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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©eite L Dr. Llocb's Mocvenscvnn. Str. 1 eine große Gefahr bedeuten. Die moralische und materielle Iudeunot kann noch aufgehalten und gelindert werden durch uns selbst, durch nusere entschlossene und geschlossene Selbsthilfe, wenn wir einen Einheitsbund der Verteidigung bilden wollen. Es wäre nicht möglich, daß der Antisemitismus über die Summe von Intelligenz, Recht und Kraft im Judentum zu seiner Tagesordnung übergehen könnte, wenn wir, ach, einzeln so gescheiten Juden einmal auch zusammen gescheit sein und den politischen Kinderwitz befolgen wollten, daß Einigkeit Macht ist. Wenn der Wille dazu von dem Grollen naher Ungewitter geweckt wird, dann mag vielleicht, wenn der Vorhang der nächsten Zukunft in die Höhe geht, statt der gefürchteten Tragödie ein erhebendes jüdisches Schauspiel mit erfreulichem Ausgang sich abspielen. Die „Oesterreichische Wochenschrift", das Kampforgan des lebepdigen, lebenwollenden Judentums, wird nach dem Zusammenschluß der Verteidiger auf jenem ersten Platze zu finden sein, aus den sie von dem Vertrauen ihrer zahlreichen und geschätzten Freunde gestellt wurde. Ihre Devise, der Ruf vom Herzen zum Herzen, war immer dle Mahnung zur Einigkeit — Liebe zum Judentum und zu den Juden ist das Motto ihres Programms, das sie hiermit an Stelle eines Versprechens anläßlich des markanten Zeitabschnittes allen denen unterbreitet, mit denen sie sich Schulter an Schulter im Kampfe für das Judentum verbunden weiß. Unser Organ versieht eine doppelte Tätigkeit nach außen sowohl als nach innen. Nach außen tritt es als publizistischer Vertreter des gesammten Judentums den Antisemiten gegenüber auf den Plan, und in der „Oesterreichischen Wochenschrlft" wrrd in dieser Beziehung mit rücksichtsloser Unerschrockenheit alles gesagt, was nötig ist, und zwar in jenem Tone der ungeschminkten Wahrheit, der in unserem rasselnden Zeitalter aller» Aussicht hat, auch tatsächlich gehört zu werden. Wo immer ein antisemitischer Rowdy sein verbrecherisches Handwerk ausübt, versäumen wir nicht, ihn und seine Lügen zu enthüllen. Wo immer die jüdische Ehre besudelt wird, schleudern wir dem Angreifer seine Worte ins Gesicht zurück. Wo immer eine Ungesetzlichkeit gegen Juden versucht wird, erheben wir energischen Protest, und wenn sie schon begangen wurde, geben wir uns alle erdenkliche Mühe, sie rückgängig zu machen. Wir beobachten die antisemitische Räubertruppe unausgesetzt, besorgen den Aufklärungsdienst und treten ihr ohne Bedenken auf der Heeresstraße und den so häufig benützten Schleichwegen in einem unermüdlichen Guerillakrieg der Publizistik entgegen. Wir stellen unsere diesbezüglichen Erfolge bescheiden in den Hintergrund und wollen nur sagen, daß wir damit eine äußerst notwendige Arbeit übernommen haben. Unsere Tätigkeit nach innen aber ist dem jüdischen Volke gewidmet, unserem herrlich in der Krone des Wissens, des heldenhaften Märtyrermutes und des gütigen Herzens strahlenden Volke. Auch ihm gegenüber haben wir zu streiten, ihm gegenüber führen wir einen Kampf gegen den Kampf. In unserem Volke ringen große Parteien um Anerkennung und Vorherrschaft ihrer Ansichten. Das ist ein Zeichen von Leben, das nicht genug begrüßt werden kann. Diese so gute Sache krankt aber an emer überaus schlechten Methode. Die Parteien bekämpfen einander nicht wie sachliche Gegner, sondern wie persönliche Feinde. Deswegen ist es fast unmöglich geworden, daß alle Parteien in großen, das gesamte Judentum betreffenden Fragen einhellig Zusammengehen, wie zum Beispiel gegen den Antisemitismus und für eine jüdische parlamentarische Politik. Wie wir wissen und wofür wir uns schon mit Erfolg bemüht haben, ist bei maßgebenden Persönlichkeiten der Wille zu einer günstigen Aenderung vorhanden. Kein Jude könnte es vor seinem Gewissen verantworten, wenn der gute Wille durch ihn nicht zur Tat würde. Die „Oesterreichische Wochenschrift" freut sich, feststellen zu können, daß ihre angebotenen guten Dienste für die Vermittlung zwischen den Kämpfenden angenommen wurden. Unter der Voraussetzung, daß jeder Jude im andern einen Menschen achtet, der seine Grundsätze, wenn es auch gegnerische sind, aus heiligen idealistischen Gründen verficht, gab sie unparteiisch jedem volle Gelegenheit zur Entwicklung seines Standpunktes, von dem dann das Richtige und Gute allgemein angenommen und durchgeführt werden soll. Man kann allen im Judentum wirkenden Parteien das Sammellob spenden, daß sie von guten Gedanken getragen sind, und diese gegenseitige Erkenntnis kann leicht zu einer zweckdienlichen Verbindung führen, wenn die Kämpfer in der jüdischen Politik vergessen wollen, was sie Schlechtes in der allgemeinen Politik gelernt haben. Dies war ein Hauptziel der „Oesterreichischen Wochenschrift" und sie glaubt sich dabei der Zustimmung aller guten Juden sicher. In inneren Fragen des Judentums hat unser Organ alle Projekte unterstützt, welche ihre Lösung mit gebieterischer Logik verlangen. Es hat in jeder schwankenden iunerpolitischen Situation soviel Ansichten berufener Faktoren als möglich veröffentlicht, Verwaltungsfragen der Landesrepräsentanzen und jüdischen Gemeinden von Kennern besprechen lassen und ist Nachrichten aus dem jüdischen Leben in jeder Form zur Verfügung gestanden. Besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung aber hat unser Blatt dem Hilfswerk für unsere östlichen Brüder gewidmet, dessen glückliche Vollendung von nicht abzuschätzender guter Bedeutung für die Judenfrage überhaupt wäre. In dieser Richtung und auf diesem Gebiete glaubte die „Oesterreichische Wochenschrift" am besten ihrem Ziele zu entsprechen: Für das Judentum nach außen zu kämpfen und nach innen zu wirken. Ueberall dem Namen Jude eine stolze Bedeutung zu geben, den Feinden ein Feind, dem eigenen V.üke ein treu ergebener Freund zu sein. Das will sie auch weiter so halten. Sie bittet alle, die ihre Absicht für gut finden, sie dabei zu unterstützen und dankt für das hewiesene Vertrauen. Um ein Versprechen der Treue zu geben, hat die „Oesterreichische Wochenschrift" eine der seltenen Gelegenheiten ergriffen, bei welchen eine Zeitung von sich selbst reden darf. Sie tritt nun zur ruhigen Arbeit an ihren Platz zurück und hofft, daß es vereinten Kräften gelingen werde, neue Jahre des Glückes für das Judentum zu schaffen. Uormarsch der Kiige unter dem Schutze der Immunität. Die „Oesterreichisch-J'raelitische Union" hat an den Justizminister Dr. Klein nachfolgendes Schreiben gerichtet: Euer Exzellenz! In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. v. M. haben die Abgeordneten Sturm und Genossen an Euere Exzellenz folgende Anfrage gerichtet: „Die Zeitschrift „Linzer Post" hat in ihrer Ausgabe Nr. 22 vom 2. d. M. nachstehende Notiz gebracht: „U nerhörte jüdische Frechheit: „Im Kasseler Sonntagsboten", 15. Jahrgang, Nr. 18, schreibt ein Rabbiner: „Es ist ein Glück, daß der Gekreuzigte in die Welt gekommen ist. . . Denn die Juden verdanken die größten Gewinne des ganzen Jahres dem Sohne der Maria. Manches schöne Mädchen wird glücklich gemacht durch orientalische Schmucksachen, wenn der Geburtstag des „Sanftmütigen", „Demütigen", der unter Eseln und dergleichen geboren wurde, anbricht. Es ist übrigens weit besser, den Christtag zu haben als die Pocken, und wenn sich die Jungfrau nur dazu verstanden hätte, uns noch einen Buben im Sommer zu bescheeren, so daß wir zwei Christtage hätten, so hätte ich ihr gerne unsere Chinesen überlassen." Solche Frechheit kann nur eine Antwort finden, und die lautet: „Christen! kauft nur bei Christen!" Wegen dieser No>iz wurde das Blatt von der k. k. Staatsanwalt Linz beschlagnahmt und die Beschlagnahme mit Erkenntnis des k. k. Landesgerichtes Linz als Preßgericht, Abteilung 8, vom 3, Dezember d. I. bestätigt.

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