Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 886 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Nr. 52 Die verächtliche, schmutzige Lüge wird dadurch wohl am besten gekennzeichnet, daß der „Kasseler Sonntagsbote" selbst von der Kloake lebt, daß er ein schmieriges, gemeines Autisemitenblatt ist wie alle übrigen und seine Notiz von einem ebenso ehrenhaften Berliner Organ des Dreschgrafen der zwischen Irrenhaus und Zuchthaus herumschwaukt, ge—borgt hat. Das mußten dieUnterfertiger der Interpellation wissen, und wenn sie trotzdem zu sagen wagten: „Ein Rabbiner hat im „Kasseler Sonntagsboten" geschrieben, so sind sie — Ehrenmänner. Wir wählen diesen Ausdruck, der genau so wahr ist, wie die Behauptung, daß der Rabbiner im „Kasseler Sonntagsboten" geschrieben hat. Eine zweite Interpellation hat Schneider und Genossen betreffs des 81jährigen Stern inRzeszow eingebracht,der durchaus nachdem Hilsuer-Prozeßmuster als Mörder eines kräftigen Bauers hingestellt werden soll. Schneider hat gewünscht, daß der Jude Stern, gegen dessen Freisprechung der Staatsanwalt rekuriert hat, keine Gnade beim Kassationshof finde. Noch viel gefährlicher aber ist eine Interpellation, die zehn Feuilletonspalten des „DeutschenVolksblattes" füllt und so perfid ist, daß der Kerl und die Konsorten, die sie eiubrachteu, nicht einmal den Mut fanden, sie zu unterzeichne». Es ist dies ein Auszug aus einer angeblichen Rede eines Zionisten namens L. M. Mordvino, die unter dem Titel „Das Geheimnis der jüdischen Politik" angeblich als Broschüre erschien und ungefähr Folgendes enthalten soll: „Alle Fäden der Politik befinden sich in jüdischen Händen. Wir arbeiten systematisch nach Plänen des Königs Salomo seit 25 Jahrhunderten und wollen aus der ganzen Welt einen jüdischen Staat machen, in welchem die Gojims unsere Sklaven sind. Dazu haben wir ein kolossales Vermögen und eine internationale Organisation. Wir müssen insgeheim allen Boden ankaufen. Zu diesem Zweck stiften wir die Regierungen au, die Steuern und Abgaben so zu erhöhen, daß die Bauern sie nicht mehr bezahlen können. Der Zweck davon ist, daß alle Gojim Proletarier werden, um uns Mittel zum Lebensunterhalt bitten und unsere Sklaven sind. Um sie schwach zu machen, besolden wir eigene Agenten und dressierte Frauen, welche sie rasch degenerieren. Jeder Agent, der uns verrät, wird insgeheim aus der Welt geschafft. Gegen England wagt niemand die Hand zu erheben, weil wir es beschützen; Frankreich aber wird weiter gedemütigt werden, da es der Gang unserer Politik so erfordert. Alle Staatsmänner stehen unter dem Befehl unserer obersten Leitung und die Herrscher treten nur scheinbar gegen uns auf, um ihre Solidarität mit uns zu verheimlichen und weil uns der Antisemitismus manchmal paßt, um unsere Truppen zu verstärken. Unter unseren Agenten, die wir in unseren Wagen spannen, sind Anhänger aller Parteien. Sie lockern das Gefüge des Staates, indem jeder seinen Kriegshaufen mit anderen Schlagworteu führt und jeden ruhigen Erwerb unmöglich macht, wodurch die Gojim immer ärmer werden. Wir bewegen die Massen, bringen sie in Hunger und Not, verlocken sie mit Theorien, welche sie schließlich in unsere Gewalt bringen. Wir machen ein Chaos und siegen mit Hilfe der einen Gojim über die anderen. Gehorchen uns die Vorsteher der Gojim nicht, so werden sie mit dem Dolche (Carnot, Gambetta, Faure) mit der Kugel (Mac Kinlcy) mit Gift (Murawjew) und anderem hingerichtet. Die Ideale vernichten wir und setzen an ihre Stelle den Kultus des Geldes. Wir haben alle Wissenschaften in Dienst und führen Staatskrisen herbei, indem die Repräsentanten unseres Kahals, die Bankdirektoren, das Geld verweigern. So bringen wir es dahin, daß auf der einen Seite ein Häuflein von Juden steht, auf der anderen Seite die übrige Menschheit (die Steuern, welche wir von den Gojim einheben, sind einerseits Prozente von Darlehen, andererseits die künstliche Erhöhung der Preise von Nahrungsmitteln). So müssen die Gojims nach Salomos