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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 902 Dr. Bloch's Wochrnschrrfl. Nr. 52 Und so waren sie denn Me, Alle gekommen. Nahezu die ganze Gemeinde füllte die beiden großen Säle des jüdischen Spitals und harrte ängstlich und bange lauschend der Dinge, die da kommen sollten. Nach den Versicherungen des Verwalters war es stets die vierte Nachmittagsstunde, um welche der „Ruach" sich bemerkbar mache, die Kranke befalle und durch nahezu eine Stunde beherrsche. Um diese Zeit liege die Kranke regungslos mit geschloffenen Augen im Bette, nur ihre Brust hebe sich und aus den halbgeöffneten Lippen ertöne der schönste Tempelgesang.. . Aengstlich, mit angehaltenem Atem verfolgte die Menge das Rücken des Zeigers. Jetzt schlug die Glocke die vierte Stunde. Und kaum war der letzte Glockenton verklungen, als durch den Körper der vordem ruhig daliegenden Patientin ein Allen bemerkbares konvulsivisches Zucken ging. Die Brust begann sich zusehends unter der leichten Decke zu heben, die bis dahin geschloffenen Lippen fingen an, sich allgemach zu bewegen und alsbald ertönten, wie aus s r e m d e m Munde, von einem fernstehenden Sänger, langgezogene fromme Melodien, althergebrachte Gesänge, wahre und echte „Neginim", wie solche nur ein wohlgeschulter Kantor, ein gewiegter Chasan, nein, bester gesagt Lai teülla, an den hohen und höchsten Feiertagen vorzutragen pflegt. Und nicht etwa die landläufigsten oder gewöhnlichen Neginim. Die schwersten und nur den Kundigen bekannten Gesänge unserer AÜvordern waren es, die nahezu eine volle Stunde den Raum erfüllten, aus der Ferne zu kommen schienen und dennoch der auf- und abwogenden Brust der mit geschloffenen Augen Daliegenden entströmten. Gegen die fünfte Stunde wurde der Gesang allmählich schwächer und schwächer, bis er mit dem Glockenschlage fünf ganz verstummte. Da erst erwachte auch die Kranke, schlug die bis dahin festverschloffenen Augen auf und richtete sich mit einem tiefen Seufzer aus der liegenden Stellung in die Höhe. Sie mochte eine hohe Vierzigerin sein. Wir erfuhren später, daß sie aus dem Herzogtum« Posen stamme, Witwe sei und sich auf der Reise nach der Hauptstadt befinde, um wegen eines oft auftretenden Leidens die Aerzte zn konsultieren. Von den eben beobachteten Zuständen behauptete sie, nichts zu wissen und dieselben auch nicht selbst herbeizuführen. Nichtsdestoweniger fuhr sie am folgenden Tage reichlich beschenkt von dannen.- In der „Khille" aber sprach man noch lange Zeit vom „Ruach"; ja die älteren Leute zeigten an einem, allerdings hoch gelegenen Fenster der „Altschul", dem ältesten und größten Tempel Nikolsburgs, — es gab dazumal deren acht bis zehn daselbst (so die Altschul, Neuschul, Bethamidrasch-, Chassidim-, Schuster-, Glaser-, Kezowim-, Gutmann-, Wienerschul) — eine kleine Oeffnung, durch welche einstens auch ein „Ruach" böswilligerer Natur durch Gebete ausgetrieben worden war. (?!) Reue Bücher. Professor Dr. Adolf Brach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Zur Erinnerung an den 700jährigen Todestag des jüdischen GeistesheldSn Moses Maimonides. Vierte Auflage. Preis 40 Heller. Verlag von Julius Ach in Brüx. Oft «ud -West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag Ost und West. Berlin W. 8. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite «Universelle. A. B e n e s r a: Salomon Munk, Mitglied des Instituts von Frankreich. Zu seinem 40. Todestage (mit 1 Illustration). Ben Ami: Beim ersten Lichtlein. Chanuka-Erinnerungen. Dr. H. Friedemann: S ch a t t e n s p i e l e. Noch ein Wort über Schnitzler. G. K u t n a: Jules Adler (mit 10 Illustrationen). I. Zoller, Florenz: Das jüdische Zeitungswesen Italiens seit dem Jahre 1850. M. I. B.: Die jüdische Religion und die Juden des Ostens. Chassidische Melodie (Noten. Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle". I. Deutschland und die Alliance Jsraelite in Marokko. II. Die Juden in Rußland. (Aus einem Spezialberichte der „A. I. U.") HI. Die Knabenschule der Alliance in Teheran. (Spezialbericht des Direktors Loria an die ,A. I. U.) IV. Bericht des Berliner Lokal- Komitees der A. I. U. des Landes-Komitee für das Großherzogtum Baden usw. Literarisches. Dr. Samson Philip Nathan. Ein Lebens- und Charakterbild von Salomon Goldschmidt. Mit Anhang : Erklärungen zur Mischna. Die in dem Handexemplar des Verewigten von ihm ausgeschriebenen Randglossen edirt von Rabbiner D r. I. N o r d e n, Myslow i tz. Veröffentlicht vom Verein ehemaliger Schüler der Talmud - Toraschule. Verlag A. Goldschmidt, Hamburg 1906. v Dr. Engen Wölbe, Oberlehrer. Major Burg. Lebensbild eines jüdischen Offiziers. Für Jung und Alt bearbeitet. Herausgegeben unter Mitwirkung der Jugendfchriften- Kommission der Großloge für Deutschland VILI. U. O. B. B. Verlag von Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 61/63, Berlin 1907. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere, jüdische Jugend. Redaktion und Administration: VI/1, Esterhazygasse 33, III. Jahrgang, Heft 12, 1906. Makkabäernummer. Inhalt: Gedenktage. Bruno Hahn: Makkabäerrede. Theodor Herzl: Menorah. Achad Ha am: Die Priester und das Volk. I. Rehberg: Schalom Jakob Abramowitsch. Ch. N. B i a l i k: Sinken des Tages. Martin B u b e r: Die Geschichte von dem Stier und dem Widder. El. Lädier: Chanukalämpchen. Ben David: Palästina und seine Bevölkerung. Oskar Rosenfeld: Gedanken über jüdische Kunst. — Rundschau und Notizen. Korrespondenzen. David Frischmann: Der kleine Engel. Verzeichnis der Bücher. Rätsel. KriefkaKe«. K. R. Der Beschluß des Leobener Gemeinderates, die Märkte nicht zu verbieten, aber Juden als Kaufleute dazu nicht zuzulassen, ist vollkommen ungesetzlich und eine Selbstüberhebung. Das Rechtsschutzbureau der „Union" hat sich der Sache angenommen und dürfte den Beschluß wohl bald aus der Welt schaffen. Es wirb doch noch möglich sein, in gewisse antisemitische Quadratschädel außer Most noch anderes hiueinzubringen. N. G. Der jetzige Minister des Aeußern Baron Aehrenthal wäre wohl geeignet, der Bitte des Delegierten Straucher zu entsprechen und auf die russische Regierung in einem für die Juden günstigen Sinne einzuwirken. Er war als Botschafter in Petersburg persona gratissima am Zarenhofe und hat die entente cordiale zwischen Rußland und Oesterreich in der Balkanfrage herbei geführt. Ungar. Die Sache stimmt auffallend. Gerade die ersten Apostel des beginnendenungarischen Antisemitismus, Abgeordnete und Anhänger der katholischen Volkspartei, welche die jüdische Korruption bekämpfen will, stellen ein beträchtliches Kontingent für die Strafanstalten. Nach Gyürki, dem Leiter des christlichen, landwirtschaftlichen Vermittlungsbureaus, kommt jetzt der Sparkassendirektor und Abgeordnete Udvary daran, notabene, wenn man ihn erwischt. Das ist immer so, Ueberall wurden noch die Stützen des Antisemitismus schließlich im Zuchthaus deponiert. t F. Ch. Diese Feststellung stimmt. Sowohl die reichsfeinoliche Politik des deutschen Zentrums als auch die aufrührerische Haltung der französischen Ultramontanen werden von Rom aus dirigiert. Da wirft man den Juden gerade von Seite der christlichen Antisemiten vor^ sie seien eine internationale, revolutionäre, von der Alliance dirigierte Vereinigung, was nicht bei ihnen, wohl aber bei den Ultramontanen zutrifft. Tiefer hangen! Wir bekamen Nachricht, daß auf einem Familienabend der Ortsgruppe „Innere Stadt" des christlichsozialen Frauenbundes der Bezirksrat Fischer, der ein Jude sein soll, anwesend war und im Vergnügungsprogramm der Operettentenor Arnold Plaschkes und der Salonzauberer Alfred Keßler mitwirkten. Der Frauenbund hat bekanntlich den wütenden Antisemitismus auf seine Fahne geschrieben und die materielle Schädigung des Judentums ist sein Lebenszweck. Juden, die an jenen Festen teilnehmen, wissen nicht, was moralische Prostitution ist. F. R. Die Witwe des Ingenieurs David Schwarz in Agram erhielt auf Betreiben ihres Schwiegersohnes Herrn Tsikay, Kaufmann in Fiume, von dem Erfinder Grafen Zeppelin in Ueberlingen am Bodensee den Betrag von 10.000 Mark für die Mitwirkung an der Eftindung des lenkbaren Luftballons „System Zeppelin". Damit ist wieder der Anteil eines Juden an einem hervorragenden Kulturwerk festgestellt, wie ja auch einer von ihnen das Automobil erfunden hat. Trotzdem darf sie jeder Bube ungestraft weiter beschimpfen. Au mehrere Einsender. Es sind uns viele Voranzeigen von Festlichkeiten und Sitzungen zugekommen, die zu spät eingeschickt wurden, um rechtzeitig veröffentlicht werden zu können. M. I. Blan«, Stndein. Man findet aus ältester Zeit auch Namensfertigung mit der Charakterbe-eichnung Kohen vor dem Namen des Vaters.

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