Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 2>r. JSlocb’s MocvenscvrlN. Nr. 1 gesehen, der Gründung eines solchen Institutes näherzutreten, ungeachtet der großen Schwierigkeiten, welche der Ausführung dieser Absicht entgegenstehen, und der großen finanziellen Opfer, welche die Gründung eines solchen Institutes erfordert. Hiebei schwebte dem Vorstande als zu erstrebendes Ziel nicht bloß eine durchgreifende Verbesserung der Pflege im Spitale der Kultusgemeinde und der Heranbildung von in jeder Beziehung geeigneten jüdischen Pflegerinnen für den Privatkrankendienst vor, sondern auch die Schaffung eines neuen, lohnenden Erwerbszweiges für jüdische Frauen und Mädchen. In weiterer Folge sollen dann die herangebildeten Krankenpflegerinnen im Sinne der Distriktskrankenpflege armen jüdischen Kranken znr Wartung im Hause zugewiesen werden. Referent gibt sodann eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung dieser Angelegenheit. In der Plenarsitzung vom 21. Dezember 1898 wurde über Antrag des Herrn Vertreters Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt der Beschluß gefaßt, ein Institut für jüdische Krankenpflegerinnen im Anschlüsse an das Spital der Kultusgemeinde zu errichten und dasselbe nach der verewigten Kaiserin Elisabeth zu benennen. Die zahlreichen Besprechungen, welche in dieser Angelegenheit im Schoße des Kultusvorstandes stattfanden, führten zu dem Ergebnisse, daß mit Rücksicht auf vorhandene Schwierigkeiten an die Aktivierung dieses Institutes im damaligen Zeitpunkte nicht geschritten werden könne. Die hauptsächlichste Schwierigkeit bestand darin, daß das Spital der israelitischen Kultusgemeinde zu jener Zeit noch nicht vollständig ausgebaut, beziehungsweise der im Bau begriffene chirurgisch-gynäkologische Pavillon noch nicht vollendet war. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich aus dem Mangel an geeignetem Materiale und schließlich hinderten Gründe finanzieller Natur das Jnslebentreten des Institutes. Die gepflogenen Beratungen wurden deßhalb unterbrochen und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. In der Zwischenzeit hat die Frage der Errichtung dieses Institutes durch zwei hochherzige Zuwendungen eine bedeutsame Förderung erfahren. Herr Philipp Frankl widmete dem Zwecke ein Kapital, welches sich derzeit auf zirka K 25.000 beläuft. Des weiteren verfügte Herr Baron Albert Rothschild, daß aus dem für wohltätige Zwecke bestimmten Nachlasse des verewigten Nathaniel Freiherr von Rothschild ein Betrag von K 100.000 für die Errichtung eines Krankenpflegerinnen- Jnstitutes verwendet werde. Diese Zuwendungen, sowie der in der Zwischenzeit erfolgte, vollständige Ausbau des Spitals vrranlaßten den Vorstand, sich neuerdings mit dieser Frage zu befassen. In den diesfälligen Besprechungen wurde der Grundsatz aufgestellt, daß womöglich die Errichtung und Verwaltung des Institutes ein eigener Verein und nicht die Kultusgemeinde, welche durch ihre verschiedenen Humanitären Anstalten, sowie durch die allgemeine Verwaltung in administrativer Hinsicht ohnehin sehr belastet ist, in die Hand nehmen sollte. Selbstverständlich müßte der Kultusgemeinde schon. mit Rücksicht darauf, daß die Pflegerinnenschule im Anschlüsse an das Spital der Kultusgemeinde gedacht ist, ein Einfluß auf die Verwaltung gewahrt werden, ebenso wie es selbstverständlich ist, daß auch bei Uebertragung der Gründung an einen Verein die Kultusgemeinde nicht unbedeutende materielle Beiträge zu leisten haben würde. Der Humanitätsverein „Eintracht", („B'ne Brilh") hat sich nun bereit erklärt, die Gründung des Institutes in Angriff zu nehmen, und hat zu diesem Zwecke ein vortrefflich ausgearbeitetes Expose dem Kultusvorstande vorgelegt. Dieses bildet die Grundlage für die zwischen dem Kultusvorstande einerseits, den Vertretern des Vereines „Eintracht" und der Leitung des Spitales andererseits gepflogenen, wiederholten und eingehenden Verhandlungen. Durch dieselben erfolgte insbesondere auch eine Einigung zwischen dem Vereine „Eintracht" und der Spitalsleitung, welch letztere hauptsächlich auf die Heranbildung eines Pflegepersonales für das Spital Gewicht legte, während dem Vereine vor