Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 900 Dr. Vlocb's MocbenscbrLkk. Nr. 82 geglichene harmonische Denkungsweise wie keine andere es verstanden, über dieses Heiligtum zu Wacken und es zu hüten und all ihr Streben darauf zu konzentrieren, das Glück desselben zu fördern. Aber nickt allein ihr Gatte, ihre Kinder und ihre anderen Angehörigen, auch Ferne stehende, welchen es gegönnt war, diesen Tempel echtester und edelster Häuslichkeit zu betreten, fühlten sich von der gemütlichen Wärme, divon derselben wie von einem Lichtquell ausströmte, durchdrungen und erwärmt und mancher von Schmerz Beladene und Trostbedürftige verließ die Schwelle dieses Hauses erhobenen Hauptes. Das Leichenbegängnis, dem außer den Familienmitgliedern zahlreiche Freunde und Bekannte be§ Hauses anwohnten, gestaltete sich zu einer wahrhaft erhebenden und würdigen Trauerkundgebung. Nach einem herzerhebenden vom Ersten Kantor Jurberger — dem Schwager der Verstorbenen vorgetragenen Trauerchoral schilderte Herr Rabbiner Dr. Grunwald in ergreifender Weise die edlen Eigenschaften der im Stillen wirkenden Verblichenen und hob hierbei die gottergebene Fassung des trauervollen Gatten hervor, der durch die unerfmschliche göttliche Fürgimg seines höchsten Erdenglückes beraubt wurde. Das Andenken an diese hochherzige edle Frau wird in den Herzen aller .jener, die sie kannten, fortleben. Ehre diesem Andenken und Friede ihrer Asche! Charlotte Frischauer. Wien. Der Humanitäre Unterstützungsverein der Schaffaer in Wien veranstaltet am 12. Jänner 1907 in den Saallokalitäten des Baicrischen Hofes, II., Obere Augartenstraße, einen Vortragsabend mit anschließendem Tanzkränzchen. In Anbetracht des wohlthatigcn Zweckes haben Frl. Gerda Walde und die Herren Carlo Böhm, Richard Waldemar und Max Pallenberg ihre bestimmte Mitwirkung zugesagt. Die Tanzmusik besorgt das I u f a n t e r i c-R e g i m e n t Nr. 32. Chaurrka-Feier des Vereines „Jehrida Halevy" Wien. Am 16. d. M. fand im Vereinslokale eine gut besuchte Makkabaerseierstatt. Nach der Begrüßung der Gäste durch Herrn Vizepräsidenten 8tuä. pkil. Isaak Barbag, wurden vom Kollegen Grob die Channkalichter angezündet, worauf Kollege «tust. phil. Löwi Dichter eine begeisterte Festrede hielt. Besonders hervorzuheben ist die Leistung des Herrn Leo Wolfensohn, welcher durch seine gefühlvollen Gesangsvorträge den Zuhörern einen jubelnden Beifallssturm entlockte, wofür ihm an dieser Stelle nochmals gedankt sei. Den humoristischen Teil füllte der bekannte Rezitator Kollege Josef Grob mit seinen Schnlem-Aleichem- Vorlesungen aus. Lebhaften Beifall holte sich auch der 13jährige Felix Taussig durch seine temperamentvolle Deklamation. Nach einem gelungenen Duett der Kollegen Lazar und Menscher folgte die selbstverfaßte Skizze „Chanukali" des Kollegen 8tuä. phil. Auerbach, worauf der Vizepräsident in einem begeisterten Schlußworte die Anwesenden aufforderte, mit Matkabäermut und Begeisterung für die nationale Sache der Juden zu kämpfen. Nach Absingnng der „Hatikwah" wurde die schöne Feier geschlossen. Samstag den 5. Jänner 1907 um halb 8 Uhr abends findet im Vereinslokale, XX., Brigittenauerlände 22, ein hebräischer Vortrag, und Sonntag den 6. Jänner 1907 um 7 Uhr abends ein deutscher Vortrag statt. Referenten und Themen Vorbehalten. — Gäste willkommen. Wien. Mittwoch den 26. d. M. fanb im Seitenstettentempel die Trauung des Frl. Dr. Amalie Pollak, Schwester des Religions- Professors Dr. Heinrich Pollak, mit Herrn Dr David Ernst Oppenheim, Sohns des Sekretärs der Brünner Kultusgemeii de, Dr. I. O p p e n h e i m, statt. Dem Trauungsakte, den Oberrabbinrr Dr. Güdemann und Oberkantor Singer vollzogen, wohnte ein zahlreiches distinguiertes Publikum bei. