Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 895 s4(ültt' A*>:Ak} "Xfev. «r, AwunHMr --» m. 52 Dr. BlocD's MocdenscvrM. müßten, während sie in der Talmnd-Tora-Schule große Fortschritte machen, aus der tüchtige Leute für das öffentliche Leben hervorgehen. Dr. Gustav Kohn gibt dem Vorredner folgende Aufklärungen : Es ist dafür vorgesorgt, daß die Talmud-Tora ihre Subvention erhalte. In dieser Absicht habe man die entsprechende Summe in den Reserven, die 90.000 Kronen betragen, eingerechnet. Es dürften der Schule 25.000—30.000 Kronen gegeben werden, wahrscheinlich aus der Goldschmied-Stiftung, die ja für Schulzwecke da ist. Die Schule, welche als öffentliche Volksschule geführt wird, findet bei allen Behörden uneingeschränktes Lob. Für die Schule habe übrigens Baron Rothschild 50.000 Kronen gespendet. Bergrat R. v. Gutmann jetzt 25.000, früher schon 40.000 Kronen und das Interesse dieser Herren sei weiter lebendig. Für den Notfall wird übrigens die Hilfe der Großkommune in Anspruch genommen werden und Referent habe sich schon mit dem Stadtrat Tomola ins Einvernehmen gesetzt, um eine eventuelle Subvention von der Großgemeinde zu erwirken, die ja durch die Schule auch entlastet sei, in welcher 250 Kinder Unterricht genießen. Der Präsident gibt bekannt, daß zur Förderung der Gründung der Pflegerinnenschule bereits eine Kommission, bestehend aus den Aerzten des Spitals und den im Kultusvorstand befindlichen Aerzten gebildet sei. Diese halte Donnerstag Sitzung, wozu kais. Rat Weil und alle Herren des Vorstandes eingeladen seien, die sich für die Sache interessieren. Oberfinanzrat Rapaport wendet sich zunächst gegen kais. Rat Wilhelm Pollak, der gegen Dr. Fink Milde walten lassen will. Es sei jedoch schwer, einem von seinen Vorgesetzten Behörden disziplinierten Mann wieder eine Anstellung zu gewähren. Der Beamtenkörper sei jetzt gut. Geduldete Fülle von Disziplinlosigkeit könnten ihn nur verderben. Zur Budgetierung übergehend, warnt Redner davor, allzu sorglos in die Zukunft zu sehen. Es sei nicht zu erwarten, daß diesmal die Gebarung das Defizit einholen werde, wie in früheren Jahren. Man habe sonst die Steuern, die Haupteinnahmen der Gemeinde, mit Absicht viel zu niedrig angenommen und habe dann gewöhnlich gegen 200.000 Kronen mehr eingenommen als man erwartet habe. Diesmal aber habe man die wirklichen Einnahmen der letzten Steuerjahre der Berechnung zugrunde gelegt und da könne man leicht erleben, daß empfindliche Entgänge das Defizit vergrößern werden, wenn z. B. einige Besitzer großer Vermögen sterben und ihr Besitz an kleinere Steuerträger verteilt wird. Um dem zu begegnen, sei eine große Sparsamkeit nötig. Dieser Tatsache gegenüber müssen alle kostspieligen Wünsche zurücktreten. Eine dringende Forderung sei es zum Beispiel, das Versorgungshaus durch ein viertes Stockwerk zu ergänzen. Jetzt müssen arme alte Leute oft 4—5 Jahre warten, bis sie darankvmmen. Es handelt sich aber nicht um die Baukosten, sondern um den Betrieb. 80 neue Betten im Versorgungshaus kosten jährlich K 50.000. Das sei unerschwinglich. Und ebenso K 6000 Erhaltungssonds für ein neues Kinderspital, der von der Behörde verlangt wird. Das gehe natürlich weit über die Kraft der Gemeinde. Kaiser!. Rat Wilh. Pollak begründet nochmals seinen Antrag zugunsten des Dr. Fink. Präsident Dr. Stern verkündet, er werde diese Angelegenheit neuerdings einer Kommission zuweisen, die dem Plenum Bericht erstatten wird. Professor E h r m a n n hält die Errichtung eines Kinderspitals für undurchführbar. Doch würden die Zinsen des notwendigen Baukapitals genügen, um für die schwächliche Jugend eines dichtbevölkerten jüdischen Bezirkes eine Bezirkskrankenpflege einzurichten, das heißt eine Art Ambulanz, es käme jedoch der Arzt unentgeltlich ins Haus und würde den Bedürftigen nicht nur Medikamente sondern auch Pflegerinnen zuweisen. Das sei eine leicht durchzuführende Anregung. Im Schlußworte kommt der Referent Dr. Gustav Kohn auf die verschiedenen Anregungen kurz zurück. Er bemerkt, daß die Arbeiten