Plänen unser Vieh werden." So ist des langen und breiten die Existenz eines weltbeherrschenden jüdischen Geheimbundes unter dämonischer Leitung mit einer verruchten Geschicklichkeit und ungeheueren perfiden Lüge aufgetischt, die vor der Verleumdung der eigenen Monarchen und der eigenen Regierung nicht zurückschreckt. Sie ist nicht zum erstenmal da; als Rede eines angeblichen Rabbiners ist dieser Gipfelpunkt verkommener Gemeinheit schon einmal dagewesen und mußte vom Erfinder selbst widerrufen werden, bevor er in den Kerker flog. Aber nützte das etwas? Nützt es, daß jeder Mensch mit fünf Sinnen nach der Rettungsgesellschaft ruft, wenn er dieses Gewäsch eines Flüchtlings aus dem Jrrenhause hört? Die große Menge besitzt keine so große Urteilskraft, um diese Spottgeburt von Dreck und Feuer in den Abgrund unnatürlicher Verirrung zurückzuschleudern, dem sie entstammt. Man denke nur an die dumpfe Liebe der Massen für die Romantik überhaupt und an die Vorstellung, die sie im innersten Herzen vom Juden haben, der als Ahasver, als Ritualmörder, als Besitzer des geheimnisvollen Talmud, als Vertreter der weltumspannenden Alliance vor die Augen des Armen im Geiste lebt, die nur dunkel sehen wie die Augen eines Stieres im Angriff. - Und dann ermesse man die ganze Wucht, mit der eine solche Bombe wie die geschilderte in leeren Köpfen platzt, um auf mittelbarem Weg ihre Opfer zu fordern! Ein Gefasel aus -der Irrenanstalt scheint es uns und hat sicher die Wirkung, weite Kreise zur Tobsucht zu bringen. Das sind die Mittel, welche von christlichen Sozialen, den Vorkämpfern der Religion der Liebe, im zwanzigsten Jahrhundert der Kultur gebraucht werden. Das „Deutsche Volksblatt" hat achttausend Abonnenten. Sie sind uns von keiner Bedeutung, haben den geistigen Tod schon erlitten und das Feuilleton ist nur ein belangloser Nachtrag dazu. Vergessen wir, wieviel Provinzblätter mit zitternder Scheere auf Füllstoff warten nndßaß noch hunderttausend Leuten dasselbe Gift eingeimpft wird; auch diese können in ihrer alten Dummheit nur noch bestärkt werden. Aber jetzt kommt die Zeit der Wahlen und dann wird der Leserkreis der Gemeinheit zwanzigfach vermehrt. Für diese Zeit, für die Zeit der Versammlungen und der Arbeit von Mann zu Mann sind alle diese Interpellationen eingebracht. Nicht für jetzt, wo sie in der Hitze größerer Fragen verpuffen. Während der Wahlkampagne wird eine Agitationsliteratur gebraucht werden, die vor der Hand des Staatsanwaltes geschütztest, denn im Abgeordnetenhaus eingebrachte Interpellationen können nicht konfisziert werden. Daher jetzt schon die Anfragen an den Minister, weil später der Reichstag nicht tagen wird. Sie sind eine furchtbare Waffe in der Hand unserer tückischen und perfiden Gegner, die wir ihnen nicht entwinden können. Was wir aber tun können und müssen, ist, uns eine eigene Waffe zu schmieden, um nicht wehrlos mißhandelt zu werden. Der jeweils ungefragte Minister kann sich ja nicht rühren, wenn er von der antisemitischen Gemeinheit auch noch so angewidert ist und zugunsten der Gesetzlichkeit ein kräftig Wörtchen reden möchte. Er weiß ja nicht mit Sicherheit zu beweisen, auf welchem Misthaufen der antisemitische Holler gewachsen ist und muß ihn weiter wuchern lassen. Da gehören eben energische, der christlich-sozialen Agitation gewachsene, leidenschaftliche und unabhängige jüdische Parlamentarier dazu, die den Minister aufklären können oder ihn ihrerseits mit stürmischen Anfragen zur Erklärung der Wahrheit drängen. Dann hätte man die nötige Antwort von hoher behördlicher Seite oder wenigstens die Wahrheit über den Fall und die jüdische und freisinnige Presse wäre dann mit derselben unverwüstlichen Waffe ausgerüstet, wie die antisemitische, mit (der sie unter gleichen Bedingungen kämpfen könnte. Auch könnten furchtlose jüdische Männer in Interpellationen die Wahrheit über Antisemiten-und Antisemitismus sagen, die dann vor dem Staatsanwalt geschützt wäre, der die Staatsarundgesetze mit der Brille des Wiener