allem die Heranbildung von Privatpflegerinnen als anzustrebendes Ziel vorschwebte. — Auf Grund dieser Beratungen, die fast ein ganzes Jahr in Anspruch nahmen, stellt der Referent namens des Vertreterkollegiums seine Anträge, welche im wesentlichen folgendes beinhalten: Das Institut, welches den Namen „Kaiserin Elisabeth- Institut für jüdische Krankenpflegerinnen" zu führen hat, bezweckt die Heranbildung von Pflegerinnen für den Dienst im Spitale der Kultusgemeinde und zur Privatkrankenpflege. Die Ausbildung der Schülerinnen erfolgt im Spital der israelitischen Kultusgemeinde und dauert ein Jahr. Die Schülerinnen haben sich zu verpflichten, nach Ablauf dieses Lehrjahres weitere drei Jahre im Verbände des Institutes zu verbleiben, hievon zwei Jahre der Krankenpflege im Spitale der Kultusgemeinde und ein Jahr der Privatkrankenpflege zu widmen. Während dieses einen Jahres haben die Schülerinnen durch Dienstleistungen in Kinderspitälern rc. ihre Ausbildung zu ergänzen. Die Pflegerinnen erhalten nebst einem mit den Dienstjahren steigenden Monatsgehalte freie Wohnung und Verpflegung im Pflegerinnenheime und erlangen unter gewissen Modalitäten im Falle eintretender Berufsunfähigkeit, bezw. nach Ablauf einer bestimmten Dienstzeit Anspruch auf eine Pension. Die Errichtung des Institutes erfolgt durch einen vom Vereine „Eintracht" zu gründenden Verein, in dessen Vorstand der Vorstand der Kultusgemeinde und die ärztliche Leitung des Spitales vertreten sein wird. Die Kultusgemeinde leistet für die ersten 3 Jahre, die sich auf Grund des aufgestellten approximativen Kostenvoranschlages als erforderlich darstellende Subvention unter Heranziehung der Zinsen der für die Zwecke eines Pflegerinneninstitutes bei der Kultusgemeinde erliegenden Spenden von ca. K 125.000.—. Weiters übernimmt die Kultusgemeinde die Ausbildung der Schülerinnen und die sukzessive dauernde Bestellung von Pflegerinnen für den Wartedienst im Spitale, wodurch das Budget des Spitales allerdings in erheblichem Maße erhöht werden wird. Die Verpflichtungen der Kultusgemeinde beziehen sich auf den Zeitraum von 3 Jahren und wird die Frage der weiteren Subventionierung, sowie überhaupt die weitere Stellungnahme der Kultusgemeinde zu dieser Angelegenheit von der Entwicklung des Institutes abhängig sein. Ueber diesen Antrag entwickelt sich eine eingehende Debatte, an welcher sich die Herren kais. Rat Sachs,. Prof. Ehrmann, Baurat von Goldschmidt, Wilhelm Kuffner, Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Dr. Breuer, Baurat Marmorek, kais. Rat Weil und Salo Landau, der Präsident Dr. Alfred Stern und der Referent Dr. Gustav Kohn beteiligen. Letzterer betonte nochmals die ganz besonders hohen Kosten, welche die Gründung des Institutes der Kultusgemeinde verursachen werde. Im Verlaufe der Debatte wird seitens einzelner Redner insbesondere hervorgehoben, daß es sich bei der Gründung eines Krankenpflegerinnen-Jnstitutes in Wien angesichts der auch noch dermalen bestehenden großen Schwierigkeiten nur um einen allerdings Erfolg versprechenden Versuch handeln könne und daß es hauptsächlich von der Stellungnahme der Wiener jüdischen Bevölkerung abhängen werde, ob das in so hohem Grade wünschenswerte Ziel erreicht werden wird. Die Anträge des Vertreterkollegiums werden sohin genehmigt. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. XXXIII. Generalversammlung des Tempelvereines Mariahilf-Neuban. Die stark besuchte XXXIII. Generalversammlung des Tempelvereines Mariahilf-Neubau im Tempelgebäude in der Schmalzhofgasse im VI. Bezirk gab ein Bild der ruhigen Entwicklung des Vereines, der seine Zwecke unter tüchtiger Leitung ausgezeichnet erfüllt, eine tadellose Verwaltung besitzt und angesehene jüdische Bürger zu Mitgliedern hat. Die Generalversammlung wurde zur festgesetzten Zeit vom Vereinspräsidenten Dr. Jakob Engel eröffnet, welcher die erschienenen Delegierten der Kultusgemeinde, die Kultusvorsteher Dr. Hermann L ö w i und Sam. Steiner, die Vereinsfunktionäre Rabbiner Dr."Ta glicht und Oberkantor Dinm a n n, die Delegation des Vereines „Nachmat Jeschurun", des Frauenwohltätigkeitsvereines und die erschienenen Vertreter der Presse begrüßte.