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, die Kultusvorsteher Baurat S t i a ß n h. Adolf Schram e k, die Rabbincn Dr. G r u u w a l d. Dr. M a n d l, Lector Friedmann, ReligionSschul - Inspektor Hr. K a n i tz. kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Dr. Emil Adler, Frau Julie F i a l l a, Frau Oberkantor Singer, Frau Margarethe G r u n w a l d, zahlreiche Mittclschulprofefforen u. s. w. Lemberg. Der durch seine Wohltätigkeit und sein korziliantes Wesen bekannte Großindustrielle Herr Moritz Hermann Reich, Vorstand der hiesigen Filiale der Prager Kreditbank und Mitglied der hiesigen Handels- und Gewerbekammer, hat anläßlich seiner silbernen Hochzeit einen Betrag von über 12.000 Kronen verschiedenen humanitären Zwecken zugewendet. Die schlichte und bescheidene Art, mit der Herr Reich stets wirkt, kann als nachahmenswertes Vorbild gelten und verdient vollste Anerkennung. Deutsch-Kreuz. Am 1l. d. M. wurde unter großer Beteiligung der nahezu 90 Jahre alt gewordene Synagogenfunktiouär. R. Elchanan Freuder zu Grabe getragen. Derselbe stammte aus einer sehr angesehenen Rabdinerfamilie, deren Tradition er jederzeit in Ehren hielt und bekundete er dies durch einen sehr frommen Lebenswandel. Nachdem der Sarg zur „Schul", an die Stätte seines langjährigen Wirkungs-. kreises getragen wurde, widmete Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner D. L. Grünwald dem edlen Verblichenen einen sehr ehrenden Nachruf. In der Zeremonienhalle sprach noch dessen Sohn, Herr Julius Freuder, dessen Rede tiefergreifenden Eindruck machte. Nikolsburg. Am 16. d. M. wurden die Wahlen des Kultusvorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Nikolsbnrg mit Stimmeneinhelligkeit vollzogen. Zum Kultusvorsteher wurde der verdienstvolle Herr Philipp Kahn zum fünften Male wiedergewählt, zum Kultusvorsteher-Stellvertreter Herr Gustav Pisk, zu Beiräten die Herren* Bernhard L. Teltscker und Rudolf Lampl. Herr Gustav Pisk und Herr Bernhard L. Teltscher gehörten bereits dem Vorstände an und waren stets bestrebt, die Wohlfahrt der Gemeinde zu fördern. Herr Rudolf Lampl, welcher an Stelle des nach Wien übersiedelten Herrn Dr. Siegfried Fehl in den Vorstand gewählt wurde, bietet durch seine Charakterfestigkeit genügend Gewähr, daß er das ihm übertragene Ehrenamt gleich seinem Vorgänger und seinen Amtskollegen zum Wöhle der Gemeinde ausüben wird. Nachod. Am 11. d. M. fand im hiesigen neuen Gemeindesaal ein festlicher Jugendgottesdienst aus Anlaß des Channkafestes statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Sicher eine Anrede an die Schuljugend hielt, worauf diese mit Begeisterung das „Lloaus Zur“ anstimmte. Wie in früheren Jahren wurden auch heuer sämtliche armen Kinder mit warmen Winterkleidern und alle Kinder der isr. Volksschule mit Bonbonniören beschenkt. Am 16. d. M. feierte der hiesige, von unserem Rabbiner gegründete „Jüdische Volksverein" sein Gründungsfest. Der Verlauf des Festes war ein glänzender. Zunächst hielt der Präses Herr Ludwig Fanta die Begrüßungsrede. Hierauf wurden vom Kantor Herrn Lebowitsch die Ehannkalichter angezündet und dann von einem Damenchor in überaus herrlicher Weise der Choral ..Moaus Zur“ intoniert. Hatte schon dieser Choral die zahlreichen Gäste feierlich gestimmt, so hat sie dann die überaus gelungene, formvollendete Weiherede des Herrn Rabbiners Dr. Sicher begeistert. Auch die anderen Rezitationen, Lieder, Gedichte und Vortragsstücke müssen als sehr gelungen bezeichnet werden. Hoffentlich wird der neugegründete