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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 896 Dr Dlocb's Mlocvenscbrtn. üKr. 52 festgesetzt. In Anbetracht der hervorragenden Wohltätigkeitsaktion, der dieser gewiß äußerst geringe Beitrag gewidmet sein soll, hoffen wir auf Ihre zustimmende Antwort und erlauben uns, Ihnen hiefür schon im Voraus im Namen der armen Kinder den tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Der Vorstand der Frauen-Sektion: Präsidentin Frau Dr. Sidonie Kahn, Vizepräsidentin Frau Dr. Veronika Langfelder, Revisorin Frau Hedwig Zentner, Schriftführerin Frau Bertha Berger, Kassierin Frau Hermine Barkan. — Frau Ottilie Gebhardt, Frau Dr. Sidonie König, Frau Dr. Emma Landau, Frau Hedwig Liwer, Frau Dr. Anna Löwy, Frau Irma Mayer, Frau Meta Nossal, Frau Flora Pick, Frau Adele Schlesinger, Frau Dr. Betty Trebitsch, Frau Jenny Wiesner, Frau Jenny Zerkowitz. Lieben-Feier der österreichischen Chemiker. Aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages und des fünfzigjährigen Doktorjubiläums des ehemaligen Vorstandes des Zweiten chemischen Universitätslaboratoriums, Hofrates Professors Doktor Adolf Lieben, fand unlängst in dem mit Blumen geschmückten Hörsaale des chemischen Universitätsinstituts eine von den österreichischen Chemikern veranstaltete Feier statt, die sich zu einer großartigen Sympathiekundgebung für den Altmeister der österreichischen Chemiker gestaltete. Unter den Anwesenden sah man Vertreter des Unterrichtsministeriums und der Akademie der Wissenschaften, den Dekan der phisolophischen Fakultät Profeffor Jodl, die Profefforen Wegscheider, Hofrat Wiesner, Hoftat Skraup, Hoftat S. Exner, Profeffor F. Exner, Lippmann, Herzig, Wortmann, Jüptner von Jonstorff, Suida, Hofrat Eder, Zeisel, v. Schmidt, die Privatdozenten Jalowetz, Reich, Paweck, Böck, Fossek, Schacherl, Franke, Pollak, Wenzel, Billitzer, Kohn, die Leitung des Vereines österreichischer Chemiker, die Herausgeber der „Chemikerzeitung" Dr. Heger und Dr. Stiaßny, viele Univerfitäts- und Profefforen anderer Hochschulen und anderer Disziplinen, Vertreter pharmazeutischer Korporationen, zahlreiche Wiener Apotheker, eine Anzahl von Damen und die Studierenden; ferner einige Vertreter ausländischer Hochschulen und gelehrter Vereinigungen. Der Jubilar wurde zunächst durch seinen Nachfolger im akademischen Lehramte Hofrat Professor Dr. Skraup begrüßt, welcher in seiner Ansprache die großen Verdienste hervorhob, welche sich Hofrat Lieben um die chemische Wiffenschaft erworben habe. Der mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Rede folgte eine Würdigung des Jubilars durch den Profeffor Dr. Zeisel, worauf dem Gefeierten die aus Anlaß seines Doppeljubiläums herausgegebene Festschrift in prachtvollem Einbande überreicht wurde. Die Festschrift ist 758 Druckbogen stark und mit dem Bildnisse Liebens geschmückt. An der Spitze steht eine Arbeit des Jubilars: „Erinnerungen an meine Jugend" und „Wanderjahre". Dann folgen wissenschaftliche Arbeiten von Berthelot, Moissan, A. Werner, van d'Hoff. G. Goldschmidt, Ciaminian, Skraup, Wegscheider, E. Mach, F. und S. Exner, Herzig, R. Pribram, H. u. Jüptner/Pomeranz, Friedländer, S. Zeisel, Auer v. Welsbach, Haitinger, Lippmann, Dr. Gustav Moßler, Dr. Czerkis, Dr. Otto Frey rc. Nach der Ueberreichung der Festschrift hielt im Namen der pharmazeutischen Körperschaften Dr. Zeidler eine Ansprache an den Jubilar, dann ergriff Hoftat Lieben, mit langanhaltendem Applaus begrüßt, das Wort und dankte für die ihm bereiteten Ehrungen und für die erhaltenen Sympathiebeweise, die ihm dargetan hätten, daß sein Wirken im Dienste der chemischen Wiffenschaft kein vergebliches gewesen sei. Außer den obgenannten Rednern sprachen noch: Für die Wiener philosophische Fakultät Dekan Profeffor Jodl, für die Wiener medizinische Fakultät Dekan Profeffor Horst-Meyer, für den Verein österreichischer Chemiker Profeffor Wegscheider, für die Prager deutsche Universität Professor Dr. Edelschmidt, für die Wiener chemischphysikalische Gesellschaft Dr. Schweizer. Die Chemische Gesellschaft in Berlin übersendete eine prachtvolle Adresse. Die Universität in Heidelberg erneuerte dem Jubilar das Doktordiplom. