaßt sein. Herr B a r k a n findet das Vorgehen der Kultusgemeinde ebenfalls als eine nicht zu rechtfertigende Protektionswirtschaft und fordert baldige und energische Abhilfe. Kassaverwalter kais. Rat Pollak erklärt, daß die Anregungen Löwy-Barkan geschäftsordnungsmäßig nicht als Anträge behandelt werden können, und bittet, sie als dringende Wünsche des Vereins an die Adresse der anwesenden Kultusvorfteher zu richten. Nach Erledigung dieser Debatte wird über den Kassaabschluß verhandelt. Die Bilanz war schon längere Zeit in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.