Verein sein Ziel erreichen und in seinen Vergnügungsabenden einen Anziehungspunkt für die jüdische Gesellschaft bilden. Dem obigen Festabend wohnte der Vorsteher Herr Jakob Pick, der ganze Vorstand und ein großes Publikum bei. Drohobycz. Mittwoch, den 19. d. M.,-versammelten sich die Gönner und Förderer der von Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Margulies gegründeten hebräischen Schule „Safah Bcrurah", um an der stattfi-idenden öffentlichen Prüfung der 150 Schüler und Schülerinnen teilzunehmen. Es war eine wahre Freude, zu sehen, wie die Volks- und Gymnasialschüler und Mädchen korrekt und geläufig hebräisch sprachen und Fragen ans der biblischen Geschichte und Literatur hebräisch beantworteten. Die Feier eröffnete der Präses des „Esra", in dessen Lokale die Schule sich befindet, Advokat Dr. Fernhoff. Er begrüßte den anwesenden Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Jakob Feuerstein, Ritter des Franz Joseph-Ordens, den Vizepräsidenten Herrn Markus Sternbach, den Gemeinderat Herrn Josef Sternbach, den Vater des Professors an der Krakauer Universität, ferner die Vertreter der Vereine, und zollte dann Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Margulies Anerkennung für die Verdienste, um die Gründung und Leitung der hebräischen Schule, worauf die Prüfung ihren Anfang nahm. Zum Schluffe wandte sich Se. Ehrw. Rabb. Dr. Margulies in einer hebräischen Ansprache an die Schüler, lobte ihren Fleiß und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Schule sich nach dieser Prüfung weiter entwickeln werde. Nach Erwiderung seitens einer Schülerin und nach der Anerkenuungsrede für den Rabbiner und den Lehrkörper des Herrn Zupnik, schloß unter Gesang die erhebende Feier. Lnndenburg. Zu den vielen Fällen christlicher Intoleranz wollen wir auch einen schönen Ausnahmsfall echter Nächstenliebe zur Kenntnis unserer Leser bringen: Vor 14 Tagen kam nach Lundenburg ein rnssisches jüdisches Ehepaar und blieb über Nacht im Hotel zur Krone, Inhaber Herr Wilhelm Hlinka. Um V» 3 Uhr in der Nacht wurde die Frau von Wehen überrascht und brachte einen Knaben zur Welt. Da die Leute sehr arm sind, so blieb statt einer Wartefrau Frau Hlinka die ganze Nacht bei der Wöchnerin; Frau Hlinka kaufte auch gleich reichlich schöne Kinderwäsche, verpflegte das Ehepaar ausgezeichnet durch 14 Tage. Die Hoteliers nahmen die Gevatterstelle an, stellten ein Festmahl bei und schmückten das Zimmer auf das schönste. Aus Herzensgute nahmen sie nichts und beschenkten die Gäste noch reichlich mit Geld und mit andern Sachen, als diese wegfuhren. Der hierortige jüdische Frauenhilfsverein hat den Leuten auch viel Gutes erwiesen. Das Ehepaar Hlinka sind Katholiken. Neustadtl (Westböhmen). Sonntag den 16. d. M. fand hier eine unter der bewährten Leitung unseres ehrw. Herrn Rabbiners A. Altmann veranstaltete Chanukafeier statt. Nachdem Se« Ehrw. Herr Rabbiner die Channkalichter entzündet, trugen sämtliche Schulkinder verständnisvoll auf die Festfeier bezugnehmende Lieder und Gedichte vor, die von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Sodann bestieg Seine Ehrwürden der Herr Rabbiner die Kanzel und hielt eine eindrucksvolle Festrede, worauf dann mit dem Absingen der Volkshymne die offizielle Festfeier schloß. Am Abend folgten die Gemeindemitglieder der freundlichen Einladung des verehrten Ehepaares Altmann zu einem von ihnen veranstalteten Familienabend, der besonders reizend verlief, so daß jedermann nur mit Freuden dieses Tages gedenken wird. Möge es unserem strebsamen Seelsorger weiterhin beschieden sein, den religiösen Geist in unserer alten Gemeinde zu heben.