zur zeitgemäßen Aenderung des Lehrplanes ständig fortschreiten, daß ein Verband für die Reform des Armenwesens in Gründung begriffen sei und daß auch allen anderen Anregungen nach Tunlichkeit und Möglichkeit entsprochen werde, mit Ausnahme des Vorschlages zur Errichtung des Kinderspitals, die für die Kräfte der Gemeinde unmöglich sei. Die größte Sparsamkeit werde jedoch überall angewendet werden, um das Defizit möglichst herunterzudrücken. Vorsteher Salo Landau bittet noch, dem Verein für koschere Verpflegung in den Spitälern größere Aufmerksamkeit zu schenken. Präsident Dr. Alfred Stern spricht schließlich den Damenkomitees, die sich auf den verschiedenen Gebieten jüdischer Wohltätigkeit verdienstvoll betätigen, namentlich dem aufopferungsvoll wirkenden Damenkomitee der Versorgungsanstalt mit seiner ausgezeichneten Präsidentin Frau Diamant, ebenso dem Beamtenkörper und vor Allem dem Referenten für seine mühevolle, glänzende Arbeit den Dank des Vorstandes aus und schließt die Sitzung. Wien. Der „Jüdische Kolonisationsverein " in Wien versendet soeben seinen ersten Tätigkeitsbericht, enthaltend das Protokoll der ersten ordentlichen Generalversammlung, den Bericht des Zentralkomitees sowie Kaffen- und Sekretariatsbericht. Der hübsch ausgestatteten Publikation entnehmen wir, daß der Verein eine lebhafte Tätigkeit entfaltet, um die von ihm vertretenen Ideen zu propagieren und für den Verein Mitglieder zu werben. Es ist ihm auch bereits trotz der kurzen Zeit seines Bestehens gelungen, eine größere Anzahl Mitglieder zu erhalten, welche an Mitgliedsbeiträgen und oftmaligen Spenden K 9583 36 eingezahlt haben. Die Propaganda für den Verein, der die Aufgabe hat, „allein oder in Verbindung mit anderen, gleiche Ziele erstrebenden Institutionen die planmäßige Anfiedlung von Juden in Palästina und seinen Nebenländern zu fördern", wird jetzt auch auf die übrigen Kro.iländer ausgedehnt werden, und zwar find die Vorarbeiten für eine lebhafte Agitation in Böhmen, Mähren und Schlesien bereits durchgeführt. Dem interessanten Berichte liegt eine Broschüre „Die Zukunft Palästinas und unsere Aufgaben daselbst" vom Universitäts- Professor Dr. O. Marburg, Berlin, bei, welche neu eintretenden Mitgliedern gratis zugesandt wird. Dieselbe behandelt in ausführlicher Weise die jüdische Kolonisationsbewegung im allgemeinen und die Palästina-Kolonisation im besonderen und weist an der Hand von statistischen und vergleichenden Daten nach, daß die letztere nicht nur als momentane Hilfsaktion, sondern auch für planmäßige Ansiedlung von Juden das geeignetste und fruchtbarste Arbeitsfeld bietet. Es wird jedem, d°r sich für die Paläftina-Kolonisationsbewegung interessiert und über dieselbe informiert sein will, empfohlen, diesem humanitären Vereine beizutreten, was durch Anmeldung beim Sekretariate, TT/3, Gredlerstraße 9, in Wien geschehen kann. Ein ordentliches Mitglied zahlt jährlich mindestens K 5, ein immerwährendes Mitglied zahlt einmal für immer mindestens X 250 und ein Stifter einmal für immer mindestens X 2000. Frauen-Sektion des Israel. Humanitäts-Vereines für die westliche» Bezirke Wiens „Nachlat Jeschnrun" Auf Anregung des Vereins-Borstandes haben die Unterzeichneten eine Frauen-Sektion des Israel. Humanitäts Vereines für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschnrun" gegründet, welche es sich zum Ziele setzt, diesem rühmlichst bekannten Vereine neue Förderer pro 1907 aus dem Kreise der jüdischen Frauen und Kinder zuzuführen. Wie allgemein bekannt, unterhält der Verein neben seinem sonstigen eminent wohltätigen und nützlichen Wirken insbesondere einen „Freitisch", an dem feit einer langen Reihe von Jahren täglich gegen 30 arme jüdische Kinder warme Mittagskost erhalten. — Es gilt nun, diese segensreiche Institution weiter auszubauen und überhaupt den Rahmen der Vereinstätigkeit zu erweitern. Wir gestatten uns daher, an jedermann die Bitte zu richten, dieses edle Werk gütigst zu unterstützen. Der Mindestbeitrag ist mit K 2.— für Damen und mit K 1.— für Kinder