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften war durch ihren Präsidenten Professor Sueß vertreten. — Am Abend fand zu Ehren des Jubilars im Restaurant Riedhof ein Festbankett statt. Das Sabbathproblem in Oesterreich-Ungarn. Von Rabbiner B. Winter in Chorostkow, Galizien. Man hat uns Juden mit Recht die ewigen Optimisten genannt. Das ist sicherlich keine Untugend, denn der modern, mit so großem Behagen gepflegte und sö laut verkiindete absolute Pessimismus ist gar zu oft eine bloße philosophische Verbrämung für den krassen Materialismus, für die unersättliche Genußsucht. Jeder wahre Idealist, jeder, der nach Vollkommenheit und Besserung auf sittlich-geistigem Gebiete strebt, ist ein Optimist, denn nur ein optimistischer, begeisterter Idealist kann sich zu der Tugend der Selbstvergessenheit, der Aufopferung aufschwingen. Allein manche Inden in unseren eigenen Reihen kranken leider an einem übertriebenen Optimismus, der zum unseligen Jndifferentismus führt. Ja, dieser übertriebene Optimismus, dieser Mangel an Verständnis für die Sprache der Zeit führt mit strenger Konsequenz zur Kurzsichtigkeit, zur Gedanken- und Talentlosigkeit. In letzter Zeit habe ich die betrübende Erscheinung unserer Tage, die überhandnehmende Sabbat - Entweihung zum Gegenstand der Besprechung genommen. In einem in diesen Blättern — Nr. 32 — erschienenen Aufsatz habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß die Schaffung einer O-ganisation, mit der Aufgabe, jüdischen jungen Leuten, die den Sabbat und die jüdischen Festtage heilig halten wollen, Stellen zu verschaffen, in denen ihnen diesbezüglich keine Hindernisse entgegentreten, wie dies in den Großgemeliiden Deutschlands seitens der Gesetzestreuen vor einigen Jahren eingerichtet wurde, ebenso in Oesterreich-Ungarn am Platze wäre, ja, diese Maßregel paßt leider nur zu gut auf die Oesterreich-Ungarn herrschenden religiösen Zustände. Meine Erwartung aber, daß dieses dazu führen werde, daß die berufenen Kreise der Gesetzestrenen Oesterreich-Ungarns nicht länger dem hereinbrechenden Verderben müßig zuschauen, sondern sich zu Abwehrmaßregeln aufraffen werden, hat sich leider, wenigstens bis nun, nicht erfüllt. Wohl sind mir verschiedene Zuschriften zugegangen, in denen diese Anregung mit Freuden begrüßt wurde. Auch haben tatkräftige Persönlichkeiten der jüdischen Geschäftswelt mit Organisationstalent sich der guten Sache zur Verfügung gestellt. Die Beteiligung ist aber vorläufig leider zu gering, als daß diese Idee greifbare Gestalt annehmen könnte. Denn ein vereinzeltes Vorgehen, daß nur großes Material an Stellensuchende, aber wenig zu besetzende Posten hat, wäre verfehlt. Wir dürfen aber immerhin in unserem Streben nicht entmutigt werden, vielmehr dürfte darin derzeit die Gefahr, die dem Sabbath droht, erblickt werden, die umso größer ist, als düselbe als eine solche von vielen, ja sogar streng frommen Kreisen nicht betrachtet wird, und umso mehr anspornt zu energischem Vorgehen, ja, der Gegenstand sollte nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden, bis er seine befriedigende Erledigung gefunden hat. Wahrlich, es bedarf nicht vieler Worte, um die Notwendigkeit der Schaffung einer solchen Organisation für Oesterreich-Ungarn ins richtige Licht zu setzen. Man braucht nur einen Augenblick daran zu denken, wie eine immer größer werdende Anzahl von jüdischen jungen Söhnen streng religiöser Eltern, die infolge ökonomischer Not hinaus in die Fremde wandern trotz ihrer gewissenhaften jüdischen Erziehung, infolge der großen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, ohne daß ihnen von frommer Seite mit Rat und Tat an die Hand gegangen wird, endlich nachdem sie eine längere Zeit in Qual und Aerger zugebracht, den Eindrücken erliegen, die sie da von einer religionslosen Umgebung empfangen haben und nach und nach das religiöse Pflichtbewußtsein einbüßen, nm von der dringenden Notwendigkeit überzeugt zu sein, daß hier unverzüglich an die Arbeit gegangen werden muß. »aip njn byi ry D“ixn nx jn-ajfl» nry? ■'p'npT Die wirtschaftliche Not in ihrer krassesten F5rm führt den Menschen hinaus über das was er selbst will und was die Religion von ihm will. Daß sich bei gutem Willen und ernster Mühe viel erreichen läßt, lehrt Deutschland, wo die Bewegung zugunsten des Sabbats großen Umfang angenommen und überaus herrliche Erfolge zu verzeichnen hat. Tatsächlich gibt es noch eine große Anzahl Geschäfte, darunter Weltfirmen, die am Sabbat und an jüdischen Festtagen geschlossen 'halten. Wenn es trotzdem für einen jungen Mann, der seinen religiösen Grundsätzen treu bleiben und den Sabbat halten will, außerordentschwer ist, eine solche Stelle zu erlangen, so liegt es offenbar an dem Fehlen einer Jnformations- und Organisationsstelle, die es in erster Linie dahin bringen könnte, daß die Chefs der am Sabbath geschlossenen Geschäfte die Posten nur mit solchen jungen Leuten zu besetzen, denen es mit der Heilighaltung des Sabbat auch ernst ist. Solche, denen es gemäß ihrer Erziehung oder Anschauung einerlei ist, ob sie am Sabbat arbeiten müssen oder nicht, finden, wenn sie etwas Tüchtiges leisten, immerhin verhältnismäßig leicht in nicht orthodoxen Häusern eine Stelle, während sie den freien Tag im günstigen Fall zu einem Nebenerwerb benützen und den orthodoxen Kollegen nur unnötig Konkurrenz machen.

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